stern.de für unterwegs
. .
Politik in Deutschland
RSS Mobil Wetter stern.de Blogs Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Günther Jauch
sternTV - Information und Unterhaltung mit Günther Jauch

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

 
26. Oktober 2009, 20:04 Uhr

Ohne Heil in die Krise

Steinmeier? Gabriel? Ja, wo sind sie denn? Die SPD schickte am Montag den Noch-Generalsekretär Hubertus Heil vor die Presse. Dessen wichtigste Nachricht: Er kandidiere nicht mehr für den Parteivorstand. Opposition geht irgendwie anders. Von Johannes Schneider

Zoom
Hubertus, Heil, SPD, Generalsekretä,r, Willy-Brandt-Haus, Sigmar, Gabriel, Frank-Walter, Steinmeier, Leitantrag, Opposition

"Rock bottom": Noch-Generalsekretär Hubertus Heil© David Hecker/ddp

Im Sommer dieses Jahres bescheinigte der US-TV-Moderator Jon Stewart dem Ex-Gouverneur von Ilinois, Rod Blagojevich, nun endgültig den Tiefpunkt erreicht zu haben. "To hit rock bottom", wie das auf Englisch so schön heißt. Damals war ein Internet-Video aufgetaucht, das den korrupten Ex-Politiker, der vor einem Jahr den frei werdenden Senatssitz Barack Obamas gegen Geld veräußerte, bei einem Auftritt als Elvis-Imitator auf einem Chicagoer Straßenfest zeigte.

Gemessen an Blagojevich ist die SPD noch gut aufgestellt, hat sie doch den Machtverlust überlebt, ohne dass einzelne Akteure zu Elvis-Imitatoren wurden. Im Gegenteil: Die SPD hat nun sogar wieder einen Plan für die Zukunft, in Form eines Leitantrags für den bevorstehenden Dresdener Parteitag. Mit dem trat Hubertus Heil am Montag vor die Presse. Leicht erkältet und höchstens optisch ein wenig an den späten Elvis gemahnend resümierte der scheidende Generalsekretär im Atrium des Willy-Brandt-Hauses, dass man sich in einer konzentrierten Präsidiumsdebatte mit nur zwei Enthaltungen auf den Antrag festgelegt habe.

Von Gabriel am symbolträchtigen Tag keine Spur

Dieser sehe vor, die Niederlage aufzuarbeiten, elf Jahre Regierungsbeteiligung auszuwerden und die SPD als Oppositions- und "linke Volkspartei" neu aufzustellen. Sogleich folgte die Kostprobe: Die schwarz-gelbe Koalition sei finanzpolitisch unseriös, wirtschaftspolitisch ideenlos, sozialpolitisch ohne das nötige Verantwortungsbewusstsein und umweltpolitisch rückwärtsgewandt. Heil geißelte, um dann - im Sinne eines oppositionellen Alleinstellungsmerkmals der SPD - auch noch die Geißelung zu geißeln: "Wir werden uns wohltuend von denen abheben, die nur kritisieren." Irgendwer noch Fragen? Nein? Dann vielen Dank!

Vielleicht hätte einer der Journalisten - es waren erschreckend wenige gekommen - den Mut aufbringen müssen, die alles entscheidende Frage zu stellen: "Herr Heil, was machen Sie eigentlich noch hier?" Denn spätestens dort, wo Heil erwähnte, dass neben Franz Müntefering, Wolfgang Thierse, Hermann Scheer und Andrea Ypsilanti auch er selbst dem SPD-Bundesvorstand endgültig den Rücken kehren wolle, wäre das angebracht gewesen. Vielleicht wurde vielen aber auch erst im Nachhinein klar, welch skurriler Szene - so normal sie nach vier Jahren mit Heil als Generalsekretär auch wirken musste - sie dort beigewohnt hatten: Die große Oppositionspartei SPD schickte an jenem symbolträchtigen Tag, an dem ihre politischen Gegner den gemeinsamen Koalitionsvertrag unterzeichnen - jenen Vertrag, den die SPD unbedingt verhindern wollte - einen erkälteten Verlierer aus der 1,5ten Reihe vor die Presse. Oppositionsführerschaft sieht anders aus.

Verkrampft, entkernt, unglücklich

Nun ist die SPD derzeit nicht überreichlich gespickt mit Gewinnern, eine etwas weniger gruselige Lösung hätte sich aber gewiss finden lassen. Die Personalie Heil belegte an diesem Tag genau jene Form von Stoffeligkeit, mit der sich die SPD auch in der Opposition auf "rock bottom" zubewegt: Eine abgetauchte Führungsebene - in der Sendung von Anne Will zum schwarz-gelben Koalitionsvertrag vertrat der Grüne Jürgen Trittin die Opposition - schickt ein altes Gesicht aus dem verlorenen Wahlkampf 2009 vor die Presse. Vom designierten Parteivorsitzenden Sigmar "Hoffnungsträger" Gabriel fehlte derweil jede Spur.

Zu dessen Brandbrief von letzter Woche, der der SPD einen "katastrophalen" Zustand bescheinigte und diesen genau mit diesem Befund ein wenig milderte, wusste Heil nichts zu sagen, ebenso wenig zu den Beweggründen Hermann Scheers, aus dem Bundesvorstand zurückzutreten. Der umstrittene Koalitionsabschluss in Thüringen wurde von Heil natürlich begrüßt: Er sehe da viel "sozialdemokratische Handschrift". Während Heil mutmaßlich frohe Kunde verbreitete, wirkte er so verkrampft und entkernt wie nur Menschen wirken, die etwas verbergen - und dabei eigentlich unglücklich sind. Vielleicht war es aber auch wirklich Heils Erkältung, die ihm größere Emphase unmöglich machte. Und vielleicht wurde er - der in jeder Hinsicht Angeschlagene - auch tatsächlich nur deshalb vorgeschickt, weil alle anderen zeitgleich irgendwo an einer Wunderwaffe für die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen im kommenden Frühjahr bauten. Man würde es der SPD wünschen. "Rock Bottom" mit Hubertus Heil möchte wohl niemand erleben.

Von Johannes Schneider
KOMMENTARE (8 von 8)
 
ganzbaf (28.10.2009, 13:44 Uhr)
"Verkrampft, entkernt, unglücklich..."

Warum ist Schröder und "Seeheim" gescheitert?

Im Wettlauf zurück ins 19. Jahrhundert hat die SPD mit Erfolg versucht die frühkapitalistischen
Tendenzen der Kohl-Ära noch zu übertreffen.

Die Agenda 2010 ist nichts anderes als aufgewärmter CDU-Sozialabbau, den viele glaubten "abgewählt" zu haben, als sie Kohl einen Tritt verpassen,

Und der Wähler hat das endlich, bitterlich gemerkt
raptor-xl (27.10.2009, 13:20 Uhr)
@knilch
erstmal abwarten. arbeitslosigkeit verdoppeln, steuerlast hochschrauben, eu-stabilitätsnormen nicht einhalten, aussenpolitisch ins abseits gedrängt werden, bundeswehr in zig ländern (inklusive krisengebiete) aussenden und das größte schuldenloch aller zeiten hinterlassen, konnte bisher schröder.

danach entstanden wenigstens 800.000 arbeitsplätze und wäre diese finanzkrise nicht gekommen, hätte man wenigstens etwas der vielen schulden abgebaut. das war schwarz und rot.

also erst einmal sehen, was schwarz mit gelb so macht. schlimmer kanns kaum werden... nur sollte man erst einmal abwarten. 100 tage hat jeder zeit. so viel anstand muss sein.
knilch_59 (27.10.2009, 11:57 Uhr)
@raptor-xl
Den Mist, den Schwarz/Gelb als Start hingelegt hat, kann sich keine linke Regierung trauen. Unseriöser wurde niemals in der Vergangenheit versprochen und gewirtschaftet, als mit diesem "Koalitionsvertrag".
.
Schwarz/Gelb konnte noch nie mit dem Geld anderer Leute umgehen, sondern es immer nur in die eigenen Taschen umlenken. Aber diesmal wird das Entzaubern schnell gehen, dafür lang anhalten. Danach ist endgültig Schluss mit dem Mythos, wonach Schwarz/Gelb Ahnung von Wirtschaft oder Staatsfinanzen hat.
raptor-xl (27.10.2009, 10:30 Uhr)
mag sein, dass die spd zu leise ist...
mag aber auch sein, dass sie sich erst einmal finden muss. sie sagt so viel in der vergangenheit gesagt, was sich dann als unsinn rausstellte, vielleicht ist da eine einkehr mal hilfreich. und wenn sie sich gefunden hat, ist immer noch genügend zeit für angriffe auf die regierung...
die linken, die immer alles besser wissen und geld verteilen wollen, was gar nicht da ist, sind mir da viel mehr ein dorn im auge. die würden gerne die kapitalisten nutzen, die dann deren sozialismus bezahlen sollen. eine sich selbst tragende finanzierung schaffen die eh nicht, aber es ist doch toll, wenn man den ganzen tag unsinn labern kann und keiner kanns überprüfen. ---obwohl, halt! jetzt demnächst ja doch. in brandenburg wird es ja wieder mal versucht. mal schauen, was passiert. ich wette, auch in brandenburg verdient in einem jahr die friseurin nicht mehr als 6,50 pro stunde. oder der haushalt ist total verschuldet...
so wars in meck-pomm, sachsen-anhalt und ist in berlin immer noch so.
den beweis, dass links einen haushalt sanieren kann, sind sie bis heute schuldig. den beweis, dass sie einen staatsbankrott schaffen können, haben sie aber schon erbracht.
Sozimod (27.10.2009, 01:02 Uhr)
Überhaupt nichts zu lachen
@n8g8:
Mir ist schon lange das Lachen vergangen.
Aber auch als Linksparteiwähler, oder Mitglied, sollte man bedacht sein, was man wie schreibt. Schadenfreude wird niemandem in Deutschland helfen .
Es war unter Rot-Grün, sowie Rot-Schwarz
eine Regeirung die die Mehrheitswünsche der Bürger ignoriert haben. Ich bin nur entsetzt was aus der SPD wurde. Ich hoffe Oskar Lafontaine macht auch Bundesweit weiter.
n8g8 (27.10.2009, 00:14 Uhr)
Passt schon sooo zur SPD!
"Die SPD schickte am Montag den Noch-Generalsekretär Hubertus Heil vor die Presse. Dessen wichtigste Nachricht: Er kandidiere nicht mehr für den Parteivorstand. Opposition geht irgendwie anders."
Eben drum wird Die Linke es sehr, sehr leicht haben, sich als Opposition zu positionieren. Und betrachtet man noch die Jamaikaner Grünen und ihren kriegstreiberischen Nichtabzug bis 2013 aus Afghanistan, ist die Welt für mich zumindest völlig in Ordnung.
Die Wespen-Koalition hat die Mehrheit eh verdient. Und ich freue mich auf weitere unterhaltsame, lustige Jahre als Anhänger der echten und einzigen Opposition zu den neoliberalen Schmonzetten, egal mit welcher Farbe sie ihre Fassade tünchen, von Blassrosa bis Gelbbraun, werde ich die nächste Zeit viel zu lachen haben. In erster Linie über die mehrheitlichen Immer-wieder-Wähler!!! Über deren langen Gesichter amüsiere ich mich übrigens schon heute köstlich! Freude und Vorfreude ist eben einfach bei DEM Volk die schönste Freude!!! :-)))
Geziefer (26.10.2009, 22:42 Uhr)
Is ja schon OK so...
Sonst keine(r) mehr, die/der etwas zur SPD zu sagen hat???

Na gut, dann eben nicht.
knilch_59 (26.10.2009, 20:20 Uhr)
Lasst mal gut sein
Dieser Koalitionsvertrag ist das Papier nicht wert, auf das er gedruckt wurde. Da ist nichts zu kommentieren und dann ist es vielleicht sogar richtig das Terrain dem geborenen Ersatzhilfsreservevertreter Trittin zu überlassen. Der kann das Nichtssagen des Koalitionsvertrages mit lautstarkem Nichtantworten parieren.
.
Die SPD soll ruhig mal 4 Wochen die Klappe halten, die Welt dreht sich auch ohne sie weiter. Und falls man irgendwann auch mal wieder weiß, was man sagt, kann man sich auch wieder zu Wort melden!
MEHR ZUM ARTIKEL
Leitantrag zum Parteitag SPD will weitere Öffnung zur Linkspartei

Kein "alles neu", aber auch kein "weiter so": Vor dem Parteitag im November hat die designierte SPD-Spitze den künftigen Kurs der Sozialdemokraten abgesteckt. Ausdrücklich sieht der Leitantrag des Parteivorstands die SPD weiterhin als Volkspartei. Umstrittene Reformen aus der Regierungszeit sollen geprüft, das Verhältnis zur Linkspartei entkrampft werden. mehr...

Verwandte Fragen

von yogibear42: Gibt es echten Zufall?

Sie kennen die Antwort? Beantworten Sie die Frage hier oder senden Sie selber eine Frage

 
stern.de in Social Networks
 
Mobil
 
Widgets
 
 
Adobe Flash Player