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Eine Million, die sich nicht auszahlt

Der "Porsche-Klaus" von der Linkspartei hat sich nie mehr von seinem Imageschaden erholt. Wird es dem Honorarmillionär Steinbrück von der SPD ebenso gehen?

Eine Analyse von Lutz Kinkel

  Zahltag, auch politisch: SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück

Zahltag, auch politisch: SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück

Klaus Ernst, wir erinnern uns, war mal Chef der Linkspartei. Ein Typ, der das Leben liebt. Porsche in der Garage, Datscha im Grünen, Apanagen als Abgeordneter, Parteivorsitzender und Mitglied im Fraktionsvorstand. "Wir predigen nicht nur Wein, wir trinken ihn auch." Das sagte Ernst, um seinen Lebensstil zu verteidigen. Eine Parole der Toskana-Fraktion.

Hatte Ernst gegen ein Gesetz verstoßen? Nicht gegen eines. Aber er hatte gegen das ungeschriebene Gesetz verstoßen, wonach ein Linker nach Schweiß und Bohneneintopf zu riechen hat, wenn er politisch für die Schar der Geringverdiener und Hartz-IV-Empänger kämpft. Klaus hatte jedenfalls ruckzuck Begriffe am Hals, die bei ihm unangenehmen Juckreiz ausgelöst haben müssen: Luxuslinker, Porsche-Klaus, roter Bonze. Ein Imageschaden, von dem er sich nicht mehr erholt hat. Seine Glaubwürdigkeit war in Frage gestellt. Und davor ist auch Peer Steinbrück, Kanzlerkandidat der SPD, nicht gefeit.

Genossen schlauer als Steinbrück

Steinbrück hat mit seinen Vorträgen Honorare in Höhe von rund 1,2 Millionen Euro brutto in den vergangenen Jahren eingesammelt. Natürlich ist er bisweilen kostenlos auftreten, einen Teil des Geldes hat er nach eigenen Angaben gespendet. Aber ein erkleckliches Sümmchen muss privat bei ihm hängen geblieben sein. Ein Verstoß gegen Gesetze? Mitnichten. Eine Vernachlässigung seiner Tätigkeit als Abgeordneter? Lässt sich drüber streiten. Es kann politisch ertragreicher sein, in der Höhle des Löwen, also vor Bankenvertretern, über die Finanzmarktregulierung zu reden als bei einer Bundestagsdebatte vor sich hin zu dämmern.

Zwar ist der politische Gegner, also FDP und CDU, bereits besiegt. Aber das ist weniger ein Verdienst von Steinbrück als das der SPD. Er hatte zunächst patzig reagiert und darauf beharrt, nichts Unrechtes getan zu haben. Weitere Informationen wollte er nicht herausgeben. Seine Genossen waren schlauer und drängten ihn zu einer persönlichen Transparenzoffensive - gekoppelt mit dem Vorschlag, dass künftig alle Bundestagsabgeordneten ihre Einkünfte auf Heller und Cent ausweisen müssen. Das lehnten CDU und FDP, in deren Reihen die meisten Großnebenverdiener sitzen, erwartungsgemäß ab. Nun schweigen sie, peinlich berührt. Und starren auf den schwarzen Peter, der an ihren Fingern klebt.

Merkels sterile Amtsführung

Aber wie reagiert das Wahlvolk? Nach den Daten der Meinungsforschungsinstitute ist der Steinbrück-Effekt, den die SPD direkt nach seiner Nominierung zu verzeichnen hatte, wieder verpufft. Ein Grund dürfte die anhaltende Debatte über seine Nebeneinkünfte gewesen sein. In der Bevölkerung ist das Vorurteil, dass Politiker doch nur in die eigene Tasche wirtschaften, weit verbreitet. Es wird übel genommen, und zwar reichlich, insbesondere bei Politikern, die im linken Spektrum angesiedelt sind. "Gas-Gerd" ist ein populäres Schimpfwort. Von Liberalen erwartet ja niemand etwas anderes.

Für Steinbrück wiegt diese Verunstimmung auch deswegen schwer, weil er nicht gegen einen anderen Krösus im Bundestag antritt. Sondern gegen Angela Merkel, deren Handhabung des Amtes geradezu steril ist. Kein Gemauschel, keine Teppiche aus Afghanistan, keine persönlichen Vorteilsnahmen. Diese persönliche Glaubwürdigkeit zahlt sich aus. Tausend Mal mehr als jedes Vortragshonorar.

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