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Guttenberg? Nein, danke!

51 Prozent der Deutschen lehnen ein Guttenberg-Comeback ab. Und selbst Ex-BDI-Chef Henkel, Parteigründer in spe, will ihn nicht. Der Freiherr sei "irreparabel beschädigt".

Der frühere BDI-Präsident Hans-Olaf Henkel schließt kategorisch aus, bei der Gründung einer neuen Partei den früheren Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg mit ins Boot zu holen. "Ausgeschlossen. Der hat alle belogen. Seine Glaubwürdigkeit ist irreparabel beschädigt", sagte Henkel in einem Interview mit dem stern. Henkel, der den Euro-Rettungskurs der Bundesregierung scharf kritisiert, erwägt eine neue Partei zu gründen, sollte Mitte Dezember die Mitgliederbefragung der FDP zum Euro-Rettungsschirm im Sinne der FDP-Spitze ausgehen. "Wenn die Parteispitze verliert, muss sie geschlossen zurücktreten. Wenn sie sich durchsetzt, heißt das für mich: Die Partei kann man vergessen. Viele meinen das ja jetzt schon. Dann gibt es eine neue Partei", sagte Henkel.

Henkels Kandidaten: Sarrazin, Merz und Clement

Als potenzielle Mitgründer brachte Henkel Friedrich Merz, Wolfgang Clement und Thilo Sarrazin ins Gespräch – "alles richtig gute Leute, die Klartext reden und sich keine Denkverbote auferlegen".

Henkel wirft Guttenberg vor, durch das Abschreiben seiner Doktorarbeit "einen Ehrenkodex gebrochen" zu haben. "Ein Großteil der deutschen Elite, die fleißig ihre akademischen Arbeiten geschrieben hat, kommt nicht darüber hinweg", sagte Henkel. CSU-Mitglied Karl-Theodor zu Guttenberg hatte in dem am Dienstag erschienenen Gesprächsbuch "Vorerst gescheitert" angedeutet, irgendwann auch einmal für eine andere Partei antreten zu können.

Guttenbergs Fanclub schwindet

Über die Hälfte der Deutschen (51 Prozent) lehnt eine Rückkehr von Karl-Theodor zu Guttenberg in die Politik jedoch ab. Das ergab eine Umfrage für den stern. Nur noch 49 Prozent wünschen, dass der über seine in weiten Teilen abgekupferte Doktorarbeit Gestolperte wieder die politische Bühne betritt. Nach seinem Rücktritt im März hatten sich noch 62 Prozent der Bürger dafür ausgesprochen, dass zu Guttenberg in absehbarer Zeit wieder ein hohes Amt übernimmt.

Ein Grund für die Reserviertheit könnte sein, dass die Mehrheit (53 Prozent) den einstigen Politstar der CSU für wenig glaubwürdig hält. 47 Prozent schenken ihm Vertrauen.

Nur Westerwelle unbeliebter

Kaum punkten kann zu Guttenberg in den Augen der Bevölkerung auch gegen andere hohe Politiker. Auf die Frage, ob zu Guttenberg besser oder schlechter wäre als Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU), antworteten 47 Prozent mit "schlechter" und 31 Prozent mit "besser". 55 Prozent erklärten, er wäre schlechter als sein Nachfolger, der jetzige Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU). Im Vergleich zu Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) meinten zwei Drittel (66 Prozent) der Befragten, Guttenberg wäre schlechter als Schäuble. Nur gegen Guido Westerwelle (FDP) schnitt er besser ab: 64 Prozent erklärten, Guttenberg wäre als Außenminister besser geeignet.

jcw/mw/ums/print

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