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2. Januar 2008, 09:00 Uhr

Struck jetzt auch für Online-Durchsuchung

SPD-Fraktionschef Peter Struck spricht sich inzwischen für die umstrittene Online-Durchsuchung aus - unter bestimmten Bedingungen. Das sagt er im stern-Interview. Die Stimmung in der Koalition beschreibt der 64-Jährige als "gereizt".

Struck geht im Streit um neue Sicherheitsgesetze auf die Union zu© Andreas Rentz/Getty Images

SPD-Fraktionschef Peter Struck geht im Streit um neue Sicherheitsgesetze auf die Union zu. In einem Interview mit dem stern sagte Struck, er sei für die Online-Durchsuchung, wenn rechtsstaatliche Bedingungen (erhebliche Verdachtsmomente, Richtervorbehalt) eingehalten würden: "Die Sicherheitsbehörden haben uns überzeugend dargelegt, dass viele Terror-Aktivitäten mit Hilfe des Internets koordiniert werden." Mit Blick auf die für dieses Jahr anstehende Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts sagte der SPD-Politiker: "Wenn Karlsruhe Online-Durchsuchungen nicht für verfassungswidrig hält, werden wir sie auch einführen - mit den Einschränkungen, die das Gericht fordert." Er sei sich auch "ganz sicher", dass ihm dabei die eigene Fraktion ohne Murren folgen werde.

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Im Streit um die Reform der Erbschaftssteuer warnte der Fraktionschef die CSU: "Wenn da jemand versucht, auf Zeit zu spielen, um das Ding tot zu machen, gibt es richtig Ärger." Struck unterstützte damit Finanzminister Peer Steinbrück (SPD), der für den Fall des Scheiterns der Erbschaftssteuer mit dem Aus der Großen Koalition gedroht hatte. Struck setzte der Unionsspitze eine Frist: Er erwarte von Fraktionschef Volker Kauder und Kanzlerin Angela Merkel, "dass das Gesetz bis Mitte des Jahres verabschiedet wird".

"Gereizte Stimmung"

Struck beschrieb die Stimmung in der Koalition wegen des Streits um Erbschaftssteuerreform und Mindestlohn als "gereizt". Wenn die Union sich der Ausweitung des Mindestlohnes auf weitere Branchen verweigere, "dann haben wir einen schweren politischen Konflikt". Er glaube, dass die Union es heute bereue, dass sie einen allgemeinen gesetzlichen Mindestlohn abgelehnt habe, "aber sie kommt aus ihrer selbst gestellten Falle nicht mehr raus". Struck bekräftigte, dass ein allgemeiner gesetzlicher Mindestlohn bei "7,50 Euro mindestens" liegen müsse. Das habe der SPD-Parteitag beschlossen. Zuletzt hatte Vizekanzler Steinmeier von 7,20 bis 7,50 Euro gesprochen.

Gleichzeitig dämpfte der SPD-Fraktionschef die Erwartungen an die SPD-Arbeitsgruppe zum Thema Managergehälter: "In der Politik muss man mit Symbolen vorsichtig sein." Ansätze sieht Struck im Aktienrecht: "Ich würde ins Gesetz schreiben, dass das Gehalt jedes Vorstandsmitglieds veröffentlicht werden muss." Der SPD-Politiker sprach sich auch dafür aus, eine Begrenzung der steuerlichen Absetzbarkeit von Abfindungen zu prüfen. Eine weitere Anhebung des Spitzensteuersatz lehnte Struck ab.

Der heute 64-Jährige schloss nicht aus, auch nach der Wahl 2009 wieder als Fraktionschef zu kandidieren: "Ich kann auch mein eigener Nachfolger sein." Zwar habe er schon Lust, mit seinen Enkeln zu spielen, "aber manchmal kann auch Politik sehr lustvoll sein".

 
 
KOMMENTARE (10 von 11)
 
atride (03.01.2008, 08:31 Uhr)
@vonSelbenstein
aber WEN wählen, um gottes willen? die fdp, weil alle anderen komplett von allen guten geistern verlassen sind? im moment sieht es nach 2009 alleinregierung cdu aus, dann ist unser geifernder schäuble endgültig von der kette. gute nacht, rechtsstaat.
vonSelbenstein (03.01.2008, 07:08 Uhr)
Verbesserung...
wenns morgens mit dem Denken nicht so klappt..:
Erschreckend finde ich, dass unsere demokratischen Parteien, insbesondere die nach eigenem Bekunden älteste Deutschlands (SPD), die nach bitteren Erfahrungen des sogenannten "dritten Reiches" und der StaSi-Republik errungene Demokratie und damit die Freiheit "ihres" Volkes" zunehmend einschränken.
So klingt der Satz besser.
vonSelbenstein (03.01.2008, 07:01 Uhr)
Big Brother....
... is watching you. Orwell hatte also Recht mit seiner Fiktion von "1984". Erschreckend finde ich, dass unsere demokratischen Parteien, insbesondere die nach eigenem Bekunden älteste Deutschlands SPD), zunehmend die nach bitterer Erfahrung des sogenannten "dritten Reiches" und der StaSi-Republik, selber zunehmend die Freiheit "ihres" Volkes einschränken. So haben die Mütter und Väter des Grundgesetzes das sichelich nicht vorgehabt. Natürlich kann behauptet werden, dass, wer nichts zu verbergen hat sich ja auch nicht fürchten muss, aber wo kommen wir denn hin, wenn die von UNS gewählten Politiker UNSERE Freiheit immer mehr einschränken. Ich kann nur an alle Wähler zu appelieren: Überlegt Euch wen ihr beim nächsten Mal Eure Stimme gebt! Wir sind das Volk, wir sind der Souverän und die Politiker nur unsere Angestellten!
atride (02.01.2008, 14:59 Uhr)
die spd
ist nur noch die noch-beschissenere-cdu.
Turmfalke (02.01.2008, 13:16 Uhr)
Verfassungswidrig
Der eigene PC ist so gut wie die eigene Wohnung, eine Wohnung darf auch nicht präventiv durchsucht werden. Wer etwas verbergen will wird dies auch tun, das konnte man schon immer und jeder halbwegs begabte Grundschüler wird Angriffe auf seinen PC abwehren.
Die Unterwanderung der Gesetze durch kleingeistige Lobbyisten, grundsätzlich militanten Spießern, Gutmenschen usw., wird aber nach wie vor jedem blödsinnigen und verfassungswidrigem Gesetz zur Seite stehen.
hevosenkuva (02.01.2008, 11:21 Uhr)
Mit der Schrotfline in den dunklen Wald schießen...
und dabei hoffen, einen Fisch zu treffen - nachdem man vorher lautstark durchs Unterholz getrampelt ist. "Online-Durchsuchungen" sind wohl kaum geeignet, etwas zu finden was man gezielt vor ihnen versteckt halten will. Es gibt einfachste Mittel dazu: Internetverbindung kappen, Rechner ganz abschalten, Briefe per Post verschicken, altmodischen CB-Funk nutzen...
Wen kann man mit "Online-Durchsuchungen" finden? Vermutlich nur eine ganze Menge "Raub"-kopierer, also wäre das Gesetz ganz im Sinne der BSA (bsa.de), die mit Meldungen wie "Weihnachtseinkäufe: private Internetnutzung in der Arbeitszeit auf Höchststand" Furore macht und im "Kampf gegen Softwarepiraterie" bisher vor keiner halblegalen Aktion zurückgeschreckt ist. "Für eine sichere und gesetzesmäßige Online-Welt." Man muss sich fragen, von welchen Experten die Bundesregierung beraten wird.
Der nächste Schritt wird sein, alle Menschen präventiv zu überwachen, die schon mal ein Internetcafé benutzt haben. Und alle, die schon länger nicht mehr in einer (christlichen) Kirche waren. Und alle, die keine Mails verschicken, sehr verdächtig!
Man hat Peter Struck aber sicher keine Stelle als Aufsichtsrat versprochen in einem Unternehmen, das technische Mittel zur Online-Überwachung entwickelt. Sowas gibt es nur für ex-Innenminister wie Otto Schily, der kräftig an der von ihm damals forcierten Biometrie verdient.
zeit.de/online/2006/33/schily-biometrie
kralli19 (02.01.2008, 10:50 Uhr)
Struck
Achja, Hindukusch-Struck....geht immer noch davon aus, das der Staat und seine Vertreter vertrauenswürdig sind....was soll man zu so einem Ahnungslosen schon sagen.
Mit tosendem Beifall wird die Demokratie und unsere Verfassung zu Grabe getragen von solchem Pack. Was Terroristen nicht schaffen, bringen diese Politiker zustande.
joaka (02.01.2008, 10:27 Uhr)
Umfaller Struck!
Da sieht wieder die SPD ist sich nicht einig. Herr Struck ist als Fraktionsboß der SPD ein Umfaller! Die SPD bietet kein einheitliches, geschlossenes Bild. Trotz der Beschlüße beim letzten Bundesparteitag!
Marty_D (02.01.2008, 09:50 Uhr)
Computerexperte
Liebe Welt,
Computerfreaks werden sich wohl kaum online durchsuchen lassen. Vielleicht irgendwelche halb-experten, aber ein echter Computerfachmann kann über eure Bundestrojaner nur lachen. Wenn man zb eine einfache (kostenlose) Anwendungsfirewall installiert hat dann bekommt man 1. eine Meldung über den Verbindungsversuch und kann 2. die angefordete verbindung blockieren - soviel zu euren Bundestrojanern ihr halbweisen aus abendland!
Und die richtigen cracks ("Blaster-Wurm" - Programmierer und konsorten) lachen doch über sowas.
Mit Bundestrojaner kriegt ihr vielleicht ein paar Omis oder perverse Idioten die sich schmuddelkram reinziehen, und ja vielleicht auch ein paar terroristen aber nur wenn die nicht informatik studiert haben! Das Blöde bei den Terroristenb ist das die meisten leider nicht blöd sind!
gruß
marty
TschiTschi (02.01.2008, 09:41 Uhr)
Traurig ...
... die SPD war einmal die Partei der kleinen Leute, der Demokratie und der Freiheit! Inzwischen scheint alles nur noch sekundär zu sein.
Die Zahl der Parteien, die noch wählbar sind, reduziert sich weiter!
 
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