. .
Politik in Deutschland
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
5. Februar 2008, 06:40 Uhr

Niemand kennt die Unicef-Geldflüsse

So geht's nicht weiter. Das sagt Lothar Schruff, Wirtschaftswissenschaftler in Göttingen, der seit Jahren die Geschäftsberichte von Spenden-Organisationen untersucht. Im stern.de-Interview fordert er Unicef Deutschland auf, einen "klaren Schnitt" zu machen.

Pro Jahr sammelt Unicef Deutschland zirka 90 Millionen Euro Spenden. Aber niemand weiß, wie viel bei den Kindern ankommt© Michael Gottschalk/ddp

Herr Professor Schruff, bei der Unicef in Deutschland scheint es geschäftlich drunter und drüber zu gehen, die Vorsitzende Heide Simonis ist zurückgetreten. Was ist da los?

Offenbar hat sich niemand persönlich bereichert. Aber der Prüfbericht der KPMG dokumentiert Unregelmäßigkeiten, die der Alleingeschäftsführer zu verantworten hat.

Unicef Deutschland hat dennoch eine Pressemitteilung mit der Behauptung herausgegeben, alles sei in bester Ordnung.

Das ist skandalös. Diese Mitteilung wurde erst drei Wochen später auf Druck von KPMG zurückgezogen.

Der KPMG-Bericht weist zum Beispiel nach, dass Berater ohne Vertrag agierten und bezahlt wurden – das ist ein Geschäftsgebaren nach Gutsherrenart. Müsste der Geschäftsführer Dietrich Garlichs nicht zurücktreten?

Das kann nur der Vorstand entscheiden.

Warum hat der Vorstand nicht so entschieden?

Der Vorstand ist mit ehrenamtlichen Repräsentanten des öffentlichen Lebens besetzt, die von einer laufenden Überwachung der Geschäftsführung weit entfernt sind. Es reicht nicht aus, eine Prüfungsgesellschaft zu beauftragen, man muss dann auch die Ergebnisse zur Kenntnis nehmen.

Nun ist die Vorsitzende, die ehemalige Ministerpräsidentin Heide Simonis gegangen. Ist das nachvollziehbar?

Frau Simonis hatte verlangt, den Geschäftsführer so lange zu beurlauben, bis die Ermittlungen des Staatsanwalts gegen ihn abgeschlossen sind. Die Mehrheit des Vorstands war nicht bereit, das zu akzeptieren.

Heide Simonis sagt zum Beispiel, es sei nicht klar, wie mit dem Vermögen der Stiftung umgegangen wird. Sehen Sie das auch so?

Unicef Deutschland soll rund 90 Millionen Euro besitzen. Das Geld soll hauptsächlich aus Erbschaften und Nachlässen kommen und wird von einer eigenen Stiftung verwaltet. Was mit dem Vermögen geschieht und wo die Erträge hinfließen, bleibt intransparent.

An Ihrem Göttinger Lehrstuhl untersuchen Sie die Geschäftsberichte von Organisationen, die Spenden sammeln. Die besten können sich um den Transparenz-Preis bewerben, den die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Price Waterhouse Coopers vergibt. Wo steht Unicef im Ranking der Organisationen?

Unicef Deutschland hat sich bislang nicht an diesem Wettbewerb beteiligt. Es gibt Organisationen wie Ärzte ohne Grenzen oder die Welthungerhilfe, die in ihrer Berichterstattung vorbildlich sind. Unicef ist da weit abgeschlagen.

Sind Ihnen schon vor dem jetzigen Skandal Merkwürdigkeiten aufgefallen?

Unicef Deutschland sammelt Geld ein und leitet es an die Unicef-Weltorganisation weiter. Der deutsche Unicef-Geschäftsbericht liefert keine Information darüber, an welcher Stelle auf internationaler Ebene weitere Verwaltungskosten hängen bleiben und was letztlich bei den Kindern ankommt. Unicef Deutschland weist auch nicht aus, was der hauptamtliche Geschäftsführer verdient.

Welchen Schaden werden diese Ungereimtheiten, die nun zutage getreten sind, anrichten?

Auf dem Spendenmarkt herrscht ein heftiger Wettbewerb. Wenn eine Institution ins Gerede kommt, hat sie ein Problem. Bei Unicef soll nach ersten Informationen das Spendenaufkommen schon im Dezember 3,7 Millionen Euro unter Plan gelegen haben – und damals waren die Schlagzeilen noch viel kleiner als heute.

Was tun?

Die Glaubwürdigkeit ließe sich nur durch einen klaren Schnitt herstellen.

Das Gegenteil ist passiert: Nach Simonis hat wieder ihr Vorgänger Reinhard Schlagintweit übernommen, und der hat seinen Geschäftsführer mit Worten in Schutz genommen, er sei eben "großzügig". Was ist von einer solchen Erklärung zu halten?

Nichts. Das schadet nicht nur der wichtigen Arbeit von Unicef, sondern auch den anderen humanitär-karitativen Organisationen.

Professor Lothar Schruff

Professor Lothar Schruff ... lehrt an der Uni Göttingen Wirtschaftswissenschaften – mit dem Schwerpunkt Rechnungslegung und Prüfungswesen. Seit 2005 werden an seinem Lehrstuhl die Geschäftsberichte von Spenden sammelnden Organisationen geprüft. Grundlage dafür ist ein eigens entwickelter Kriterienkatalog. An jene Organisationen, die am besten abschneiden, verleiht die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Price Waterhouse Coopers den Transparenz-Preis; Schruff sitzt in der Preisjury. Die ersten Plätze belegten bislang: Kindernothilfe (2007), Ärzte ohne Grenzen (2006 und 2005)

Unicef Deutschland ... die Landesorganisation des UN-Kinderhilfswerks, wurde 1953 mit Sitz in Köln gegründet. Jährlich sammeln rund 8000 ehrenamtliche Helfer Spenden im Wert von 90 Millionen Euro ein. Schirmherrin der Organisation ist traditionell die Frau des Bundespräsidenten, derzeit also Eva Köhler. Die TV-Moderatoren Sabine Christiansen und Joachim Fuchsberger sind ehrenamtliche Botschafter von Unicef Deutschland.

Interview: Lutz Kinkel
 
 
KOMMENTARE (7 von 7)
 
heiner5362 (05.02.2008, 17:46 Uhr)
mit kinderpornographie
gleichzusetzen ist das gebaren dieser institution.
da wird schon im vorfeld das elend der kinder ausgebeutet für beraterverträge, die schwarz fifty/fifty vergeben gezahlt und abgerechnet werden.
ein vereinsstatut mit selbstermächtigung da hätte hitler sich die füsse dran gewärmt...
provisionszahlungen-wie bei einer drückerkolonne mannomannomann.
auf dem rücken der ärmsten lässt es sich immer noch am besten abzocken.
sitzt garlich nun endlich in u-haft oder schiebt er was religiöses vor wie scientology.
würd mich nicht wundern wenn der "herr" mal magnetmatratzen an gutgläubige rentner auf kaffeefahrten verhökert hat.
der ganze verein scheint äusserst aufs abkassieren aus zu sein.
StA und finanzprüfer, ihr seid doch sonst so schnell ???
nee erst mal lass ihn beweise beseitigen.
ich spende 1€ für ein kind mit hungerödem und er landet im topf für einen neuen dienstwagen des oberpfaffen da.. oberklasse natürlich
mir wird schlecht.
ab in den knast
weil
auf kosten bedürftiger abzocken ist das niederste was man sich vorstellen kann.
da ist ein banküberfall harmlos gegen.
geuler (05.02.2008, 11:25 Uhr)
unicef
nach gründlicher Überlegung, Lesen der mir zur Verfügung stehenden Informationen zu diesem Thema und nicht zuletzt durch den Rücktritt von Frau Simonis,habe ich mich entschlossen, ebenfalls mittelfristig meine Dauerspende einzustellen. Ich werde heute unicef entsprechend unterrichten. Die Entscheidung fällt nicht leicht, weil ja auch und vor allem "Unschuldige" davon betroffen sind.
Think-Smart (05.02.2008, 11:16 Uhr)
Unicef
Unicef geht eigentlich noch. Ich habe mir mal einige Projekte im Ausland direkt vor Ort von Terres des Hommes angehen. Die erscheinen da wie eine Sekte. Viel Politik und Gerede, kein handeln, leere Häuser. Das Haus in Saigon hat mal blankes Entsetzen bei uns ausgelöst.
Direkt an kleine Organisationen für gezielte Projekte spenden, ist immer noch am besten.
kalumeth (05.02.2008, 10:49 Uhr)
bedächtiger
...daß die Presse und Frau Simonis funktionieren ist doch Klasse! Auch andere Organisationen haben mal einen Ausreißer. Habe UNICEF gestern gemailt, daß ich MITTELFRISTIG aussteige, wenn nicht deutliche Aufklärung geschieht. Alles andere ist Aktionismus und das Kind in Afrika mit dem Bade ausschütten. Immerhin hängen da auch Schicksale dran... und UNICEF muß/kann/sollte jetzt die Chance zum Neuanfang nutzen. (Nur) dann bleibe ich auch dabei. Ein Dauerspender
bigbruno (05.02.2008, 10:43 Uhr)
Unicef-Abzocker?!
Da kann ich mich nur meinen Vorrednern anschließen. So einem Verein der sich nicht in die Karten schauen lässt, da gebe ich keinen Cent mehr! Macht erst einmal "Klar Schiff"! Dann gehts auf Ehrlicher weise weiter!
Fluminense (05.02.2008, 10:01 Uhr)
UNICEF
Ich weiß schon warum ich dieser Organisation (Geldvernichtungsmaschine)
nie mein Geld geschenkt habe. "Hilfsorganisationen" dieser Art (helfen sich am liebsten selbst) sind völlig undursichtig. Herr Schlaginweit ist ein Blender. Wahrscheinlich handelt es sich hier um einen ehemaligen Diplomaten.
undjetztnochder (05.02.2008, 08:02 Uhr)
Unicef boykottieren
Ich bin seit über 15 Jahren Unterstützer / Spender für Unicef Deutschland. Danke für diesen Artikel, ich werde nun nicht noch länger warten sondern meine Spenden an Unicef einstellen. Das Geld wird dann einer anderen Hilfsorganisation zu Gute kommen, im Artikel sind ja zwei Alternativen genannt.
MEHR ZUM ARTIKEL
Kinderhilfswerk Was ist los bei Unicef?

Dubiose Geschäfte, Misswirtschaft und dann der Rücktritt der Chefin Heide Simonis: Das Image von Unicef ist stark angekratzt. Nun werden erneut Forderungen nach mehr Transparenz laut und sogar der Entzug des Spendensiegels droht. Die Geschichte der Chaoswochen beim Kinderhilfswerk. mehr...

Misswirtschaft Wirtschaftsprüfer kritisieren Unicef scharf

Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG widerspricht Unicef Deutschland, ihre Untersuchung habe das Kinderhilfswerk entlastet. Stattdessen bekräftige KPMG die Vorwürfe von Verschwendung und Misswirtschaft bei Unicef. Zuvor war bereits die Vorsitzende Heide Simonis wegen Unstimmigkeiten zurückgetreten. mehr...

Unicef-Vorsitz Heide Simonis tritt zurück

Um die Querelen an der Spitze von Unicef-Deutschland zu beenden, ist Heide Simonis, Vorsitzende des Kinderhilfswerks, zurückgetreten. Wegen Verschwendungsvorwürfe war die Hilfsorganisation zuletzt in die Schlagzeilen geraten. mehr...

 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (23/2012)
Rettet die Liebe