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29. Mai 2010, 14:18 Uhr

Koalition streitet über Steuererhöhungen

CDU und FDP sind sich uneins: Finanzminister Wolfgang Schäuble hat Steuer- und Abgabenerhöhungen zur Sanierung des Haushalts nicht ausgeschlossen. Rainer Brüderle, sein Kollege aus dem Wirtschaftsressort, will dagegen weiterhin die Steuern senken.

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Finanzminister Schäuble (l.) und Wirtschaftsminister Brüderle beim freundlichen Plausch. In der Steuerpolitik herrscht zwischen beiden weniger Einigkeit© Michael Gottschalk/DDP

In der schwarz-gelben Koalition bahnt sich Streit über Steuererhöhungen zum Abbau der riesigen Staatsschulden an. Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) schloss diesen Schritt nicht aus. Die FDP will da nicht mitmachen.

"Das sind doch keine Quälinstrumente. Die Bürger wollen, dass wir die hohe Verschuldung zurückführen", sagte Schäuble der "Bild am Sonntag". Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) lehnte dagegen höhere Belastungen der Bürger ab. "Steuererhöhungen wird es mit der FDP nicht geben", sagte Brüderle dem "Hamburger Abendblatt". Der Staat nehme nicht zu wenig Geld ein, sondern gebe zu viel aus.

Gewerkschaften und SPD warnten vor einem sozialen Raubbau. Die Regierung dürfe nicht auf Kosten der Arbeitnehmer und "kleinen Leute" sparen. DGB-Chef Michael Sommer zeigte sich kampfbereit. "Niemand sollte die Entschlossenheit der Gewerkschaften in diesem Punkt unterschätzen. Wir sind bereit, diese Konflikte, wenn sie kommen, in die Betriebe zu tragen", sagte er der Zeitschrift "Super Illu". SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung": "Nicht die kleinen Leute, nicht die Verkäuferin, nicht der Altenpfleger sind verantwortlich für die Krise."

Schäuble will Subventionen streichen

Schäuble beschwichtigte. Der Sozialstaat dürfe nicht kaputt gespart werden. "Ich gebe zu bedenken: Einsparungen bei den Sozialausgaben treffen ganz überwiegend die weniger Begüterten im Land." Der Job der schwarz-gelben Koalition sei es nun, möglichst wenig Geld auszugeben. Im Steuerrecht könnten Vergünstigungen wegfallen. "Wenn Sie Subventionen im steuerlichen Bereich abschaffen, werden manche sagen: Das ist eine Steuererhöhung", räumte Schäuble ein.

Die Bundesregierung will auf einer Haushaltsklausur am 6. und 7. Juni im Kanzleramt Eckpunkte für den Haushalt 2011 und den Finanzplan bis 2014 festlegen. Schäuble muss allein wegen der Schuldenbremse bis 2016 jährlich zehn Milliarden Euro sparen oder zusätzlich erwirtschaften. Die Ausgabenwünsche der Ministerien bis 2014 liegen laut Finanzministerium bisher rund neun Milliarden Euro über der Planung.

Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) will massive Kürzungen in seinem Bereich verhindern. Neben Bildung sei Verkehr ein Grundpfeiler der Zukunftsfähigkeit Deutschlands. "Der größte Investitionsetat des Bundes ist kein Steinbruch", sagte Ramsauer dem "Spiegel".

Höhere Sozialabgaben könnten Jobs kosten

Unionsfraktionsvize Michael Fuchs (CDU) riet von höheren Sozialabgaben ab. Eine Erhöhung der Sozialbeiträge um ein Prozent könnte bis zu 120.000 Jobs kosten. "Das muss in jedem Fall verhindert werden", sagte er der "Rheinpfalz am Sonntag". Sein Parteifreund Michael Meister erklärte im "Kölner Stadt-Anzeiger": "Wir haben nicht umsonst die Menschen zum 1. Januar um 25 Milliarden Euro entlastet und damit ein Signal gegeben, um jetzt ein gegenteiliges Signal zu setzen."

Einen Tag weniger Urlaub schlug der CDU-Wirtschaftspolitiker Andreas Lämmel vor. "Jeder Tag, der in Deutschland mehr gearbeitet wird, ist gut für die Wirtschaft und damit auch für die Steuereinnahmen", sagte er der "Bild"-Zeitung. Am Freitag hatte FDP-Generalsekretär Christian Lindner eine Mietkostenpauschale für Langzeitarbeitslose angeregt. Dies würde Kommunen entlasten. Sozialverbände warnten vor einer Ghettoisierung, neuen Verfassungsklagen und höheren Kosten.

Heinrich Alt, Vorstandsmitglied bei der Bundesagentur für Arbeit, sprach sich in der "Bild"-Zeitung" dagegen für eine entsprechende Reform aus. Es geht darum, Bürokratiekosten abzubauen und die Gängelung der Betroffenen zu beenden, sagte er.

DPA/APN
 
 
KOMMENTARE (10 von 22)
 
der2groeste (31.05.2010, 08:02 Uhr)
Die Leerstaaten finanzpolitik
Ich weis nicht warum mein Artikel ueber finanzielle Leerstaaten gelöscht wurde?? dazu die Beweise, die Realität lässt sich nicht aufhalten, auch vom Stern nicht.

öhere Inflationsraten würden die Schuldenquote in Deutschland deutlich in die Höhe treiben und für griechische Verhältnisse sorgen. Das besagt eine Studie der Großbank Unicredit, die WELT ONLINE vorliegt. Der Schuldenstand der öffentlichen Hand könnte demnach bei Preissteigerungen in Höhe von vier Prozent bis 2030 auf mehr als 100 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) klettern. Derzeit liegt die Verschuldung gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) bei rund 77 Prozent.

?Kurzfristig mag Inflation helfen, doch mittelfristig würde sie die Staatsschulden immens in die Höhe treiben?, sagt Unicredit-Ökonom Alexander Koch. Die Ökonomen von Unicredit haben verschiedene Szenarien durchgespielt, wie sich die Schuldenquote in Deutschland bei verschiedenen Inflationsraten entwickeln könnte. Zuletzt hatten immer wieder Ökonomen gefordert, höhere Inflationsraten zwischen vier und sechs Prozent zuzulassen, um den Staaten beim Abbau ihre Schulden zu helfen. Ziel der Europäischen Zentralbank ist es, die Preisentwicklung knapp unter zwei Prozent zu halten.

Würde die Inflationsrate ab 2013 ? ein Jahr, in dem nach Ansicht vieler Ökonomen eine höhere Inflation einsetzen könnte ? auf vier Prozent klettern, würde die Schuldenquote laut der Unicredit-Studie kurzfristig geringfügig sinken: Von 80,2 Prozent im Jahr 2012 auf 79,5 Prozent im Jahr 2014. Ab 2015 würde die Schuldenquote wieder ansteigen, und im Jahr 2030 die 100-Prozent-Marke durchbrechen.

Bei einer Inflationsrate in Höhe von sechs Prozent wäre die Folgen noch gravierender: Die Schuldenquote zwischen 2012 und 2015 würde zwar von 80,2 Prozent auf 77,3 Prozent sinken. Ab 2016 würde die Schuldenquote allerdings Jahr für Jahr immer schneller steigen. Bereits im Jahr 2027 läge die Schuldenquote bei 101,3 Prozent.

Der Grund dafür sind jeweils steigende Zinsen auf Staatsschulden. Die Unicredit-Ökonomen rechnen damit, dass Investoren Zinsaufschläge vom Staat verlangen, weil es in Zeiten einer Inflation unsicherer für Investoren ist, dem Staat Geld zu leihen. Denn den Investoren droht ein Wertverfall ihrer Investitionen.
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?Die Finanzmärkte sind so verunsichert, dass sie auf die ersten Anzeichen einer heraufziehenden Inflation sofort reagieren würden?, sagt Ökonom Koch. Die Unicredit-Ökonomen kalkulieren damit, dass Investoren bei vier Prozent Inflation einen Risikoaufschlag in Höhe von einem Prozentpunkt verlangen, bei sechs Prozent Preissteigerung von zwei Prozentpunkten. Das liegt unter den Aufschlägen, die in den USA in den Achtziger Jahren auf zehnjährige Staatsanleihen fällig wurden, nachdem 1980 die Inflationsrate auf 13,5 Prozent gestiegen war.
der2groeste (31.05.2010, 07:42 Uhr)
die finanzblase Leerstaten
Mir stellt sich immer mehr der Verdacht, das die eigentliche Finanzkrise, mit maroden Aktien handeln, nicht von den Banken, sondern von maroden Staaten und Regierungen verursacht wurde. Was sind denn Leerpapiere? Papiere wo kein Gegenwert vorhanden ist. Sogenannte Leerstaaten, wie Island, Griechenland, Portugal und Spanien, demnächst auch Deutschland passen doch da gut hinein
rockyciano (30.05.2010, 22:55 Uhr)
Warum sagen wir
nicht endlich die Wahrheit.Die Politik hat doch systematisch auf die desaströsen Zustände hingearbeitet.

Als erstes ließ sie die unkontrollierte Einwanderung in unsere Sozialsysteme zu.Dann folgte die Wiedervereinigung,die einen weiteren Anstieg der Arbeitslosigkeit zur Folge hatte.Hieraus folgte die vermeintliche Lösung mit der Agenda 2010.Diese hat sich im nachhinein als folgenschwere Fehlentscheidung herausgestellt.

Die Wiedervereinigung(bankrotte DDR) hat uns das Rückgrat gebrochen.Die Politik hat sich maßlos verschätzt - die Banken- und Eurokrise hat zusätzlich alles verschärft.

Die Unfähigkeit und Konzeptlosigkeit der Politik hat uns in diese Situation gebracht und muß nicht beschönigt werden.
Ron777 (30.05.2010, 17:54 Uhr)
...und raus aus der Chaoswährung!
Raus aus dem Euro! Leider können sich nur noch ganz wenige Senioren an die Unruhen und Währungsturbulenzen der 20er Jahre des letzten Jahrhunderts erinnern. Am Ende hatten wir Not und Elend auf den Straßen und einen Herrn Namens Hitler, der uns als politischer Rattenfänger in den Untergang geführt hat. Wir müssen eine Wiederholung verhindern! Leider sind die Politiker völlig paralysiert und laufen sehenden Auges in die Katastrophe. Die Sparpakete sind keine Lösung, es geht um eine strukturelle Krise. Die Südländer sind nicht wettbewerbsfähig und werden immer stärker der wirtschaftlichen Entwicklung von Deutschland hinterher hinken. Ohne Abwertung, die nur bei einem Austritt aus dem Euro praktikabel ist, gibt es Revolten! Und das zu Recht. Auch Deutschlands Bevölkerung empfindet die massiven Transferleistungen in den Süden als Ausplünderung. rettet Europa - weg mit dem Euro!
Georgien (30.05.2010, 13:37 Uhr)
Brüderle ist eine krasse Fehlbesetzung
Schäuble, ein kluger Politiker mit Sachkenntnis und erstaunlicher Willenskraft wird sich niemals von einem inkompetenten und farblosen Brüderle beeinflussen lassen. Die geistige Fähigkeit und Beweglichkeit vom Finanzminister ist dem von Brüderle haushoch überlegen. Nein, die FDP hat genügend Schäden angerichtet und viele Lügen und Täuschungsmanover dem Volk vorgegaukelt, sodaß es an der Zeit ist, diesem FDP-Spuk ein Ende zu bereiten. Für die gegenwärtigen komplizierten Bedingungen im Lande braucht es Politiker mit Sachverstand und Glaubwürdigkeit. Die FDP hat bewiesen, daß sie darüber nicht verfügt ! Es wäre also dringend geboten, wieder die große Koaltionm SCHWARZ / ROT zu formieren.
rathals (30.05.2010, 12:52 Uhr)
Sparen
Und wo bleibt das Sparpotential im Bereich des aufgeblähten und unfähigen
Politkerbetriebes? Hat Schäuble wieder mal vergessen !. Papiertiger ! 400 Bundestagsabgeordnete und max 6 Bundesländer , Abschaffung überflüssiger Behörden/Ämter bringen Bares ohne Verlust von Leistungen. Aber der Bundeswasserkopf steht unter "Parteienschutz"
der2groeste (30.05.2010, 10:30 Uhr)
Die Nichtstuer Klasse
Und keiner ist sein Geld wert. Lässt man die Titel und die Bezahlung weg, hat man im Grunde genommen nichts anderes übrig als ein Harz4schmarotzer. Nichts Arbeiten, nichts leisten, nichts tun,keine Qualifikationen, aber viel Geld dafür verlangen. Das typische Profil eines Deutschen Politikers. Siehe Schröder, ohne Qualifikationen Gasprommanager. Oder Fischer. Die Liste von bekannten Nichtskoennern in der Politik wird jedes Jahr länger. Und die Probleme werden jedes Jahr groesser .Armes Deutschland.
der2groeste (30.05.2010, 09:54 Uhr)
Steuer Sinn und eigentlicher Zweck
Steuer ist eigentlich dazu da ein Land zu modernisieren und zu Entwickeln. Nicht so in Deutschland. Dort werden marode Banken, Staaten und ein unendlicher Beamtenapperat, eingeschlossen der Politikerkaste mit Ihren Harems manche mit der 5ten Frau, 5 Bundespräsidenten. Und ein Heer von pensionierten Ministern.
flyingfree (30.05.2010, 07:39 Uhr)
Um den heißen Brei
Sie sollen´s halt endlich aussprechen.
Die Mehrwertsteuer wird erhöht, und zwar auf 25 %
Wetten?
Onzapintada (29.05.2010, 23:42 Uhr)
Sparen? Warum nicht bei den Verursachern?
Trotz Merkels Bankengarantie, die die Staatsfinanzen ruiniert:

Noch ist es nicht zu spaet,
noch ist der Berg aus Derivaten (weltweit 300 Billionen, gleich 300.000 Milliarden US-Dollar), faulen Verbriefungen und uneinbringlichen Aussenhandelsueberschuessen, der alles unter sich begraben kann, nicht ins Rutschen gekommen.

Wenn wir jetzt
die bisher aufgewendeten Bankenrettungsgelder abschreiben,
die Banken fuersorglich in den geordneten Konkurs begleiten,
die uebriggebliebenen Aktiva verstaatlichen,
mit Kapitalverkehrskontrollen das Casino und die Steuerkloaken schliessen,
und die ganze Kohle oben wieder einsammeln -

... dann waeren wir noch mal mit einem blauen Auge davongekommen.

Aber ich bin realistisch.
Wir sparen stattdessen an Infrastruktur, Bildung, Kindern.
Kann sich jeder denken, wie das Land in 10 Jahren aussieht.
:)
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