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Fünf Gründe, warum Martin Schulz Kanzler wird

Zum SPD-Parteitag liefern wir Ihnen fünf Gründe, warum Martin Schulz Kanzler wird - und drei Gründe, weshalb er doch noch scheitern kann. Eine Prognose.

Martin Schulz, die ganze Hoffnung der SPD

Martin Schulz, die ganze Hoffnung der SPD

Darum wird der SPD-Kandidat im Herbst ins Kanzleramt einziehen:

1. Der #Schulzzug: "Nur wenn wir selbst begeistert sind, können wir auch andere begeistern", hat Oskar Lafontaine gesagt, bevor er einst Rudolf Scharping aus dem Amt des SPD-Vorsitzenden putschte. Nach diesem Maßstab steht die Partei heute kurz vor der absoluten Mehrheit. Mehr als 13.000 Menschen sind seit der überraschenden Nominierung von Martin Schulz zum Kanzlerkandidaten in die eingetreten. Dazu kommt ein Feuerwerk von Sprüchen, Memes und GIFs in den sozialen Netzwerken. All das hilft im Wahlkampf gewaltig.

2. Genosse Trend: Lange Jahre galt für ihn eine Vermisstenmeldung. Jetzt ist er wieder da. Die SPD hat sich nicht nur in den bundesweiten Umfragen um rund zehn Prozentpunkte verbessert. Auch bei den Landtagswahlen in den nächsten Wochen winken Wahlsiege, mit denen keiner mehr gerechnet hatte: Im Saarland könnte es die erste rot-rote Koalition in einem westdeutschen Bundesland geben. In Schleswig-Holstein hat Rot-Grün laut der letzten Umfrage plötzlich wieder eine Mehrheit. Und in Nordrhein-Westfalen visiert die SPD die 40-Prozent-Marke an. Jeder der möglichen Erfolge nährt den nächsten. So kann die Partei den Schwung der Schulz-Nominierung aller Wahrscheinlichkeit nach bis in den Frühsommer verlängern. Falls es in Nordrhein-Westfalen gar zu einer sozialliberalen Koalition kommt, kann sogar die lästige Diskussion um die Regierungsfähigkeit von Rot-Rot-Grün loswerden.

3. Die Merkel-Müdigkeit: Kanzler werden nicht gewählt, sondern abgewählt. So lautet eine Weisheit der Politikforscher. Angela Merkel hat noch immer ein hohes Ansehen, aber Abnutzungserscheinungen sind nach bald zwölf Jahren unübersehbar. CDU und CSU sind zerstrittene Schwestern. Der Kanzlerin selbst fällt es schwer, einen klaren Grund zu nennen, warum sie weitermachen will - oder soll. 2013 konnte sie im TV-Duell noch als Argument für ihre Wiederwahl anführen: "Sie kennen mich." Heute würden deutlich mehr Deutsche antworten: Eben.

4. Trump: Die Wahlerfolge der Populisten, die Brexit-Entscheidung und die Präsidentschaft von Donald Trump führen in Teilen Europas und offenbar auch in Deutschland zu einer Gegenreaktion. Der leidenschaftliche Europäer Martin Schulz kann davon viel mehr profitieren als die kühle Analytikerin . Der Herausforderer spricht viel emotionaler das an, was auf dem Spiel steht. Schulz ist der Anti-Trump und zugleich ein netter Populist, der auch Nichtwähler und zeitweilige AfD-Sympathisanten erreicht.

5. Schulz selbst: heißt heute: Geschichten erzählen. Und die Story des kleinen Mannes aus Würselen , des Alkoholikers, der tief stürzte und doch wieder aufstand, ist einfach verdammt gut. Trotz vieler Jahre im Brüsseler Apparat wirkt er doch wie ein Outsider, der die Hauptstadt-Politik aufmischen kann. Von so einem Image profitierten einst Gerhard Schröder und auch Barack Obama. Und Martin Schulz ist wegen seiner internationalen Erfahrung trotzdem jederzeit zuzutrauen, dass er Theresa May, Donald Trump oder wem auch immer die Stirn bietet. Das mögen vor allem die männlichen Wähler, die zum Teil heimatlos waren.

Und warum Martin Schulz trotzdem scheitern kann

1. Eine Krise: Wenn Bomben explodieren, Menschen sterben und plötzlich alles auf dem Spiel steht, dann versammeln sich die Menschen hinter ihrer bewährten Kanzlerin. Die Chance von Schulz ist, dass es so gut geht, dass man sich den Wechsel leisten kann. In einer schweren Krise ändern sich die Prioritäten. Wenn die Welt schon aus den Fugen ist, dann will man wenigstens an der Chefin der Regierung festhalten.


2. Seine Partei: Die SPD hat über kurz oder lang noch jede Führungsfigur demontiert. Dem Rausch der Begeisterung folgten zuverlässig Frust, Streit und Rechthaberei. Schulz ist zurzeit eine Projektionsfläche. Wenn der Kandidat konkreter wird, muss er Genossen auch mal vor den Kopf stoßen. Nicht alle Umverteilungsträume der Jusos werden in Erfüllung gehen. Mit sozialer Gerechtigkeit allein lassen sich keine Wahlen gewinnen. Ein Kanzlerkandidat braucht auch Wirtschaftskompetenz. Die Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück und Frank-Walter Steinmeier scheiterten nicht nur an sich selbst, sondern auch an ihrer Partei. Diese Gefahr ist für Schulz, der auch den Parteivorsitz übernimmt, geringer - aber nicht zu vernachlässigen.

3. Schulz selbst: Rentenniveau, Schuldenbremse und Asylbeweberleistungsgesetz - die Innenpolitik ist verdammt kompliziert. Und Adam Riese ist ein mächtiger Mann. Bei einem Kanzlerkandidaten wird jeder Vorschlag und jede Zahl nachrecherchiert. Rudolf Scharping wurde die Verwechslung von Brutto und Netto nie mehr los. Martin Schulz hat mit Merkel eine Gegnerin, die in den Details zuhause ist. Im TV-Duell würde sie ihn nach einem Fehler sofort vorführen, ganz sachlich und doch vernichtend. Einen Klops hat sich Schulz schon geleistet: Er behauptete, dass 40 Prozent der 25- bis 35-Jährigen befristete Arbeitsverträge hätten. Dabei sind es weniger als halb so viele. Wenn ihm solche Pannen häufiger passieren, dann wird es garantiert nichts mit dem Kanzleramt.

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