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Grüne surfen auf der Anti-Atom-Welle

Es wird langsam unheimlich: Die Grünen haben schon wieder einen neuen Umfragerekord erzielt. Für Horst Seehofer und seine CSU hingegen gehen in Bayern langsam die Lichter aus.

Die Grünen setzen ihren Höhenflug in den Umfragen fort. Im wöchentlichen stern-RTL-Wahltrend kletterten sie im Vergleich zur Vorwoche um einen Punkt auf 22 Prozent. Es ist der beste Wert, den das Forsa-Institut je für die einstige Anti-Parteien-Partei gemessen hat. Die SPD fällt um einen Punkt auf 24 Prozent. Noch Anfang August hatte sie mit 28 Prozent ihren Jahresbestwert erreicht. Nun liegt sie nur noch zwei Punkte vor den Grünen. Für die Linke wollen elf Prozent der Bundesbürger stimmen, ein Punkt mehr als in der Vorwoche.

Die Regierungsparteien verharren weiter im Stimmungstief. Die Union sinkt um einen Punkt auf 30 Prozent, die FDP stagniert bei 5 Prozent. Für "sonstige Parteien" würden sich unverändert acht Prozent der Wähler entscheiden.

Mit zusammen 46 Prozent liegen SPD und Grüne elf Punkte vor Union und FDP (gemeinsam 35 Prozent). Das gesamte "linke" Lager (SPD, Grüne, Linke) hat mit 57 Prozent einen Vorsprung von 22 Punkten vor Schwarz-Gelb.

"Die Union irrt umher"

Nach Ansicht des Berliner Politologen Gero Neugebauer spiegelt sich in der Attraktivität der Grünen die Schwäche der anderen Parteien wider. Dem stern sagte Neugebauer: "Die Linke ist blass, die Union irrt umher, die SPD hat noch kein erkennbares Profil." Dagegen strahle die frühere Sponti-Partei heute Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit aus. Forsa-Chef Manfred Güllner machte auch den strikten Anti-Atom-Kurs der SPD für die Grünen-Stärke verantwortlich, der nur das grüne Original stärke.

Dass der Union derzeit die Wähler davon laufen, liegt nach Auffassung von Güllner nicht am fehlenden konservativen Profil der Partei. Der Forsa-Chef zum stern: "Dann müsste es der CSU ja gut gehen, die als konservativer Hort der Union gilt. Sie liegt in Bayern bei der Bundestagswahlabsicht aber nur bei 38 Prozent." Nach seiner Analyse würde die Union vor allem in der Mitte verlieren. Um wieder stärker zu werden, müsse die Union sich um die kümmern, die bei der letzten Wahl zur FDP gewandert sind, etwa Handwerker, Freiberufler, leitende Angestellte. Güllner: "Eben den klassischen Mittelstand, der nicht extrem konservativ ist."

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