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29. Januar 2008, 13:11 Uhr

Was ist eigentlich links?

Die Deutschen wählen links - wären sich die Parteien einig, könnte in Hessen ein rot-rot-grünes Bündnis regieren. Was bedeutet das: Mindestlöhne für alle? Bregrenzung der Managergehälter? Raus aus Afghanistan? Schreiben Sie an aktion@stern.de, was für Sie linke Politik bedeutet.

Comeback eines alten Bekannten: Oskar Lafontaines Linkspartei hat sich im Westen festgesetzt© Ralph Orlowski/Getty Images

Es ist unbestreitbar: Die Linkspartei ist auf dem Vormarsch. Just hat sie in Niedersachsen und Hessen die Fünf-Prozent-Hürde übersprungen. Auch in Hamburg könnte sie in die Bürgerschaft einziehen. Oskar Lafontaine und Gregor Gysi triumphieren: Ihre Partei etabliert sich Stück für Stück im Westen. Die Wähler der Linkspartei sind vor allem jene, die sich enttäuscht von der SPD abwenden. Gleichzeitig hat die CDU kräftige Verluste hinnehmen müssen.

Steht die Republik also vor einem Linksruck? Und wenn ja: Was bedeutet das? Was ist linke Politik? Wie könnte sie Deutschland verändern? Droht ein Comeback des "Kommunismus", wie manch Konservativer meint? Schreiben Sie uns ihre Vorstellungen und Gedanken unter der Mailadresse aktion@stern.de. Wir werten Ihre Antworten aus und präsentieren sie auf stern.de.

Lafo contra Münte

Mit Blick auf die Bundespolitik ist die Frage nach linken Inhalten so einfach nicht zu beantworten. Sowohl Kurt Becks SPD als auch Angela Merkels CDU schreiben sich das Thema "soziale Gerechtigkeit" auf die Fahnen. Beide wollen die finanzielle Situation von Familien und älteren Arbeitslosen verbessern. Beide suchen nach Möglichkeiten, die exorbitanten Managergehälter zu begrenzen. Und beide haben sich auf die branchenbezogene Einführung von Mindestlöhnen geeinigt, auch wenn es in der CDU viele Kritiker gibt. Die Volksparteien wissen, dass sie die Wahlen nur in der Mitte gewinnen können, und die Mitte sucht offenbar nach einer neuen sozialen Balance.

Die Linkspartei ist bislang dadurch aufgefallen, dass sie diesen Kurs noch deutlich verschärfen will – durch eine massive Umverteilung. Frei nach dem Motto: Nehmt das Geld den Reichen ab, drückt es den Bedürftigen in die Hände. Männer wie der ehemalige Arbeitsminister Franz Müntefering hielten diesen Umverteilungsgedanken für überkommen. Sie setzten unter den Slogan "fördern und fordern" auf mehr Eigenverantwortung. Wichtiger als die materielle Angleichung war Müntefering, dass jeder Bundesbürger die gleichen Chancen haben sollte, etwas aus seinem Leben zu machen. Große Unterschiede haben Linkspartei und SPD auch in der Außenpolitik: Lafontaine lehnt Militäreinsätze wie jenen in Afghanistan kategorisch ab, die SPD befürwortet sie.

Kurzum: Es gibt viele Möglichkeiten, linke Politik zu denken - und mindestens genauso viele Gründe, sie abzulehnen. Schreiben Sie stern.de, was Sie dazu meinen, unter: aktion@stern.de

lk
 
 
KOMMENTARE (10 von 45)
 
Linkskommt (31.01.2008, 11:17 Uhr)
Die Zeit ist reif für den Wechsel nach links!!!
Anbei ein Ausschnitt aus dem Credo von Erich Fromm (Sozialphilosoph und Psychoanalytiker 1900 – 1980).

Ich glaube, dass weder der westliche Kapitalismus noch der sowjetische(Vergangenheit) oder chinesischer Kommunismus das Problem der Zukunft lösen können. Sie führen beide zu Bürokratien, die den Menschen in ein Ding verwandeln. Der Mensch muss die Kräfte der Natur und Gesellschaft unter seine bewusste und vernünftige Kontrolle bringen, jedoch nicht unter die Kontrolle einer Bürokratie, die Dinge und Menschen verwaltet, sondern unter die Kontrolle freier, assoziierter Produzenten, die die Dinge so verwalten, dass sie sie dem Menschen unterordnen, der das Maß aller Dinge ist. Es geht nicht um die Alternative „Kapitalismus“ oder „Kommunismus“, sondern um die Alternative „Bürokratismus“ oder „Humanismus“. Der demokratische, dezentralisierende Sozialismus ist die Verwirklichung jener Bedingungen, die notwendig sind, um die Entfaltung aller Kräfte des Menschen zum höchsten Ziel zu machen.
Dem Credo vom Erich Fromm kann ich nur zustimmen! Das man mit solchen Ansichten als Sozialromantiker in die Ecke gestellt wird damit kann ich aber gut leben!
Ich kann nicht damit leben wie die Menschen nun zum Spielball des Kapitalismus geworden sind obwohl es so ja schon immer so gewesen ist, aber nicht in solcher Brutalität!
Ich kann nicht damit leben wie die Politik zum Spielball des Kapitalismus geworden ist, obwohl die gewählten „Volkvertreter“ bzw. Lobbyisten das Volk vertreten sollen!
Ich kann nicht damit leben, dass die Globalisierung als Argument des Kapitalisten dafür dient dass die Menschen zum Nutzen weniger ausgebeutet werden!
Ich kann nicht damit leben, dass Kriegführung ein Land letztendlich befrieden soll, weil hier die Probleme doch vielschichtiger sind und der Kapitalismus auch hier eine große Schuld mit zum Krieg trägt!
Ich kann nicht damit leben, dass durch die Ausbeutung des Kapitalismus zwei Drittel der Menschheit am Existenzminimum leben!
Ich kann nicht damit leben, dass der Kapitalismus nun auch dabei ist Asien (China etc.) zu erobern und somit dort schlimmere Zustände Menschenrechte, Umwelt etc. herrschen weil es keine „Demokratie“ und „Pressefreiheit“ gibt!
Ich kann nicht damit leben, dass die Profitgier letztendlich über die Vernunft siegt!
Ich kann sehr gut damit leben, dass die LINKE sich nun gefunden hat und zu einer treibenden Kraft in der deutschen Parteienlandschaft geworden ist!!!
Ich kann sehr gut damit leben, dass die Linke eine andere Vorstellung vom Kapital hat als die treibende Kräfte der Weltwirtschaft und ein Grossteil der Politiker!
Ich kann sehr gut damit leben, dass es langsam auch ein Umdenken zur sozialen Gerechtigkeit es in Deutschland gibt!
Ich kann sehr gut damit leben, dass dieses Umdenken zur sozialen Gerechtigkeit auch von anderen Ländern an- bzw. aufgenommen wird!
Ich kann sehr gut damit leben, dass man sich auch dem positiven Aspekte der Globalisierung zu Eigen macht!
Ich kann sehr gut damit leben, dass durch Befriedigung der Grundbedürfnisse und Bildung auf dieser Welt der Intoleranz und Ausbeutung Einhalt geboten wird!
Ich kann sehr gut damit leben, dass die Vereinten Nationen hoffentlich bald die Funktion bekommt die diese haben sollte!!
Nun begleitet mich die Hoffnung dass die Idee der sozialen Gerechtigkeit sich mit der linke Politik manifestiert und nicht am Faktor Mensch scheitert!
Nun hoffe ich dass die Partei der LINKE für schlaflose Nächte bei der herrschende Klasse führt, wobei der Mensch dort nur noch als Ding wahrgenommen wird!
Nun hoffe ich für die Zukunft auch, dass die Medien wieder unabhängig und objektiver berichten werden! Bekanntlich stirbt die Hoffnung ja zuletzt!
Als Sozialromantiker beende ich einmal mein Monolog, die Notwendigkeit für eine linke Politik ist schon erkannt worden und dazu gibt es keine Alternative!!!
Mit solidarischen Grüßen
M.F
pilwe (31.01.2008, 06:49 Uhr)
Antwort: Das Gegenteil von 'Stern'!
Linke Politik ist das Gegenstück zum derzeitigen Stern-Journalismus. Der ist antiquiert und tiefschwarz!
Licorice (31.01.2008, 06:27 Uhr)
Die Welt geht unter!
Könnte man meinen, wenn man den Kommunistenquatsch dieser Tage liest. Hoffentlich ist da nichts dran... Ach ja: Klar werde ich demnächst die Linken wählen. Die SPD drängt die eigenen Wähler ja dorthin.
Aquarius2 (30.01.2008, 20:05 Uhr)
Ursache: Ungerechte Verteilung
10% der Bevölkerung verfügen über 90% der Vermögen und 90% der Bevölkerung über 10% der Vermögen.
Dafür steht die Politik der etablierten Parteien.
Der Ruck nach links drückt u.a. aus, dass für diese Entwicklung keine Akzeptanz besteht.
ganzbaf (30.01.2008, 16:41 Uhr)
Was heißt schon "links"...

Was ist schon groß links an der Forderung nach Mindestlohn? 20 von 24 europäischen Ländern mit Regierungen von ganz "links" bis ganz "rechts" haben einen Mindestlohn.
Was ist links an der Forderung, dass ein Bürger, der Vollzeit arbeitet, von dem Geld was er verdient, auch eine Familie ernähren kann?
Was ist links an der Forderung, dass Intelligenz über den Zugang zur Uni entscheidet und nicht Pappis Portemonnaie?
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Offensichtlich hätte heute Ludwig Erhard in CDU oder FDP keinen Platz mehr. Schließlich hieß sein Buch mal "Wohlstand für alle" und nicht Wohlstand für 20%".
Und sein Programm war - auch - eine Stärkung der Massenkaufkraft. Damit gilt man heute allerdings schon als Kommunist.
Das Problem ist, dass D. von Lobbyisten aus der Wirtschaft regiert und mitregiert wird und weniger von Leuten die die Interessen der NORMAL-Bürger vertreten.
Das Problem ist nicht der "Linksruck" der Parteien, das Problem ist der schon recht langandauernde Ruck der Parteien in eine besonders neoliberale, wirtschaftshörige Ecke! Mit dem bekannten Resultat, dass das Gros an Rationalisierungseffekten der letzten JAHRZEHNTE an Reiche und Superreiche ging und Deutschland mittlerweile das Land mit der höchsten Millionärsdichte aller Flächenstaaten der Welt ist(!) - bei gleichzeitiger Verarmung einer immer breiter werden Schicht und vermehrter Chancenlosigkeit.
Ein Problem, das mittlerweile Millionen Menschen betrifft, auch wenn diese Leute oft unsichtbar bleiben.
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Und dies alles ist schlicht das Resultat eines „Verteilungsproblems"! Änderbar über entsprechende Steuererhöhungen (für besonders Reiche/leistungslose Einkommen), höhere Einkommen und kürzere Arbeitszeiten für die Werktätigen und nötigenfalls auch über Transferleistungen. Und dafür muß Politik sorgen! Z.B. auch wegen Art. 14/15 Grundgesetz!
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Und natürlich wegen dem Erhard, Ludwig
Digitalus (29.01.2008, 23:54 Uhr)
Mehr links...
wird heute immer wichtiger.
Als 1990 der Staatssozialismus am Ende war hörte man oft: "Das ist das Ende der Geschichte, der Kapitalismus hat sich endgültig durchgesetzt und kann am besten die Bedürfnisse der Menschen erfüllen"
Unsinn, wie wir heute wissen.
Auch folgender Satz stimmt heute nicht mehr:"Wenn es dem Unternehmen gut geht, geht es mir als Arbeitnehmer auch gut"
Hungerlöhne und Arbeitsplatzabbau trotz hoher Gewinne, sprechen eine andere Sprache.
Links ist für mich u.a. die integrative Kraft einer Gesellschaft, ALLE mitzunehmen, die Gesellschaft zusammen zu halten und Tendenzen des Auseinanderdriftens zwischen Arm und Reich entgegenzutreten.
naiv02 (29.01.2008, 22:45 Uhr)
@knilch_59
Sie haben prinzipell Recht.
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Diese Haltung beruht auf Mißtrauen und der Erkenntnis Deutschland ist eine Klassengesellschaft geworden. Und die entscheidenden Signale müssen nun von Oben kommen. Nur befinden die sich in einer Konstellation, dass jemand mit ernstgemeinter selbstloser Nächstenliebe schnell von den anderen zerfleischt wird, weil diese das als Schwäche interpretieren. Also läßt mans besser.
Im Grunde ist das Flehen nach gebt... und der Staat sollte... nur der Wunsch nach Gerechtigkeit (ernst gemeinter und nicht in Sonntagsreden).
knilch_59 (29.01.2008, 22:27 Uhr)
warum immer so destruktiv?
Ich lese hier viel darüber, was von anderen gefordert wird: Der Staat müsste..., die Reichen sollen ..., die Konzerne dürfen nicht ...
Links bedeutet aber auch nach Kräften Solidarität zu geben - also nicht nur in der eigenen Steuererklärung tricksen und auf ausländische Schwarzarbeiter schimpfen, sondern sich selbst auch für das Gemeinwohl einbringen. Nur Demo und Protest ist nicht links, sondern link. Links muss auch heißen, dass sich Leistung lohnt - und dazu fehlen mir in den Beiträgen die Ansätze - und der Titel Held der Arbeit ist wohl kein Anreiz!
naiv02 (29.01.2008, 22:24 Uhr)
@sancerre
Bitte bitte gern geschehen.
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Es geht mir da ganz ähnlich. Das ist aber,wie ich denke, ein Problem der sogenannten Vergangenheitsaufrabeitung. Die einzigen. die den direkten Schritt getan haben waren nun mal die SED Nachfolger, d.h. aber nicht dass die auch ideologisch einfach so weiter machten. Das einige hängengeblieben sind, ist klar wäre bei umgekehrten Vorzeichen nicht anders.
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Was enscheidend ist, wie ich denke, ist die Idee oder Vision von Gerchtigkeit, Chancengleichheit und Miteinander. Um das zu erreichen ist es nun mal notwendig das Einige in Vorkasse gehen.
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ps Für jeden interessant, einmal den Versuch unternehmen vorurteilsfrei und nüchtern den Begriff Demokratie zu zerlegen und auf seine aktuelle Anwendung zu durchdenken.
seppmaier (29.01.2008, 21:56 Uhr)
links bedeudet:
chancengleichheit.
jeder euro, der auf den konten der superreichen nutzlos rumliegt, ist verlorengegangene nachfrage und dem geldkreislauf entzogen. bewegt sich das geld nicht mehr, verliert der staat (die allgemeinheit) steuer-einahmeneinnahmen und geht kaputt. alles was der staat dann nicht mehr bezahlen kann, wird von der wirtschaft übernommen, die schlechten service zu hohen preisen anbietet.
das beschreibt die lage in brd sehr exakt...ihr seid den politikern völlig egal. sie wollen könig sein und es sich gutgehen lassen...sonst nix!
man sollte die deutsche politik outsorcen und die verwaltung von dem land leisten lasen, dass es am billigsten tut. das wäre eine logische konsequenz der globalisierung...
leider aber sind die menschen hier so dumm, dass sie nix mehr mitbekommen.
sie lassen sich seit jahrzenhnten von den immer gleichen parolen und lügen einlullen und merken gar nicht, wie ihr land den besitzer wechselt.
was habt ihr denn noch zu melden?
84% der bürger sind gegn kriegseinsätze der bw in afghanistan...und? was läuft?
die wahrheit schmerzt aber es gibt nun eunmal keine alternative zu ihr.
habt ihr den mut der wahrheit über den ausverkauf eures lebens ins gesicht zu sehen?
ob die linke daran was ändern wird? keine ahnung.
es wäre aber in erster linie unsere pflicht, dafür zu sorgen, dass deutschland wieder ein land wird, in dem man sich wohlfühlen kann. ein land in dem man sein glück findet, egal woher man einst kam. es sollten talente zählen und nicht herkunft.
aber leider sind wir unter die raubtiere gefallen und denken dabei immer noch, es wären die heilsbringer.
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