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6. Mai 2008, 16:40 Uhr

"Diätenerhöhung ist ein Skandal"

Oops, they did it again: Hinter verschlossenen Türen entschieden SPD und CDU, nochmals die Diäten der Bundestagsabgeordneten zu erhöhen. Die Erklärungsversuche von CDU-Geschäftsführer Norbert Röttgen klangen kümmerlich - die Kritik des Staatsrechtlers Herbert von Arnim nicht. Von Lutz Kinkel

Es werden immer mehr: Geldscheine im Bundestag© Axel Schmidt/ddp

Für Hans Herbert von Arnim hätte es gar nicht besser laufen können. Seit Jahrzehnten beklagt der Speyerer Staatsrechtler in Talkshows die Allmacht der Parteien, die Selbstbedienungsmentalität der Eliten und die Verlotterung der Demokratie. Nun wollte er in Berlin sein neues Buch präsentieren, "Die Deutschlandakte", eine Generalabrechnung. Sie wäre als Nachtrag zum Nachtrag zum Nachtrag empfunden worden - wenn nicht am Morgen eine völlig überraschende Nachricht das politische Berlin aufgeschreckt hätte: CDU und SPD wollen nochmals die Abgeordneten-Diäten erhöhen. Eine Steilvorlage für von Arnim.

Kurz vor dem Auftritt des Staatsrechtlers gab der parlamentarische Geschäftsführer der CDU, Norbert Röttgen, sein wöchentliches Briefing - das normalerweise eine Vorschau auf die Themen der parlamentarischen Woche ist. Röttgen sprach über die Rente. Über das CDU-Konzept einer nationalen Sicherheitsstrategie. Über die parlamentarische Kontrolle der Geheimdienste. Um dann, möglichst spät und möglichst kurz, die Diäten-Erhöhung zu erwähnen.

"Sowas geht nur in großer Koalition"

Aus Röttgens Sicht handelt es sich um einen ganz normalen, simplen Vorgang. Das Gehalt für die Angestellten des Öffentlichen Dienstes wurde erhöht, also werden auch die Gehälter der Beamten erhöht, also auch die Diäten der Bundestagsabgeordneten. Dies werde jedoch nicht rückwirkend geschehen, sondern mit einer Zeitverzögerung von einem Jahr. Konkret: Jeder Parlamentarier erhält zum 1.1.2009 genau 278 Euro mehr. Am 1.1.2010 serviert der Bundestag einen Nachschlag in Höhe von 213 Euro. Zusätzlich dürfen sich die Abgeordneten über die laufende Diäten-Erhöhung freuen, die bereits letztes Jahr beschlossen worden war. Damals hieß es, man wolle die Diäten der Besoldung eines Bundesrichters anpassen. Diese Orientierungsmarke - Bundesrichter, Gehaltsstufe B6 - nannte Röttgen auch am Dienstag mehrfach. Noch Fragen?

"Ich halte das für einen Riesenskandal", sagte Hans Herbert von Arnim auf seiner Pressekonferenz eineinhalb Stunden später. "Das ist etwas, das sich nur eine große Koalition leisten kann." Schon die erste große Koalition unter Kurt Georg Kiesinger (CDU) habe Ende der 60er Jahre tief in die Staatskasse gegriffen. Damals sei die Altersversorgung der Abgeordneten maßlos hochgefahren worden. Jetzt seien es die Diäten.

Von Richtern und Parlamentariern

Geradezu allergisch reagierte von Arnim auf das Argument, es ginge nur um die Angleichung der Bezüge an jene von Bundesrichtern. Er zählte vier gravierende Unterschiede auf. Erstens: Im Gegensatz zu Bundesrichtern kassieren Abgeordnete zusätzlich eine steuerfreie Kostenpauschale von knapp 3800 Euro monatlich. Zweitens: Um dieselben Pensionsansprüche wie ein Bundesrichter aufzubauen, brauchen Abgeordnete nur die Hälfte der Zeit. Drittens: Nur Parlamentariern steht es frei, nebenher noch lukrative Jobs zu erledigen. Viertens: Ein Richter muss wenigstens studiert haben, um in seine Position zu gelangen - wer in den Bundestag will, braucht keine formale Qualifikation. Insofern stimme der ganze Vergleich mit Bundesrichtern vorne und hinten nicht, sagte von Arnim. "Der Satz - Macht korrumpiert, absolute Macht korrumpiert absolut - scheint hier richtig zu sein."

Gleichwohl ist auch von Arnim nicht der Meinung, dass Abgeordnete grundsätzlich überzahlt seien. "Ich würde mich nicht dagegen wehren, Abgeordneten sehr üppige Bezüge zu zahlen", sagte der Jurist. Allerdings nur unter einer Bedingung: Die Bundestagsabgeordneten müssten sich dem Volk stellen und direkt wählen lassen. Im bundesrepublikanischen Wahlsystem ist dies nicht der Fall: Wer antreten darf und wer nicht, als Direktkandidat oder über Listenplatz, kungeln die Parteien selber aus. Dem Wähler bleibt nur übrig, einen Kandidaten zu wählen - oder auch nicht.

Rekordverdächtiges Tempo

Wie Norbert Röttgen sagte, soll die Diätenerhöhung, die in den Präsidien von CDU und SPD am Montag beschlossen wurde, nun auch rasch durchs Parlament gejagt werden. Schon die erste Erhöhung im vergangenen Jahr wurde in einem rekordverdächtigen Tempo durchgedrückt. Von Arnim: "Wenn auch auch andere Dinge so schnell beschlossen würden, müssten wir uns über das Problem der mangelnden Handlungsfähigkeit der Regierung keine Gedanken mehr machen."

Von Lutz Kinkel
 
 
KOMMENTARE (10 von 77)
 
a.lie (09.05.2008, 10:57 Uhr)
ganz einfach...
...den Gesamtkostenbetrag mit allen Nebenkosten auf dem Niveau von 1989 (Wiedervereinigung) zwingend bis ins Jahr 2100 deckeln. Solln sie sich reinteilen und entsprechend schrumpfen. Gleiches Prozedere bei den Staatsaugaben für unser gigantisches Beamtenheer.
Wer war noch die herrschende Rasse in der "Farm der Tiere"?? Na Schein haben ist ganz nett, Schwein sein ist noch viel netter!
utospatz (08.05.2008, 00:16 Uhr)
Verehrter Herr v. Arnim,
Sie haben recht! Bin ich erst in der Partei, geht's mir niemals schlecht! Hab für's Volk niemals etwas geleistet, jedoch mein Konto hab ich gemeistert!
In der Partei fürsorglich aufgenommen, ohne Fisch zu sein nach Oben geschwommen, hab jetzt meinen Anteil mir genommen!
kralli19 (07.05.2008, 20:06 Uhr)
blabla Ex-SED...
Jaja, die alte Leier mit Ex-SED und das gepflegte Feindbild der 80er, der Kommunist !
Also von unseren Vertretern der LINKEN hier ist keiner aus der ehemaligen DDR, keiner von denen war in der SED und es identifiziert sich auch keiner von denen damit.
scherbengericht (07.05.2008, 12:53 Uhr)
Jaja...
..das ist ja wieder mal ein Aufreger, wo sich alle einig sind.
Ich bin im Ernst dafür, die Diäten die Diäten zu verdrei- oder zu vervierfachen, wenn im Gegenzug die Zahl der Abgeordneten umm 2/3 bzw. 3/4 verringert wird. 1. Wäre ein Mandat dann vielleicht auch für gestandene und lebenserfahrene Leute aus Wirtschaft und Wissenschaft von Interesse und 2. beläuft sich die Zahl der tatsächlichen "Entscheider" im Bundestag eh nur auf einige dutzend. Der Rest ist doch farbloses und frustriertes Stimmvieh unter Fraktionszwang und nur mit sich selbst beschäftigt.
DjangovdH (07.05.2008, 12:08 Uhr)
@ normal 3000
Die Linke ist genau so kriminell wie alle anderen. Das weiß jeder, der sich mal genauer mit der Geschichte der Partei auseinander gesetzt hat. Die leben doch sehr gut von dem SED-DDR-Geld, was Herr Gysi für sie gewaschen hat. Waren damals ca. 400.000.000 D-Mark bzw. ca. 200.000.000 Euro.
vegefranz (07.05.2008, 11:01 Uhr)
Wahlkampfwerbung für Linke und NPD
hier wird kostenlose Wahlkampfwerbung für die radikalen Parteien betrieben. Über Wählerzulauf zu der Ex SED und zur NPD muss sich niemand wirklich wundern.
Clemens1964 (07.05.2008, 10:45 Uhr)
ich glaub,
ich wär genauso wie sie. wenn ich in zigtausend ärsche gekrochen wäre, um in den bundestag zu kommen, würde ich auch abzocken bis der arzt kommt. und über empörte bürger, die ja bekanntlich ein gedächtnis wie ein zierfisch haben, nur lachen...
stesocom (07.05.2008, 08:51 Uhr)
Bundestagsabgeortnete , schämt euch !!!
Die Parteien der CDU und SPD sollen sich in Grund und Boden schämen. Sie bedienen sich nach Lust und Laune aus den Taschen der Steuerzahler(innen), ohne deren expliziten Genehmigung. Das ist schlicht und einfach Diebstahl. Aber skandalöser finde ich die Tatsache, dass neben den rund 8000 Euro Diäten die Sondervergütungen auch steigen. Bundestagsabgeordnete haben Ansprüche auf Bezahlung ihrer personellen Hilfskräfte für ihr ach doch so körperlich anstrengendes Amt (€ 3.456,78,--), freie Büroausstattung und Materialkosten (€ 7.000,00 / Jahr) sie sind im Besitze der kostenlosen Bahncart ; natürlich 1. Klasse(ca. € 300,00,--/ Jahr ), sie dürfen kostenlos fliegen (€ praktisch unbegrenzt), der Friseurbesuch in einem Nebengebäude des Reichstages frei (€ 800,00,--/ Jahr), das Kantinenessen (einschließlich Getränke) ist frei (€ 1200,00,--/ Jahr), kostenlose Benutzung im Regierungsviertel eingerichteten Kita & Kindergarten (€ 1800,00,-- / Jahr) u.v.a !
Insgesamt haben die Damen und Herren Volksvertreter im Reichstag mindestens € 14.000,00,-- im Monat zur Verfügung, um ihr Amt „in Würde“ ausfüllen zu können (zit.: Bund der Steuerzahler).....von den immensen Rentenansprüchen nach der Erfüllung einer Legislaturperiode einmal ganz abgesehen !!!! Aber das sind nur die „Hinterbänkler“ ! Jeder kann sich ausmahlen, was Spitzenpolitiker verdienen ! Allerdings sollten Personen wie Bundeskanzlerin Angela Merkel, die tagtäglich in der Öffentlichkeit steht und praktisch in einem goldenen Gefängnis lebt, das Geld auch gegönnt sein. Hier stimmt die Relation Leistung / Verdienst ! Aber bei den „Hinterbänklern“ ist dieses auf keiner Weise gegeben.
Ich würde mich schämen, diese Vergünstigungen und diese enormen Diäten anzunehmen !
-Dagegen- (07.05.2008, 08:26 Uhr)
Wein saufen...
und dem Volk Wasser predigen. Solche Charakterschweine betätigen sich als sog. Volksvertreter. Super Vorbilder,- und dann über Managergehälter wettern.
Georges13437 (07.05.2008, 08:09 Uhr)
Sind ihr Geld nicht wert.
Freizeitabgeordnete, die nebenberuflich als Berater tätig werden und gleichzeitig sind Beraterfirmen zur Unterstützung, der überarbeiteten Abgeordneten, tätig. Es soll aber keiner mehr behaupten diese Koalition, wäre sich nicht einig.
MfG Georges 13437
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