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9. Juni 2010, 08:36 Uhr

Ampel könnte bald auf Grün springen

Das erste Treffen von SPD, FDP und Grünen in Nordrhein-Westfalen verlief offenbar harmonisch: SPD-Landeschefin Kraft sprach von erkennbaren Bewegungen, FDP-Verhandlungsführer Pinkwart von einem "Gewinn für die Demokratie". Bringt das nächste Treffen den Durchbruch?

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Kraft, Pinkwart und Löhrmann (v.l.) betonten die gute Atmosphäre der Gespräche© Wolfgang Rattay/Reuters

Einen Monat nach der Wahl in Nordrhein-Westfalen machen die Koalitionsgespräche zwischen SPD, Grünen und FDP Hoffnung auf eine Ampelkoalition. Die Parteien vereinbarten am späten Dienstagabend nach einem ersten Treffen weitere Gespräche bereits für Donnerstag. SPD-Landeschefin Hannelore Kraft sagte nach dem Ende der rund siebeneinhalbstündigen Beratungen in Düsseldorf: "Es gab Positionen, wo Bewegung erkennbar ist." FDP-Verhandlungsführer Andreas Pinkwart sprach von einem "Gewinn für die parlamentarische Demokratie". Es sei sinnvoll, die Gespräche weiterzuführen, ergänzte die grüne Fraktionschefin Sylvia Löhrmann.

Donnerstag geht's weiter

Inwieweit dabei Übereinstimmungen gefunden wurden, ließen SPD, Grüne und FDP offen. Pinkwart sagte, in den weiteren Gesprächen sollten Brücken identifiziert werden. "Ob diese tragfähig sind, wird sich zeigen." Sozialdemokraten und Grüne fordern von der FDP unter anderem die Zustimmung für eine Abschaffung der Studiengebühren. Kraft zufolge ist die zweite Runde am Donnerstag gegen 14 Uhr erneut in Düsseldorf geplant.

Ein Bündnis der drei Parteien hätte Seltenheitswert und dürfte auch Auswirkungen auf die schwarz-gelbe Koalition von Bundeskanzlerin Angela Merkel in Berlin haben. In NRW war die Koalition von Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) mit der FDP bei der Wahl am 9. Mai abgewählt worden. Am Mittwoch tritt der neue Landtag zu seiner konstituierenden Sitzung zusammen.

Bisher nur wenige Ampeln

Die Bundes-FDP hatte auf konstruktive Gespräche gesetzt. Er hoffe, dass zumindest ein Gesprächsfaden gefunden werde, sagte Generalsekretär Christian Lindner in Berlin. Zudem wünsche er sich, dass eine Atmosphäre erreicht werde, in der Argumente ausgetauscht würden und man zu einer vernünftigen Form der Diskussion zurückkomme. In der vergangenen Woche waren Gespräche der SPD mit der CDU über eine große Koalition ohne Durchbruch geblieben. Zuvor hatten Sozialdemokraten und Grüne Beratungen mit der Linkspartei bereits nach dem ersten Treffen abgebrochen.

Ein Bündnis aus SPD, Grünen und FDP käme auf 103 der 181 Sitze im Düsseldorfer Landtag. Bislang haben Ampelkoalitionen Seltenheitswert. Ein Bündnis der Parteien gab es etwa 1991 bis 1995 im kleinsten Bundesland Bremen.

Reuters/DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 11)
 
kabelmann (09.06.2010, 18:40 Uhr)
@tannebaum
Ihre Sicht der Dinge. Ich halte Pinkwart für einen Radikalen und Extremisten. Untragbar der Mann. Und wenn man sich seine lustigen kleinen Ideen zum Hochschulstandort NRW so anschaut, liege ich wohl näher an der Wahrheit, als sie.

Aber das ist ja mal wieder nichts Neues, was ich ihnen da erzähle.
tannebaum (09.06.2010, 16:32 Uhr)
@kabelmann, johann
mit der fdp ist es noch erträglich, mit den linken unerträglich.

daher kann man nur mit dem einen, aber nie in nrw mit den anderen reden. ic dachte, dass hätten sie mitbekommen aus den vielen statements der grünen und der spd...
kabelmann (09.06.2010, 15:44 Uhr)
@Johann58
Stimmt, daran habe ich nicht gedacht. Damit hat die SPD ja doch ein Prinzip: Lerne aus der Vergangenheit und mache die selben Dinge immer und immer wieder, bis du bedeutungslos bist.
Senfzugabe (09.06.2010, 14:40 Uhr)
Ampel
Liebe SPD, GRÜNEN und FDP,
bringt die Sache endlich unter Dach und Fach. Dieses Gehampel und die unerträgliche Übelkeit, in Sicht auf eine große Koalition, machen mich fertig.
Johann58 (09.06.2010, 14:22 Uhr)
@Kabelmann
dann haette die SPD auch mit der Linken weiterverhandelt.
Onzapintada (09.06.2010, 14:21 Uhr)
Strategisch beste Position: SPD kann kuenftig ueberall Ministerpraesidenten und den Kanzler stellen
Inzwischen ist auch die CDU-Waehlerschaft von der allgemeinen, politisch gewollten Absenkung des Lebensstandards betroffen, daher hat der Abwaertstrend nun auch fuer diese Partei begonnen, und es wird fuer schwarzgelbe Koalitionen nicht mehr reichen.

Da die offen neoliberalen Parteien CDU, CSU, FDP, sowie die nach aussen gemaessigt auftretenden Parteien SPD und Grüne nicht mit der Linkspartei koalieren, bleibt nur die Moeglickeit (inzwischen gar nicht mehr so) Grosser Koalitionen und der Ampel.

Jamaika ist aufgrund von Glaubwuerdigkeitsproblemen der Gruenen (zusammen mit zwei offen neoliberalen Parteien) noch nicht ueberall machbar.

Bis die Gruenen auch diese Schamgrenze ueberwunden haben, ist die SPD in der strategisch guenstigsten Position.

Wenn sie will, wird sie auf absehbare Zeit ueberall (ausser in Bayern natuerlich :) ) den Ministerpraesidenten und auch den Kanzler stellen koennen.

Mit letzterem waere sie allerdings gut beraten, zu warten und Merkel die schwarz-gelbe Suppe bis zur Neige ausloeffeln zu lassen, bis auch der Letzte gemerkt hat, was er sich mit denen eingehandelt hat.
tannebaum (09.06.2010, 13:27 Uhr)
fdp probiert den regionalversuch...
...und prüft, ob es bundesweit auch so klappen könnte.
Wahrhyde (09.06.2010, 11:53 Uhr)
Vom Blue Chip zum Penny Stock
Analysten warnen die NRW-CDU, dass die vorgesehen Einnahmen aus der Vermietung des Parteivorsitzenden neu berechnet werden müssen. Sogar die Einrichtung eines "Bad Amts" (externe Zweckgesellschaft zur Auslagerung sog. toxic assets) wird nicht mehr ausgeschlossen.
kabelmann (09.06.2010, 11:14 Uhr)
Haha
Die Grünen haben sich ja in ihrem Marsch durch die Institutionen bereits als hervorragend untaugliche Opportunistenpartei geoutet, denen Machterhalt weit vor Prinzipientreue steht.

Der SPD kann man das nicht vorwerfen, denn wie man einwandfrei sieht, haben sie keine Prinzipien. Das Bildungssystem ist gerade in NRW vor die Wand gefahren heißt es immer wieder - und gleichzeitig handelt man mit dem Macher dieses Systems, dem Bildungsprivatisierer Pinkwart.

Leute, lasst die Korken knallen, die Sozen beweisen entgültig, dass Demokratie nur das moderne Wort für Polithegemonie darstellt.
Medienbeobachter (09.06.2010, 09:40 Uhr)
Gehampel mit der Ampel
Der Freitag:
Die rot-grün-gelbe Koalitionsvariante ist am Wahlabend aus der Versenkung emporgeschossen. In einem stark von möglichen und unmöglichen Koalitionsfarben geprägten Wahlkampf spielte die Variante keine Rolle spielte. Eine wirklich erfolgreiche Referenz-Ampel findet sich ebenso wenig: an Brandenburg (1990 bis 1994) und Bremen (1991 bis 1995) erinnert sich kaum jemand. Rot-Grün-Gelb ist also keine politische Wunschoption, sondern eher Mittel zum Zweck: für die einen in der FDP geht es um Postenerhalt, für die anderen um die Befreiung aus der Gefangenschaft mit der Union; und für den Steinmeier-Flügel in der SPD um machtpolitische Beweglichkeit.
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