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8. November 2009, 21:15 Uhr
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Auf der Suche nach Profil und Selbstkritik

Wenige Tage vor dem Bundesparteitag der SPD haben verschiedene Sozialdemokraten ihre Partei zur Selbstkritik und einem schärferen Profil aufgefordert. Das desaströse Wahlergebnis müsse Konsequenzen haben.

SPD, Parteitag, Sigmar Gabriel

Gabriel mit Genossen im Hofbräukeller© Andreas Gebert/DPA

Für den SPD-Parteitag am kommenden Wochenende in Dresden erwartet die Partei-Linke einen selbstkritischeren Blick auf die Regierungsjahre der Sozialdemokraten. Zum offiziellen Leitantrag werde es keinen Gegenvorschlag, wohl aber deutliche Änderungsanträge geben, kündigte der mittelhessische SPD-Politiker Stephan Grüger nach einem "Basis-Ratschlag" am Sonntag in Kassel an. Kernthemen seien dabei die Rente mit 67 sowie Hartz IV. Zu dem partei-offenen, aber nichtöffentlichen Treffen waren statt erwarteter 100 rund 300 SPD-Mitglieder aus ganz Deutschland angereist. Es herrsche "Aufbruchstimmung", die SPD dürfe nach dem Debakel der Bundestagswahl nicht einfach zur Tagesordnung übergehen, fasste der frühere Juso-Vize Grüger die Stimmung des Treffens zusammen. "Wenn wir offen zu unseren Fehlern stehen, können wir auch besser von unseren Erfolgen reden." Grüger kritisierte, dass sich der Leitantrag nicht klar zu den "Reizthemen" Rente mit 67 sowie Hartz IV äußere. Hier müsse die Partei zu ihren Fehlern stehen. Bei Hartz IV seien dies die geringe Höhe der Leistungen und des Schonvermögens, sowie der "Bürokratismus". Die Rente mit 67 sei insgesamt "zumindest fragwürdig". Beides werde in Änderungsanträge eingehen. Zahlreiche Teilnehmer warfen ihrer eigenen Partei vor, während ihrer Regierungsjahre eine "neoliberale Politik" verfolgt und Arbeitnehmerinteressen vergessen zu haben. Jetzt werde aber wieder diskutiert. Grüger kündigte an, er werde mit weiteren SPD-Mitgliedern eine "Sommerschule" organisieren, um die Basis-Diskussion fortzusetzen. In Dresden werde Sigmar Gabriel seine Stimme für den Parteivorsitz bekommen. Von der Parteispitze erwarte er aber, "dass sie die Aufbruchstimmung aufnimmt".

Auch Gabriel besorgt um das Profil

Auch der designierte SPD-Chef Gabriel hat seine Partei aufgerufen, ihr sozialdemokratisches Profil wieder deutlich stärker herauszustellen als bisher. "Wenn eine Partei in alle Richtungen verliert, dann hat sie eines nicht: ein klares Profil", sagte Gabriel vor mehreren hundert SPD-Mitgliedern im Münchner Hofbräukeller. Und dabei schreie "die Zeit geradezu nach sozialdemokratischen Antworten", betonte er mit Blick auf die aktuelle Wirtschaftskrise.

Gabriel forderte eine breite und intensive Debatte über das desaströse SPD-Bundestagswahlergebnis. Dabei wolle er aber "mit dem Finger nicht auf andere zeigen". Denn auch er selbst sei mitverantwortlich "für alles, was wir getan haben". Wenn man Wahlen verliere, dann sei man gut beraten, "nicht so zu tun, als gibt es Schuldige und Unschuldige", betonte er.

Scharfe Kritik übte der designierte SPD-Vorsitzende an der Politik der neuen schwarz-gelben Bundesregierung. "Das ist eine Klientelkoalition gegen das Gemeinwohl", sagte Gabriel.

AFP/DPA
KOMMENTARE (7 von 7)
 
Oetker333 (09.11.2009, 14:04 Uhr)
Lach mich schlapp
Wenn ich die Anhänger der Linkspartei höre muss ich wirklich schmunzeln. Die SPD wird angeblich von der Linkspartei abgelöst. Da verkennen ein paar Leute die Realität. Erstens hat die SPD immernoch doppelt so viele Stimmen als die Linkspartei. Zweitens ist die Linkspartei längst noch nicht in der Gesellschaft angekommen siehe NRW-Wahlprogramm. Drittens befinden sich Kommunisten (damit meine ich nicht die SED-Kader), Verrückte im Westen und andere Radikale in der Partei. Viertens belegen Lafontaine und Gysi die untersten Plätze in der Beliebtheitsskala noch hinter Ulla Schmidt. Fünftens hat die SPD genauso viele Stimmen an schwarz-gelb verloren wie an die Linkspartei.
Da sieht man wieder dass die Linkspartei wieder an Größenwahn leidet. Wenn sie an die Regierung wollen dann geht es nicht ohne die SPD. Daher müssen die Linken erstmal vom radikalen Kurs abweichen um überhaupt koalitionsfähig zu werden. Berlin und Brandenburg sind gute Beispiele.
P.S: Die große Programmdebatte bei der Linkspartei kommt erst noch. Hoffentlich werden sich Ramelow und Bartsch sprich die Realisten sich durchsetzen und nicht die Wagenknecht.
Prologo (08.11.2009, 23:38 Uhr)
knilch_59
Es stimmt, wenn die alten Schuldigen Steini, Münte Gabi und Nahli eine komplette Neuausrichtung anzetteln, dann ist das ein fressen für den politischen Gegner. Sie machen sich damit lächerlich.
Sie haben die Scheisse von Schröder und Steini ja mitgetragen und unterstützt.

Deshalb muss die SPD diese Totengräber der SPD endlich rausschmeissen. Das ist der erste Akt zur neuen Glaubwürdigkeit der SPD.

Nur eine neu gewählte Führung kann die
Neuausrichtung der SPD glaubwürdig verkaufen. Also muss die alte endlich weg.

Ansonsten werden sie von der Partei DIE LINKE abgelöst. Und dann zu Recht.

MfG,
Tobi
So einfach ist das.
n8g8 (08.11.2009, 23:19 Uhr)
@knilch_59
Oha, da haben Sie ja mal wieder wahre Worte geschrieben. Abgesehen von dem (poltisch verdienten) nicht vorhandenen Macht-Erhalt der "SPD" ... !!!
Wählen Sie sie wieder! Die Frage bleibt für Sie wieder nur WIEDER??? Wird es umgekehrt endlich auch so sein?
Die Antwort geben Ihnen die letzten elf Jahre!
Viel Vergnügen jedem SPD-Wähler auf der Suche nach seinem persönlichen Null-Wahlerfolg!!! Fortsetzung folgt.
knilch_59 (08.11.2009, 23:10 Uhr)
In der Glaubwürdigkeitsfalle
Für ihre Politik ist die SPD abgestraft worden, irgendwo im Nirwana zwischen Volkspartei und Gehilfe zu Mehrheitsbeschaffung gestrandet. Aber was würde jetzt der komplette Neustart bewirken? Eine komplette Neuausrichtung wäre gefundenes Fressen für den politischen Gegner, die SPD wäre die Lachnummer, weil Umfallerpartei.
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Es kann nur um eine entschlossene, aber allmähliche Korrektur gehen. Wenn das einigen SPD-Mitgliedern nicht schnell genug gehen sollte, müssten sie sich auch selbst den Schuh anziehen: wo war die aktive und deutliche Gegenwehr, als diese Beschlüsse gefasst wurden? Da gab es keine knappen Mehrheiten, sondern breiten Schulterschluss und demonstrierte Unterstützung, schließlich sollte der Machterhalt nicht unterminiert werden.
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Na ja, und ob ausgerechnet Nahles und Gabriel die geeigneten Gestalter / Gestalten sind, um dieses Dilemma aufzulösen, ist erst recht zu bezweifeln. Auch wenn die beiden so tun, als wollten sie die Lösung: zunächst mal sind sie persönlich unmittelbar Teil des Problems.
n8g8 (08.11.2009, 23:09 Uhr)
@Prologo
Na, nu sehens des mit dem Untergang der SPD doch bittscheen nicht gar so schwarz, Sie haben doch zumindest eine Alternative! :-)
Ich hoffe, die SPD landet endlich ganz tief unten in dem letzten Loch, das sie verdient hat. Jedem Verräter sei sein persönliches Plätzchen vergönnt!!!
Prologo (08.11.2009, 23:02 Uhr)
Fortsetzung der Beerdigung der SPD.
Was soll denn Profilsuche mit den alten Sargnägeln der SPD? Nicht auf die Schuldigen zeigen, sagt Gabriel! Da krieg ich einen Schreikrampf.

Die SPD braucht eine Totalerneuerung. Ohne Steinmeier, Münte, Gabriel und Nahles. Denn die haben ja die SPD vernichtet, indem sie den Todeskurs von Schröder verteidigt und fort gesetzt haben.

Statt Provilsuche müssen sie neues Führungspersonal suchen, in der SPD.
Man darf nicht auf die Schuldigen mit dem Finger zeigen. Also haltet das Maul und macht weiter so, mit den alten Totengräbern der SPD.

Ich kann gar nicht so viel fressen, wie ich kotzen möchte.

MfG,
Tobi
n8g8 (08.11.2009, 22:12 Uhr)
Die "SPD" ist alles...
... nur nicht auf der Suche nach einem Profil für die Wählerschaft, wertes Medien-Sandmännchen!!! Die "SPD" ist auf der Suche nach Sponsoren - möglichst aus der Wirtschaft!!!!
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