Steinbrück beklagt Merkels "Frauenbonus"

30. Dezember 2012, 09:54 Uhr

Peer Steinbrück lässt nichts aus. Erst kritisiert er das Kanzlergehalt als zu niedrig, jetzt bringt er die Popularität von Angela Merkel mit ihrem Geschlecht in Verbindung.

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Eckt erneut mit einer Interview-Äußerung an: SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück schreibt Angela Merkel einen "Frauenbonus" zu©

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück führt die Popularität von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) darauf zurück, dass sie eine durchsetzungsstarke Frau ist und bescheiden wirkt. "Angela Merkel ist beliebt, weil sie einen Frauenbonus hat", sagte Steinbrück der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Weibliche Wähler würden ihre Durchsetzungskraft in hohem Maße anerkennen. Die Kanzlerin habe sich "in einer Männerwelt durchgesetzt, wirkt sehr unprätentiös und tritt bescheiden auf". Auch bei SPD-Wählern komme das gut an. "Das heißt aber nicht, dass ich als der Gottseibeiuns wahrgenommen werde", fügte Steinbrück hinzu.

Sein Verhalten will der Kanzlerkandidat nicht an den Vorteilen seiner Gegnerin im Bundestagswahlkampf ausrichten. Er werde nicht versuchen, sich grundsätzlich zu ändern oder in einem Kurs zu lernen, Beliebtheitspunkte zu sammeln. "Das würde ohnehin als Schauspielerei entlarvt", sagte Steinbrück. Wahlen würden nicht nach Beliebtheit entschieden. 2005 sei er als Ministerpräsident Nordrhein-Westfalens beliebter gewesen als sein damaliger Kontrahent Jürgen Rüttgers von der CDU und habe trotzdem die Landtagswahl verloren.

Klage über Höhe des Kanzlergehalts

Ebenfalls in der "FAS" hatte sich Steinbrück zuvor bereits über das http://www.stern.de/politik/deutschland/debatte-ueber-gehalt-steinbrueck-haelt-kanzlerjob-fuer-unterbezahlt-1947925.html;geringe Gehalt eines Bundeskanzlers beklagt.# "Ein Bundeskanzler oder eine Bundeskanzlerin verdient in Deutschland zu wenig - gemessen an der Leistung, die sie oder er erbringen muss und im Verhältnis zu anderen Tätigkeiten mit weit weniger Verantwortung und viel größerem Gehalt", sagte Steinbrück. Auch Bundestagsabgeordnete seien nicht überbezahlt, betonte der SPD-Politiker.

"Nahezu jeder Sparkassendirektor in Nordrhein-Westfalen verdient mehr als die Kanzlerin", argumentierte er. Abgeordnete des Bundestages arbeiteten fast sieben Tage die Woche, durchschnittlich 12 bis 13 Stunden. "Manche Debatte, die unsere Tugendwächter führen, ist grotesk und schadet dem politischen Engagement."

Steinbrück hatte in den Wochen zuvor einräumen müssen, neben seiner Abgeordnetentätigkeit durch Vorträge in dieser Legislaturperiode weit über einer Million Euro verdient zu haben. Weitere Einkünfte aus Buchhonoraren will er nicht preisgeben. Bei seiner Nominierung zum Kanzlerkandidaten hatte Steinbrück sich selbstkritisch gezeigt und die Vortragshonorare als "Wackersteine" in seinem Gepäck und auf den Schultern der Partei bezeichnet.

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