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27. Mai 2010, 12:36 Uhr

Kein Kuss beim ersten Date

Das erste Sondierungsgespräch in Nordrhein-Westfalen ist vorüber - ohne Ergebnis. CDU-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers und SPD-Frau Hannelore Kraft äußerten sich verhalten. Immerhin: Es wird ein nächstes Date geben.

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"Erhebliches Stück Arbeit" bis zur Polit-Ehe: Hannelore Kraft und Jürgen Rüttgers© Clemens Bilan/DDP

In Nordrhein-Westfalen ist nach dem ersten Sondierungsgespräch über eine Große Koalition noch keine neue Landesregierung in Sicht. CDU und SPD gingen am Donnerstag, knapp drei Wochen nach der Landtagswahl, ohne Ergebnis auseinander. Die Gespräche sollen am kommenden Dienstag fortgesetzt werden, wie die Landesvorsitzenden Jürgen Rüttgers (CDU) und Hannelore Kraft (SPD) mitteilten. "Wir sind nicht zu allen Themenbereichen gekommen, die wir uns vorgenommen hatten", sagte Kraft. Ob es genügend Übereinstimmungen für eine Große Koalition gebe, könne erst nach Abschluss der Sondierungen gesagt werden.

Rüttgers und Kraft bezeichneten das gut dreistündige Gespräch als offen, sachlich und konstruktiv. "Wir haben uns nicht davor gescheut auch kritische Dinge anzusprechen", sagte der Ministerpräsident. Das sei hilfreich, um das nötige Vertrauen aufzubauen. Beide Parteien wollten für stabile Verhältnisse sorgen, ohne eigene programmatische Vorstellungen aufzugeben. "Das wird ein erhebliches Stück Arbeit werden in den kommenden Wochen. Aber wir sind bereit, dies anzugehen", sagte Rüttgers.

Streitpunkt Bildung und Ministerpräsident

Zwischen beiden Seiten gibt es zahlreiche Streitpunkte - von inhaltlichen Differenzen in der Bildungspolitik bis hin zu personellen Fragen wie der Besetzung des Postens des Ministerpräsidenten, den sowohl CDU als auch SPD für sich reklamieren. Kraft hatte mehrfach einen Politikwechsel in NRW angemahnt und will unter anderem Gemeinschaftsschulen und einen Wegfall der unter Rüttgers eingeführten Studiengebühren erreichen. Rüttgers hatte im Wahlkampf eine Streichung der Studiengebühren abgelehnt und einen Fortbestand des dreigliedrigen Schulsystems angemahnt.

Rüttgers schwarz-gelbe Koalitionsregierung war bei der Landtagswahl am 9. Mai abgewählt worden. Allerdings hatte das von Kraft favorisierte rot-grüne Bündnis auch keine Mehrheit erhalten. Gespräche zwischen SPD, Grünen und Linkspartei über eine Regierungsbildung waren gescheitert. Die FDP hatte Verhandlungen mit SPD und Grünen abgelehnt, weil diese auch mit der Linken geredet hatten.

Nahles-Appell an FDP verhallt ungehört

SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles hatte vor Beginn der Verhandlungen mit der CDU an die FDP appelliert, dass es bei einem Scheitern der Gespräche um eine große Koalition nicht sein könne, dass sich die Freien Demokraten Sondierungen über eine Ampelkoalition weiter verweigerten. Sie beanspruchte das Amt des Ministerpräsidenten erneut für die SPD. Rüttgers sagte, Sondierungsgespräche fingen nicht mit Personalfragen an.

APN/AFP
 
 
KOMMENTARE (10 von 77)
 
Oetker333 (29.05.2010, 15:53 Uhr)
@Wahrhyde und schade 77
Ähm sehr schlechter Vergleich. Schröder war der Wahlsieger 2002, weil er erstens mehr Stimmen hatte, was relativ unwichtig ist bei 6.000 Stimmen. Denn zweitens hat er eine rot-grüne Koalitionsmehrheit bekommen, was viel wichtiger ist. Da hätte die SPD auch weniger Stimmen bekommen können, sie wäre trotzdem der Wahlsieger wenn die Wunschkoalition zustande gekommen wäre. Das unterscheidet die Situation nämlich von NRW. Rüttgers hat die Wahl verloren, weil er erstens massiv an Stimmen verloren hat und zweitens weil seine Wunschkoalition keine Mehrheit bekommen hat. Es steht nirgendswo geschrieben, dass die Partei mit den meisten Stimmen in einer Koalition den MP stellt. Es gibt nur eine parlamentarische Vereinbarung, dass die stärkste Fraktion den Parlamentspräsidenten stellt. Haben Sie schon was vom FDP-MP von Ba-Wü Reinhold Maier gehört? Obwohl die SPD viel stärker war, hat die FDP den MP gestellt. Soviel zu Wahlkunde, wie wärs mit Geschichtenachhilfe? Außerdem wird der MP vom Parlament gewählt. Und da zählt die Anzahl der Abgeordneten, welche bei CDU und SPD 67 beträgt.
Und bei einem zweiten Punkt liegen sie falsch. Wenn man das Ergebnis der SPD bei der Bundestagswahl 2009 in NRW betrachtet, dann hat Frau Kraft mächtig aufgeholt und das in viel kürzerer Zeit als Stoiber. Das nenne ich einen qualitativen Erfolg. Außerdem kann keine Koalition ohne die SPD gebildet werden (Jamaika per Parteitagsbeschluss ausgeschlossen). Das kann man auch als Sieg betrachten.
Oetker333 (29.05.2010, 15:36 Uhr)
@dreicon
Die ehemaligen SED-Mitglieder sind ja nicht das Problem. Im Osten leisten sie sogar öfters gute Arbeit. Sie sind mir aber viel lieber als die ganzen "Ex"-DKP-Mitglieder in den Westverbänden der Linken. Die haben die DDR nicht erlebt und relativieren trotzdem die DDR-Verbrechen. Während die Ostlinken den Unrechtsstaat eingestehen mehrheitlich sehe ich es bei den Westlinken nicht so. Und dass die Westlinken besonders gern bei den DKP-Anhängern um Wählerstimmen werben ist Ihnen bestimmt auch bekannt. Vielleicht sollte ich Ihnen nochmal die Äußerungen der neuen Landtagsabgeordneten der Linken entgegenhalten:
http://www.youtube.com/watch?v=BQYneW3mWKo
Warum drücken die sich überhaupt bei der Frage nach deren Meinung zur Stasi. Und hier Stasi mit Verfassungsschutz gleichzustellen ist ja wohl die Höhe. DAS nenne ich Regierungsunfähigkeit nix anderes! Und was sonst noch in der NRW-Linken passiert sehen Sie in diesem Artikel:
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,697483,00.html
Interessant hierbei ist, dass es von der Bundesschiedskommission der Linkspartei veröffentlicht wurde. Achten Sie mal auf die erwähnten Städte, alles Städte in NRW. Wie gesagt, sogar die Linksparteiführung schämt sich für den NRW-Verband.
Natürlich hätte ich mir persönlich auch rot-rot-grün gewünscht. Aber mit so einem unfähigen Personal kann man keine Regierungspolitik machen (Herr Zimmermann ausgenommen). Hoffen wir dass sie mal so pragmatisch werden wie ihre Kollegen im Osten.
Terrypol (29.05.2010, 09:08 Uhr)
der große Arbeiterführer in NRW ? Was nun Mister Rüttgers?
Wenn die CDU schlau wäre, würde sie den selbsternannten Nachfolger von J. Rau und Arbeiterführer zurückziehen und mit der alten Tante SPD eine Koalition der Vernunft, der Übereinstimmung in den meisten Streitthemen vereinbaren.
Das würde auch den Menschen in NRW zugute kommen!
Eine Frau an der Spitze der Regierung in NRW wäre auch ein guter Kompromiß!
Wahrhyde (28.05.2010, 15:29 Uhr)
6.027 Stimmen
Schröder gewann die Bundestagswahl 2002 mit einer Mehrheit von 6.027 Stimmen gegenüber der Union mit Kandidat Stoiber. Beide Parteien kamen auf 38.5 Prozent.

Der große Unterschied ist aber, dass Stoiber insgesamt zulegen konnte. Er hatte, im Gegensatz zu Kraft, einen quantitativen Erfolg vorzuweisen. Trotzdem wäre niemand auf die Idee gekommen, Stoiber als 'Sieger' auszurufen.

Das Einzige, das die SPD in meinen Augen noch fordern kann, ist die Abservierung des Mietpräsidenten Rüttgers. Dessen Amtsverständnis ist aus überparteilicher Sicht einfach demokratieverhöhnend.
schroettel (28.05.2010, 15:28 Uhr)
@tannebaum
zitat: "aber noch nie war es so leicht, sich zu vermehren und den staat auszunutzen... "

Soweit ich weiß, wird der demographische Wandel (sprich Kinderarmut) gern für den Untergang des Sozialstaats verantwortlich gemacht. Nun nutzen die Familien den Staat aus, oder wen meinen Sie damit?
dreicon (28.05.2010, 14:06 Uhr)
@schade77 (28.05.2010, 13:43 Uhr)
Erstens: es handelt sich hier weder um eine gesetzliche, noch um eine moralische Norm. Zweitens: wenn man denn die Grünen immer noch zum "linken Lager" rechnen wollte, was im Wahlkampf ja durchaus vom "rechten Lager" so schwadroniert wurde, so ist doch unzweifelhaft Tatsache, daß dieses "linke Lager" von der Mehrheit gewählt wurde. Und diese Mehrheitsbildung sollte doch schwerwiegender sein, als 6000 Stimmen im "kleinen Vergleich" zwischen CDU und SPD. Und diese Mehrheit hat die "Vormacht" der CDU abgewählt.
schade77 (28.05.2010, 13:43 Uhr)
@dreicon
...also ich finde das in keinstem Masse lächerlich. Dass die CDU massivst verloren hat ist unbestreitbar, aber wenn ich Ihren Beitrag lese, scheinen diese 6000 Wähler mehr also in der Endabrechnung völlig unwichtig zu sein? Und ich meinte immer, dass jede Stimme bei der Wahl zählt. Und wenn wir dann bei zukünftigen Wahlen nicht mehr auf die absoluten Zahlen vertrauen können, sondern wer wieviel verloren hat, dann brauchen wir auch die Endergebnisse in Prozent gar nicht mehr wissen. Einfach nur noch die Verlust- und Gewinnpunkte nennen und damit kann man dann fröhlich Koalitionen bilden, ob der Chef der Koalition dann 3 Punkte hinter dem anderen zurückliegt, auch egal, er is der Gewinner der Herzen...
dreicon (28.05.2010, 11:00 Uhr)
@tannebaum (28.05.2010, 09:13 Uhr)
Darf ich davon ausgehen, daß Sie sich selbstverständlich bei den Intelligenten wähnen? Nur für diejenigen, welche das aus Ihren Kommentaren nicht ersehen konnten.
dreicon (28.05.2010, 10:58 Uhr)
@schade77 (28.05.2010, 09:07 Uhr)
Dieses Verfahren steht in keinem Bundesgesetz, Landesgesetz, geschweigedem in unserer Verfassung. Und wenn ich schon ganz bewußt einen Lagerwahlkampf führe, in dem eine mögliche Rot-Rot-Grüne Regierung als Rotfront gegeißelt wird, und dann vom Wähler eine deutliche Abfuhr erhalte, dann kann ich mich nicht hinstellen und sagen: 6000 Wähler entscheiden, daß ich den MP stelle. Das ist schlicht lächerlich.
dreicon (28.05.2010, 10:51 Uhr)
@Kokolemle (27.05.2010, 19:01 Uhr)
ich gebe Ihnen im Grunde recht. Deshalb habe ich ja nur von den "staatsgrabenden" Parteien gesprochen, Von diesem Prädikat kann man die LINKEN ja (noch?) ausnehmen.
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