24. Juni 2008, 16:32 Uhr

Beck kokettiert mit Rücktritt

SPD-Chef Kurt Beck hat erstmals einen Rücktritt nicht mehr kategorisch abgelehnt: "Ich klebe nicht an meinem Stuhl", sagte er in einer Fraktionssitzung. Als Rückzugsankündigung aber wurde der Satz in der Partei nicht verstanden - im Gegenteil, Becks Rede sei die beste seit langem gewesen, hieß es.

Der Parteivorsitzende der SPD Kurt Beck hat zum ersten Mal gesagt, er schließe einen Rücktritt nicht kategorisch aus©

SPD-Chef Kurt Beck hat erstmals einen Rückzug von der Parteispitze nicht ausgeschlossen, um seine Kritiker zum Schweigen zu bringen. "Wenn ich Teil des Problems sein sollte, klebe ich nicht an meinem Stuhl", sagte er in einer kämpferischen Rede vor der SPD-Bundestagsfraktion nach Angaben von Teilnehmern. Vor der Kritik von außerhalb der Partei werde er aber nicht einknicken: "Ich lasse mich von außen nicht umpusten." Offener als bisher sagte er, dass die Kanzlerkandidatur zwischen ihm und Außenminister Frank-Walter Steinmeier entschieden werden solle - allerdings ohne Kampf. Viele Teilnehmer sagten, Beck habe nicht seinen Rücktritt in Aussicht gestellt, sondern den Druck auf die Kritiker erhöhen wollen.

Mehrere SPD-Abgeordnete sprachen nach der Rede von einem der stärksten Auftritte Becks vor der Fraktion. "So kämpferisch habe ich ihn noch nie erlebt", sagte einer. Im Vordergrund seiner gut 20-minütigen Rede habe der Aufruf an die Sozialdemokraten gestanden, trotz der schwierigen Lage selbstbewusst aufzutreten und sich auf Sachthemen zu konzentrieren. "Das war keine Drohung mit Rücktritt." Beck habe klar seinen Willen betont, die SPD aus der gegenwärtigen Krise zu führen. Der Satz, er klebe nicht an seinem Stuhl, sei locker dahin gesagt gewesen und nicht als reale Ankündigung eines Rücktritts zu interpretieren.

In diesem Sinne äußerte sich auch Fraktionschef Peter Struck. "Das sind Floskeln, die man nicht überbewerten sollte", sagte er dazu. In Becks Umfeld wurde darauf hingewiesen, dass dieser sehr bewusst zwischen Kritikern von außen und in den eigenen Reihen unterschieden habe. Der Parteichef hat in den vergangenen Tagen mehrfach scharf kritisiert, dass er nur anonym kritisiert werde, und seine Gegner zur offenen Aussprache aufgefordert. Beck steht seit Monaten unter Druck, da die SPD und er persönlich weiter schlechte Umfragewerte erzielen. In seiner Rede äußerte er den Angaben zufolge Verständnis, dass die Abgeordneten in dieser Lage nervös seien.

Beck sagte, die Frage der Spitzenkandidatur für die Bundestagswahl solle ohne Kampf zwischen Steinmeier und ihm selbst geklärt werden. "Zwischen Frank-Walter und mir wird es in freundschaftlicher und klarer Weise abgehen", wurde er zitiert. "Wir werden uns keinerlei Schwierigkeiten machen, aber auch keinen Terminkalender von außen aufschwätzen lassen." Nach bisherigen Aussagen soll die Entscheidung Ende dieses oder Anfang kommenden Jahres fallen.

Struck mahnte die Abgeordneten, statt interner Streits die Erfolge der SPD in der Regierungsarbeit in den Vordergrund zu rücken. "Leider haben wir in den vergangenen Monaten diese Erfolge nicht in den Mittelpunkt gestellt, sondern uns lieber mit uns selbst beschäftigt", schrieb er in seinem Bericht an die Abgeordneten. Die SPD würde sonst besser dastehen.

In der Parteiführung gibt es Sorge, dass die Ende der Woche beginnende Sommerpause weiterhin vom SPD-internen Streit um den Kurs und Becks Führung sowie die Kanzlerkandidatur geprägt wird und die SPD darunter weiter leidet. Beck hatte daher in den vergangenen Tagen unterstützt von der ganzen Führung zu mehr Geschlossenheit gemahnt.

DPA/Reuters/AP
 
 
KOMMENTARE (10 von 11)
 
bundesboy (24.06.2008, 23:08 Uhr)
Beck geht auch gern zum Spin-Doktor
Wer Beck als Landei aus der Pfalz abqualifiziert, dem man problemlos das Bärenfell abjagen kann, der verschätzt sich gewaltig.
Mit so einer kleinen Rücktrittsandeutung lassen sich innerhalb der eigenen Partei schon Wunder bewirken, denn all die, die nach dem von den Medien begonnenen Vernichtungsfeldzug fast völlig durcheinander waren, sind jetzt natürlich froh, Beck als einen sehr gescheiten Vorsitzenden erleben zu können.
Klammern und Verkrampfen beeinträchtigt ja auch das Denkvermögen.
manesse (24.06.2008, 22:42 Uhr)
@Mamfred Buchholz
Also solch einen militanten Musikgeschmack hab' ich nicht! ;-)
manesse (24.06.2008, 22:40 Uhr)
Oh je,
jetzt wird der Beck, wie die STERN-Überschrift vermuten lässt, also auch noch kokett. :-)
MamfredBuchholz (24.06.2008, 21:05 Uhr)
@hellinvader
Das ist eine sehr gute Frage? Wir könnten ihnen ja statt Soldaten mal für ein paar Wochen Tokio Hotel vorbeischicken; da wäre ein für allemal Ruhe!
Hellinvader (24.06.2008, 20:59 Uhr)
Beck egal,
jetzt mal zu was anderem, das mir gerade durch den Kopf geht. Wie kann es eigentlich sein, dass die sich da auf dem Balkan zuerst so schlimm gegenseitig die Schädel einschlagen, das wir von unseren Steuergeldern teure Soldaten dahinschicken müssen zum schlichten, und sich dann dieselben Bekloppten, die sich da einst gegenseitig bekriegt haben, beim Eurovision Song Contest gegenseitig die Punkte zuschieben und Deutschland, Frankreich, England usw. gehen leer aus ???
cologne237 (24.06.2008, 19:05 Uhr)
Hallo Herr Beck,
bitte keinen Rücktritt. Sie sind so wunderbar peinlich, worüber sollte man denn sonst lachen?
Alternativ empfehle ich Ihnen eine Zweitkarriere im Düsseldorfer Karneval.Falls Sie damit koketieren, dass man Sie auffordert, zu bleiben geht der Schuss nach hinten los.
JoeSkeleton (24.06.2008, 18:48 Uhr)
Beck weg?
oh ja,hab ja schon lange auf ne positive Nachricht im Zusammenhang mit der SPD gewartet,vielleicht tut ja dieser Pseudo-Parteivorsitzende den ersten Schritt und viele,viele andere aus dieser ehemaligen Arbeiter-Partei folgen...
vegefranz (24.06.2008, 18:39 Uhr)
NPD und LInke verhindern
nur eine funktionierende SPD kann mitwirken, den Einfluss von extremistischen Parteien (NPD und Ex SED Linke) zu verhindern. Ob mit oder ohne Beck ist dabei nicht von Wichtigkeit. Jenfalls sollte unser Land nicht "Vorwärts in die Diktatur"
mutti1 (24.06.2008, 18:26 Uhr)
ABLENKUNGSMANÖVER härtester gangart
bitte steinmeier erst recht nicht, da lieber gut-beckle, lasst ihn mal machen, die spd wird sowieso den weg der fdp gehen. denn steinmeier hat gerade 1000 deutsche junge kerle in den tod geschickt, was soll das? ist erdöl und bodenschätze es wert unsere jugend zu verheizen?
Alverich (24.06.2008, 18:24 Uhr)
Porzelanladen
Nun hat er gemerkt, ein dickes Fell im Gesicht reicht nicht. Frühruhestand ab sofort für Herrn Beck
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