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3. September 2008, 10:40 Uhr
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Linke schlägt SPD im Saarland

Triumph für Oskar Lafontaine: Im Saarland liegt seine Linkspartei mit 24 Prozent einen Punkt vor der SPD, gleichzeitig verliert die CDU kräftig. Das belegt die aktuelle Forsa-Umfrage im Auftrag des stern. Sie zeigt auch, in welcher Wählergruppe die meisten Lafontainisten zu finden sind. Von Lutz Kinkel und Matthias Weber

Zweite Chance im Saarland: Linkspartei-Chef Oskar Lafontaine© Hannibal Hanschke/Reuters

Oskar Lafontaine rollt die politische Landschaft auf. Im Saarland ist seine Linkspartei bereits zweitstärkste Kraft. Das zeigt die Forsa-Umfrage im Auftrag des stern. Demnach käme die Linkspartei bei Landtagswahlen auf 24 Prozent, die SPD auf 23 Prozent, die CDU würde kräftig verlieren und nur noch 37 Prozent erzielen. Die FDP könnte 7 Prozent der Wählerstimmen für sich verbuchen, die Grünen 5 Prozent. "Wir haben eine Momentaufnahme gemacht", schränkt Forsa-Chef Manfred Güllner im Gespräch mit stern.de ein. "Die eigentlichen Meinungsbildungsprozesse setzen noch ein. Aber die Ausgangslage für die Linke ist natürlich ganz hervorragend im Saarland." Die Landtagswahl in Lafontaines Heimat wird vermutlich kurz vor der Bundestagswahl im September 2009 stattfinden.

Die Popularität der Linkspartei im Saarland ist eng mit der Popularität Lafontaines verknüpft, der dort von 1985 bis 1998 Ministerpräsident war. "Bundesweit ist er zwar der unbeliebteste Politiker", sagt Güllner, "im Saarland genießt er aber etwa bei den Arbeitern und im Gewerkschaftslager immer noch sehr große Sympathien." Könnten die Saarländer ihren Ministerpräsidenten direkt wählen, würden sich 36 Prozent für Amtsinhaber Peter Müller, CDU, entscheiden. 23 Prozent würden für Lafontaine votieren und nur 14 Prozent für den SPD-Spitzenkandidaten Heiko Maas.

Rückhalt unter Arbeitern

Das Meinungsforschungsinstitut Forsa ermittelte auch, in welchen Wählerschichten Lafontaine am besten punkten kann. Die Ergebnisse sind eindeutig: Der Saarländer erzielt die höchsten Zustimmungswerte bei Arbeitern und Hauptschülern. So wünschen sich 47 Prozent der Arbeiter, dass Lafontaine wieder Ministerpräsident werden wird, unter den Hauptschülern sind es 41 Prozent. In allen anderen Gruppen - Angestellten, Beamten, Selbständigen, höher Gebildeten - liegen die Zustimmungsraten unter 30 Prozent. "Er ist bei den Arbeitern beliebt, weil er dafür plädiert, klassische Arbeiter-Arbeitsplätze zu erhalten, zum Beispiel im Bergbau", sagt Güllner. In den anderen Gruppen haftet dem 65-jährigen der Ruf eines Bürgerschrecks an.

Die Wunschkoalition der Saarländer spiegelt das wieder, was derzeit als "linkes Lebensgefühl" durch die Medien geistert. Unter allen denkbaren Kombinationen liegt ein Bündnis zwischen Linken und SPD vorne - das wollen 21 Prozent. Ein große Koalition würden 18 Prozent bevorzugen, eine schwarz-gelbe Regierung ebenso viele, eine Alleinregierung der CDU nur 14 Prozent. Wie kommt es, dass Peter Müller, CDU, so stark in der Wählergunst abgerutscht ist? Forsa-Chef Güllner führt dies auf den Erfolg der Linken zurück, die auch der CDU Wähler abnehme. Obendrein begehe Müller den Fehler, sich gegen die Berliner Zentrale seiner Partei zu profilieren, also gegen die Kanzlerin und Parteivorsitzende Angela Merkel. Der Wähler scheint diese Taktik nicht zu goutieren. Zumal Angela Merkel die mit weitem Abstand beliebteste Politikerin im Lande ist.

"Maas wird zerrieben"

Am schlechtesten jedoch wird der SPD-Spitzenkandidat Heiko Maas bewertet. "Maas ist ja offenbar ein politisches Leichtgewicht", erklärt Güllner, "er wird zerrieben, er wird an die Wand gedrückt." In Öffentlichkeit laufe es auf ein Duell Lafontaine-Müller hinaus. Maas spiele bei dieser Auseinandersetzung keine Rolle. Entsprechend duster sehen die Antworten auf die Frage aus, wie zufrieden die Menschen mit der Arbeit von Heiko Maas sind. Von allen Befragten erklärten nur 28 Prozent, dass sie mit Maas zufrieden sind, unter den Anhängern der SPD es 41 Prozent. Zum Vergleich: Ministerpräsident Müller kommt unter allen Befragten auf einen Wert von 48 Prozent, unter CDU-Anhängern sogar auf 85 Prozent. Den stärksten Rückhalt genießt Maas noch unter den jungen Erwachsenen. In der Gruppe der 18- bis 29-Jährigen stehen 47 Prozent hinter ihm. In allen nachfolgenden Altersgruppen liegen Maas' Werte deutlich niedriger.

Für die SPD insgesamt ist das Saarland zu einem Problemfall geworden, ein zweites Sorgenkind neben Hessen. "Im Saarland ist es eigentlich noch viel schlimmer als in Hessen für die SPD", sagt Güllner. "Denn hier kämpft sie ja mit der Linken um Platz zwei hinter der CDU. Das will schon einiges heißen, wenn man als Volkspartei mit einer Quasi-Splitterpartei konkurriert." Der Profiteur dieses Spiels ist Lafontaine - und auch Güllner hält es nicht für ausgeschlossen, dass der Saarländer bei den Landtagswahlen eine Art Durchmarsch schafft. "Das Saarland war im Grunde genommen ein konservatives Land, das durch Lafontaine zu einem SPD-Land geworden ist und dann wieder zurückgependelt ist zur CDU. Lafontaine hat jetzt die Chance, zum zweiten Mal den Konservativen die Macht zu entreißen."

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Von Lutz Kinkel und Matthias Weber
KOMMENTARE (10 von 88)
 
Erich_Erich (05.09.2008, 10:51 Uhr)
at Preussin
Die ganze Stasi gehört doch zu einem linken System dazu, dafür sind dann auch alle fair und gleich behandelt. Sonst kommen die Kapitalisten wieder auf dumme Gedanken!
Preussin (04.09.2008, 06:29 Uhr)
SPD
Das ist doch schon der Abgesang.
Zu den EX Stasieleuten, wäre mal zu bemerken , dass die meißten aus diesem DDR Beruf , in die alten Bundesländer gegangen sind.
Und dort als elitäre Personenschützer ihr Brot verdienen.
Beispiel Moosi.Aber auch in anderen Bereichen sind sie dort tätig. In den neuen Ländern mußten sie Erklärungen unterschreiben , ob und wie sie für die Stasie tätig waren.
Von den Alten Ländern kommen keine Klagen , also müssen die dort gut eingegliedert sein.
jac87 (03.09.2008, 22:47 Uhr)
@emeinung
Erstmal sorry, bin da bei der Eingabe etwas verruscht.
Sie haben mich da glaube ich etwas falsch Verstanden. Ich würde meine Wahl auch nicht von so etwas abhängig machen.
Das die Amerikaner und Briten immer noch da sind, war nur ein Hinweis auf den einen Kommentar, welcher besagt hat, dass Deutschland völlig souverän ist.
Dem kann nämlich nicht so sein, wenn hier noch amerikanische und britische Kasernen sind.
jac87 (03.09.2008, 22:40 Uhr)
@emeinunchg
Ich denke Sie haben meinen Kommentar da etwas falsch verstanden. I
Westerle.Merkwelle (03.09.2008, 19:10 Uhr)
Idee Vorsicht mit diesen Zahlen
Traue keiner Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast!
Die Linke wird im Saarland sicher erfolgreich sein. Aber hier sehe ich eher einen Herrn Güllner am Werk, der verzweifelt versucht, die saarländische SPD aufzuwecken, damit seine Parteifreunde sich nicht in falscher Zuversicht zu wiegen, in jedem Fall stärker als die Linke zu werden.
Ich glaube so einer Statistik erst am Wahlabend!
Bis dahin gebe ich zu bedenken, dass solche Umfragen manipulativen Charakter haben. Insbesondere FORSA ist zu Schröder-lastig.
In Hessen lag FORSA bei seiner Wahlprognose für die Linke um etliche Punkte zu hoch! Am Ende erreichte sie statt vorausgesagter 8 nur 5,1%.
Umfrage Ergebnisse schmeicheln und beruhigen immer diejenigen, die dabei gut aussehen. Sie alarmieren jene, die schlecht abschneiden.
Zugegeben, ich kanns nicht beweisen, aber ist es nicht merkwürdig, dass ausgerechnet vor dem Parteitag der hessichen Linken und während der SPD-Vorstand mit allen Mitteln versucht, die hessichen Parteifreunde auf Kurs zu bringen, eine "Umfrage" ergibt, dass in Hessen 70% der Wähler gar keine Ypsilanti- Regierung haben wollen?
Aufs Saarland übertragen bedeuten die Botschaften meiner Frage z.B.:
* Liebe Linke - Ihr müsst Euch nicht mehr anstrengen. Es macht auch nichts, wenn ein paar Wähler am Wahlsonntag daheim bleiben. Ihr gewinnt ohnehin.
* Aufwachen, SPD!!! Mobilisiert Eure letzten Reserven. Es ist 5 vor 12! Richtet Fahrdienste ein, damit auch die Fußkranken ihren Weg zu den Wahlurnen finden.
aeternitas (03.09.2008, 18:13 Uhr)
Wie Armut...
uns geht es doch gut! In Afrika verhungern Kinder!
Böser Zynismus hilft uns momentan auch nicht weiter. Stellt euch einfach vor, ihr kommt mit starken Schmerzen zum Arzt, und der Arzt sagt euch: "Nun stellt euch mal nicht an, guckt auf den Friedhof, denen geht es viel schlechter als euch, die sind alle tot" (Frei nach Volker Pispers)
Schaut euch doch in einer beliebigen Großstadt die Schlange vor den Armentafeln an. Glaubt ihr die Leute gehen da so gerne hin, weil die Kartoffelsuppe so gut ist??? Arme Leute haben in Deutschland sonst keinen Vertreter. Und es gibt viele Menschen, die sich mit ihnen solidarisieren (werden).
Aus einen interessanten Artikel:
http://www.nachdenkseiten.de/?p=3434#more-3434 ein Zitat:
Es wirkt nur etwas vornehmer, fügt sich aber nahezu übergangslos in diese Kampagne ein, wenn das Forschungsinstitut der Arbeitsagentur IAB [PDF - 760 KB] davor warnt, den Hartz-IV-Regelsatz anzuheben, weil das die öffentlichen Kassen jährlich zehn Milliarden Euro kosten würde - und dabei von „negativen Arbeitsanreizen“ und „potentiellen Verhaltensänderungen“ „dieses Personenkreises“ spricht.
Zu dieser Horrorzahl eine Erinnerung: Mit über 12 Milliarden musste der Steuerzahler für IKB, WestLB oder SachsenLB geradestehen. Um mindestens 5, eher 8 bis 10 Milliarden wurde allein durch die jüngste Unternehmenssteuerreform das Sachkapital entlastet.
Oder ein weiterer Vergleich: Finanzexperte Lorenz Jarass rechnete vor: Wäre die ohnehin extrem niedrige Steuerquote des Jahres 2000 beibehalten worden, die bereits damals die niedrigste in der EU war, dann hätten wir im Jahr 2001 30 Milliarden und im Jahr 2003 50 Milliarden mehr Steuereinnahmen gehabt, im Jahr 2004 60 Milliarden und 2005 wären es 66 Milliarden zusätzliche Einnahmen gewesen.
SethusCalvisius (03.09.2008, 18:00 Uhr)
Schreck
Den größten Schreck müsste nach dieser Umfrage ja wohl die CDU bekommen. Denn trotz der desolaten Öffentlichkeitsarbeit der SPD, der endlosen Diskussionen über Linksbündnisse, der Beliebtheit unserer Gute-Laune-Kanzlerin etc schafft die CDU es nicht, Mehrheiten zu beschaffen. 52 % für rot-rot-grün, 44 % für Schwarz-Gelb. Und das bei FORSA!!
terrax (03.09.2008, 16:18 Uhr)
@guenti2477
Mir is es eigentlich auch Wurscht wer drann ist nur unsere Regierung verteilt das ganze Geld im Ausland und da bin ich strikt gegen. Und gegen Auslandseinsätze ist allerdings die Linke. Wir hatten 2005 einen Wehretat von 25 Milliarden Euro in Deutschland. Die Schweiz z.B. hatte 2005 einen Wehretat von 2 Millarden Euro. Unser Wehretat dürfte sich noch um ein vielfaches erhöht haben, da immer mehr Auslandseinsätze gekommen sind. Mit dem Geld könnte man locker die Schulden abbauen! Das ist meine Meinung, aber stattdessen kriecht man lieber dem Ami in den A*. Ich weiß wohl mit diesen Pfeifen werden wir die Schulden nie los. Naja was die Harz-Leute angeht haben sie teilweise recht, wobei es auch Leute gibt, welche unverschuldet in HarzIV rutschen. Z.B. ältere, da unsere tollen Konzerne ja nur Frischfleisch haben wollen. Aber das reguliert sich von selbst. Wenn der Gesellschaft das Geld fehlt werden halt weniger Kinder geboren, wie es ja bereits jetzt langsam im kommen ist... Deutschland hat somit auf Dauer eigentlich keine Zukunft mehr. Traurig aber war. Bin froh wenn ich hier weg bin.
auwei (03.09.2008, 16:11 Uhr)
Spaltung...
...der Gesellschaft oder nicht? Das ist hier die Frage. Wir sind auf dem besten Wege dahin. Die Linke ist deutlichster Ausdruck dafür, da die so genannten "Volksparteien" zu "Volksteil-Parteien" metamorphosieren (und die SPD dazwischen pulverisiert wird). Eine weitere Bestätigung ist die Gesamtheit der Zuschriften hier, denn ein Teil weigert sich anscheinend zähestens, die gesellschaftliche Realität und ihre Konsequenzen zur Kenntnis zu nehmen: "Ist doch alles prima - wozu nur die DDR-Partei? Ach ja, die doofen Hauptschüler und Sozialpädagogen sind schuld." Braucht es noch mehr?
Blendwerk (03.09.2008, 16:09 Uhr)
Was häufig übersehen wird:
Gerade im Saarland verbindet man mit Lafontaine weder die PDS-Präsenz durch die Parteienfusion, noch die ineffiziente Planwirtschaft der ehemaligen DDR. Hier tritt Lafontaine in der Tradition einer linken Sozialdemokratie in Erscheinung, von dem man sich die Erhaltung der sozialen Marktwirtschaft auch unter dem Druck der Globalisierung erhofft, indem der erwirtschaftete Wohlstand einer breiten Masse zugute kommt, und sich nicht in den Schaltstellen weniger Konzerne oder auf den schweizer Konten einer Aktionärs-Upperclass konzentriert.
Lafontaine ist einer der wenigen, prominenten deutschen Politiker, der das Spiel unserer Eliten - Teile und Herrsche! - als ein Täuschungsmanöver entlarvt, welches die seit Jahren betriebene Umverteilung von unten nach oben verschleiern soll: Wer sich als ausgebeuteter Arbeitnehmer als ein Bürger 2.Klasse fühlt, der braucht für sein Wohlbefinden den Bürger 3.Klasse, nämlich die unproduktiven Arbeitslosen, die Minderleister, eben diesen Bodensatz unserer Gesellschaft. Dieses Spiel geht solange gut, bis es mehr Bürger 3.Klasse als Bürger 2.Klasse gibt. Der Niedriglohnsektor in Deutschland liegt bei über 20%.
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