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Die falschen Dementis der CMK

Im Auftrag der Illustrierten "Bunte" hat die dubiose Firma CMK die Politiker Franz Müntefering und Oskar Lafontaine ausspioniert. Das Unternehmen schiebt die Schuld nun zwei "ehemaligen freischaffenden Mitarbeitern" zu. Doch Recherchen von stern und stern.de widerlegen diese Behauptung.

Von Johannes Röhrig und Hans-Martin Tillack

"Verfolgt und ausgespäht" - unter dieser Überschrift berichtet der stern in dieser Woche über die Bespitzelung von Ex-SPD-Chef Franz Müntefering und Linkspartei-Noch-Chef Oskar Lafontaine. Schattenmänner haben ausgepackt; Observationsprotokolle wurden öffentlich, der Auftraggeber der Recherchen ist bekannt. Dennoch will niemand für die dubiosen Aktionen verantwortlich sein. Die Berliner Firma CMK, die von der Illustrierten "Bunte" mit den Recherchen zum Privatleben von Politikern beauftragt worden war, schiebt die Schuld nun zwei "ehemaligen freischaffenden Mitarbeitern" zu. Das ist dreist. Und das ist falsch

Die Firma CMK führt ein Doppelleben. Öffentlich tritt sie als Fotoagentur vornehmlich für Promi- und Paparazzi-Bilder auf. Daneben bot CMK Recherchedienste an, die sich in einem Bereich bewegten, in dem Journalisten nicht tätig werden können, ohne sich die Finger schmutzig zu machen. Das hat nun auch der operative Kopf der Firma CMK, der 38-jährige Münchner Kaufmann Stefan Kießling, in einer Presseerklärung indirekt eingeräumt: "CMK Images musste bedauerlicherweise feststellen, dass die Arbeitsmethoden der beiden Freischaffenden mit den professionellen Grundsätzen der CMK Images nicht vereinbar waren", heißt es da.

Kießling war der Regisseur dieser Aktionen

Kießling selbst will mit unsauberen Methoden nichts zu tun gehabt haben. Er gibt an, er habe sich deshalb im April 2009 von jenen Mitarbeitern getrennt. Die Wahrheit jedoch ist eine andere: Kießling war der Regisseur dieser Aktionen. Etwa im Fall Müntefering: So hatte der stern Stefan Kießling am 12. Februar dieses Jahres zu einem Gespräch in das Berliner Redaktionsbüro gebeten. Kießling erschien, vielleicht hoffte er auf einen neuen Auftrag. Jedenfalls brüstete er sich seiner Verdienste für andere Magazine. "Ich war es, der die Identität von Michelle Schumann aufdeckte", sagte er über die Recherchen zu Münteferings heutiger Ehefrau, die er im Auftrag der "Bunte" durchführte. Kießling gab an, heimlich Fotos von den beiden geschossen zu haben, darunter nächtliche "Abschüsse" etwa nach Restaurantbesuchen: "Nachtaufnahmen gab's zum Schweinefüttern viele", so Kießling damals. Die Observation Münteferings habe er zeitweise selbst aus dem Lokal "Block House" in der Berliner Wilhelmstraße geleitet (Kießling: "Ich konnte nachher kein Steak mehr sehen."). Auch das Foto von Müntefering und Michelle Schumann auf dem Parteitag der nordrhein-westfälischen SPD, das am 7. Mai 2009 in "Bunte" erschien, stamme von ihm, gab Kießling bei dem Gespräch an.

"Beste Angriffsfläche ist das Wohnzimmer"

Interne Spesenabrechnungen von Mitarbeitern der CMK, über die "Fotoproduktion MF", die stern.de vorliegen, belegen zudem, wohin Müntefering überall verfolgt wurde: Einmal auf der Route Düsseldorf-Köln-Berlin; ein anderes Mal Berlin-Leipzig. Auch bei dem erfolglosen Versuch, Linken-Vormann Oskar Lafontaine eine Affäre nachzuweisen, war Kießling selbst involviert. So gibt der frühere CMK-Mitarbeiter Thomas Walther an, er habe mit Kießling gemeinsam einen Hausbootbesitzer an der Spree aufgesucht, um die Erlaubnis für die Installation einer Kamera zu bekommen. Die Kamera sollte auf das Wohnzimmer Lafontaines zielen. Observations-Protokolle und -Planungen zu Lafontaine ("Beste Angriffsfläche ist das Wohnzimmer") wurden zudem unter dem Stichwort "Scarface" in einem von Kießling eigens eingerichteten Postfach bei Google abgelegt. Über das Selbstverständnis der CMK bei solchen Jobs sagte Kießling in dem Gespräch mit stern-Redakteuren: "Wir müssen uns nicht als Journalisten ausgeben und sagen, für wen wir arbeiten. Im Zweifel bin ich es der auffliegt, wenn etwas schief läuft."

Auch die Angabe Kießlings, er habe sich im April 2009 wegen fragwürdiger Arbeitsmethoden von zwei Mitarbeitern, Thomas Walther und André Plath, getrennt, stimmt so anscheinend nicht. Mit Plath verbanden ihn auch danach noch andere Geschäftsbeziehungen. Und in dem Streit mit Walther ging es nach Informationen von stern.de vielmehr schlicht ums Geld: Walther forderte Honorare ein, die CMK zunächst nicht zahlen wollte. In den Schriftsätzen des Anwalts der CMK ist von fragwürdigen Methoden nicht die Rede.

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und Johannes Röhrig