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12. November 2007, 11:32 Uhr

FDP schlägt "assistierten Suizid" vor

Der FDP-Politiker Michael Kauch will die Sterbehilfe auch in Deutschland ermöglichen. Er schlägt vor, dass sich Patienten künftig unter bestimmten Bedingungen töten können sollen. Der Unions-Fraktionsvize Wolfgang Bosbach lehnt den Vorschlag entschieden ab.

Mit Medikamenten sollen sich schwerkranke Menschen künftig selbst töten können, lautet der Vorschlag des FDP-Abgeordneten Michael Kauch© Latzel/Lookatonline/laif

Die FDP hat eine Legalisierung des sogenannten "assistierten Suizids" ins Gespräch gebracht. "Ganz eindeutig ist, dass wir die Angebote so ausbauen müssen, wie es notwendig ist, um ein würdevolles Sterben auch bei großen Schmerzen zu ermöglichen", sagte der FDP-Bundestagsabgeordnete Michael Kauch im Südwestrundfunk. Widerspruch kam aus der Union.

Vorbild: Oregon

Kauch verwies auf die Regelung im US-Staat Oregon: Dort würden Patienten unter strengen Bedingungen Medikamente ausgehändigt, mit denen sie sich töten könnten. Voraussetzung sei, "dass dort zwei Ärzte eine Lebensdauer von weniger als sechs Monaten prognostizieren und alle schmerzmindernden Möglichkeiten ausgeschöpft sein müssen", sagte Kauch.

Es sei heute möglich, den allermeisten Menschen mit palliativ-medizinischen und palliativ-pflegerischen Mitteln zu helfen, damit diese die letzten Wochen und Tage ihres Lebens in Würde zumindest schmerzreduziert verbringen könnten.

Union gegen "Geschäft mit dem Tod"

"Die Frage ist, was passiert mit den Extremfällen, wo dies eben versagt?", sagte Kauch. Die Debatte über die Sterbehilfe war durch den Suizid von zwei Deutschen in der vergangenen Woche in der Schweiz neu entfacht worden. Die Organisation Dignitas, die den Deutschen auf einem Parkplatz im Kanton Zürich beim Sterben half, geriet daraufhin erneut in die Kritik.

Der stellvertretende Vorsitzende der Unions-Bundestagsfraktion, Wolfgang Bosbach, sprach sich dagegen für ein Verbot von Sterbehilfeorganisationen aus. "Es werden Geschäfte mit Tod gemacht. Das können wir nicht dulden", sagte der CDU-Politiker der "Berliner Zeitung". Die Unterstützung beim Suizid sei Geschäftszweck. "Das ist mit der Menschenwürde nicht vereinbar."

DPA
 
 
KOMMENTARE (8 von 8)
 
RosaRoth (13.11.2007, 07:41 Uhr)
Gesetzlicher Suizid vor dem Rentenalter

Eine demokratische Lösung wäre ein Gesetz, das besagt: Wer über 65 Jahre alt wird, muss sein Erbe dem Staat abtreten. Das würde eine Welle des Suizid auslösen ohne gegen Menschenrechte zu verstoßen - Sterbehilfe wäre dann also überflüssig.
Um die Steuereinnahme zu steigern, könnte mit den Reichen ein lukrativer Ablasshandel gesetzlich betrieben werden.
Unter Anbetracht der momentanen ideologischen Lage unserer Regierung und Parlament, mit Überwachungswahn, Abschaffung der Sozialgesetze und Mobilmachung, sollte die Sterbehilfe auf jeden Fall verboten bleiben.
Es wäre sinniger, die Zustände in Pflegeheime zu verbessern, als über das freiwillige Ableben der vernachlässigten Alten zu diskutieren.
Ich traue diesen Politiker nicht mehr über den Weg.
Für sie zählt nur noch der Steuerbürger - der Rest ist unnötiges Beiwerk einer Demokratie, das irgendwie unschädlich gemacht werden muss.
Menschenrechte und Moral sind in unserem momentanen politischem Umfeld nur so lange dienlich, so lange sie der Wirtschaft dienen.
tripex (12.11.2007, 18:23 Uhr)
Abwaegung
Pro und Contra stehen sich hart gegenueber. Schwarzenegger bringt's aber auf den Punkt. Kapitalismus und Profitgier schreckt vor Menschenwuerde leider nicht zurueck und daher gehoert Sterbehilfe aus Prinzip grundsaetzlich und ohne Ausnahme (auch indirekt!) verboten. Niemand kann den Toten anschliessend befragen, ob er tatsaechlich sterben wollte. Wer nicht mehr leben will kann/muss das selbst aktiv! tun. Manchmal (vielleicht auch oft) ist das physisch nicht (mehr) moeglich. Das sind dann die traurigen Faelle. Ich persoenlich lebe aber lieber mit diesen (wenigen) Faellen statt mit all den Missbrauchsfaellen plus der Dunkelziffer auf der anderen Seite.
Schwarzenegger (12.11.2007, 16:33 Uhr)
Kapitalismus und Sterbehilfe
Wenn Euthanasie legal wird, dann ist dem Mißbrauch Tür und Tor geöffnet. Schon jetzt ist nicht mehr jede Therapie für jeden machbar/finanzierbar, was bedeutete es denn aber, wenn in Zeiten "leerer Kassen" den Patienten der Freitod nahegelegt wird? Wenn "moralisch" argumentierende Ärzte an die Verantwortung des einzelnen appellierten, durch teure Therapie nicht der Gemeinschaft finanziell zur Last zu fallen (wenn hohe Euthanasiequoten dann womöglich Bonuspunkte für Ärzte bedeuten?)? Ich sehe schon die Herren von der FDP angekrochen kommen, mit der Forderung "unsere nicht mehr zeitgemäße Ethik auf den Prüfstand zu stellen" und den Finger erhebend, daß es "an der Zeit sei, nun eine Diskusion ohne Tabus zu führen". Achja, Organhandel ist schon heute ein Multimillionendollar-Geschäft. Neben den "Kostenersparnissen" einer Euthanasie könnte dann gleich noch aus dem "Kostenfaktor Patient" eine "Profitzone" werden. Wenn sich jemand umbringen will, dann soll er es tun. Aber wer fordert, das ganze zu legalisieren, handelt in hohem Maße assozial gegenüber künftigen Patienten, die durch den dann ermöglichten Mißbrauch ihr Leben lassen werden. Das ist meine Lehre aus dem Kapitalismus: Was mißbraucht werden kann um Profit zu bringen, wird auch mißbraucht werden. Alle anderen Annahmen sind in meinen Augen gefährlich und naiv.
kabuki (12.11.2007, 16:30 Uhr)
selbstbestimmung
Im Endeffekt ist es wie mit den Drogen.
Der Staat hebt ohne schlüssige Begründung den Zeigefinger und kommt mit seinen Regeln und Gesetzen, weil die Regierenden aufgrund ihres Status' glauben, dass sie die Weisheit mit Löffeln gefressen haben und somit uns "mündige Bürger" erziehen dürfen.
Ich sage der wahre mündige Bürger weiß, dass er selbst der Staat ist und dass es keine Instanz über ihm selbst gibt.
Denn egal ob Richter, König oder Papst, alle die über uns richten wollen sind auch nur Menschen.
Und nicht bessere Menschen oder klügere Menschen, oder Menschen, die wissen wie man richtig zu leben oder eben zu sterben hat.
Lang lebe der freie Geist und kurz lebe Wolfgang S! :)))
belantino (12.11.2007, 16:28 Uhr)
Sterbehilfe
Was will uns Bürgern die Regierung noch verbieten? Wer sterben will, soll das selber entscheiden können. Über mein Leben will immer noch ich selber bestimmen.
belantino
Frei_Talk (12.11.2007, 15:50 Uhr)
Anmaßung
Was maßen sich eigentlich fremde Menschen an über meine Leben zu bestimmen. Das ist unverfroren. Wenn ich etwas freiwillig mache kann ich alles machen. Wenn ich niemand anderem damit schade. Diese Diskussion ist sowas von menschenverachtend, das ist böswillig. Das ist mein Leben und ich bestimme wie es verläuft. Wenn ich in die Situation käme will ich entscheiden..und kein sch...Politiker...Pack...
Alles was damit zu tun hat liegt in der Entscheidung des Betroffenen...Alles. Himmel, Hölle, Chance, Schmerz, Familie...wo in alles in der Welt hat die Gesellschaft, die Poltik damit zu reden. Wo bitte schön...Legen die oben oder auch unten ein gutes Wort für mich ein. Müssen die sich um die Angehörigen kümmern, bezahlen die etwas, was geht euch das an? Diese Dikusion ist so krank...Das nennt sich hier Freiheit ...sch..drauf...Schlimm...
Der-nette-Nachbar (12.11.2007, 15:48 Uhr)
..aber das Contra..
.. existiert leider auch:
Zwar sind Kommentare wie von Wolfgang Bosbach totaler Humbug, schliesslich macht jede Regierung die Soldaten hat, sowieso Geschäfte mit dem Tod.
Aber natürlich müssen die Menschen davor geschützt werden, das Dritte sie in die Situation Sterbehilfe zu wollen, hineindrängen.
So darf es eben nicht möglich werden, den ungeliebten Erbonkel gesundheitlich durch kriminelle Energie in den Suizid zu treiben.
Der-nette-Nachbar (12.11.2007, 15:39 Uhr)
Die Würde des Menschen ist unantastbar ..
.. heisst es doch ..
Wenn es so ist, dann kann man sich nur FÜR die Sterbehilfe aussprechen.
Sollte ich sterbenskrank sein und nur noch mit Schmerzen existieren können.. dann möchte ich lieber mit einem würdevollen letztem Lächeln von meinen Liebsten abtreten als in schmerzverkrümmter Verrenkung nach endlosen Zeiten der Qual.
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