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Der unbelehrbare Peer

Erst machte SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück mit seinen Vortragshonoraren Schlagzeilen. Doch statt daraus zu lernen, tritt er zielgenau ins nächste Fettnäpfchen - und fordert ein höheres Kanzlergehalt.

Ein Kommentar von Lorenz Wolf-Doettinchem

  Welches Gehalt ist für eine Bundeskanzlerin oder einen Bundeskanzler gerecht? Die aktuellen 17.000 Euro im Monat sind es nach Peer Steinbrücks Meinung jedenfalls nicht.

Welches Gehalt ist für eine Bundeskanzlerin oder einen Bundeskanzler gerecht? Die aktuellen 17.000 Euro im Monat sind es nach Peer Steinbrücks Meinung jedenfalls nicht.

Mit Vergleichen ist das so eine Sache. Häufig verraten sie mehr über den, der sie anstellt, als über den eigentlichen Gegenstand der Aussage.

Legendär ist eine Äußerung des damaligen Vorstandssprechers der Deutschen Bank, Hilmar Kopper. Nach der Pleite des Immobilieninvestors Jürgen Schneider blieben 1994 die Handwerker auf offenen Rechnungen über die 50 Millionen Mark sitzen. Doch der Banker befand: "Wir reden hier eigentlich von Peanuts." Selten hatte ein Finanzmann seine Abgehobenheit selbst so entlarvt wie Kopper, der den Erdnuss-Vergleich bis heute nicht mehr losgeworden ist.

Ein klassischer Steinbrück-Spruch

Das könnte Peer Steinbrück nun ganz ähnlich ergehen. Der SPD-Kanzlerkandidat befand in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung": "Nahezu jeder Sparkassendirektor in Nordrhein-Westfalen verdient mehr als die Kanzlerin."

Das ist gewissermaßen ein Klassiker aus dem Repertoire der Steinbrück-Sprüche. Schon in der Debatte um die Diäten der nordrhein-westfälischen Landtagsabgeordneten im Jahr 2005 hatte der damalige Ministerpräsident sich ähnlich geäußert. Und in seinem ersten stern-Interview als Chef des Finanzressorts in Berlin hatte er im gleichen Jahr gesagt: "Ein Minister verdient weniger als" - na klar - "jeder Sparkassendirektor in NRW."

Wie viel ein Sparkassendirektor genau bekommt, veröffentlichen die Institute nicht. Die Kanzlerin jedenfalls verdient knapp 17.000 Euro plus 1000 Euro Aufwandsentschädigung - im Monat. Es ist nicht bekannt, dass sich Angela Merkel darüber jemals beklagt hätte. Und zum Leben ist dieses Gehalt sicher mehr als auskömmlich. Zumal ohne eigene Beitragszahlungen in die Rentenversicherungen üppige Pensionsansprüche entstehen.

Ein vermögender Sozialdemokrat

Peer Steinbrück war bis vor wenigen Monaten einfacher Bundestagsabgeordneter und eine Art Berufsredner. Dafür bekam er in der Regel 15.000 Euro - pro Auftritt. Einer davon übrigens passenderweise bei einer Sparkasse in Nordrhein-Westfalen - nämlich der in Leverkusen. Seit 2009 hat der frühere Finanzminister mit Vorträgen mehr als 1,2 Millionen Euro verdient. Dazu kommen noch Buchhonorare über mehrere hunderttausend Euro. Die Debatte darum hatte dem frisch gekürten Kanzlerkandidaten einen Fehlstart beschert - und am klügsten wäre es wohl gewesen, er hätte nie wieder ein Wort über zu niedrige oder zu hohe Verdienste verloren. Schließlich hat er ja sogar selbst erkannt, dass er heute ein Image als "vermögender Sozialdemokrat" hat.

Doch ein Steinbrück kann nicht aus seiner Haut. Schon als Landesfinanzminister und Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen hat sich der studierte Volkswirt offenbar darüber geärgert, dass die Klugscheißer in den öffentlichen Banken weniger arbeiten und mehr Geld nach Hause tragen als er.

Objektiv betrachtet hat der SPD-Mann natürlich recht, wenn er sagt: "Ein Bundeskanzler oder eine Bundeskanzlerin verdient in Deutschland zu wenig - gemessen an der Leistung, die er oder sie erbringen muss und im Verhältnis zu anderen Tätigkeiten mit weit weniger Verantwortung und vielgrößerem Gehalt."

20, 50 oder 100 Millionen?

Natürlich hat ein Regierungschef mehr zu sagen als etwa VW-Boss Martin Winterkorn, der 2011 die stolze Summe von 16,6 Millionen Euro bekam. Nur sollte Merkel oder ihr Nachfolger deswegen 20, 50 oder 100 Millionen Euro verdienen? Das wäre eine absurde Debatte. Und ein Kanzlerkandidat oder zumindest seine Berater sollten das auch wissen.

Politik und Wirtschaft sind eben ganz unterschiedliche Welten. In Unternehmen ist es ganz normal, dass man im Bewerbungsgespräch irgendwann übers Geld redet. In Wahlkämpfen dagegen wollen die Bürger lieber wissen, was jemand in einem Amt machen möchte - und nicht was er im Portemonnaie haben will. Man möchte etwas über die Wertvorstellungen der Spitzenkandidaten erfahren - nicht über ihre Gehaltsvorstellungen.

Mit gutem Willen könnte man sagen: Steinbrück bleibt eben Steinbrück - und er sagt eben als Kanzlerkandidat, was er schon immer gesagt hat.

Doch inzwischen ist viel Goodwill verbraucht.

Sparkassendirektor ist ohne Zweifel ein ehrenwerter Job. Aber wenn die Gedanken eines Politikers immer wieder um das Gehalt eines Sparkassendirektors kreisen, darf man sich schon fragen, ob ausgerechnet Kanzler das richtige Amt für ihn ist.

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