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21. Oktober 2009, 06:20 Uhr

Seehofer verliert rapide an Vertrauen

Es läuft derzeit nicht gut für Horst Seehofer. Erst stirbt Quelle und jetzt ergibt eine stern-Umfrage: Der CSU-Chef hat in der Bevölkerung viel Vertrauen verspielt.

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Die Mehrheit in Bayern vertraut ihm nicht mehr: CSU-Parteichef Horst Seehofer© Thomas Peter/Reuters

Der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer verliert bei den Wählern dramatisch an Vertrauen. Wie eine Forsa-Umfrage für den stern zeigt, vertrauen nur 41 Prozent der Deutschen Seehofer – das sind 4 Prozentpunkte weniger als noch bei der jüngsten Vertrauensumfrage des stern Anfang Juli. Schon bei der Bundestagswahl verloren der bayerische Ministerpräsident und seine Partei stark an Stimmen und politischem Gewicht in der Bundespolitik.

Das Umfrageergebnis ist ein weiterer Beleg dafür, dass populistische Politik nicht immer zieht. Seehofer hatte im Wahlkampf versucht, mit populären Themen wie Steuersenkungen Stimmen und Beliebtheit zu gewinnen. So hatte er erst am Montag verkündet, dass die Regierung spätestens 2011 Steuern senken werde. Am Dienstag gab es dann einen Rückschlag für Seehofer. Das Fürther Versandhaus Quelle, für dessen 50 Millionen Euro schwere Unterstützungsaktion sich der bayerische Ministerpräsident stark gemacht hatte, ist endgültig am Ende. Sein CSU-Konkurrent Karl-Theodor zu Guttenberg hatte sich gegen den Massekredit, das dem Versandhaus den Winterkatalog sicherte, ausgesprochen. Das Endergebnis gibt Guttenberg Recht.

Auch CSU-Anhänger wenden sich ab

Besonders bitter für den CSU-Chef ist, dass ihm vor allem die eigene Gefolgschaft das Vertrauen entzieht: Bei den eigenen Anhängern erzielte Seehofer mit 49 Prozent (minus 7 Prozentpunkte) den schlechtesten Wert aller zwölf abgefragten Politiker. "Mittlerweile muss in Zweifel gezogen werden, ob Seehofer die CSU aus den aktuellen Schwierigkeiten herausführen kann", sagte Forsa-Chef Manfred Güllner.

Einen genauso hohen Vertrauensverlust wie Seehofer musste in der Umfrage nur Wolfgang Schäuble (CDU) hinnehmen. Der Innenminister fiel ebenfalls um 4 Prozent, rangiert mit 43 Prozent aber noch vor Seehofer.

Die meisten Deutschen (66 Prozent) vertrauen nach wie vor Bundeskanzlerin Angela Merkel, gefolgt von Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg. Seehofers innerparteilichem Konkurrenten vertrauen 63 Prozent der Befragten und damit 2 Prozent mehr als noch im Juli. Platz drei hält Frank-Walter Steinmeier, der mit 52 Prozent noch deutliche sieben Prozentpunkte vor dem nächsten Sozialdemokraten, dem designierten SPD-Chef Sigmar Gabriel, rangiert. Bei den SPD-Anhängern liegt Steinmeier mit 68 Prozent sogar 11 Punkte vor Gabriel.

Der künftige Vizekanzler Guido Westerwelle genießt laut Umfrage unverändert das Vertrauen von 46 Prozent der Deutschen. Grünen-Fraktionschefin Renate Künast hat dagegen mit 42 Prozent einen Prozentpunkt verloren. Schlusslicht des Rankings bildet Oskar Lafontaine von der Linkspartei, dem nur 28 Prozent der Befragten ihr Vertrauen schenken.

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KOMMENTARE (10 von 16)
 
auwei (21.10.2009, 15:31 Uhr)
@knilch_59
Zitat: "Es sei denn, man begreift Demokratie anders: Nicht als Recht der Mehrheit, Minderheiten zu unterdrücken, sondern als Verpflichtung der Mehrheit die Ränder zu integrieren." Schön, dass das mal gesagt wurde. Diese Interpretation scheint allgemein auf dem Rückzug. Den nächsten konsequenten Schritt hat Belusconi vorgemacht: "Das Volk hat mich gewählt, deswegen stehe ich über den Gesetzen." Ob die Demokratie nach Ihrer (und meiner) Definition stark genug ist, eine Krise, die Existenzangst und Verteilungskämpfe mit sich bringt, durchzustehen?
knilch_59 (21.10.2009, 14:35 Uhr)
@Zorro01 (21.10.2009, 13:25 Uhr)
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Genau das gibt mein Nick her, gut erkannt. Und sie sind dann eben der unheimliche Rächer der armen Bevölkerung, selbst von Adel, der sich von oben herab für die vermeintlichen Rechte der Schwachen einsetzt.
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Ich bezweifele ja gar nicht, dass das wertkonservative Weltbild, wonach Patriarchen (wie Don Diego de la Vega = Zorro) tatsächlich Gutes tun. Aber mit Demokratie hat das ausdrücklich nichts zu tun, weil dieses Weltbild eben nicht auf der Gleichheit aller Menschen aufbaut.
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Knilche sind sonderbare Menschen, eben weil sie anders denken als die breite Masse - und von daher genauso demokratiefeindlich wie Aristokraten à la Zorro. Es sei denn, man begreift Demokratie anders: Nicht als Recht der Mehrheit, Minderheiten zu unterdrücken, sondern als Verpflichtung der Mehrheit die Ränder zu integrieren. Aber das ist ein mühsames Geschät, weil man dann selbst zuhören und nachdenken, die eigene Position reflektieren müsste. Haben Lemminge recht, wen sie sich die Klippe runterstürzen, nur weil das eine Mehrheit macht?
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Ob es uns passt oder nicht: wenn wir eine Demokratie sein wollen, sind wir nun mal selbst Schuld an den Pappnasen, die wir auf den Schild gehoben haben. Knilche schimpfen darüber, Zorros denken nicht drüber nach!
Zorro01 (21.10.2009, 13:25 Uhr)
@Knilch
Sich über die Bevölkerung zu beschweren, bringt überhaupt nichts. Es wird für Sonderlinge wie Sie immer ein Problem bleiben, dass der Rest der Bevölkerung einfach zu doof ist, um mit Ihnen eine Meinung zu teilen. Sie sollten sich allerdings mit der Möglichkeit anfreunden, dass Sie der intellektuelle Geisterfahrer sind, der den Gegenverkehr beklagt.
knilch_59 (21.10.2009, 12:43 Uhr)
Vertrauen?
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Aus Wikipedia: Unter Vertrauen wird die Annahme verstanden, dass Entwicklungen einen positiven oder erwarteten Verlauf nehmen. Ein wichtiges Merkmal ist dabei das Vorhandensein einer Handlungsalternative. Dies unterscheidet Vertrauen von Hoffnung. Vertrauen beschreibt auch die Erwartung an Bezugspersonen oder Organisationen, dass deren künftige Handlungen sich im Rahmen von gemeinsamen Werten oder moralischen Vorstellungen bewegen werden. Vertrauen wird durch Glaubwürdigkeit, Verlässlichkeit und Authentizität begründet, wirkt sich in der Gegenwart aus, ist aber auf künftige Ereignisse gerichtet.
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Nach dieser Definition glaube ich nicht, dass mehr als 10% der Bevölkerung auch nur einem einzigen Politiker "vertrauen". Es ist vielmehr Hoffnung, schon fast im Sinne religiösen Glaubens, dass es mit dieser Figur nicht ganz so schlimm wird wie mit den anderen.
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Na ja, und ab und zu verliert eben einer der selbsternannten Gurus unserer Zeit seine Jünger, und aktuell ist Seehofer an der Reihe. Das hat er auch verdient. Daraus aber zu schließen, dass zu Guttenberg oder Merkel besser sein sollen, ist idiotisch. Die sind einfach momentan noch nicht dran, aber auch ihre Zeit wird kommen.
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Ich vertraue nicht darauf, aber ich hoffe doch fest, dass irgendwann einmal Vernunft in die Bevölkerung einkehren wird. Dann wird diese Politikerkaste von einer riesigen Sintflut der Vernunft und Erkenntnis einfach über den Rand der Scheibenwelt gespült werden, die sie uns mit ihren Lügen gebaut haben. Und keiner wird sie vermissen!
MosquitoJG (21.10.2009, 11:57 Uhr)
Ein durchschaubarer Lobbypolitiker
Früher mochte ich Seehofer. Als er noch Gesundheitsminister war hatte er die Ausstrahlung des Unbestechlichen, der sich nicht von einer Ärzte- und Pharmalobby klein kriegen lässt, sondern die Interessen des gesamten Volkes vertritt. Umso erschreckender empfinde ich diesen bayerischen Klüngel und wie einfach langvertraute Werte auf den Haufen geschmissen werden. War die CSU früher eine progressive und technologiefreundliche Partei, sieht man heute, was aus dem Transrapid geworden ist , wie der Anschluss in der Gentechnik verspielt wird, um die einheimische Bauernlobby zu beruhigen, wie Steuergelder verschwendet werden, um sich vermeintlich bei den mitwählenden Quelle-Arbeitern einzuschmeicheln. Auf der einen Seite keine Investitionen mehr in die Zukunft, auf der anderen Aktionismus und Ausgaben, die in die falsche Richtung führen. Wo soll Bayern da noch Vorbild sein, für was soll es noch stehen? Es gibt keine klare Linie, kein Zukunftskonzept, statt dessen nur der Versuch, irgendwelche Lobbies kurzfristig bei der Laune zu halten. Die bayerische Politik war früher wirklich besser: Der Staat hat in Infrastruktur investiert auch und gerade gegen Widerstände und für gute Rahmenbedingungen gesorgt, und es den Leuten selber überlassen, was sie daraus machen, dass sich Leistungsträger und fortschrittliche Geister mit ihren Firmen ansiedeln.
Sternchen2020 (21.10.2009, 11:18 Uhr)
Kanzerin Merkel
Dass Merkel angeblich so beliebt sein soll, entspringt der Phantasie und dem Wunschdenken der Medien. Auch wurde die CDU bei den Wahlen deutlich abgestraft und war mehr Verlierer, als sonst etwas. Ohne FDp würde es äußerst düster aussehen.
laeppe (21.10.2009, 11:10 Uhr)
Jemand der der Frau Haderthauer
verbietet die Wahrheit über den
korrupten kriminellen Politiker Strauss
zu sagen (in Bayern wird noch ein
Flughafen nach dem benannt) ist
eigentlich für eine seriöse Politik nicht tragbar.
rockyciano (21.10.2009, 10:51 Uhr)
Die Überschrift hätte lieber
heissen sollen : Eine Regierung verliert rapide an Vertrauen!!!!- Ich lasse mich als Leser nicht gerne manipulieren oder gar auf eine falsche Fährte setzen.Noch eine Anmerkung, wenn es nach Herrn zu Guttenberg gegangen wäre, stünde Opel jetzt in der Insolvenz!!!!- Komischerweise hat die "süddeutsche Zeitung" eine ganz andere Sicht der Dinge bezüglich ihres gerühmten Herrn zu Guttenberg - die ich nachvollziehen kann.
Justizius (21.10.2009, 10:11 Uhr)
Seehofer
...für mich einer der unglaubwürdigsten Politiker Deutschlands.
laeppe (21.10.2009, 09:30 Uhr)
Zweifel über den Wahrheitsgehalt
dieser Umfrage sei gestattet.
Steinmeier meilenweit vor der SPD
das kann nur besonderen Leuten
einfallen.
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