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Ein Mann, der keinen Orden braucht

Im September ist Schluss, im stern zieht er Bilanz: Ex-SPD-Chef Franz Müntefering über die Agenda 2010, die Rente mit 67 und das Bundesverdienstkreuz.

Von Andreas Hoidn-Borchers und Axel Vornbäumen

  "Alles bleibt gültig": Franz Müntefering (SPD)

"Alles bleibt gültig": Franz Müntefering (SPD)

Er ist jetzt 73, und so langsam muss man sich an den Gedanken gewöhnen: Franz Müntefering hört auf. Nicht sofort, erst im September, wenn ein neuer Bundestag gewählt wird. Er kandidiert dann nicht mehr. Sein Abschied soll diesmal ein endgültiger sein, nicht so wie 2008, als er nach dem Rücktritt als Vizekanzler doch noch mal aus der selbstgewählten Versenkung auftauchte und ein zweites Mal SPD-Vorsitzender wurde. Bei einem Spaziergang durch seine Heimatstadt Sundern und bei einem langen Gespräch in Berlin blickte er jetzt für den stern schon einmal zurück auf sein ziemlich bewegtes politisches – und privates – Leben.

Man merkt schnell: Der Mann ist kein Haderer – und eigentlich recht zufrieden mit sich selbst. "Ich finde das ganz ordentlich, was ich gemacht habe", sagt der Mann, den fast alle nur Münte nannten, der nach acht Jahren "Volksschule Sauerland" und einer Ausbildung zum Industriekaufmann Mitte der 70er Jahre eine politische Spätstarterkarriere begann, die ihn bis ganz nach oben brachte. Fast bis ganz nach oben. Nur das Kanzleramt blieb ihm versperrt. Das allerdings hätte er "auch mit meiner Vorbildung gekonnt", sagt Müntefering. "Eine Menge habe ich auch autodidaktisch gelernt. Da bin ich gar nicht so bescheiden." Er wisse, "dass es Dinge im Leben gibt, von denen ich mehr verstehe als viele, die ein paar #link;www.stern.de/thema/doktortitel;Doktortitel# habe".

Modernisieren oder modernisiert werden

Seine Bilanz packt er in einen seiner berühmten kurzen Sätze: "Alles bleibt gültig." Mit einer Ausnahme: 2004 hätte er nicht SPD-Chef werden sollen. "Die Erwartung wurde immer größer, dass ich die Politik von Gerhard Schröder ändere, was ich gar nicht wollte." Ganz nebenbei gibt er der SPD noch einen Kleinen mit: "Die Partei hat ja die komische Angewohnheit zu glauben, sie sei das Wichtigste." Er selbst habe aber immer gewusst, was seine Rolle sei. "Die hat mir nicht immer gefallen, ich bin gar nicht so bärbeißig, wie ich manchmal tun musste."

Müntefering wäre nicht Müntefering, wenn er nicht die Agenda 2010 vehement verteidigen würde. Zum zehnten Mal jährt sich in zwei Wochen die Rede, mit der Gerhard Schröder im Bundestag seine Reformpolitik ankündigte. Eine Rede, die Müntefering nun sogar mit der ersten Regierungserklärung Willy Brandts vergleicht: "Die Agenda war Gerhard Schröders große Leistung. Das hatte eine Qualität wie Brandts 'Mehr Demokratie wagen'." Müntefering: "Schröders Schlüsselsatz war damals: Entweder wir modernisieren oder wir werden modernisiert. Das stimmt noch heute."

Mut, nach vorne zu sehen

Dass sich mittlerweile große Teile seiner Partei von der Agenda abgewendet haben, könne ihn, so Müntefering "nicht erschüttern. Ich bin mir sicher, dass wir recht gehabt haben". Ebenso energisch verteidigte Müntefering die von ihm in der Großen Koalition durchgesetzte Rente mit 67, die die SPD nach einem Wahlsieg teilweise zurücknehmen will. "Das Thema ist nicht zu Ende. Es wird schon auf die 67 zugehen, aber es wird eine größere Flexibilität gegen." Man müsse nur die demografische Entwicklung betrachten. "Man muss auch den Mut haben, nach vorne zu sehen. Diese Kurzatmigkeit muss aufhören."

Leere oder Langeweile fürchtet er nach Ende seiner politischen Karriere übrigens nicht. "Solange ich meinen Kopf dabei habe, fällt mir immer noch was ein, was ich tun kann." Auf Auszeichnungen allerdings lege er keinen Wert. "Ich habe auch nie Orden angenommen. Ich halte nicht so viel davon. Im Bundestag habe ich das auch hinterlegt: kein Bundesverdienstkreuz", erzählt Müntefering im stern. "Schriftlich. Nie und nimmer."

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