Schäuble sagt einfach "sorry"

22. Dezember 2012, 18:19 Uhr

Guido Westerwelle sorgte einst für Aufruhr, als er einem BBC-Reporter eine Antwort auf Englisch verweigerte. Wie man "relaxed" mit mangelnden Fremdsprachenkenntnissen umgeht, zeigt der Finanzminister. Von Thomas Schmoll

Schäuble, Bundesfinanzminister, Sprachprobleme

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) verhandelt auf EU-Ebene in englischer Sprache und meint: "Schlecht gesprochenes Englisch ist schließlich eine der am meisten gesprochenen Sprachen der Welt."©

Als Guido Westerwelle noch das Wort "designierter" vor Bundesaußenminister tragen musste, sorgte er für Schlagzeilen - ganz besonders in englischsprachigen Blättern.

Der damalige FDP-Chef weigerte sich bei seiner ersten Pressekonferenz nach der siegreichen Bundestagswahl 2009, einem BBC-Reporter in dessen Landessprache zu antworten. "Ich bitte Sie, dass - bei allem Verständnis dafür - aber so wie es in Großbritannien üblich ist, dass man dort selbstverständlich Englisch spricht, so ist es in Deutschland üblich, dass man hier Deutsch spricht." Er bot dem Journalisten einen gemeinsamen Plausch beim Tee an, bei dem Englisch gesprochen werden könne. Aber auf der Pressekonferenz? Nein. "Es ist Deutschland hier."

"Neues teutonisches Selbstbewusstsein"

Auch wenn das nett diplomatisch verpackt war, war es für den FDP-Mann eine Blamage. Sofort entbrannte eine Debatte darüber, ob Westerwelle Englisch könne und - falls nein - dann überhaupt zum Außenminister tauge. Die britische Zeitung "The Independent" interpretierte das Verhalten des damaligen FDP-Chefs gleich als "neues teutonisches Selbstbewusstsein".

Wenige Tage später verteidigte Westerwelle vor der Presse sein Verhalten gegenüber dem britischen Journalisten mit Schlafmangel. Der FDP-Politiker erläuterte, nach kurzer Nacht habe er etwas zu scharf reagiert. Außerdem habe der BBC-Mann dreimal die gleiche Frage gestellt. Schließlich sollten Journalisten doch mal in Paris oder London versuchen, eine Antwort auf Deutsch zu bekommen. Hierzulande jedenfalls solle die "wunderschöne deutsche Sprache" gesprochen worden. "Und mit Verlaub gesagt, ich bin ja nun auch schon in vielen Hauptstädten dieser Welt unterwegs gewesen - und Sprachkompetenz war noch niemals ein Thema." Doch, war es. Und wenn Westerwelle nicht hätte durchblicken lassen, wie sehr ihn die Sache wurmte und einfach "sorry" gesagt hätte, wäre er nicht noch tagelang mit Hohn und Spott überzogen worden.

"Mir tut jeder leid, der mein Englisch ertragen muss"

Wie man es anders machen kann, zeigt Wolfgang Schäuble. Auch dessen Englisch ist nicht perfekt. Der Finanzminister, der wie Westerwelle bei Treffen mit internationalen Partnern oder auf Euro-Rettungsgipfeln permanent auf die englische Sprache zurückgreifen muss, sagt schon mal zur Lage in Griechenland Sätze wie diesen: "I think ... there will no ... it will not happen, that there will be a Staatsbankrott in Greece." Schäubles Intonation der Fremdsprache ist hörbar vom Tonfall seiner badischen Heimat geprägt. Doch er führt nicht etwa Schlafmangel ins Felde, sondern gibt unumwunden zu: "Mir tut jeder leid, der mein Englisch ertragen muss." Allerdings: "Schlecht gesprochenes Englisch ist schließlich eine der am meisten gesprochenen Sprachen der Welt."

In seiner Zeit als Innenminister, berichtete Schäuble in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung", habe er einmal vorgeschlagen, die Dolmetscher bei den Sitzungen des Europäischen Rats in Brüssel wegzulassen. Der damalige französische Innenminister Nicolas Sarkozy habe befürchtet, dass die Engländer davon einen Vorteil hätten. "Ich habe ihm entgegnet, dass sie vielmehr einen großen Nachteil hätten, weil wir ihre Sprache zerstören würden."

"It's okay to marry gay"

Westerwelle hat inzwischen allen gezeigt, dass sein Englisch alles andere als schlecht ist. Er hält Reden in der Fremdsprache. US-Präsident Barack Obama lobte er für seinen Vorstoß, Homo-Ehen zulassen zu wollen, sogar in Reimform: "It's okay to marry gay". Das heißt in etwa: "Es ist in Ordnung, schwul zu heiraten".

Westerwelle ist bekennender Schwuler und mit dem Sportrechtemanager Michael Mronz verheiratet. Schon bald nach dem "Vorfall" mit dem BBC-Reporter fing Westerwelle an, mit seinen Englischkenntnissen zu kokettieren. "The published Opinion is not always the public Opinion", sagte er einmal auf einer FDP-Veranstaltung ("Die gedruckte Meinung ist nicht immer die öffentliche Meinung.") Der Außenminister zeigte auf die anwesenden Journalisten und beschied ihnen: "That's English."

Zum Thema