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21. Juni 2008, 17:26 Uhr

Beck wehrt sich

Ist Kurt Beck noch zu retten? Angeblich plant die SPD-Rechte einen Putsch gegen ihren Parteichef. Davon unbeeindruckt setzt der sich nun zur Wehr: Er werde sich nicht verstecken sondern kämpfen, sagte Beck jetzt. Und überhaupt: Anonyme Kritik an ihm sei feige.

Derzeit eher ungewohnt, aber nicht unangenehm: Applaus aus den eigenen Reihen für SPD-Chef Beck© Marcel Mettelsiefen/Getty Images

Im Konflikt um seine Amtsführung hat SPD-Chef Kurt Beck interne anonyme Kritik als feige bezeichnet und die Partei zu Solidarität aufgerufen. Auf einem Landesparteitag der Sozialdemokraten in Berlin demonstrierte er Führungswillen und kündigte ein geschlossenes Auftreten des Vorstands an.

"Ich werde nicht hinter den Baum gehen, weil es da bequemer ist, ich werde stehen, auch wenn das nicht immer vergnügungssteuerpflichtig ist", so Beck. Der Parteichef appellierte an seine Genossen: "Wenn sich jemand gegen einen aus unseren Reihen in unfairer Weise stellt, dann müssen wir auch die Kraft haben, für ihn einzustehen." Wer kritisiere, ohne dafür einzustehen, sei "unsolidarisch und feige". Zum Zustand des SPD-Vorstandes sagte Beck, nach einigen Problemen habe man "begriffen, dass wir zusammenzuarbeiten haben". Er fügte hinzu: "Miteinander ist viel schöner als gegeneinander."

Stoppt die Streitereien

Parteivize und Außenminister Frank-Walter Steinmeier mahnte in Hannover an, die "kleinlichen Streitereien" müssten aufhören. Während Steinmeier und Bundestagsfraktionschef Peter Struck die Linke scharf angriffen, forderten andere namhafte SPD-Politiker einen entspannteren Umgang mit der Partei von Ex-SPD-Chef Oskar Lafontaine.

Struck mahnte eine härtere Abgrenzung seiner Partei von der Linken an. In der "Bild am Sonntag" kritisierte er erneut das Treffen junger SPD-Abgeordneter mit Parlamentariern der Linken. "Dieses Treffen war Kinderkram." Seiner Ansicht nach sollte es auch kein Gespräch mit der Linken über die SPD-Kandidatin Gesine Schwan für die Bundespräsidentenwahl im nächsten Jahr geben.

Unterdessen berichtete der "Spiegel", in der SPD - vornehmlich bei führenden Vertretern des rechten Parteiflügels - würden "immer konkretere Szenarien für einen Putsch gegen den Vorsitzenden durchgespielt". Nur wie sie den Sturz einfädeln sollten, wüssten Becks Gegner nicht. Im Gespräch sei, dass Steinmeier im Herbst mit der Kanzlerkandidatur auch den Parteivorsitz übernehme.

Der Sprecher des konservativen "Seeheimer Kreises" in der SPD, Klaas Hübner, sagte der Nachrichtenagentur DPA: "'Der Spiegel' erfindet im Wochenrhythmus einen Putsch, der nicht stattfindet. Es lohnt sich nicht einmal, das noch zu dementieren, weil absolut nichts dran ist." Niedersachsens SPD-Vize Hauke Jagau sagte nach Steinmeiers Rede beim Landesparteitag in Hannover: "Frank-Walter Steinmeier soll Bundeskanzler werden."

"Bis ins Mark verunsichert"

Niedersachsens SPD-Chef Garrelt Duin sagte, die eigenen Genossen seien "bis ins Mark verunsichert", weil führende Sozialdemokraten und Bundesminister sich öffentlich widersprächen und kritisierten. Die SPD müsse vielmehr die Rolle als "Schutzmacht der kleinen Leute" zurückerobern. "Ich will, dass wir den Genossinnen und Genossen vor Ort den Stolz zurückgeben, Sozialdemokrat zu sein."

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel sagte hingegen der "Neuen Ruhr/Rhein Zeitung": "Ich finde es nicht dramatisch, sich mit denen auseinanderzusetzen." Das Wichtigste sei Glaubwürdigkeit. "Deswegen ist es so gefährlich, vor der Wahl zu sagen 'Ich mache nichts mit den Linken' und in Hessen doch der Versuchung zu unterliegen."

Hessens SPD-Chefin Andrea Ypsilanti sagte in Kassel: "Wir dürfen die Linken nicht dämonisieren." Sie war mit ihrem Plan, sich mit den Stimmen der Linken zur Ministerpräsidentin einer rot-grünen Minderheitsregierung wählen zu lassen, am Widerstand aus den eigenen Reihen gescheitert. Beck hatte seinen Kurs gegen die Linke kurz nach der Hessen-Wahl im Januar abgemildert.

AP
 
 
KOMMENTARE (10 von 12)
 
Prefect (22.06.2008, 20:58 Uhr)
aber sich hinter dem Baum verstecken
Wer hinter dem Baum steht, sollte andere nicht als Feiglinge beschimpfen.
Würde sich Willy Brandt jedem Mal im Grab herum drehen, wenn die SPD ihre sozialdemokratischen Werte ad absurdum führt, könnte man ihn inzwischen bequem als Erdbohrer verwenden.
So bekommen sie erstmals seit 37 Jahren nicht mehr meine Stimme.
Roger Schönke
Nahestraße 45
65428 Groß-Gerau
an@roger-schoenke.de
MamfredBuchholz (22.06.2008, 17:59 Uhr)
...natürlich Herr Pachulke
wenn jemand anderer Meinung ist, ist er selbstverständlich ein Propagandaopfer. Und nur Sie haben den weltpolitisch korrekten Durchblick. Verstanden!
ganzbaf (22.06.2008, 15:13 Uhr)
Den Rechten....

liegt die Feigheit halt im germanischen Blut... ;-P
horst.pachulke (22.06.2008, 15:02 Uhr)
Dass die SPD hops geht, liegt nicht an der Presse.
Dieses Missgeschick hat sie sich schon selbst zuzuschreiben.
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So wirken zum Beispiel Demenzanwandlungen eines Gitmo-Auslieferers Steinmeier vielleicht bei rechts-konservativsten Wählern als Zeichen der Stärke. Auf mich wirkt das einfach nur noch widerlich und erinnert mich an gewisse "Blackouts".
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Ferner erinnere ich an einen Sozialdemokraten, der mit dem satz "Wer nichts arbeitet muss auch nichts essen" gemeingefährliche, sozialrassistische Lügen verbreitete. Und das war wahrlich nicht der totale Tiefpunkt sozialfeindlicher Äußerungen aus den Reihen der "Sozial""Demokratischen" Partei. Die ihre Attribute, die sie im Namen führt, noch mehr mit den Füßen tritt wie die Partei mit dem C, da sie es schafft, ihre verbalen Entgleisungen durch ihre Taten noch zu übertreffen. Schauen Sie sich die Vita von Herrn Hartz doch mal an. Dieser Verbrecher - sogar ein rechtskräftig verurteilter. Eigentlich kein Wunder - wer sonst könnte in Deutschland die Sklaverei (1-€-Jobs) wieder einführen und Menschen dem Hungertod überantworten, wenn nicht ein echter Verbrecher. Immerhin fand er großen Anklang bei dieser SPD. Gleich und Gleich gesellt sich gern?
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Dass immer noch Menschen mit Abschlachten auf dem Kosovo angeschliffen kommen - und damit, dass die Frauen in Afghanistan jetzt wählen dürften (1. theoretisch vielleicht und 2. wenn sie denn noch leben) sowie mit der Mär, ganz Afghanistan sei von Terrorcamps befreit (und das durch den Krieg, mit dem wir dieses Land überziehen, der die ganze Region destabilisiert & die Anarchie in weiten Teilen des Landes keineswegs abschafft) zeigt lediglich, wie gut die Propaganda in Deutschland funktioniert.
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Es sei noch daran erinnert, dass durch diesen Krieg im Verbund mit dem Irak-Krieg das Völkerrecht gebrochen wurde. Aber das interessiert eh keinen. Es geht um höhere westliche Interessen, und da ist das Völkerrecht nur dann akzeptiert, wenn es diesen Interessen zuspielt.
Dummerweise haben das jetzt alle Welt erfahren - und das Völkerrecht ist kein wirklicher Schutz mehr. Welch Wunder, wenn westliche Verbrecher fremde Länder überfallen und meinen, sich auf das Völkerrecht berufen zu müssen.
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Sich dafür feiern zu lassen ist schon eine besondere Leistung in Sachen Sarkasmus. Ziehen in den Krieg und klopfen sich stolz selbst dafür auf die Schultern. Unglaublich. Man sollte meinen, sowas kriegen nur Terroristen fertig.
nicknoris (22.06.2008, 10:24 Uhr)
Kandidatenstreit in der SPD ist wie Schach, blos ohne Würfel
Beck will sich nicht hinterm Baum verstecken - wäre auch zwecklos bei seinem Umfang.
Struck hat als Minister Deutschland am Hindukusch verteidigt, heute verteidigt er seine SPD gegen die Linke. Abgeordneten des linken Flügels ist es ab sofort verboten, die Bundestagstoilette zu benutzen, wenn sich dort Abgeordnete der Linkspartei erleichtern.
Die Leichtmatrosen der Segeljolle SPD rufen indessen: Haltet den Kurs, haltet den Kurs - und rummsen gegen den Eisberg Merkel.
MamfredBuchholz (22.06.2008, 09:00 Uhr)
@Pamela
da haben Sie vollständig die außenpolitisch beachtenswerten Leistungen der SPD erwähnt. Dass sie dazu beigetragen hat, dem Abschlachten im Kosovo ein Ende zu bereiten und ebenso dazu beigetragen hat, dass in Afghanistan Frauen wieder wählen dürfen und nicht in jedem Dorf ein Terrorcamp ist, stellt sie moralisch auf eine hohe Stufe. Niemand führt gerne Krieg, aber eine gewaltfreie Außenpolitik geht nun mal nicht immer. Heute muss sich ein US Präsident dafür entschuldigen, dass die USA 1944 nicht die Bahnlinien nach Auschwitz bombardiert haben - zum Glück hat die freie Welt wenigstens diesbezügluich gelernt und greift in Fällen wie Kosovo, Afghanistan, Sudan, etc. militärisch ein, um Schlimmeres zu verhindern
ecomoc4u (22.06.2008, 02:36 Uhr)
feiglinge.
das wort hat es in sich.
Marsmann (21.06.2008, 21:37 Uhr)
Pamela_1971
Ich habe auch nicht geschrieben, dass die SPD in ihrerem jetzigen Zustand für die von mir beschriebenen Ideale steht, aber für gewisse Leute wäre es wohl das Schlimmste, wenn sie dahin driften würde und sich entsprechend neue Partner suchen würde. Das würde die SPD dann wohl auch eher retten, als wenn sie weiterhin im Schwitzkasten ihrer U-Boote von Mitte/ Rechts veharrt.
Pamela_1971 (21.06.2008, 20:52 Uhr)
@ Marsmann
Die SPD steht ja nun wahrlich nicht für eine "konsequent gewaltlose Außenpolitik", sondern hat ganz im Gegenteil mehrere Länder mit militärischer Gewalt besetzt, mit dreisten Kriegs-Propagandalügen (Hufeisenlüge, KZ-Lüge etc.) den ersten deutschen Krieg auf dem Balkan seit 1945 geführt, und außerdem dafür gesorgt, dass Deutschland reibungslos als Luftwaffenbasis für den Irak-Krieg fungiert. Und die SPD steht auch nicht für "mehr Gerechtigkeit zulasten von Vermögenden", sondern für Agenda-2010, Sozialabbau und Hartz-IV, also WENIGER Gerechtigkeit - zulasten der Armen und Besitzlosen! Genau das ist ja gerade der Grund, dass sie "hops" geht - und das völlig zu Recht. Diese Partei hat jegliche Existenzberechtigung verloren... selbst manche CDU-PolitikerInnen (wie z.B. Heiner Geißler) sind mittlerweile sozialer als diese "sozialdemokratische" Partei.
Marsmann (21.06.2008, 20:27 Uhr)
Mit allen Mitteln über die Demokratie hinweg
Es scheint in unserem Land eine über der Demokratie schwebende unheilige Allianz zu geben, die mit allen Mitteln eine Mehrheit gegen die angeblich unmöglichen Forderungen nach konsequenter gewaltfreier Außenpolitik und für mehr Gerechtigkeit zulasten der Vermögenden verhindern will. Und die etablierte Presse macht sich da voll zum Hündchen, der den Befehl "Fass!" bekommen hat. Den Leuten ist es sch...egal, dass die SPD dabei "hops" geht! Danke, Freie Presse!
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