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7. September 2008, 13:06 Uhr

Herbe Kritik an der Kandidatenkür

Eigentlich sollte die Nominierung von Frank-Walter Steinmeier zum Kanzlerkandidaten ein Neustart für die SPD sein. Doch nun kommt Kritik an der Kür des Außenministers auf. Einige hochrangige Parteivertreter haben davon erst aus den Medien erfahren. Andere wie Hermann Scheer stören sich daran, dass die Parteigremien übergangen wurden. Von Sebastian Christ und Hans-Peter Schütz

Hermann Scheer gilt als Vertreter des linken SPD-Flügels. Er kritisiert das Nominierungsverfahren für Frank-Walter© Arne Dedert dpa/lhe

Der SPD-Wirtschaftsexperte Hermann Scheer hat das Verfahren zur Nominierung von Außenminister Frank-Walter Steinmeier als Kanzlerkandidaten kritisiert. "Ich hätte es sehr viel besser gefunden, wenn die Nominierung Steinmeiers in einer normalen Vorstandssitzung abgelaufen wäre", sagte Scheer stern.de. Vertreter des linken Parteiflügels, zu dem auch Scheer gerechnet wird, kritisieren intern den Verfall von Parteistrukturen. Aus Parteikreisen hieß es, dass mit der plötzlichen Entscheidung für Frank-Walter Steinmeier als Kanzlerkandidaten die Gremien der Partei ausgebremst worden seien.

Auch auf der Klausurtagung der SPD am brandenburgischen Schwielowsee wurden Unstimmigkeiten zwischen SPD-Vorstandsmitgliedern und der Parteiführung deutlich. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur dpa kamen der SPD-Vorsitzende Kurt Beck, Frank-Walter Steinmeier, die beiden anderen Vizevorsitzenden Andrea Nahles und Peer Steinbrück sowie Peter Struck etwa drei Kilometer vom Tagungsort entfernt in einem Privathaus zusammen. Dem Vernehmen nach wurde der Beginn der eigentlichen Beratungen mit allen Teilnehmern deshalb auf 12.30 Uhr verschoben. Teilnehmer hatten sich verärgert darüber gezeigt, dass sie die Entscheidung für eine Kanzlerkandidatur Steinmeiers aus den Medien erfahren hatten und nicht erst die zuständigen Gremien informiert worden seien.

Auch Struck wurde dem Vernehmen nach von der Entscheidung überrascht, die Kandidatur Steinmeiers bereits an diesem Sonntag bekanntzugeben. Verschiedene Sozialdemokraten verwiesen darauf, dass Beck und Steinmeier noch in den letzten Tagen betont hätten, an dem verabredeten Zeitplan werde festgehalten. Der Außenminister hatte am vergangenen Freitag in einem Interview versichert, das Spitzenamt für 2009 sei noch nicht an ihn herangetragen worden.

Der Berliner Politikwissenschaftler Peter Grottian kritisierte ebenfalls die Entscheidung für den Außenminister. "Die Nominierung Steinmeier war unausweichlich, aber sie wird der Partei nur ein kleines Zwischenhoch bescheren", sagte der emeritierte Professor der Freien Universität im Gespräch mit stern.de. "Die SPD hat nicht verstanden, warum sie so tief im Keller steckt. Es gibt keinen Politikwechsel bei den Sozialdemokraten. Die Partei hat nicht verstanden, dass Hartz IV eine tiefe Demütigung der Menschen darstellt. Das hat ihr den Identitätsverlust bei den Wählern eingebracht." Grottian gilt als einer der profiliertesten Linken unter Deutschlands Wissenschaftlern. Er kritisierte auch die Zurückhaltung des linken Parteiflügels innerhalb der SPD. "Außer den Äußerungen von Andrea Nahles habe ich nichts gehört, was der Nominierung Steinmeiers wirklich klar entgegen gewirkt hätte."

Der niedersächsische SPD-Landesvorsitzende Garrelt Duin hat die Nominierung von Außenminister Frank-Walter Steinmeier als Kanzlerkandidat der Sozialdemokraten dagegen begrüßt. Er sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Steinmeier ist der Wunschkandidat der niedersächsischen SPD. Die Entscheidung löst in der SPD eine Aufbruchstimmung aus, die uns dauerhaft nach vorn bringt."

Der Hamburger SPD-Vorsitzende Ingo Egloff erhofft sich von der Entscheidung für Außenminister Frank-Walter Steinmeier wieder mehr Geschlossenheit der Partei. Er hoffe, die Richtungsdebatte in der SPD sei damit beendet und die Partei könne nun die für einen Erfolg bei der Bundestagswahl erforderliche Disziplin aufbringen, sagte er am Sonntag dem Radiosender NDR-Info. Steinmeier sei sein Wunschkandidat.

Von Sebastian Christ und Hans-Peter Schütz
 
 
KOMMENTARE (10 von 14)
 
utospatz (08.09.2008, 16:07 Uhr)
Was hat das deutsche Volk für alternativen?
Öffentlich rechtlich verdummt?
Seit 10 Jahren läuft es doch darauf hinaus, dasselbe am Besten christlich oder sozial zu verarschen!
Mein Kontostand stimmt, alles Andere ist egal! So entsteht eine christliche Sozialdemokratie! Jetzt ist der Schnellkochtopf am kochen, noch kein Schwein hat es begriffen, dass selbst sozialdemokratische Christen nicht begriffen, dass ein versagen der Sozialdemokratie den Untergang eines Landes bedeutet!
Während ich diese Äuserung schreibe, höre ich im Kopfhörer die Musik von Rosita Serana, und diese Musik bringt mir wieder das Kartoffelschalenteilen der Bevölkerung nach 45 vor Augen.!
Wenn der Mensch satt ist, ist ihm meistens nicht mehr zu helfen!
starmax (07.09.2008, 22:08 Uhr)
Denen ist nicht mehr zu helfen
Panik als Ratgeber - anders kann es nicht gewesen sein.
Müntemumie: der Totengräber wird wieder Vorsitzender - nicht zu fassen...
Lafo lacht sich schlapp, wetten?
tetrapanax (07.09.2008, 18:20 Uhr)
Genau so
@Loki-Asgard
...ist es - dann würde ich sie auch wieder wählen.
Loki-Asgard (07.09.2008, 17:34 Uhr)
Endlich

Jetzt muß nur noch das andere Linke Pack um Y und Nahles entsorgt werden, dann kann man die spd auch wieder ernstnehmen.
sebale1 (07.09.2008, 17:27 Uhr)
Anfang vom Ende
Eine Entscheidung an den Menschen vorbei ...
Zwei "Architekten " des Schröder'schen Sozialabbauus und Neoliberalismus spielen wieder die erste Geige - die Mitglieder sind nicht gefragt.
Beck hatte keine Chance - seine Ansätze -zurück zu mehr Menschlichkeit in der SPD - wureden von vorne herein boykottiert von den alten Seilschaften - mit Untrerstützung abhängiger Medien und der Wirtschaftslobby, der es so gut geht wie nie zuvor-zu Laten der Bürger.Man muss fragen, wer die BILD ' schen Kampagnen initiert und gesteuert hat.
Armes Deutschland. Hoffe, dass Ypsilanti konsequent ihren Weg geht, dass in Bayern ein Zeichen von "links" ( = sozial)gesetzt wird und Oskar das Saarland erobert.
Eine starke Linke wird die verirrten Volksparteien und die lakaien des Kapitalismus zum Umdenken zwingen, wie seinerzeit die Grünen in der Umweltfrage.
bruddy (07.09.2008, 17:16 Uhr)
SPD-Mumie
Die SPD gleicht einer Mumie ohne Körper, nur noch ein großer Totenschädel - ohne Augen, Ohren, Nase und ohne Hirn und Herz. Für *Menschen* nicht mehr wählbar!
Akka1 (07.09.2008, 16:50 Uhr)
Das Politbüro
der SED hatte aber wohl demokratischere Strukturen, als die SPD in ihrem jetzigen Zustand. Da wurde gelegentlich sogar über Personen abgestimmt. Wenns eine Regierung wäre,
würde man das wohl einen coup d’état nennen.
Nie hat die SPD ein jämmerlicheres Bild abgegeben.
Adio Genossen!
Marsmann (07.09.2008, 16:48 Uhr)
Dieser großformatige Wahlbetrüger
wird die SPD weiter um etliche Wählerstimmen erleichtern, und der "bl..." Steinmeier läßt sich von dem verheizen! Politik strömt nur noch Ekel aus!
Tomrobert (07.09.2008, 16:00 Uhr)
kalkulierter Putsch
strategisch problematisch wird mit einer Verabschiedung als Volkspartei kalkuliert.
In diesem Sinne wurde offensichlich nicht die SPD alleine,sondern die gesamte Parteienlandschaft ins Kalkül mit einbezogen.Wechselnde Bündnisse sollen den Volkswillen (gegen Krieg in Afghanistan,MwST Erhöhung,HarzIV,Kaufkraftschwund,Lasten der Suprimrkrise etc.)unterlaufen.Das die Linken in der SPD demontiert werden , ist offensichtlich beabsichtigt.
terrax (07.09.2008, 15:25 Uhr)
Garrelt Duin
Da ist die rechte Bande ja komplett. Das wundert mich garnicht, daß Garrelt Duin das begrüßt. Er hat auch für die Rente mit 67 gestimmt und in der niedersächsischen Presse konnte man entnehmen, daß eine SPD-Dame aud Delmenhorst ihm vorwirft, daß er ein Auto von Volkswagen zum Werkspreis erworben hat. Er hat sich bis jetzt immer noch nicht dazu geäußert! Komisch oder? Normelerweise wenn ich nichts zu verbergen habe, dann leg ich ne Rechnung oder Quittung auf`n Tisch und dann is gut. Nein nun will er die Dame aus der Partei ausschließen mit einem Komitee welches er ausgesucht hat. Der hats ausgerechnet nötig als Rechtsanwalt ein Auto zum Werkspreis zu kaufen. Aber in der SPD sitzen ja eh neuerdings alles Lehrer und Anwälte, da kann sich wohl jeder denken, welche Richtung die einschlagen. Bestimmt keine Richtung für den Arbeitnehmer. Von daher kann man ruhig die Gleichung aufstellen: CDU=SPD
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