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Ein bisschen Frieden

Zwei Prozent mehr, das ist, gemessen am Anspruch, den SPD-Spitzenkandidat Ude hatte, so gut wie nichts. Aber es ist etwas. Die Genossen sind bescheiden geworden.

Von Marius Gerads

  Ein kleines Plus: SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück und SPD-Vorsitzender Sigmar Gabriel

Ein kleines Plus: SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück und SPD-Vorsitzender Sigmar Gabriel

  • Marius Gerads

Eine Überraschung? Nein. Als am Sonntag um 18 Uhr die ersten Hochrechnungen über die Bildschirme der SPD-Parteizentrale in Berlin flimmerten, ist keiner schockiert. Und keiner erfreut. Nur als der Balken der CSU erst bei 48,7 Prozent aufhört zu wachsen, geht ein Raunen durch die Menge. Die SPD hat etwa 20,5 Prozent der Stimmen bei der bayrischen Landtagswahl geholt. Es wird anstandshalber verhalten geklatscht.

Und gejubelt, als die Nachricht kommt, dass die FDP aus dem bayrischen Landtag fliegt. "Na immerhin wenigstens etwas", sagt ein alter SPD-Genosse. Ein schwacher Trost. Der Spitzenkandidat der SPD, Münchens Oberbürgermeister Christian Ude, war eigentlich angetreten, die ewige CSU-Regentschaft mit einem Bündnis aus SPD, Grünen und Freien Wählern abzulösen. Und Ude war vielleicht der einzige Kandidat, der das hätte schaffen können. Geschafft hat er ein kleines Plus. Trotzdem kann die CSU wieder mit absoluter Mehrheit regieren.

Freude über schwache FDP

Die Parteispitze gibt sich betont lässig. Als der Parteichef Sigmar Gabriel und Kanzlerkandidat Peer Steinbrück die Bühne im Willy-Brandt-Haus betreten, wirken sie gut gelaunt. Zwar hätten sie das Wahlziel nicht erreicht, aber die SPD habe als einzige der Oppositionsparteien dazugewonnen, sagt Gabriel. Das ist die Formel, die auch schon Andreas Nahles in einem TV-Statement benutzt hatte. Eine Sprachregelung. Sie soll ein bisschen Sonnenschein verbreiten. Für die Bundestagswahl, für Peer Steinbrück.

Mehr Hoffnungen als die eigene Stärke macht den Sozialdemokraten die Schwäche der anderen. "Der Einzug der FDP in den Bundestag ist seit heute Abend nicht sicher", frohlockt Gabriel. Steinbrück erinnert an vergangene Landtagswahlen: "Es ist die 13. Landtagswahl hintereinander, bei denen die schwarz-gelbe Liebesheirat aufgekündigt worden ist." Gleichwohl: Unter den einfachen Parteimitgliedern im Willy-Brandt-Haus will niemand darauf wetten, dass es die Liberalen nicht mehr ins Parlament schaffen.

Und was wird aus Rot-Grün?

Und steht die Wette auf Rot-Grün noch? Auf jeden Fall! Denn die Bayern-Wahl, so heißt es, sei kein Modell für den Bund. In Bayern würden die Uhren anders ticken. Die Tradition, die regionalen Besonderheiten - es lassen sich viele Gründe finden, weshalb die Landtagswahl kein Trend gegen Rot-Grün in Berlin sei. "Auf dem Land wird halt anders gewählt, als in der Stadt", sagt Judith Hülsenbeck von der Berliner SPD-Basis.

Man muss schon lange suchen, um jemanden zu finden, der sich die eigene Lage nicht schönredet. Eine Genossin immerhin sagt etwas, wenn auch unter der Maßgabe, ihren Namen nicht zu nennen. "Ich glaube, dass das auf die allgemeine schlechte Verfassung der Bundespartei zurückzuführen ist. Das ist doch schon fast eine chronische Krankheit der Partei, dass sie sich in entscheidenden Momenten immer selbst ein Bein stellt. Zum Beispiel bei der Wahl des Kanzlerkandidaten."

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