. .
Politik in Deutschland
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
28. Mai 2008, 19:24 Uhr

Wenn Herr Gysi leise wird

Es war einer der bizarrsten Auftritte seiner Politiker-Laufbahn: Gregor Gysi wirkte mächtig angeschlagen, als er sich in einer aktuellen Stunde des Bundestages gegen Stasi-Vorwürfe verteidigte. Im Anschluss an seine kurze Rede sorgte er für einen Eklat. Von Sebastian Christ, Berlin

Ruhig und angeschlagen: Gregor Gysi am Mittwoch im Bundestag© Sascha Schuermann/ddp

Wo zur Hölle ist eigentlich Gregor Gysi? Die aktuelle Stunde des Bundestages zu den Stasi-Vorwürfen gegen den Linken läuft schon 15 Minuten, doch sein Bundestagssessel ist leer. Jörg Tauss von der SPD wird zornig: "Ich vermisse hier Herrn Gysi und Herrn Lafontaine, das ist ja schon ein Skandal."

Einige Augenblicke später verdunkeln etwa zehn Silhouetten das sonnenhelle Fenster am Hintereingang des Plenarsaals, gemeinsam schreitet die Gruppe in den Bundestag, und ihre einzelnen Mitglieder setzen sich auf die hintersten Plätze im Fraktionsbereich der Linken. Einer von ihnen wählt den letzten Platz in der Ecke. Der kleine, gedungene Mann mit Zweidrittelglatze ist bekannt für sein rhetorisches Können, doch er wirkt viel stiller als sonst und ist gesundheitlich angeschlagen. Gysi scheint in sich gekehrt, lehnt den Kopf auf seine Handfläche. Er bereitet sich innerlich auf einen der bizarrsten Kurzauftritte seiner Politikerlaufbahn vor.

Auftritt Gysi. Seine Stimme ist heute brüchig, leise. Er liest seinen Text komplett ab, auf Zwischenrufe reagiert er nicht. Seine Rede rezitiert er wie ein auswendig gelerntes Bekenntnis, und man hört mit jeder einzelnen Silbe, dass er schnell fertig werden will. "Was Sie hier heute mit der Debatte bieten, ist ein trauriges Schauspiel", sagt Gysi. "Seit Jahren versuchen Sie mich zu beschädigen", formuliert er, "vom Leben eines Anwalts in der DDR haben Sie schlicht keine Ahnung".

Es geht um den Vorwurf, Gysi habe in den 70er und 80er Jahren Mandanten bespitzelt und Informationen an das Ministerium für Staatssicherheit geliefert. Zu seinen Klienten gehörte damals unter anderem der berühmte Regimekritiker Robert Havemann. Die Leiterin der Stasi- Unterlagenbehörde, Marianne Birthler, sagte am Mittwoch im "ARD-Morgenmagazin" es gehe um "Unterlagen zu einem IM (Inoffizieller Mitarbeiter, d.Red.), und der kann nach Aktenlage nur Gregor Gysi gewesen sein". Gysi selbst unterstellt Birthler, sie mache gemeinsame Sache mit den politischen Gegnern der Linken. Parteikollege Oskar Lafontaine forderte gar ihre Entlassung.

Gelächter von den Gegnern

Gysi spitzt zu, und erntet Gelächter von allen Parteien. Außer von seiner eigenen. "Sie begreifen nicht, dass ich damals schon so souverän war wie heute. Ich brauchte gar keinen Kontakt zum MfS (Ministerium für Staatssicherheit, d. Red.)". Die Stasi habe ihn auf seine Fähigkeit zum Inoffiziellen Mitarbeiter untersucht und für nicht würdig befunden. Später sei er sogar selbst beschattet worden. Der Streit um seine Vergangenheit habe außerdem seine Gesundheit angegriffen. Schon wieder Gelächter. Sein Fazit zu der Debatte klingt trotzdem kämpferisch: "So schaffen sie weder mich noch die Linken".

Dann geht er allein und schnurgerade zu dem Ausgang heraus, durch den er eine Viertelstunde vorher das Plenum betreten hatte. Standing Ovations von der Linken-Fraktion. Oskar Lafontaine folgt ihm wenig später. Zurück bleiben reichlich ratlose Abgeordnete, die mit allem gerechnet hatten - nur nicht damit.

  zurück
1 2
 
 
KOMMENTARE (10 von 89)
 
Krakatoa41 (31.05.2008, 23:29 Uhr)
@TomH
wenn die "Kommunisten" an die macht kommen, ist das Kapital weg, da muss ich in China was verpasst haben, das Land ist Kommunistisch regiert und das Kapital steht schlange, soviel zu Ihrer Theorie.
adi35 (31.05.2008, 15:26 Uhr)
@testsieger2006
was regen Sie sich eigentlich so auf und was soll die Auswanderungsempfehlung?
Ich bin weder Altkommunist noch Linker sondern ein Typ der die ganzen aktuellen Ereignisse kritisch hinterfragt. Und die DDR war sicherlich nicht so schlimm wie heute Nordkorea noch ist.
Es geht doch letztendlich nur darum, die ganze Geschichte fair zu betrachten unabhängig um welche Person es geht. Das hat weder etwas mit Kommunisten oder Altnazis zu tun.
Nein Fakt ist , die Birthler Behörde hat bisher keinerlei neue Fakten geschaffen sondern nur alte Behauptungen wiedergegeben.
Fakt ist auch das speziell die Stasi Unterstellungen immer wieder zu gewissen Zeitpunkten kommen, sobald die Linken wieder Zugewinne haben.
Und was soll an einer Regierungsbeteiligung so schlimm sein? In Berlin sind die Linken im Senat an der Macht . Na und? Gibt es die Mauer wieder ? Nein Die Stasi? Nein Werden Leute wegen politischer Meinung in den Knast gesteckt durch die Linken ? Nein.
Also warum sollen Sie dann nicht wie die Grünen in den 80zigern Ihre Chance bekommen zu beweisen das auch Linke demokratisch regieren können.
Bisher gibt es keinen einzigen ehemaligen DDR Bürger, der durch Gysi in den Knast gewandert ist. Nein, Gysi hat im Interesse von Havemann und anderen versucht zu vermitteln. Dazu musste er logischerweise Kontakt zu den staatlichen Organen suchen und pflegen. Das dadurch Akten und Aktennotizen entstanden sind auch bei der Stasi war Systembedingt.
testsieger2006 (31.05.2008, 10:50 Uhr)
@adi35
Das Schönreden der kommunistischen Diktatur sollte ebenso unter Strafe gestellt werden wie das der Nazidiktatur. Nach dem Krieg hatten wir noch zu viele Alt-Nazis... tja und heute Alt-Kommunisten. Aber zum Glück sterben alle langsam aus. Siedeln Sie doch in den anerkannten Staat Nord-Korea um. Da ist die Führung auch nur etwas abgehoben vom Volk, Regimekritiker werden ins Gefängnis geworfen, an der Grenze erschossen und freie Wahlen gibts nicht. Dort müßten Sie sich doch ganz wie zu Hause fühlen.
Preussin (31.05.2008, 05:16 Uhr)
Gysis Einveständniserklärung ?
sollte die gefunden sein ? Nein, denn sonst gäbs ein Geschrei ! Aber man kann ja wenn nötig immer schon drauflos Diffamieren etwas wird schon hängen bleiben ! Und das in einer Gesellschaft die an ANdere etwas auszusetzen findet. Fair Play , meine Damen und Herren und zugegeben wenn es einer besser kann. Wenn er korrupt wäre , hätte man ihn doch schon lange abgeworben . Die Beiden GRoßen Parteien haben mit Ihrer Politik den eigenen Abstieg beschleunigt . Diesesmal ist das bis zur nächsten Wahl nicht vergessen. Also abmarsch unter die 5% Klausel ! Da ihr für 10 % der Bevölkerung Politik macht , könnt Ihr auch nicht mehr Stimmen erwarten .
adi35 (30.05.2008, 22:39 Uhr)
@testsieger2006
die Bezeichung "Unrechtsstaat" trifft sicherlich nicht ganz zu.
Nur weil eine POlitische Kaste - abgehoben und Losgelöst vom Rest der Bevölkerung (Ähnlichkeiten zu heute sind verblüffend) - Ihre Macht gesichert hat ist der Staat noch lange kein Unrechtsstaat.Die Überwachung von Systemgegnern macht doch der BND genauso. Was war den mit Kurnat? Was ist die Überwachung der Telekom + von Lidl? Nicht so schlimm?? Nein genau das gleiche.
Beide Staaten waren politisch anerkannt und miteinander in der UNO.
Westdeutsche Politiker sind in die DDR gereist aus verschiedensten Gründen.
Damit hat aber das ganze Gekeife der Hinterbänkler nichts zu tun. Hier geht es nur um Einfluss und Wahlkampfgetöse. Gerade dies macht die ganze Sache so anrüchig.
Wie lange hat der Gauck/die Birthler Behörde die Akten schon ?18/19 Jahre? Und ausgerechnet in dem Moment wo in Bayern 2008 Wahlen anstehen und 2009 im Bund tauchen ach ganz plötzlich neue Infos auf? Ja was hat die Frau bisher gemacht? Alles klar? Bisher gab es nur Behauptungen und Unterstellungen. Ja wenn es Neuhigkeiten gibt, warum stehen die nicht in den Medien?
Nein hier läuft eine ganz fiese Kampagne - unabhängig davon das es Gysi ist und ich der Linken nicht unkritisch gegenüber stehe - dieser Meinung wäre ich bei anderen auch.
Oder hat schon mal jemand von den Linken einen der CDU angezählt ohne Beweise auf den Tisch zu legen?
Die Sache ist einfach nur zu durchsichtig. Die breite masse ist ja so schön zu manipulieren. Bin mal gespannt was als nächstes kommt.
testsieger2006 (30.05.2008, 17:31 Uhr)
@stern
Wieder mal eine Meisterleistung eines hochintelligenten Forum-Admins, der privat wahrscheinlich ein Gysi-Freund ist, an linker Zensur seine Freude hat und "Ironie" für nen ausgestorbenen Indianerstamm hält.
.
Jetzt gibt doch der Kommentar von cam1504 gar keinen Sinn mehr!!!
.
testsieger2006 (30.05.2008, 13:05 Uhr)
@cam1504
Bitte nicht ablenken. Es geht hier NICHT um die SED-Mitgliedschaft von Abgeordneten der Linkspartie. Man kann, wie nach dem 2. Weltkrieg auch, ja diese Leute nicht komplett die Mitwirkung an der Demokratie versagen.
.
Es geht hier um widerlichen Verrat an Mandanten. Um das Ausspähen von Leuten, die man eigentlich verteidigen sollte. Man stelle sich vor, Otto Schily wäre damals IM des Verfassungschutzes gewesen... was das heute noch unter "Linken" auslösen würde. Die Anwaltszulassung wäre er natürlich auch los.(mal ganz abgesehen davon, dass die Mandanten von Herrn Schily echte Kriminelle, Mörder und die BRD im Gegensatz zur DDR kein Unrechtsstaat war).
.
Ein Gericht soll das entscheiden. Und wenn Verurteilung - dann bitte Knast, Abwaltszulassung weg. Herr G. könnte dann noch froh sein, einen ehrenhaften Anwalt gehabt zu haben. Verstanden?
cam1504 (30.05.2008, 12:34 Uhr)
Der Vergleich mit der Geschichte...
...ist in diesem Falle gar nicht so daneben.
Festzustellen, ob sich Herr Gysi rechtswidrig verhalten hat ist Sache eines Gerichts. Und, da stimme ich jenen Kommentaren zu, so lange dies nicht geschehen ist, ist er als unschuldig zu betrachten. Den Mitgliedern der Linken werden oft Stasivergangenheit, SED-Mitgliedschaft u.v.m. vorgeworfen. Eine andere Frage interessiert mich in diesem Zusammenhang: Wieviele CDU- Mitglieder gab es ca. 1965, die vorher einer anderen Partei angehört hatten? Wie viele von ihnen kamen zu höchsten Ämtern und Würden in der Bundesrepublik, sind es vielleicht noch? Warum diskutieren wir darüber nicht, über eine unbewiesene Behauptung aber schon? Und, sehr richtig,immer zu Zeiten, in denen die Linke mehr Anerkennung gewinnt.
sachsenwini (29.05.2008, 23:05 Uhr)
fa@ culdoc ... Kein Grund, ängstlich zu sein
Ich hatte schon geahnt, dass hier etwas verwechselt wurde.
Keine Problem
faculdoc (29.05.2008, 22:32 Uhr)
Ich muss zu "sachsenwini" äußern dürfen
Sie haben recht mit Ihrer Verbetung. Erst als ich den Kommentar-Button gedrückt hatte, habe ich feststellen müssen ,dass ich auf dem von Ihnen an " guenti2447" focussierten Beitrag Sie und nicht - und dies tatsächlich wahrheitsgemäß auf " guenti2477 " geschrieben hatte. Denn zu diesen hatte ich meinen Kommentar ausgerichtet. Ich kann Ihre Reaktion voll verstehen ,habe auch die Kraft für das " Excuse me , dear sachsenwini and I am affraid "
Lassen Sie uns wieder gemeinsam am KommentarTisch des Stern wirken. Das soll auch mir eine Lehre sein.
Ihr ( hoffentlich ) faculdoc
MEHR ZUM ARTIKEL
Marianne Birthler "Nur Gysi kann der IM gewesen sein"

Marianne Birthler, Chefin der Stasi-Behörde, lässt nicht locker: Erneut hat sie ihre Vorwürfe bekräftigt, Linke-Fraktionschef Gregor Gysi sei Zuträger für die DDR-Staatssicherheit gewesen. "Nach Aktenlage kann nur er ein bestimmter IM gewesen sein." Nun beschäftigt sich der Bundestag mit dem Fall. mehr...

Parteitag der Linken in Cottbus "Wie aufm Katholikentag"

Zwei Tage Agonie, keine scharfen Debatten, die Basis war geknebelt. Erst auf den letzten Metern kam in Cottbus Stimmung auf: Christa Müller, Oskar Lafontaines Ehefrau, ging in Buhrufen unter - und Gregor Gysi erwachte aus seiner Stasi-Starre. mehr...

Linkspartei Ein Problem namens Israel

Immer wieder haben Mitglieder der Linkspartei einseitig gegen Israel gehetzt - dann ist Gregor Gysi mit einer Rede dazwischen gegrätscht, die auch seinen Partner Oskar Lafontaine unter Druck setzt. Nun ist der Streit offen entbrannt. mehr...

MEHR ZUM THEMA
powered by wefind WeFind
 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (23/2012)
Rettet die Liebe