28. Oktober 2012, 13:13 Uhr

Spenden statt kassieren

Einst verdiente Peer Steinbrück Tausende Euro mit Vorträgen vor Konzernvertretern. Als SPD-Kanzlerkandidat ändert er nun den Kurs. Reden ja - die Honorare werden jedoch gespendet.

Steinbrück, Politbarometer, Deutschland, CDU, SPD

"Honorarvereinbarung aufheben": Als Kanzlerkandidat regelt Peer Steinbrück seine Vergütung ein wenig anders als zuvor.©

Auch nach der Nominierung zum Kanzlerkandidaten der SPD hält Peer Steinbrück einem Medienbericht zufolge weiter Vorträge vor Vertretern großer Konzerne. Sein Honorar lasse er nun aber an gemeinnützige Projekte spenden, berichtete die "Bild am Sonntag". Am vergangenen Montag sprach Steinbrück demnach bei einer Veranstaltung mit etwa 60 Aufsichtsräten deutscher Spitzenunternehmen, zu der die Unternehmensberatung Egon Zehnder International in das Luxushotel Villa Kennedy in Frankfurt am Main eingeladen habe.

Egon Zehnder International teilte nach Angaben der Zeitung mit, Steinbrücks Auftritt sei bereits im Frühjahr vereinbart worden. Nach seiner Ernennung zum SPD-Kanzlerkandidaten am 28. September habe Steinbrück das Unternehmen gebeten, die "Honorarvereinbarung aufzuheben und das Honorar an eine gemeinnützige und karitative Organisation zu spenden". Zur Höhe des Honorars wollten den Angaben zufolge weder Egon Zehnder International noch ein Sprecher Steinbrücks Angaben machen.

80 bezahlte Vorträge seit 2009

Die "Bild am Sonntag" zitierte Gäste der Veranstaltung, nach deren Angaben sich Steinbrück kritisch zu Forderungen nach einer Frauenquote in Aufsichtsräten geäußert habe. Davon halte er "persönlich" nichts, schrieb die Zeitung. Auf Anfrage des Blatts habe ein Sprecher Steinbrücks dazu gesagt, dies treffe nicht zu. "Peer Steinbrück hat bei dieser wie bei zahlreichen anderen Gelegenheiten erklärt, dass er für die Einführung einer Frauenquote in Aufsichtsräten ist", sagte der Sprecher demnach.

Laut "Bild am Sonntag" soll Steinbrück am 14. November bei einem Festessen des deutschen Ablegers der italienischen Bank UniCredit, der unter dem Markennamen HypoVereinsbank firmiert, in der Staatsgalerie in Stuttgart sprechen. Die SPD habe angegeben, dass das Honorar hierfür ebenfalls gespendet werden solle. Vermittelt wurde die Rede nach Angaben der Zeitung von Kristina Gräfin Pilati, der Ehefrau von Steinbrücks Parteifreund und Ex-Kanzlerkandidat Rudolf Scharping.

Steinbrück war wegen zahlreicher gut bezahlter Vorträge in seiner Zeit als Bundestagsabgeordneter in die Kritik geraten. Er gab auf der Bundestagshomepage an, seit dem Jahr 2009 rund 80 bezahlte Vorträge und Reden gehalten zu haben, größtenteils mit einem Honorar von mehr als 7000 Euro. Koalition und Opposition streiten seither über eine Neuregelung der Pflichten zur Veröffentlichung der Nebeneinkünfte von Abgeordneten. Schwarz-Gelb will das bestehende Stufenmodell erweitern, die Opposition fordert eine centgenaue Offenlegung aller Einkünfte.

ins/AFP
 
 
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