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5. März 2008, 07:15 Uhr

"Mit Beck hat die SPD keine Chance"

Die Umfrageergebnisse, die der stern in seiner neuen Ausgabe präsentiert, enthalten zwei Hiobsbotschaften für die SPD. Erstens: Die Partei käme bei einer Bundestagswahl nur noch auf 24 Prozent. Zweitens: Kurt Beck hat ein miserables Image. stern.de sprach mit Forsa-Chef Güllner über das SPD-Umfrage-Desaster. Von Lutz Kinkel

"Zwischen Kohl und Scharping": SPD-Parteichef Kurt Beck© Michaela Rehle/Reuters

Ist die SPD mit ihrem Linksschwenk auf dem richtigen Weg? Die jüngsten Zahlen des Meinungsforschungsinstitutes Forsa, erhoben im Auftrag des stern und des TV-Senders RTL, geben darauf eine klare Antwort: nein! Wäre am kommenden Sonntag Bundestagswahl, würden Parteichef Kurt Beck und Genossen einen dramatischen Einbruch erleiden: Die SPD verlöre vier Prozentpunkte und käme auf nur noch 24 Prozent. Die Union hingegen würde dazu gewinnen und läge bei 38 Prozent. Die FDP könnte mit 10 Prozent rechnen, die Grünen ebenfalls - die Linke dürfte den Rekordwert von 14 Prozent verbuchen.

© stern-Infografik

Für Forsa-Chef Manfred Güllner ist das Absacken der SPD nicht überraschend, sondern eine direkte Folge der Beckschen Kurskorrekturen. "Die Menschen haben aufgrund des Hamburger Parteitags wahrgenommen: Beck steuert die SPD nach links. Dieser Eindruck hat sich durch die jüngsten Kooperationsangebote an die Linkspartei noch verstärkt", sagt Güllner zu stern.de. "So gewinnt die SPD keine Wähler. Die Wähler der Linkspartei kommen nicht zurück, und die Wähler der Mitte gehen verloren." Laut Güllner wenden sich die abspenstigen SPD-Wähler nicht unbedingt einer neuen Partei zu - sie würden eher zu Nichtwählern und Unentschlossenen werden.

Desaströse Werte für Beck

Doch es kommt für die Sozialdemokraten noch viel dicker: Die persönlichen Werte für Parteichef Kurt Beck sind desaströs. Würde der Bundeskanzler direkt vom Volk gewählt, würde Angela Merkel 56 Prozent der Stimmen bekommen. Beck hingegen müsste sich mit mageren 14 Prozent begnügen - vier Prozentpunkte weniger als vor einer Woche. Besonders bitter für den Pfälzer Ministerpräsidenten: Selbst unter SPD-Anhängern sinkt seine Popularität. Wollten ihn vor einer Woche noch knapp ein Drittel der SPD-Anhänger im Kanzleramt sehen, ist es jetzt nur noch ein Viertel. Manfred Güllners trockener Kommentar: "Becks Hauptproblem sind die eigenen Leute. Wenn nur noch ein Viertel hinter ihm steht - wie will er da noch rauskommen?"

© stern-Infografik

Doch auch Becks Akzeptanz unter den normalen Wählern lässt für die SPD viele, besser gesagt: sehr viele Wünsche offen. So halten 37 Prozent der Bundesbürger Beck für machtbewusst, 12 Prozent für stark und 11 Prozent für sympathisch. Becks vielzitierter Satz, er wolle "näher bei den Menschen sein" entpuppt sich den Forsa-Daten gemäß als frommer Wunsch: Nur 8 Prozent der Befragten meinen, er stehe auf der Seite der kleinen Leute. Nur 6 Prozent denken, er habe das Zeug zum Kanzler, ebenso wenige halten ihn für glaubwürdig. Forsa-Chef Güllner sieht diese Daten als vorläufigen Tiefpunkt einer langen Entwicklung. "Beck kam als Parteivorsitzender in die Bundespolitik und hatte zunächst keine Konturen. Damals begegneten ihm die Menschen noch mit viel Sympathie, sie hielten ihn für einen Kumpeltyp", sagt der Meinungsforscher zu stern.de. "Doch je mehr von ihm sichtbar wurde, desto negativer wurde das Bild. Inzwischen ist sein Image eine Mischung aus der Tollpatschigkeit des frühen Kohl und der Uneinsichtigkeit des späten Scharping. Das ist es, was sich festgesetzt hat. Das Glaubwürdigkeitsproblem ist nur ein kleines Mosaiksteinchen."

Steinmeier wäre eine Alternative

Ist es für Beck überhaupt möglich, dieses Image abzustreifen, um SPD-Kanzlerkandidat bei der Bundestagswahl 2009 zu werden? Güllner: "Mit Beck hat die SPD keine Chance." Eine mögliche Alternative zu Beck wäre Güllners Ansicht nach der jetzige Außenminister Frank Walter Steinmeier. "Steinmeier ist kein Garant dafür, dass die SPD rasant zunimmt", so Güllner. "Aber aus den Daten, die derzeit vorliegen, lässt sich eindeutig der Schluss ziehen, dass Steinmeier der stärkere Kanzlerkandidat wäre. Ober er gegen Merkel eine Chance hätte, das ist eine andere Frage. Aber er hätte bessere als Beck."

Einzig der SPD-Parteivorsitz scheint Kurt Beck vorerst sicher. 49 Prozent der Deutschen sprechen sich dafür aus, dass er Vorsitzender bleibt, unter den SPD-Anhängern sind es 57 Prozent. Noch höher ist die Zustimmung bei den Wählern der potentiellen Koalitionspartner: 62 Prozent der Grünen-Anhänger und 69 Prozent der Linkspartei-Anhänger befürworten Becks Verbleib im Parteivorsitz.

© stern-Infografik

Gegen Deals mit Linkspartei

Eine der zentralen Ursachen für das schlechte Abschneiden von Beck und seiner SPD ist offenkundig die jüngst beschlossene Öffnung zur Linkspartei. Demnach können nun auch die westlichen Landesverbände selber entscheiden, ob sie mit der Linkspartei zusammenarbeiten wollen oder nicht. Den Forsa-Daten zufolge halten 60 Prozent der Deutschen diese Freigabe für falsch, selbst unter den SPD-Anhängern sind es 58 Prozent. Für eine Mehrheit der Bundesbürger ist die Linke keine normale Partei, mit der sich zusammenarbeiten ließe.

Der erste Testfall für eine Kooperation wird Hessen sein. SPD-Landeschefin Andrea Ypsilanti hat angekündigt, sich möglicherweise mit den Stimmen der Linkspartei zur Ministerpräsidentin wählen zu lassen, um Roland Koch (CDU) aus dem Amt zu manövrieren. Forsa-Chef Güllner hält Ypsilantis Ehrgeiz für unangemessen. "Wenn Frau Ypsilanti aus dem Wahlergebnis ableitet, sie habe den Anspruch, Ministerpräsidentin zu werden, dann ist das eine merkwürdige Einschätzung des Wählerwillens: Sie wurde von 23 von 100 Wahlberechtigten gewählt. Anders herum: 77 von 100 Wahlberechtigen haben sie nicht gewählt", sagt Güllner. "Da wäre auf Ypsilantis Seite schon ein bisschen mehr Demut und weniger Machtversessenheit angebracht." Seiner Ansicht nach sollten sich in Hessen CDU und SPD zu einer großen Koalition zusammenschließen - notfalls ohne ihre bisherigen Spitzen Ypsilanti und Koch.

Von Lutz Kinkel
 
 
KOMMENTARE (10 von 48)
 
Steve1111 (07.03.2008, 07:31 Uhr)
Lügilanti & Co
Dass die Dame eine Lügnerin ist ... keine Frage ... Willkommen im Club der Politiker.
Ändern könnte man das mit einem Gesetz .... Politerversprechen müssen einklagbar sein.
Und Politiker müssen haftbar gemacht werden können. Persönlich ... und auch im Zuge von Schadenersatz ...
ich erinnere an die IKB ... Riesenpleite ...und von den Vernatwortlichen muss keiner geradestehen.
chaos1234 (06.03.2008, 21:25 Uhr)
Hessen spd wähler
Nun ich habe die SPD gewählt, mein Nachbar hat die SPD gewählt. Was ich nicht gewählt habe sind Kommunisten und ganz sicher nicht den Lafontaine. Wenn ich das gewollt hätte, dann hätte ich den Linken meine Stimme gegeben. Nun weiß ich aber ganz sicher welche Partei beim nächsten Wahlgang meine Stimme mit absoluter Sicherheit nicht mehr bekommt - das ist ein Wahlverprechen. Zur begründung sei gesagt dass ich niemals eine partei an der macht sehen will, die das eigentum anderer verstaatlichen will, die das volk in eine andere republik führen will und die uns aus bündnissen herausholen will die unserem land bisher nur genutzt haben. wo fängt den da die verstaatlichung an und wo hört sie auf? und wer führt dann diese betriebe zum wohle der arbeitnehmer???? schon mal drüber nachgedacht warum staatssozialismus nie funktioniert hat? weil es einfach an den fähigen leuten fehlt, die den karren aus dem dreck ziehen. darum ist die SPD ab heute nicht mehr wählbar:( Parteibuch zurückgegeben und ausgetreten!)
bessunger66 (06.03.2008, 11:32 Uhr)
Die SPD wird von den Linken benutzt, vorsicht!
Alles schön und gut! Jeder hat irgendwo recht, und doch nicht ganz. Die SPD sollte sich nicht für "Ideologische" Weltanschauungen der Linken missbrauchen lassen. Eine Partei der Linken mit "Alt-SEDlern" und "Anarchisten" (zweifellos) sind aus meiner Sicht nicht besser alt Altnazis und Neonazis. Vorsicht, hinter dem Anbietern der Linken steht ein Kalkül. Man möchte Deutschland grundlegend verändern, das wollen auch andere extreme Parteien, also Vorsicht und nicht so kurz denken!
Administrator (06.03.2008, 09:15 Uhr)
@Georges13437
Lieber Georges13437,
vielen Dank für Ihren Beitrag. Gern erläutern wir das Procedere der Kommentarfunktion: "Veröffentlicht" werden Ihre Kommentare nach Ihrem Klick auf "Absenden" automatisch. Sollte Ihr Beitrag dann nicht erscheinen kann dies an den Einstellungen Ihrer Cookies liegen. Bitte prüfen Sie diese einmal.
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Georges13437 (06.03.2008, 09:06 Uhr)
Kommentare werde ich nicht mehr abgeben
Sich die Mühe zu machen, auf einen Stern - Artikel einen Kommentar zu schreiben, ist rein vertane Zeit.
Fünf davon schreibt man, wenn ich Glück habe wird einer hier veröffentlicht. Mich mich war es das.
Vielleicht schwimmt man zu sehr gegen den Strom?
MfG Georges
Spocks_Kommentar (05.03.2008, 16:04 Uhr)
Ein paar Fakten sind gefragt
1. Frau Ypsilanti hat versprochen Koch abzulösen und bestimmte Dinge zu tun. Und sie hat versprochen, es ohne die Linke zu versuchen. Der Wähler hat entschieden, daß sie nur eines von beiden tun kann. Nun muß sie entscheiden, welches Versprechen wichtiger ist. Das ist folgerichtig, tatkräftig, entscheidungsfähig und noch einiges, aber kein Wortbruch. Es ist ja auch kein Wortbruch, wenn jemand nicht zur Arbeit kommt, wenn die Lokführer streiken.
2. Der brutalstmögliche Verschleierer Koch mit seinen dumpfbraunen Wahlkämpfen ist der Letzte, der sich einen Ehrenmann nennen darf, schon vergessen, wie die Spendenaffäre wegaufgeklärt wurde?
3. Heiner Geißler war einmal ein unerträglicher rechtskonservativer Haßprediger. Heute sagt er genau das gleiche wie vor 30 Jahren keinen Deut anders, steht aber längst am linken Flügel der SPD weit links der Seeheimer und Netzwerker, soweit ist ganz Deutschland nach rechskonservativ abgedriftet. Selbst Ludwig Erhard findet sich mitten im linken Flügel der SPD wieder mit manchen was er gesagt hat, so zum Beispiel, daß Marktwirtschaft sozial sein muß, sonst funktioniert sie nicht.
4. Diese Entwicklung hat den Platz für den Erfolg der Linkspartei geschaffen und viele ehemalige gute Sozialdemokraten dorthin getrieben. Das kann man bedauern, aber die Linke nimmt in weiten Teilen Positionen ein, die die SPD eigentlich einnehmen müßte.
5. Beck tut nichts anderes, als daß er das Pendel anhält und versucht, die ganze rechtslastige Parteienlandschaft wieder ein wenig ins Gleichgewicht zu bringen. Das ist richtig und nötig. Alles andere würde zu einer Volkspartei Die Linke führen.
6. Die CDU hat allen Grund den Mund zu halten. Nachdem sie die meisten Altnazis (Globke, Filbinger, Kießinger .........) integriert und in höchste Staatsämter gehoben hat, kam nach der Wiedervereinigung der ganz große Wortbruch und Frau Merkl ist ihr leuchtendes Beispiel und Wortbruch in Person: Die Ost-CDU war keinen deut weniger staatstragend als die SED. Und sie war reich und hatte gut ausgebildete Leute. Also hat man sie integriert - Merkl, Demessiere und so weiter, und das Ost-Vermögen auch gleich übernommen. Diese Partei, die außer Macht und Mammon überhaupt keine Werte kennt und schon gar kein Rückgrat hat, außer ihrer Machtgeilheit und ihrem absoluten Willen den Wählerwillen solange zu verbiegen, bis sie wieder an der Macht ist, darf wirklich nicht mit Steinen werfen, sie sitzt nicht nur in einem sondern gleich in einer ganzen Reihe von Glashäusern.
7. Die SPD muß die Angst vor dem uralten Konflikt Menschwiki - Bolschewiki überwinden. Sie läuft sonst Gefahr, wie 1917 in Rußland oder wie in der DDR am Ende unterzugehen und den wirklich ganz Linken die Macht zu überlassen und das sind nicht Giesy und Lafontaine.
8. Bleibt der Wählerwille: Koch wurde eindeutig abgewählt. Damit kann eine große Koalition nicht als gewählt angesehen werden, die wäre Betrug am Wähler. Die Mehrheit hat Rot-Gelb-Grün oder Rot-Rot-Grün, keinesfalls die CDU. Wenn Gelb nicht will ist Rot-Rot-Grün gewählt, also muß man das auch machen.
Wo bleibe sonst unser allerheiligstes - nein, nicht die unendliche Macht der CDU - die Demokratie.
siris (05.03.2008, 13:28 Uhr)
@Iphitos
Sicher sicher. Aber würde das Ihnen auch Frau Y sagen? Dass sie aus strategischen Gründen eine Zusammenarbeit ausgeschlossen hat? Ich denke nicht... mithin würde dies ihre ganze Niedertracht beweisen.
Iphitos (05.03.2008, 13:21 Uhr)
@siris, @-ich-
@siris zuerst :)
[...was Ypsilanti vor der Wahl überhaupt bewegt hat, die Linke kategorisch als Partner jedwelcher Art auszuschließen?]
Ist doch klar: damals dachten die vermeintlichen Walgewinner der SPD noch, sie würden die Wahl gewinnen und bräuchten die Linken so oder so nicht. Weit gefehlt...
@-ich-
Ich sage garnicht, dass keiner die SPD wählen würde, rund 25% der Hessen wohl schon.
Dass der Abwärtsrutsch der Umfragewerte nun aber aufgrund der fehlenden Zusammenarbeit mit der Linken kommt, das ist wohl ein nicht ganz ernst gemeinter Scherz ihrerseits *g*
Ich bin ja sogar dafür, dass die SPD in Hessen versucht, mit einer Minderheitsregierung zu arbeiten...
Ich würd gerne nochmal eine baden gehen sehen wie damals Simonis. Dann gäbs auch das, wovor die SPD wohl die größte Angst hat: Neuwahlen.
babylon (05.03.2008, 12:41 Uhr)
Mr. Wortbruch
Herr Beck passt doch wunderbar zu seinem Vorgänger Schröder, nur hat dieser das deutsche Volk geschickter beschissen. Herr Beck war so blöd zu denken das unser Wahlvolk noch dümmer ist als er selbst und ihm sein Wechselspiel , siehe Hessen, nachsieht. Pech gehabt!!
siris (05.03.2008, 12:25 Uhr)
Ich frage mich ja noch immer...
...was Ypsilanti vor der Wahl überhaupt bewegt hat, die Linke kategorisch als Partner jedwelcher Art auszuschließen? Was war vor der Wahl so schlimm an den Linken, dass man unter keinen Umständen mit denen was machen wollte? Es muß ja irgendetwas sein, dass sich in der Zwischenzeit geändert hat. Gibt es hier dazu vielleicht Mutmaßungen?
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