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18. November 2007, 16:33 Uhr

Verräter werden erschossen

Gut 60 Ex-Chefs und Mitarbeiter der Stasi haben eine Tagung über die Arbeit der DDR-Auslandsspionage zur eigenen Rechtfertigung genutzt. Dass in der DDR sogenannte "Verräter" hingerichtet wurden, wird auch heute noch gerechtfertigt.

Aktenregal im Ministerium für Staatssicherheit© Johannes Eisele/DDP

"Als blöden Scherz könnte man sagen, dass das für uns ein Betriebsausflug der HV A ist. Man sieht ja selten so viele Geheimdienstler auf einem Haufen", scherzte am Sonntag Jürgen Strahl, Ex-Stasi-Hauptmann und Anwalt. Völlig im Ernst rechtfertigte er vor den rund 250 Teilnehmern der Konferenz die letzte Hinrichtung in der DDR 1981, als der Stasi-Mann Werner Teske wegen Westspionage verurteilt und getötet wurde: "Haben Sie den Stauffenberg-Film nicht gesehen? Wer Verräter ist, erschießt sich selbst oder wird erschossen."

Der junge dänische Historiker Thomas Wegener Friis hatte die früheren Stasi-Größen an der Süddänischen Universität (SDU) vor allem als "Zeitzeugen" zu Wort kommen lassen wollen, "ehe es zu spät ist". Ihm sei klar gewesen, "dass die HV-A-Leute ihre Position darlegen würden. Das ist natürlich kontrovers. Aber alles in allem ist das vernünftig abgelaufen", sagte Friis. Die Fachwissenschaftler unter den Rednern blieben allerdings deutlich im Schatten der einstigen DDR-Geheimdienstler, die selbstbewusst bis aggressiv auch Fragerunden zur Selbstdarstellung nutzten.

Zeitzeugen nutzen die Gelegenheit zur Selbsdarstellung

Strahl äußerte sich aus dem Publikum, als einer der insgesamt etwa 90 Teilnehmer am "HV-A-Betriebsausflug". Seine Meinung über den Ablauf der Tagung ("zu wenig Dialog") teilten die meisten, allerdings aus anderer Sicht. An zwei Tagen hörten sie Referate von elf Ex- Stasi-Offizieren. Einer nach dem anderen erläuterte - ohne auch nur eine Einschränkung -, wie erfolgreich, den Frieden sichernd und nicht zuletzt humanistisch die HV A nach ihrer Überzeugung gewirkt habe.

"Ich bin stolz auf unsere Arbeit mit herausragenden Ergebnissen. Ich würde heute nichts anders machen", sagte etwa Ralf- Peter Devaux (67), letzter Vizechef des Amtes. Lange war er zuständig für die DDR-Spionage bei der Bundesregierung in Bonn und damit auch für den legendären Kanzleramts-Spion Günter Guillaume.

Werner Großmann (78), bis zum DDR-Ende HV-A-Chef, ließ seinen Beitrag krankheitshalber vorlesen: "Wir haben nicht wie andere Geheimdienste Staatsstreiche, Ermordungen oder Entführungen durchgeführt". Die Ost-Agenten im Westen seien "Kundschafter des Friedens" gewesen. "Dafür achten und ehren wir sie nach wie vor", ließ Großmann erklären und wurde mit Beifall der Mitgereisten bedacht.

Ein erster Anlauf für die Konferenz am 16. und 17. Juni in Berlin war nach heftigen Protesten, dem Rückzug der für die Stasi-Akten zuständigen Birthler-Behörde und der Kündigung von Räumen durch die Max-Planck-Gesellschaft abgesagt worden. Jens Gieseke, als Beobachter der Birthler-Behörde nach Odense gereist, urteilte jetzt: "Unsere Befürchtungen, dass dies kein geeignetes Forum ist, haben sich mehr als bestätigt."

"Kundschafter des Friedens"

Nach einer der Rechtfertigungs-Reden, fast alle in Stil und der Sprache der früheren DDR-Bürokratie gehalten, platzte dann doch einem Diskussionsleiter der Kragen: Er rügte den früheren Stasi-Offizier Horst Behnke für "sehr propagandistische Äußerungen", nachdem dieser gesagt hatte: "Es gibt wie schon zu DDR-Zeiten eine gezüchtete Stasi- Hysterie durch Leute, die die Wahrheit nicht hören wollen." Die Tagung selbst dagegen fand Behnke positiv: "Es ist gut, wenn man als Zeitzeuge eingeladen wird und das Wort ergreifen kann. Die ehemalige HV A hat viele Freunde und Sympathisanten."

Betont angriffslustig äußerten sich die auch einstigen Stasi- Topspione Rainer Rupp und Gabriele Gast. Rupp, der die HV A bis 1990 mit NATO-Geheimnissen aus Brüssel beliefert hatte, schilderte sich als "Friedensbewahrer", während westliche Geheimdienste "ganz aktuell weiter foltern, morden und putschen". Gast, DDR-Spionin in der Pullacher BND-Zentrale, zog gegen die "pauschale Diffamierung der DDR als angeblichem Unrechtsstaat" zu Felde. Ehemaligen DDR- Funktionsträgern werde auch 17 Jahre nach der Vereinigung "das Recht auf freie Meinungsäußerung verweigert", schimpfte sie.

Thomas Borchert/DPA

 
 
KOMMENTARE (7 von 7)
 
laui (18.11.2007, 21:51 Uhr)
Falsche Seite (Teil2)
...Totesstrafe haben wir noch keine. ...
Ausser hier in Hessen. Herr Schäuble und Herr Schily beneiden mit Sicherheit unseren Herrn Koch darum.
www.unsertherapiehund.de (ist schlauer als die Mehrheit der Deutschen)
laui (18.11.2007, 21:48 Uhr)
Falsche Seite
Ja, alle im Dritten Reich waren Böse.
Und alle in der DDR waren böse.
Immerhin hat sogar unser Herr Kohl Honecker als STAATSGAST empfangen.
Und unser BND war im Osten sicherlich auch nicht untätig. Aber egal ob die Schüsse an der Mauer oder die Todesstrafe bei Spionen, es war DDR-Recht.
Wie wäre unsere Geschichtsbetrachtung, wenn die Bundesrepublik von der DDR asimiliert worden wäre?
Und wenn man die Veränderungen in unserem Land ansieht, so nähern wir uns immer schneller in vielem den totalitären Gewohnheiten einer Gestapo oder Stasi. Totesstrafe haben wir noch keine. Aber was mit den deutschen Quantanamohäftlingen geschehen ist, vor allem wie die SEHR NAHE VERGANGENHEIT (NICHT) bewältigt wird, so brauchen wir uns bald nicht mehr hinter der ferneren Ost oder noch ferneren gesammtdeutschen Vergangenheit verstecken.
Aber ich weiss, wir schützen uns ja nur vor Islamterroristen, killerspielespielenden Amokläufern und Kinderpornokonsumenten.
www.unsertherapiehund.de (ist schlauer als die Mehrheit der Deutschen)
scully78 (18.11.2007, 19:39 Uhr)
Naja
Ich will ja nicht die Stasi verteidigen.Aber wenn man sie bestrafen will für ihre taten,dann bitte auch den CIA,KGB ,Mossad etc.Die machten und machen es genauso heute noch.Wenn ein CIA Agent vom KGB erwischt wurde,tja und tschüss und andersrum genauso.Und sie verteidigen auch ihre Arbeit und reden sie schön etc.
Also wenn dann bitte alle und nicht wieder nur einen deutschen geheimdienst.
irmanow (18.11.2007, 18:10 Uhr)
Stasi Selbstdarstellung
Ich verstehe nicht,wieso diese Obergauner überhaupt eine Konferenz abhalten können,woher haben die denn das Geld,so etwas zu machen?
Jeder Mensch sollte wissen,daß dies Super Verbrecher waren.
DIe sollten doch alle im Knast vergammeln,warum sind die denn in Freiheit?
Ich gehe davon aus,daß sie auch noch Super Pansionen bekommen und die Steuerzahler zahlen das auch noch!
Der Mielke ist ja Gott sei Dank schon platt,der wäre heute vielleicht Friedensnbelpreisträger.
Ich könnte kotzen,daß solche Verbrecher heute noch frei rum laufen!
heiner5362 (18.11.2007, 18:07 Uhr)
den bock zum gärtner
lebe seit ein paar jahren "im osten"
und fühle mich eigentlich wohl.
was mir aufstösst :
man MERKT wer sich die pfründe gesichert hat.ob finanzamt oder bürgermeister...
quer durch alle instanzen hat sich dieser filz mit der wende gleich wieder festgesetzt.
dagegen hilft nicht mal ein kammerjäger.
naja freiheit und ein blühendes land für sed-bonzen nicht wahr herr K.
die leute leiden heute noch darunter.
mit dem spatenstich für elf-aquitaine ist ein ganzes konstrukt über schmiergeldern zusammengebrochen.nicht zu vergessen das raubrittertum der versicherungs- staubsauger- und sonstigen vertreter
die auf kosten der damals irritierten ihren schnitt gemacht haben.
auslutschen und wegschmeissen.
das ist die deutsche einheit(bin wessie).
vacancy (18.11.2007, 17:58 Uhr)
Versagen der Demokratie
Verantwortlich für diese selbstdarstell
und der Stasi sind die demokratischen
Kräfte, die 1990 verhindert haben, die
Staatssicherheit der DDR mit dem Reichs
sicherheitshauptamt des Nazistaates
gleichzustellen.Es gab nie einen Unter-
schied zwischen Mielke und Heydrich.
Putinki (18.11.2007, 17:37 Uhr)
Stasi Konferenz
Also nur nach 17 Jahren kriechen diese Ungeziefer wieder aus ihren Löchern und verteidigen die Todesurteile und Verbrechen. Keiner weit und breit regt sich auf. Sonst kann man in der gesamten Presse nicht genug über die barbarische Todesstrafe lesen. Jeder, der nur andeutungsweise einen Nazi Ausdruck benutzt, ist gleich ein Rechtsextremer und Gerichte haben viel Zeit und Geld sich damit endlos zu beschäftigen. Man muß also sagen, dass der Verbrecherstaat DDR den Demokratien weit überlegen war und ein comeback erlebt.
Weiter so. Es wird höchste Zeit, Konsequenzen zu ziehen.
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