26. September 2012, 19:15 Uhr

Steinbrücks Bewerbungsmappe

Steinbrück sagt den Zockern der Finanzmärkte den Kampf an. Die Bewerbung für die Kanzlerkandidatur? Nein, nein, beteuert er. Allerdings er tritt so auf, dass klar werden soll: Ich kann. Und ich will.

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Mit der 25-seitigen Kampfansage an die Finanzmärkte prescht Peer Steinbrück voraus©

Erpressbare Politiker, zockende Banker - Da stimme doch etwas nicht mehr, würden sich die Leute fragen, empört sich Peer Steinbrück. Er ist in seinem Element, wenn er den Bankern an den Kragen will. "Bändigung der Finanzmärkte", steht auf dem Thesenpapier, das er am Mittwoch in Berlin vorstellt. In normalen Zeiten wäre da kein großes Bohei gemacht worden. Aber es sind keine normalen Zeiten: Die SPD will sich bis Ende des Jahres für einen Kanzlerkandidaten entscheiden. Und so ist die Presselobby im Reichstagsgebäude rappelvoll, für die letzten gibt es keine Stühle mehr. Während ein Dutzend Kameraleute Steinbrück ihre Objektive vors Gesicht halten, referiert er über das 25-seitige Konzept. Es wirkt wie eine Bewerbungsmappe für die Kanzlerkandidatur.

Er selbst wischt die K-Frage wieder und wieder vom Tisch. Wer auch immer das am Ende sein mag. "Die Sachausrichtung muss übereinstimmen mit dem Kandidaten." Authentisch müsse er sein. Aber das tue hier nichts zur Sache, beteuert Steinbrück. Dabei soll sein Auftritt jedoch genau das sagen: derjenige bin ich.

Gabriel stolpert, Steinmeier schweigt

SPD-Chef Sigmar Gabriel hatte bereits seine große Show mit seinem Renten-Plan. Nur, dass ihm die Partei-Linke einen Strich durch die Rechnung gemacht hat und seine Ideen kritisiert. Die Umfragen bescheinigten ihm ohnehin die geringste Sympathie der Wähler im Vergleich zu den anderen Bewerbern. Und so nutzt Steinbrück nun die Gunst der Stunde und prescht mit seinen Forderungen nach vorne: Ratingagenturen schärfer kontrollieren, Boni der Banker deckeln, Banken am Rettungsfonds beteiligen. Das ist populär und umgarnt gerade den Flügel der Partei, den Gabriel vergraulte. Während SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier kaum noch auf der Bildfläche erscheint, hat sich Steinbrück von seinen beiden Konkurrenten abgesetzt.

Dabei gibt er sich bescheiden, demonstriert bewusst Einigkeit: Steinmeier hätte das Konzept im Vorfeld gesehen, versichert Steinbrück. Doch sein Büro hat es geschrieben. Er könnte damit sich und seine Ideen in Szene setzen, "Ich will nicht mehr, dass Staat und Steuerzahler für illiquide Banken haften", hätte er rufen können, verzichtet aber auf die Formulierung: Wir wollen, wir fordern, wir kritisieren, sagt er stattdessen. Wir, die SPD-Spitze. Dem Duell geht er aus dem Weg. Denn er weiß, dass er mit Inhalten am besten punkten kann.

Steinbrück keilt bereits gegen die Kanzlerin

Steinbrück bringt sich schon einmal gegen Angela Merkel in Stellung: Er wolle keine "marktkonforme Demokratie", wie sie die Kanzlerin ausrief. Im Gegenteil: "Wir wollen eine demokratiekonforme Marktwirtschaft", fordert er. Die Durchsetzung der Finanztransaktionssteuer würde sie verschleppen. "Still ruht der See", wirft er ihr vor und kündigte an nun mit den Grünen in die Offensive zu gehen. "Als Kanzlerkandidat?", fragt ihn einer der Journalisten. Keine Bestätigung, kein Dementi. Er lacht laut. Die ewige Fragerei nach den Personalien könne er längst nicht mehr hören: "Ich bin kein Gladiator", beteuert er. Dabei steht er längst in der Arena.

Von Jonas Gerding
 
 
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