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7. September 2008, 16:20 Uhr

Beck schmeißt hin, Müntefering kommt

Dramatische Stunden für die deutsche Sozialdemokratie: SPD-Chef Kurt Beck ist zurückgetreten. Er begründete seinen Schritt mit "gezielten Falschinformationen" aus seiner Partei. Sein Nachfolger soll der frühere SPD-Vorsitzende Franz Müntefering werden. Parteivize Frank-Walter Steinmeier zieht als Kanzlerkandidat in die Wahl. Die CDU reagiert mit Spott.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier zieht für die SPD als Kanzlerkandidat in die Bundestagswahl 2009© Fabrizio Bensch/Reuters

Der SPD-Vorsitzende Kurt Beck hat seinen Rücktritt erklärt. Wie Außenminister Frank-Walter Steinmeier am Sonntag nach einer Klausurtagung der SPD-Führung in Werder am Schwielowsee mitteilte, erklärte Beck in der Sitzung, dass er nicht mehr für das Amt zur Verfügung stehe. Er selbst habe Becks Vorvorgänger Franz Müntefering als Nachfolger vorgeschlagen, sagte Steinmeier. Das Präsidium sei diesem Vorschlag gefolgt, und Müntefering sei bereit, diese Aufgabe zu übernehmen.

Steinmeier kündigte an, er selbst werde die Partei vorerst als Interimsvorsitzender führen, bis ein Sonderparteitag den neuen Vorsitzenden wähle. "Wir werden unverzüglich dann morgen beschließen, einen außerordentlichen Bundesparteitag einzuberufen", sagte Generalsekretär Hubertus Heil. Das Präsidium beschloss zugleich einstimmig, Steinmeier zum Kanzlerkandidaten für die Bundestagswahl 2009 zu nominieren. Die Entscheidung war bereits seit Samstag erwartet worden.

"Ich trete nicht an, um auf Platz zu spielen. Wir werden gemeinsam und geschlossen dafür kämpfen, das in 365 Tagen wieder ein Sozialdemokrat regiert", sagte Steinmeier. Steinmeier sprach angesichts des überraschenden Rücktritts von Beck von einem "schwierigen Tag für uns alle". Die Mitteilung von Beck, dass er für das Amt des Parteivorsitzenden nicht mehr zur Verfügung stehe, habe "alle überrascht und schockiert", sagte er. "Wir alle haben großen Respekt vor seiner Leistung und vor allem schulden wir ihm großen Dank." Laut Heil wurde der Parteivorstand für den (morgigen) Montag zu einer Sondersitzung zusammengerufen, um über die Beschlüsse des Präsidiums zu beraten. Zugleich betonte Heil, es sei für die SPD notwendig, nach vorne zu schauen. Die Partei werde für wirtschaftlichen Erfolg, soziale Gerechtigkeit und ökonomische Vernunft gebraucht. "Wir tragen Verantwortung für Deutschland und wir wollen weiter Verantwortung für Deutschland tragen", sagte der Generalsekretär.

"Gezielte Falschinformationen

Beck begründete seinen Rücktritt mit "gezielten Falschinformationen" aus der Partei über die geplante Nominierung von Steinmeier zum Kanzlerkandidaten. In einer schriftlichen Erklärung wies Beck in Berlin darauf hin, dass er Steinmeier vor zwei Wochen selbst gebeten habe, die Kanzlerkandidatur für die Bundestagswahl 2009 zu übernehmen. Gemeinsam habe man in einer Reihe von Gesprächen "sorgfältig und vertrauensvoll" die Vorbereitungen getroffen.

"Teil dieses Konzeptes der Geschlossenheit war auch die Einbeziehung des ehemaligen Parteivorsitzenden Franz Müntefering", erklärte Beck. Wegen eines Termins von Steinmeier in Brüssel habe sich die geplante Bekanntgabe der Entscheidung aber verschoben. "In der vergangenen Nacht ist der Plan von mir und Frank-Walter Steinmeier, mit dessen Nominierung zum Kanzlerkandidaten der SPD durchzustarten und gemeinsam für einen Erfolg bei der Bundestagswahl 2009 zu sorgen, durchkreuzt worden", erklärte Beck. "Aufgrund gezielter Falschinformationen haben die Medien einen völlig anderen Ablauf meiner Entscheidung dargestellt. Das war und ist darauf angelegt, dem Vorsitzenden keinen Handlungs- und Entscheidungsspielraum zu belassen. Vor diesem Hintergrund sehe ich keine Möglichkeit mehr, das Amt des Parteivorsitzenden mit der notwendigen Autorität auszuüben", heißt es in der Erklärung.

Beck erklärte, er habe dieses Amt übernommen, um der SPD zu helfen. "Weil das nicht mehr möglich scheint, habe ich diese Konsequenz gezogen."

stern.de mit DPA/AP/AFP/Reuters
 
 
KOMMENTARE (10 von 50)
 
SethusCalvisius (10.09.2008, 17:34 Uhr)
Schade,
dass auch von logisch_konsequent wieder nur die üblichen Floskeln kommen. Wenn nicht endlich jemand meine Argumentation widerlegt, glaube ich bald, dass ich recht habe.
ganzbaf (09.09.2008, 10:50 Uhr)
Leistungszerstörende Umverteilung...

ist der Ist-Zustand.
.
Wir brauchen endlich wirksame Maßnahmen zur leistungsbefördernden Re-Umverteilung! :-)
logisch_konsequent (09.09.2008, 10:02 Uhr)
@SethusCalvisius - Frustwähler
in einer demokratie ist es ok, dass es eine partei wie die linke gibt, die ihre stimmen hauptsächlich aus arbeitlosen (und in Deutschland ex-SEDlern) usw rekrutiert. aufgabe der anderen parteien ist es, die frustwähler unter 10% zu halten, weil zukunftskonzepte und leistungsgedanken ja nicht im sinne der linken liegen können (sondern nur leistungszerstörende umverteilung)
SethusCalvisius (08.09.2008, 13:46 Uhr)
@putinki
Es entbehrt nicht einer gewissen Komik, dass Sie mir Klischees vorwerfen und dann von "trillernden,jammernden, kommunistischen, erpressenden Weltverbesserern und Gerechtigkeitsaposteln" sprechen. Das ist wohl kein Klischee? Ich habe auch überhaupt nichts gegen Millionäre, aber was Leute wie Ackermann in unserer Gesellschaft angerichtet hat, dürfte doch auch Ihnen nicht verborgen bleiben. Ich nenne Ihnen mal einen typischen Fall: Angestellter wird nach langjähriger Betriebszugehörigkeit trotz guter Umsätze entlassen, dank Agenda nach 1 Jahr in Hartz IV abgeschoben und darf sich dafür auch noch beschimpfen lassen. Und dann wundern sich die Etablierten, dass so einer dann Oskar wählt. Ja, was soll er denn sonst machen?
Es geht hier nicht um mich, aber ich gehöre halt zu den von Ihnen verlachten "Gerechtigkeitsaposteln", die sich mit diesen Ungerechtigkeiten nicht abfinden können.
EmKey (08.09.2008, 09:45 Uhr)
@OttoB und @Frank77777
Das ist richtig, was Sie über die SED aufgrund meines Beitrags kommentieren. Jedoch ist doch der Grundtenor dieses Artikels doch auch die SPD in Verbindung mit der Linkspartei. Vielleicht habe ich den Satz etwas lassifair geschrieben. Tatsache ist, dass es einige „extremistische“ „Politiker“ in den Reihen um Lafontaine, Gysi und Bisky gibt, die offen für den „Systemwechsel“ und die „Überwindung des finanzmarktgetriebenen Kapitalismus“ werben. Wenn SIE Ahnung von Politik haben, dann wissen Sie sicherlich auch, dass auf Seiten der Linken sich immer eine Stimme findet, die als Beispiel, die ETA, PKK, Farc, Robert Mugabe oder Hamas in Gaza als legitime Volksbefreiungsbewegung interpretiert. Eine „Politikerin“ wie Ulla Jelpke, die trotz einer Entführung deutscher Bürger durch die PKK, eine Aufhebung des Verbots der PKK fordert, die wenige Tage vorher in einer Parlamentsdebatte das BKA in die Nähe einer Nazi-Polizei rückt. Eine Christel Wegner die öffentlich für eine Rückkehr der Stasi wirbt und die Mauer rechtfertigt. Ich kann Ihnen, auch wenn ich Ihrer Meinung nach keine Ahnung von Politik habe, noch weitere Beispiele nennen. Ich lasse den Verfassungsschutz mal weg, weil dann wird es zu lang. Wenn SIE Ahnung von Politik haben und die oben genannten Punkte tolerieren halte ich DAS für fragwürdig. Über eine Antwort würde ich mich freuen!
Putinki (08.09.2008, 06:11 Uhr)
S.Calvisius
Warum schleudern Sie mit Klischees um sich, anstatt mal etwas nachzudenken. Wenn es diese Millionäre nicht gäbe, dann gäbe es auch keine Arbeitsplätze, weil sie dann sicher auch trillern würden. Zum Beispiel, ein Millionär, weil er so geizig ist, stellt nur ein Mann ein. Das sind....? Das ist sicher besser als 70000 trillernde,jammernde, kommunistische, erpressender Weltverbesserer und Gerechtigkeitsapostel. Die Welt ist ganz sicher kompliziert. Mann kann die Lösung aber nicht finden, indem man fleißige, verantwortungsvolle und erfolgreiche Leistungsträger der Gesellschaft beschimpft. Man sollte diesen nacheifern, anstatt Rattenfängern über die Klippe folgen.
SethusCalvisius (07.09.2008, 21:34 Uhr)
@Eagle141
Sie sollten sich lieber nicht für Ihren Tippfehler, sondern für den "Inhalt" Ihres Beitrages entschuldigen.
SethusCalvisius (07.09.2008, 21:28 Uhr)
@putinki
Und wieviele dieser Millionäre sind mit dafür verantwortlich, dass andere auf der Straße stehen und jammern? Z.B. die, die trotz steigender Umsätze ihre Angestellten entlassen, um ihren Aktionären noch mehr Gewinne zu verschaffen. Ganz so einfach ist die Welt nicht, wie Sie glauben.
ganzbaf (07.09.2008, 21:22 Uhr)
Steineule und Münteschrecke...

an Schäbigkeit und Verlogenheit kaum zu überbieten!
Das wird sich nicht auszahlen.
Putinki (07.09.2008, 20:56 Uhr)
Daisan
Ja, ich war scheinbar völlig daneben, denn Deutschland hat im vorigen Jahr 70,000 neue Millionäre hervorgebtacht. Das ist Weltspitze. Also "einige" Bürger schuften schon und verbringen ihre Zeit nutzlicher als auf der Straße herum zu trillern und zu jammern.
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