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24. Oktober 2007, 07:00 Uhr

SPD hat Vertrauen der Arbeiter verloren

Kurz vor dem SPD-Parteitag in Hamburg haben die Deutschen den Genossen ein niederschmetterndes Zeugnis ausgestellt: 73 Prozent der Deutschen glauben, dass die SPD das Vertrauen der Arbeiter verspielt hat. Auch die Einschätzung des Führungspersonals ist für die SPD verheerend.

Die SPD steht vor einem Parteitag, auf dem wichtige Weichen gestellt werden sollen, auf dem sie den Wählern erklären will, warum es sich doch lohnt, SPD zu wählen statt etwa "Die Linke" Oskar Lafontaines. Es geht um das Arbeitslosengeld I, um die Privatisierung der Bahn, um Afghanistan. Aber es geht auch um die Frage: Schafft die SPD es in Hamburg, ihrer alten Klientel, den "kleinen Leuten", das Gefühl zu vermitteln, für sie da zu sein?

Wie dringend der Nachholbedarf der Genossen ist, zeigt eine Forsa-Umfrage im Auftrag des stern und des Fernsehsenders RTL: In der Umfrage stellen die Deutschen den Genossen ein niederschmetterndes Zeugnis aus. Demnach ist ein Großteil der Bundesbürger der Ansicht, dass sich die SPD nicht mehr genügend um die kleinen Leute kümmert. Nach den Ursachen gefragt, weshalb die SPD seit Monaten im Umfragetief steckt, antworteten knapp drei Viertel (73 Prozent) der Befragten, die Partei habe das Vertrauen der Arbeiter verspielt. 66 Prozent meinen, die SPD sei zu sehr zerstritten, 64 Prozent sind der Ansicht, sie habe keine überzeugenden Führungspersönlichkeiten.

Mehrheit für Verbleib Münteferings im Amt

Auch das Auftreten der Genossen in der Großen Koalition ist für die Bürger ein Problem. Dass sich die SPD in der Großen Koalition zu wenig durchsetzt, denken 62 Prozent. Dagegen erklärte nur jeder Zweite (51 Prozent), dass das Parteiprogramm nicht attraktiv genug sei. Bei der Frage waren Mehrfachnennungen möglich.

Aus dem Streit zwischen Vizekanzler und Arbeitsminister Franz Müntefering und Parteichef Kurt Beck sowie Münteferings Niederlage folgern die Deutschen dabei nicht, dass der Minister zurücktreten müsste. Nur wenige Bürger (19 Prozent) fordern ein Rücktritt Münteferings. Die überwältigende Mehrheit von 75 Prozent will, dass er weiter im Amt bleibt.

SPD legt einen Punkt zu

Trotz der insgesamt schlechten Beurteilung konnte die SPD in der wöchentlichen Forsa-Politumfrage im Auftrag des stern und des Fernsehsenders RTL im Vergleich zur Vorwoche einen Punkt hinzugewinnen und erreicht nun 26 Prozent. Die Union gab einen Punkt ab, liegt jedoch mit 39 Prozent weiter klar vorn. Die FDP stieg um einen Punkt auf zehn Prozent, die Grünen sanken um einen Punkt auf neun Prozent. Unverändert blieb der Wert für die Linkspartei, die wie in der Vorwoche auf elf Prozent kommt. Für sonstige Parteien würden fünf Prozent der Wähler stimmen.

Nur 16 Prozent wollen Beck als Kanzler

Aber auch dieser kleine Zugewinn dürfte in der Berliner SPD-Zentrale keine Jubelrufe auslösen. Denn zum einen krebst die SPD im Vergleich zur Union auf einem für sie erschreckend niedrigen Niveau herum, zum anderen liegt ihr Spitzenmann - SPD-Chef Kurt Beck - bei der sogenannten Kanzlerpräferenz meilenweit hinter Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Gefragt, wen die Deutschen bei einer Direktwahl zum Kanzler wählen würden, entschieden sich 59 Prozent der Bürger für Merkel und nur 16 Prozent für Beck. Sogar 45 Prozent der SPD-Anhänger ziehen Merkel vor.

Übernommen aus ... Stern Stern
Ausgabe 44/2007

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KOMMENTARE (10 von 15)
 
Roy05441 (24.10.2007, 22:41 Uhr)
Mein Gott, was regt ihr Euch auf,...
bei der nächsten Qual zahlt alle Ihr drauf!
ganzbaf (24.10.2007, 12:53 Uhr)
Knapp daneben, IsyAlt"klug"...(-;
Die Staatsfinanzen und das Sozialsystem müssen zukünftig wieder verstärkt von diejenigen bezahlt werden, die sich dass aus der Portokasse leisten können. Nämlich vom stetig steigende Heer der Millionäre/Milliardäre und sonstig leistungslose Geldempfänger... Und das fängt bei einem Erbschaftssteuersatz von >85% für jenes Klientel erst an!
Die Arbeitslosigkeit dagegen kann nur mit Arbeitszeitverkürzungen und Überstundenverbot abgebaut werden.
Wir hatten längst eine (wenn nicht mehrere) wirtschschftliche Revolutionen (Computer etc.) ohne darauf, wie in fernerer Vergangenheit, mit Arbeitszeitabbau zu reagieren. Die ganzen Rationalisierungsgewinne sind zum allergrößten Teil in die nimmersatten Brieftaschen der Überbegüterten verschwunden, wie unlöblich.
Daran ist eine zu mächtige Wirtschaft mit deren Lobbyistenärschen schuld.
Flankierend sollte der Markt vor unmenschlichen- und/oder Kinderarbeitsprodukten geschützt werden. Das hat der olle Bismark schon so gemacht... (-;
Also Zack, her mit der 35Std.-Woche. Die löblichen Franzen wissen, wie das geht.
Daisan (24.10.2007, 10:54 Uhr)
@antilinks:
Zitat: "...Die Linke hat Deutschland in den Ruin getrieben und den Nazis den weg zur macht geebnet. Die jetzigen Manöver der Linken laufen auf der gleichen Schiene und zur Wiederhlung der Geschichte hinaus." Zitat Ende.
Mit dieser Behauptung betreiben Sie offentsichtlich bewusst Geschichtsfälschung.
Es waren die "linken", die gegen das Ermächtigungsgesetz gestimmt haben.
Ich mache keinen Hehl daraus, daß ich Ihren Beitrag der Redaktion gemeldet habe, da ich Geschichtsverfälschende Behauptungen in keiner Weise hinnehme!
mupfeline (24.10.2007, 10:46 Uhr)
Ich denke mal
dass gmathol gemeint hat dass sich dass linke Lager vor der Machtergreifung Hitlers nicht einig war. Die Kommunisten und die Sozialdemokraten haben sich - soweit mir bekannt - am Anfang heftiger bekämpft als auf den gemeinsamen Feind, die Nationalsozialisten, zu schauen. Später wurden dann beide linke Parteien "erledigt" - vielmehr ihre Mitglieder.
Es ist allerdings eine Mär, dass die Kommunisten den Sozialdemokraten die symbolische Hand gereicht hätten - beide haben sich bis aufs Blut gehaßt. Sehr merkwürdige - aber wer konnte schon in die Zukunft schauen.
Ich wüsste jedenfalls im Moment nicht, wer meine Wählerstimme bekommen sollte. Das Prinzip "kleineres Übel" ist mir zuwenig ... schaue ich mir jedoch diese Vierertruppe auf dem Bild an dann schaudert es mich. WIE könnte ich solchen Leuten vertrauen ...!? Niemals!
antilinks (24.10.2007, 10:29 Uhr)
Die Geschichte der Sieger
Für pushdown beginnt die Geschichte leider erst mit der Machtergreifung der Nazis. Die Nachkriegsgeschichte wurde, wie nach allen Kriegen, von den Siegern geschrieben, so dass man die ware Geschichte erst nach Generationen erfahren wird.
IsyAltklug (24.10.2007, 10:09 Uhr)
@RomanTicker hat absolut recht.....
Der kurzsichtige Populismus von Herrn Beck auf Kosten der jungen Leute ist übel und absolut unsozial. Das ALG I ist - genau wie die ges. Krankenversicherung nunmal keine Versicherung, die angespart wird und mehr ausschüttet, desto länger man einzahlt. Was Herr Beck da betreibt ist kontraproduktiv für den Arbeitsmarkt und ein Betrug an der jungen Generation, die mit ihren Beiträgen für all das aufkommen soll und am wenigsten davon hat. Durch das Höhertreiben der Sozialversicherungsbeiträge werden Arbeitsplätze vernichtet. Immer weniger Arbeitnehmer müssen immer mehr Arbeitslose finanzieren. Was ist sozial an dieser Umverteilung? Nicht die Arbeitslosigkeit muss alimentiert werden, sondern die Schaffung von Arbeitsplätzen und das geht in erster Linie durch Senkung der Beitragslast!
schmutz (24.10.2007, 10:03 Uhr)
Pest oder Cholera ?
Die SPD ist, für mich, genau so untragbar wie die CDU. Beide Parteien lavieren sich durch einen Minimalkonsenz nach dem anderen, immer nur die nächste Wahl im Auge. Für die Parteien bin ich doch nur das Stimmvieh, das ihnen gefälligst die Macht erhalten soll, vertreten tut mich keiner unser Volks-
(ver)treter mehr. Ich habe noch nie eine Wahl ausgelassen, aber mittlerweile ist es für mich nur noch die Entscheidung Pest oder Cholera ?
RomanTicker (24.10.2007, 09:52 Uhr)
SPD untragbar für junge Menschen
Die SPD ist mit ihrer Entscheidung für eine Verlängerung der Bezugsdauer des ALG I für Ältere meiner Ansicht nach untragbar für junge Menschen geworden. Die jungen Menschen sind bereits bei der Rente klar im Nachteil und sollen nun noch beim Arbeitslosengeld benachteiligt werden. So geht das nicht! Als junger Mensch sehe ich es nicht ein, dass ich erst später in Rente gehen darf, nebenbei eine private Rentenversicherung bezahlen muss und dann noch schlechter abgesichert bin. Die Situation wäre ja noch halbwegs tragbar, wenn sichergestellt wäre, dass auch die jetzt jungen Menschen später länger ALG I beziehen könnten, aber damit ist definitiv nicht zu rechnen. Wer glaubt denn heute noch, dass sich die Sozialsysteme über Jahrzehnte hinweg in dieser Form aufrecht erhalten lassen?
Oh nein, lieber Beck und liebe SPD, ein junger Mensch kann euch spätestens jetzt nicht mehr guten Gewissens wählen.
pushdown (24.10.2007, 09:35 Uhr)
Hintergrund
Danke JackintheBox das du mir zustimmst, das war wohl eher das Zentrum, die dem Ermächtigungsgesetzz zugestimmt haben nachdem Otto Wels(SPD) seine Rede gegen dieses Gesetz gehalten. Übrigens ist aus dem Zentrum die CDU hervorgegangen.
Aber zum eigentlichen Thema. Man muss das ganze etwas differenzierter sehen. Ich finde das Umfrageergebnis nicht gerechtfertig (Churchill: "Glaube keiner Statistik, die du nicht selber gefälscht hast"). Die SPD hat das Problem, dass sie ihre internen Diskussionen zuweit nach außen trägt. Während andere Parteien nach außen geschlossener auftreten. Die öffentlichen Diskussionen zwischen Müntefering und Beck haben nicht gerade zur Verbesserung des Images beigetragen.
nightmare_online (24.10.2007, 09:27 Uhr)
Ich lach mich weg
Die SPD ist - ungeachtet der aktuellen Scheingerfechte von Beck & Co. (im letzten Wahlkampf wurde Lafontaine wegen seiner Forderung nach Mindestlohn noch als "Populist" beschimpft. Von der SPD. LOL. Die Aktuelle Regelung bezüglich Hartz-IV wurde von der gleichen Partei, der SPD eingeführt, die sie jetzt ändern will.) - dabei sich selbst überflüssig zu machen.
@gmathol
ist schon erstaunlich was für ein profundes Unwissen hier manche zu Markte tragen. Pisa schlägt wohl wieder mal zu. In der Realität haben die Nationalkonservativen und Teile der Konservativen zusammen Hitler an die Macht gebracht. Achja und der deutsche Wähler selbstredend. Gegen das Ermächtigungsgesetz stimmte ausschliesslich die politische Linke.
@Jackinthebox: Neoliberale Politik in D begann mit dem Lambsdorf-Papier und somit mit Birne. Schröder machte dort weiter wo Birne & Co. ausgehört hatten.
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