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8. Mai 2009, 17:18 Uhr

Jenseits von Ouagadougou

Armer Peer Steinbrück: Ob Freund oder Feind, alle prügeln auf den scharfzüngigen Finanzminister ein, weil er es wagt, bei seinem Kampf gegen Steuerflucht selbst Österreich und Luxemburg rhetorisch hart anzugehen. Dabei nennt Steinbrück die Dinge nur beim Namen. Peinlich ist, dass selbst SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier den kompetenten Minister zurückpfeifen will. Ein Kommentar von Hans Peter Schütz

Steinbrück, Steuerhinterziehung, Steinmeier, Schweiz, SPD

Er nimmt kein Blatt vor den Mund: Bundesfinanzminister Steinbrück schimpft über Steueroasen© Maya Hitij/AP

Will SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier wirklich Kanzler werden? Ganz offensichtlich nicht. Er pflegt sein persönliches Träumchen und darin sieht er sich auch nach der Bundestagswahl als diplomatischer Erfüllungsgehilfe von Angela Merkel um die Welt fliegen. Auch noch einmal nach Ouagadougou. Um nachzusehen, ob dort mit potentiellen Steuerhinterziehern aus der Bundesrepublik nicht allzu harsch umgesprungen wird.

Eine andere Erklärung dafür, dass dieser Kanzlerkandidat die klare Sprache seines Genossen Peer Steinbrück öffentlich rüffelt, zumal dieser SPD-Mann auch noch der Beste SPD-Bundesminister im Kabinett ist, findet sich nicht. Alles soll rundum in diplomatischer Unverbindlichkeit laufen. Alles, nur keine klare Linie. Schon gar nicht, wenn es gegen Steuerhinterzieher und ihre Helferstaaten geht.

Burkina-Faso verdient eine Entschuldigung

Die Fakten sind leider so, dass Steinbrück gar nicht anders reden kann. 100 Milliarden Euro Steuern werden dem deutschen Staat alljährlich vorenthalten. Eine Ziffer, die unerreichbar wäre, wenn die Steuerhinterzieher nicht hilfreiche Freunde in Österreich, der Schweiz, Luxemburg, auf kaum auffindbaren Inseln oder in Ouagadougou hätten. Letztere Stadt, wo liegt die denn? Irgendwo in Afrika? Ja, in Burkina Faso. Entschuldigen müsste sich der Finanzminister allenfalls bei der Regierung dieses westafrikanischen Staates. Denn Steuerschwindler wissen genau, dass dort keine verdeckte Tour läuft.

Auf keinen Fall aber muss man Luxemburgs Premier Jean-Claude Junker mit Wortgirlanden und diplomatischem Gesäusel ums Bankgeheimnis begegnen. All die Länder, die Steinbrück als Helfershelfer nennt, stehen zwar hinter der Kooperation in Steuerfragen, wie sie die OECD vorschlägt. Nur sind die wirkungslos, wenn sie mit einem so strikten Prinzip des Bankgeheimnisses praktiziert werden wie etwa in der Schweiz. Den deutschen Steuerfahndern wird letztlich nur geholfen, wenn der Tatbestand des Steuerbetrugs ihnen unstrittig auf den Tisch gelegt wird. Wie etwa beim Ex-Postchef Klaus Zumwinkel.

Turbokapitalismus außer Kontrolle

Und das soll Steinbrück nicht anprangern dürfen? Millionen von Arbeitnehmern in der Bundesrepublik liefern letztlich jeden Cent Steuern ab, die sie der Gesetzeslage schulden. Millionen, die er in Zürich verstecken muss, hat wohl keiner von denen auf dem Konto. Das sind vielleicht ein Prozent der Deutschen. Ausgeprägte SPD-Wähler, die ihre Stimme Steinmeier geben könnten, dürften darunter vielleicht mit o,ooo1 Prozent vertreten sein.

Wer wie Steinmeier dennoch für nachsichtige verbale Behandlung der Helfershelfer der Steuerhinterzieher und ihrer Helfer plädiert, hat die Ursache der Finanzkrise, die uns alle schüttelt und viele durchschnittliche Steuerzahler um ihre Arbeit bringt, nicht begriffen. Die Krise verdanken wir jenem Turbokapitalismus, der ohne die Hilfe einzelner Länder wie der Schweiz nie eine derart vernichtende, globale Wirkung hätte entfalten können. Wer dies ein weiteres Mal verhindern will, muss international konsequent handeln. Missbrauch war viel zu leicht auf den verschiedensten Wegen möglich, auch dadurch, dass das Kontrollsystem Maschen besaß, durch die jeder schlüpfen konnte, der Lust darauf hatte. Eine kleine Autofahrt ins grenzkontrollfreie Kleine Walsertal genügte schon. Von dort schafften dann auch Landesbanken den Steuerhinterziehern das Geld nach Liechtenstein. Möglich war es nur, weil auch die SPD-Politiker konsequent wegblickten. Wenigstens Steinbrück lässt das bleiben. Sehr gut!

Ein Kommentar von Hans Peter Schütz
 
 
KOMMENTARE (10 von 48)
 
giangastone (09.05.2009, 08:30 Uhr)
Politik ist kein Kaffeekränzchen
Steinbrücks Aufgabe ist die Verwaltung des Staatshaushalts. 100 Milliarden € im Jahr am Fiskus vorbei in kleine Staaten Europas sind nicht wenig, deshalb muss (Pe)er sich darum kümmern. Das haben andere vor ihm in netter Weise auch probiert, ohne Erfolg, das Thema wurde lächelnd ausgesessen. Jetzt "brennt" das Thema und besagte Staaten in und nördlich von Afrika sind (beleidigt) in Erklärungsnot und echauffieren sich. Politisches Geschäft eben. Es tut sich was. Danke Peer!
sjm2000 (09.05.2009, 03:04 Uhr)
Verschwendung von Steuergelden ist die Ursache.
Herr Steinbrueck sollte zunaechst einmal die Verschwendung von Steuergeldern bekaempfen. Da werden in Landesbanken, die nur benoetigt werden damit man Gewerkschaftsbonzen Aufsichtsratsposten beschaffen kann, Milliarden verbraten ohne auch nur ein vernuenftiges Geschaeftsmodell zu haben.
Genauso wie die von der Leyen, die Kinderpornografie nicht bekaempfen, sondern hinter einem STOP-Schild verstecken will, will auch der Steinbruck nicht die Ursachen der Steuerflucht bekaempfen sondern nur an den Auswirkungen herumbasteln.
Man beseitig Steuerflucht nicht dadurch dass man Nationen, mit denen man befreundet sein sollte den Arm auf den Ruecken dreht, damit die auch ihre Rechtstaatlichkeit so verwaessern wie Deutschland es tut. Viel besser waere es wenn Herr Steinbrueck sich bei jedem Euro den er ausgibt daran erinnern wuerde, dass der von Leuten erbracht wurde, die dafuer hart arbeiten mussten. Wenn man sieht wie die Berliner-Seilschaften die Steuergelder vergeuden, kommt sich doch jeder, der brav seine Steuern zahlt wie ein Idiot vor.
gmathol (09.05.2009, 00:58 Uhr)
Wenn schon Kritik dann sollte auch die groesste Geldwaescherei in London genannt werden.
Sowie einige andere Steuerhinterziehungsparadiese wie z. B. im US Staat Delaware.
Dazu fehlt Steinbrueck offensichtlich der Mut.
Eine einfache Konteraktion waere die Quellensteuer abzuschaffen und damit auch auslaendisches Kapital einzuladen. Das aber wird von der Kommando-Zentrale in London oder Wall Street nicht erlaubt werden.
Armes Deutschland. Kompetenter Minister? Laecherlich!
n8g8 (09.05.2009, 00:11 Uhr)
Friedenspfeife
an Schweizer und Gesox reich:
Staaten versuchen doch latent andere Staaten abzuzocken.
Und dabei lässt eben der deutsche Staat bedauerlicherweise die Interessen der Staatsbürger außer Acht. Das kann man aber umgekehrt gerade nicht der Schweiz vorwerfen, weil sie zum einen eine andere, direktere Demokratieform praktiziert - und zum anderen ja (gerade deshalb?) den Vorteil für ihre Bürgerschaft optimal nutzt.
Dass Deutschland mit seinen Steuerhinterziehungsversuchen z.B. in den USA weniger erfolgreich ist, hat weniger mit den Finanzinstrumenten zu tun, sondern vielmehr mit dem Lobbyismus in diesem Land.
Schon bemerkt???
Fazot: Wer als Abgeordneter keine Transparenz vertragen will, kann sie auch nicht von dem einfachen Steuerzahler verlangen - und wenn der "Forderer" auch SuPEER heißt!!!
Fördern&Fordern wird seit 2005-HartzIV schon jeden Montag ad absurdum geführt.
Es spricht nicht gerade FÜR dieses Land und FÜR diese Bevölkerung, dass flächendeckende Ausbeutung hierzulande als angeblliche sozialstaatliche Errungenschaft verkauft wird.
Und den Todesstoß verdient dieses Volk allein angesichts der Umfrageergebnisse. Welche Bevölkerung lässt sich ansonsten in Europa soooooooo veräppeln???????
schweizerNW (08.05.2009, 23:50 Uhr)
@gesox: also doch Neid?
Ja, ich würde gerne noch etwas mehr hören! Lesen Sie bitte nochmals meinen vorherigen Kommentar: Jede Firma / Staat will seine Interessen durchsetzen. Das ist nichts Neues und - oh schreck für Sozialromantiker - es ist global! Ihre Anmerkung bezüglich privater Vorsorge, Lobbyisten und "Leuten mit genug Geld in der Tasche" zeigt haargenau, auf wen die Saat von Steinbrück fällt: Neider, welche die Globalisierung nicht wahrhaben wollen und einfach verständliches Gepoltere als Lösung akzeptiert.
Ich sage es nochmals: Auch Banken sind nicht immer sauber, viele haben Dreck am Stecken. Dies ist aber noch lange kein Grund, die Augen vor der Realität zu verschliessen. Hätte SB richtig Mut, wären andere Player wie die USA, China, Singapur und England am Pranger. Traut er sich? Wohl kaum! Hat in Deutschland jemand den Mut, die Schwarzarbeit anzuprangern, welche die so hochbewertete Solidarität weit stärker untergräbt als ein Bankgeheimnis? Wohl kaum! Es sind ja seine Wähler...
Dalibor (08.05.2009, 23:47 Uhr)
auf der...
einen Seite Steuermilliarden die man nicht ins Ausland abfließen lassen möchte (sondern wohl lieber für die Banken verbrennt), auf der anderen Seite saure Nachbarn die bei andauernder Steinbrückschen Kriegsrhetorik (sorry aber kein großer Unterschied mehr für mich bei all den Indianern und Cowboys um Fort Yuma bzw. Abqualifizierung der mit reichsten Länder der Welt mit dem Vergleich von Burkina Faso, nicht weit zu "am deutschen Wesen soll die Welt genesen" mit der Einladung nach Berlin) deutsche Produkte konsequent genauso meiden werden wie viele kritisch beäugende Zuschauer aus ganz Europa, ja aller Welt. Wie gedenkt Steinbrück den Imageschaden auszubügeln den sein prachtimperialer Verbalmilitarismus verursacht? Ich halte den Mann nicht nur für komplett inkompetent (siehe wie ihn das Gericht auseinandergenommen hat bzgl. "Pendlerpauschale" oder "die Krise wird an D vorbeigehen") sondern für brandgefährlich polarisierend! Sowas als Bundesminister - das kann sich D eigentlich nicht erlauben.
gesox (08.05.2009, 23:34 Uhr)
@schweizerNW: soso, hört, hört...
Von etwas Polemik gegen Sozis (zu denen ich definitiv nicht gehöre) und ein paar dumpfen Vorurteilen gegen Deutsche abgesehen haben Sie nichts gesagt. Wenn ich schon Leute mit genug Geld in der Tasche von "Eigenverantwortung" faseln höre dreht sich mir der Magen um, mit dieser Vokabel hat man uns hier auch aufgetischt, daß in Zukunft der Staat durch die Lobbyisten entmachtet wird und die "private Vorsorge" eine Enteignung der Beitragszahler in die Sozialkassen darstellt. "Staatshörigkeit und Kriecherei vor der Politik" - da kennen Sie uns aber nun wirklich nicht. "Zu Korruption: wir kennen bei uns keine Fälle wie Siemens, Telekom u.a., warum?" Warum auch, Ihr habt doch was viel größeres, nämlich den Kraken NESTLE, der seine Interessen auf Kosten der Gesundheit vieler Menschen durchsetzt und gerne auch politischen Einfluß nimmt:

http://de.wikipedia.org/wiki/Nestl%C3%A9#Kritik
Ihr habt doch die UBS:

http://de.wikipedia.org/wiki/UBS#Kritik
Ihr habt doch Novartis:

http://de.wikipedia.org/wiki/Novartis#Kritik

Und Ihr habt doch auch die tolle Chemieindustrie, die die Welt versucht:

http://www.totalsanieren.ch/blog/category/medienmitteilungen/page/2/

Darf's noch etwas mehr sein?
n8g8 (08.05.2009, 23:23 Uhr)
@david
Ja, Sie haben natürlich Recht. Wir sind schuld, weil wir nicht einmal den Mumm haben, uns nen Apfel vom (nicht vorhandenen) Kopf schießen zu lassen...
Denn wir (zumindest) im Westen sind gnadenlos devote Gesellen und haben bislang noch keine Revolte ausgestanden. Aber die Ossis schon - und darum ist die Wiedervereinigung revolutionär für den Westen vorbildlich gelaufen. Man merkt es leider nur noch nicht. :-)
Sie haben schon recht, wir bzw. die Mehrheit von "uns" ist selbst schuld. :-)
1valentino (08.05.2009, 23:15 Uhr)
Danke Herr Steinbrück.
Herr Steinbrück ist momentan der einzige Grund, sich überhaupt für die volksferne SPD stark zu machen. Hätten wir mehr solcher Politiker, ging es uns allen besser. Einer der wenigen die begriffen haben, das die Reichen den Staat (also uns alle), in ihrer unerreichten Gier, kaputt machen. Allen voran "Vorbilder" wie Michael Schumacher, der nur noch das sieht was er abgeben muss, nicht aber das, was er behalten kann: Millionen und noch mehr Millionen. Unser ehemaliger SPD-Bundeskanzler, Goldkettchen-Gerhard, schaufelt sich doch auch nur die Millionen in die Tasche. Ein feines Vorbild für unsere "Elite" und den Rest der Nation. Da brauchen wir uns über Steueroasen und Steuersünder eigentlich überhaupt nicht wundern. Die bekommen es ja alle von den Celebrity`s vorgemacht. Nein wirklich, mit Frank Walter Steinmeier und Konsorten hat die SPD keine Chance bei der Bundestagswahl. Das kann nur noch ein Peer Steinbrück retten. Und ich bin froh das es den gibt. Für unser Land, nicht für die SPD. Der kann man eh nichts mehr glauben.
davidherzig (08.05.2009, 23:01 Uhr)
@n8g8
Jaja, in der Schweiz sind alle Banker, essen nur Schokolade und Käse und sammeln Uhren wie andere Briefmarken... ;-)
Ich sehe das Problem nicht primär in Personen, die Steuern in anderen Staaten bezahlen sondern im Deutschen Staat, der nicht mit dem Steuergeldern umgehen kann und einem dann noch von der Wiege bis zur Bahre alles vorschreibt. Nicht verwunderlich, dass gut ausgebildete Deutsche ihre Heimat verlassen und anderswo auf eine gute Zukunft hoffen.
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