Mobile Ansicht
Wechseln Sie für eine bessere
Darstellung auf die mobile Ansicht
Weiterlesen Mobile Ansicht
HOME

"Rattenrennen um Rendite"

Bundesfinanzminister Peer Steinbrück hat der Finanzwelt auf dem Neujahrsempfang der Deutschen Börse kräftig die Leviten gelesen. Für die derzeitige Finanzkrise machte Steinbrück in erster Linie die Börsianer und ihre "Übertreibungen und Maßlosigkeiten"verantwortlich.

Von Mathias Schlosser

Ein Heimspiel war es sicher nicht, dass der Finanzminister vor den rund 1000 teils hochkarätigen Gästen des Empfangs absolvieren musste. Freundlich im Ton, aber bisweilen hart in der Sache, erinnerte er die Banker und Börsenhändler an ihre Verantwortung jenseits "der legitimen wirtschaftlichen Interessen". An anderer Stelle wurde er deutlicher und sprach von einem "Rattenrennen nach Renditen", dass einige in den vergangenen Jahren gestartet hätten. "Übertreibungen und Maßlosigkeiten" seien auch an der aktuellen Krise schuld, die nichts weiter sei als die notwendige Korrektur dieser "Exzesse".

Kein Anlass für Pessimismus

Maßvolles Handeln und kühle Köpfe forderte Peer Steinbrück aber auch für die Bewältigung der Krise: "Man darf das jetzt auch nicht überbewerten", sagte er und warnte vor Hysterie. Die hohe Volatilität der Kurse, die seit Tagen die Börsen bestimmt, sei nicht hilfreich. Bei all der Hektik dürfe man nicht übersehen, dass die deutschen Unternehmen heute insgesamt besser aufgestellt sind als noch vor wenigen Jahren. "Für übertriebenen Pessimismus gibt es angesichts der robusten und gesunden Fundamentaldaten keinen Anlass."

Auch an den grundsätzlich guten Rahmenbedingungen für die Wirtschaft in Deutschland ließ er keinen Zweifel. Sicher, die rezessiven Tendenzen in den USA würden auch in Europa spürbar, doch es sei längst nicht mehr so, dass die alte Welt einen Schnupfen bekommt, wenn Amerika nur hustet. Nein, beim "Unterbietungsrennen" der Wachstumsprognosen wolle er nicht mitmachen. 1,7 Prozent für 2008 seien für Deutschland sehr realistisch und konservativ geschätzt.

Steinbrück präsentiert Sechs-Punkte-Plan

So kam der Finanzminister zu dem Schluss, dass die derzeitigen Turbulenzen gut gemeistert werden können, auch wenn sie die Wirtschaft nach seiner Meinung noch eine Weile beschäftigen werden. Vor allem von den Banken forderte Steinbrück aber eines: Die schnelle Aufarbeitung der Kreditkrise. Es müsse endlich Schluss damit sein, dass immer neue Finanzlöcher häppchenweise zugegeben werden. "Jetzt muss reiner Tisch gemacht werden."

Dann nannte Deutschlands Kassenwart sechs Punkte, mit denen Krisen künftig vermieden werden sollen: Er machte sich für mehr Transparenz an den Finanzmärkten stark, forderte eine verbessertes Risikomanagement, hinterfragte die Rolle der Rating-Agenturen und forderte ein schärferes Bilanzrecht, eine effizientere Bankenaufsicht und neue Liquiditätsregeln. Viel Applaus gab es dafür nicht.

Schwere Vorwürfe vom Finanzminister

Darüber hinaus ermahnte Peer Steinbrück die versammelte Finanzwelt, dass die eklatanten Fehler, die dieser Tage deutlich werden, die vielfach gewünschte Aktienkultur in Deutschland nicht gerade beflügelten: "Viele Menschen betrachten die Finanzmärkte als willkürlich", warnte er. Sie pflegten Ängste gegen die Banken, die Börsen und deren hochkomplizierte Finanzprodukte, was langfristig zu einer "Beschädigung des Standorts" führen könne. "Das wird mir hier zu wenig mitgekocht", rief Steinbrück in den Saal und bekam wieder keinen Beifall.

Der brandete so richtig erst ein paar Minuten später bei Reto Franconi auf. Der Vorstandsvorsitzende der Deutsche Börse AG dankte zwar artig für die "finanzpolitische Grundsatzrede" des SPD-Politikers Steinbrück; das Herz der Banker rührte er aber vor allem mit dem Motto, das er für sein Unternehmen ausrief: "Die Maxime lautet: Wachstum, Wachstum, Wachstum!"

täglich & kostenlos
Täglich & kostenlos

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

Partner-Tools