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NSA-Affäre perlt an Merkel ab

Da kann die Opposition der Kanzlerin noch so sehr Versagen im Skandal um Spitzeleien der US-Geheimdienste vorwerfen: Die Wähler halten Merkel die Treue. Gewinnen können aber auch die Piraten.

Wenn sie jetzt keine riesigen Fehler macht, könnte sie auch in den kommenden Jahren Deutschland regieren: Kanzlerin Angela Merkel

Wenn sie jetzt keine riesigen Fehler macht, könnte sie auch in den kommenden Jahren Deutschland regieren: Kanzlerin Angela Merkel

Die Angriffe der Opposition auf die Regierung wegen der NSA-Affäre nützen SPD und Grünen in der Wählersympathie nichts und haben Union und FDP bislang nicht geschadet. Im wöchentlichen stern-RTL-Wahltrend, der vor den jüngsten Enthüllungen über die enge Zusammenarbeit deutscher und amerikanischer Geheimdienste erhoben wurde, verharrt die Union bei 41 Prozent, die FDP bleibt stabil bei 5 Prozent.

Zum sechsten Mal in Folge liegen die Regierungsparteien damit zusammen bei 46 Prozent. Die SPD dagegen fällt um 1 Punkt auf 22 Prozent zurück, die Grünen sinken um 2 Punkte auf 12 Prozent, ihren niedrigsten Wert seit Oktober 2012. Die Linke kann sich um 1 Punkt auf 9 Prozent verbessern. Die Piraten legen um 2 Punkte auf 4 Prozent zu, es ist ihr bester Wert seit Mitte Januar des Jahres. Sonstigen Parteien wollen 7 Prozent der Wähler ihre Stimme geben.

Union und FDP bei komforablen 46 Prozent

Zwei Monate vor der Bundestagswahl hat die Koalition von Union und FDP mit 46 Prozent nunmehr einen Vorsprung von 3 Punkten vor SPD, Grünen und Linken (zusammen 43 Prozent) und hätte im Parlament so eine regierungsfähige Mehrheit.

Auch am Bild der Kanzlerin haben die Angriffe der Opposition bislang nicht kratzen können. Bei einer Direktwahl des Regierungschefs würden sich wie in der Vorwoche 57 Prozent der Deutschen für Angela Merkel (CDU) entscheiden und 21 Prozent (plus 1) für ihren Herausforderer Peer Steinbrück (SPD).

Mehr Menschen haben allerdings auch von Politik die Nase voll

Zur Frage, weshalb die Angriffe der Opposition gegen die Regierung in der NSA-Affäre so ins Leere liefen, sagte Forsa-Chef Manfred Güllner dem stern: "Auch wenn Angela Merkel in dieser Sache nicht unbedingt geglaubt wird, so halten viele Menschen die persönlichen Attacken auf sie doch für überzogen. Etwa wenn SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück ihr vorwirft, sie habe ihren Amtseid gebrochen, Schaden vom deutschen Volk abzuwenden."

Generell habe das Gezänk der Parteien dazu geführt, dass die Politikverdrossenheit leicht angestiegen sei. Dies erkläre auch den Zuwachs der Piratenpartei. Güllner: "Die Piraten bündeln den Unmut, der durch NSA und die Unglaubwürdigkeit der Politiker entstanden ist".

Datenbasis: Das Forsa-Institut befragte vom 15. bis 19. Juli 2013 im Auftrag des Magazins stern und des Fernsehsenders RTL 2500 repräsentativ ausgesuchte Bundesbürger, die durch eine computergesteuerte Zufallsstichprobe ermittelt wurden. Die statistische Fehlertoleranz liegt bei +/- 2,5 Prozentpunkten.

Matthias Weber/print
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