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28. März 2009, 14:11 Uhr

Wie Sozis die Sozis retten wollen

Es war schon fast beängstigend: Über Monate hinweg blieb es in der SPD ruhig. Doch jetzt treibt die Partei wieder ihren Lieblingssport - Linke prügeln Rechte und umgekehrt. Dabei hilft ein neugegründeter Rebellentrupp mit dem provokanten Namen "Sozialdemokraten in der SPD". Mit dabei: ein Ex-Minister. Von Lutz Kinkel und Hans Peter Schütz

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"Irrwitzige Abgrenzungsdiskussionen": In der SPD rumort es wieder öffentlich© Franka Bruns/AP

Na endlich. Es war auch schon viel zu lange ruhig. Nun haben sich Sozialdemokraten mal wieder zu einer großen Mission zusammengefunden. Das Ziel: die Rettung der SPD. Der provokante Name der Gruppe: "Arbeitsgemeinschaft der Sozialdemokraten in der SPD" (AGSS). Eine provisorische Homepage gibt es auch schon. Nach Ostern sollen dort Aufsätze, Manifeste und Meinungsbeiträge veröffentlicht werden. Und diese Beiträge werden alle etwas gemeinsam haben: Sie werden der Parteiführung im Berliner Willy-Brandt-Haus nicht gefallen.

Denn die AGSS ist eine dezidiert linke Gruppierung, die den Kurs des Spitzenkandidaten Frank Walter Steinmeier und seines Parteichefs Franz Müntefering harsch kritisiert. Zu den Gründern der Arbeitsgemeinschaft, die sich nach eigenen Angaben vor gut drei Wochen zusammengefunden hat, gehören Wolfgang Denia, der frühere Landeschef der Gewerkschaft verdi in Niedersachsen, und der EU-Experte Michael Buckup, derzeit Referent in der niedersächsischen Staatskanlei.

Kritik an den "Parteibesitzern"

In ihrem "Newsletter Nummer 2" vom 24. März 2009, der stern.de vorliegt, schreiben Denia und Buckup: "Betrachtet man die politischen Ergebnisse dieser Woche, dann kann einen einmal mehr das blanke Entsetzen packen, was unsere 'Parteibesitzer' in Berlin wieder veranstalten. Da stehen die neoliberalen Zauberlehrlinge der 'Finanzindustrie' vor einem immer größer werdenden Scherbenhaufen, versuchen aber ihr System zu kitten und mit diversen Schönheitspflästerchen zu versehen, während unsere Parteibesitzer nur den Anschein erwecken, als ob sie gegen das verfaulte System vorgingen." Dies sei ein "Untergangskurs".

In einem Werbeschreiben, das dem Newsletter angehängt ist, heißt es weiter: "Die SPD findet aus sich heraus nicht mehr die Kraft zu einer glaubwürdigen Korrektur des noch immer von vielen bejubelten (und für ihren Niedergang verantwortlichen) Schröder-Kurses und beschäftigt sich derzeit vor allem mit dem Gerangel um sichere Listenplätze und die Sicherung der eigenen Funktion für den derzeit nicht sehr wahrscheinlichen 'Glücksfall' der Fortsetzung der Rolle des Juniorpartners in einer großen Koalition. Wenn sie nicht gerade mal wieder mit einer irrwitzigen Abgrenzungsdiskussion in Richtung Linkspartei beschäftigt ist." Das müsse aufhören, man müsse das "Koordinatensystem" der Partei wieder in Richtung Kurt Schuhmacher und Willy Brandt rücken.

Angeblich Hunderte Unterstützer

Im Willy-Brandt-Haus, der Parteizentrale der Sozialdemokraten, ist offiziell keine Stellungnahme zu bekommen. Es heißt, diese Gruppe sei nicht weiter bedeutend, es sei eben einer von vielen Diskussionszirkeln in der SPD. Diese Einschätzung jedoch wird den Mitgliedern der AGSS nicht ganz gerecht. Neben Schreiner verzeichnet der Newsletter weitere prominenter Genossen als Mitglieder. Darunter der ehemalige SPD-Bundesminister Herbert Ehrenberg und der frühere SPD-Staatssekretär Rudolf Dressler, der frühere IG Metall-Vorsitzende Jürgen Peters, der niedersächsische Ex-Sozialminister Wolf Weber, die SPD-Politiker Horst Fricke, Walter Hiller sowie Albrecht Müller, der für die SPD den Willy-Brandt-Wahlkampf 1972 organisiert hatte. Buckup sagte zu stern.de, dass es insgesamt "mehrere Hundert" Sympathisanten und Unterstützer gäbe.

Ziel der Arbeitsgemeinschaft sei es nicht nur, Einfluss auf das derzeit in Entwicklung befindliche SPD-Wahlprogramm zu nehmen. Es gehe auch darum, enttäuschte Mitglieder wieder einzusammeln, sagte Buckup. Das bestätigte auch ein sein Mitstreiter Denia im Gespräch mit stern.de. Die AGSS wolle "weitere Ausfransungen am linken Rand der SPD verhindern". Er teile die Einschätzung des Ex-CDU-Generalsekretärs, dass die SPD von ihrer eigenen Führung fast zerstört worden sei, sagte Denia. Einen härteren Vorwurf kann ein Sozialdemokrat seinem eigenen Spitzenpersonal kaum machen.

(Noch) keine Vernetzung mit PL

Die öffentlichen Flügelkämpfe in der SPD zwischen eher konservativen und eher linken Genossen waren nach dem Sturz des Parteivorsitzenden Kurt Beck im Herbst 2008 beinahe zum Stillstand gekommen. Das lag nach Einschätzung führender Parteimitglieder auch daran, dass jeder gewusst habe, dass Steinmeier und Müntefering der letzte personelle "Schuss" für die Bundestagswahlen 2009 seien.

Die "Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokraten in der SPD" scheint diesen Burgfrieden aufkündigen zu wollen. Gewinnt sie auch Einfluss innerhalb der bereits etablierten Parlamentarischen Linken, stehen der SPD wieder unangenehme Wochen bevor.

Freude bei der Linkspartei

Bei der Linkspartei ist die Gründung der AGSS bereits mit großem Wohlwollen registriert worden. Möglicherweise ergäbe sich die Perspektive einer engeren Zusammenarbeit, heißt es. Dieser Gedanke scheint auch nicht ganz abwegig. Unter ihrem Newsletter zitieren Denia und Buckup auch einige - anonyme - "Reaktionen von neuen Mitstreitern". Und einer von ihnen schreibt: "Ich helfe, wo ich helfen kann, um das Rot der Parteifahne endlich (wieder) zum Leuchten zu bekommen. Sozialistische Grüße".

Von Lutz Kinkel und Hans Peter Schütz
 
 
KOMMENTARE (10 von 22)
 
Erek (01.04.2009, 10:48 Uhr)
SPD war immer am besten...
Als es in der SPD, beispielsweise in Hessen-Süd lebhaft zuging, stand die Partei SPD gut da. SPD ist was anderes als die bürgerlichen "Ich-hab-das-in-der-Hand-Vereine" wie die CDU- oder FDP-Kreisverbände. Das sind dann nur behäbige Honoratioren-Vereine oder Zusammenschlüsse nach dem Motto: "manus manum lavat" ("eine Hand wäscht die andere").
Wenn diese neue Gruppierung allerdings - wie einst WASG - nur verkappte Kommunisten sein wollen, sollten sie dorthin gehen, wo sie hingehören. Die sollten sich dann ein anderes politisches "Wirtstier" suchen.
Die SPD steht auch in der Tradition von Freiheitskämpfern und Freiheitshelden wie Robert Blum, die für ihre Ideale ihr Leben gaben. Da braucht man nicht die Gesellschaft von Freunden des Stalinismus, der Unfreiheit, der Diktatur, der STASI und der Tschekisten; denn solche Leute sind der Freiheit nicht würdig. Nach unserer Vergangenheit haben weder NAZIS noch Kommunisten und ihre Konsorten irgendein Recht auf Führung der deutschen Nation!
Verderber und Verbrecher an unserem Volk gehören sofort gestellt und politisch unwirksam gemacht!
kabelmann (31.03.2009, 08:41 Uhr)
Wer hat uns verraten?
Westerle.Merkwelle (30.03.2009, 16:28 Uhr)
Wo war die SPD auf den Demos in Berlin und Frankfurt?

Die Demonstrationen zehntausender Menschen unter dem Motto "Wir zahlen nicht für Eure Krise" am vergangenen Samstag gegen die Ursachen und Auswirkungen der Finanzkrise fanden ohne die SPD statt.
Noch nicht einmal einzelne Parteimitglieder konnten sich aus ihrer Lethargie befreien und sich zur Teilnahme an diesem friedlichen Protest beteiligen. Ein trauriges Bild, das die SPD da abgegeben hat. Die Wähler werden es berücksichtigen und denken sich ihren Teil über das, wofür die SPD noch steht.
utospatz (30.03.2009, 16:23 Uhr)
Und eine Krähe hackt der Anderen die
Augen aus! Es sind nicht nur die Sozi's, es sind auch die Christen, die versuchen zu Gunsten eigener Konten auf steuerzahlers Kosten weiterhin das Volumen ihrer Eigenkonten für ihre Nachkommensbrut auf den Cayman-Isles zu stützen!
audio001 (29.03.2009, 19:05 Uhr)
Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität !
Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität gilt es wieder in der Politik der SPD die Geltung zu verschaffen, die sie auch verdienen.- Die "Arbeitsgemeinschaft der Sozialdemokraten in der SPD" (AGSS)wird dafür stehen!
Gut so!
OttoB (29.03.2009, 16:34 Uhr)
Wenn sie es schaffen
die Partei total zu entschröderfizieren da müssen noch viele Köpfe rollen. Münte ist der erste und Steinmeier der Mann im Hintergrung bei Schröderfizierung, er hat die Fäden zu den Neoliberalen gespannt, diese ganze Lobbybande muß weg, werde auch ich wieder SPD wählen.
Ich wünsche der Revolution in der SPD viel Glück und vergesst diese Seeheimer Verräter nicht rauszujagen.
Westerle.Merkwelle (29.03.2009, 09:08 Uhr)
SPD - Unprofessionelle Führung - neoliberale Politik gegen das Volk
Eine seit Jahren praktizierte neoliberale Politik hat die ehemalige Volkspartei SPD in eine katastrophale Lage gebracht:
* Anbiederung an CDU und FDP
* Verrat der eigenen Wählerschaft
* Mitgliederschwund
* Wählerschwund
* Opportunismus der übelsten Sorte
* Glaubwürdigkeitsschwund

Man sieht; der Scherbenhaufen der SPD ist von langer Hand geplant.
Was bin ich froh, nicht mehr Mitglied dieser geschröderten Truppe zu sein.
grafbyte (29.03.2009, 04:25 Uhr)
menschen ab die macht!!
lasst endlich diese marioneten des gelden verschwinden!
ich will leute an der macht die für das volk arbeiten und nicht das volk für die politiker!
sie sollen opel fahren und kein benz! sie sollen 2500 euro verdinenen und nicht 6000 euro.
sie sollen was leisten und dann bezahlt werden.. sie sollen blut und urin proben abgeben.. damit nicht irgendwelche koks schlampen uns regieren!
das pack muss weg und menschen mit HERZ ranlassen aber bitte keine nazibanden!
Skillet4 (29.03.2009, 03:15 Uhr)
Es gibt noch aufrechte Spezialdemokraten.
Und wo nur gibt es Spezialdemokraten und deren Aufrechte nur?
Natürlich bei den Spezialdemokraten.
Das ist gut für die angestrebte Verlängerung mit den christlichen Kapitalisten und ebenso durchsichtig.
Je eher dieser korrupte Sauhaufen entmachtet wird, desto besser für die „unteren“ 50 % der Menschen, die in diesem Land leben.
Also:
Ab auf das Abstellgleis mit den Spezialdemokraten zur Generalüberholung.
Westerle.Merkwelle (28.03.2009, 22:19 Uhr)
Gähn
Hallo, Stern Redakteure,
warum langweilen Sie uns immer mit Leichenbericht vom Krankenbett einer toten Partei namens SPD, durch deren Glieder gelegentlich noch einige Nervenzuckungen kriechen?
Warum berichten Sie nichts von den Großdemonstrationen in Berlin und Frankfurt unter dem Motto "Wir bezahlen nicht für Eure Krise" ?
Naja, zum Glück gibt es ja noch andere Informationsquellen:
http://attac.de
http://www.28maerz.de/startseite/
http://die-linke.de/
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