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1. Dezember 2008, 15:35 Uhr

Merkel hält sich alle Optionen offen

Zum Auftakt nichts Neues: Auf dem CDU-Parteitag in Stuttgart hat Bundeskanzlerin Angela Merkel dem Ruf nach Steuersenkungen eine Absage erteilt - vorerst jedenfalls. Denn zur Bewältigung der Wirtschaftskrise hielt sich Merkel ausdrücklich "alle Optionen" offen.

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Merkel, CDU, Parteitag, Stuttgart, Steuersenkungen, Mitte

Demonstrativer Aufruf zur Geschlossenheit: Bundeskanzlerin Angela Merkel auf dem Parteitag der CDU in Stuttgart© Matthias Schrader/AP

Die CDU-Vorsitzende und Kanzlerin Angela Merkel hat zum Auftakt des Parteitages in Stuttgart Steuersenkungen erneut abgelehnt, aber spätere Maßnahmen gegen die Wirtschafts- und Finanzkrise nicht ausgeschlossen. "Deutschland wird sich alle Optionen offen halten, um die Folgen dieser Krise weiter wirkungsvoll zu bekämpfen. Ich sage ausdrücklich: Alle Optionen." Die Regierung sei in der Lage, "wenn nötig - und das haben wir bewiesen - auch blitzschnell" zu handeln.

Unter Anspielung auf den ehemaligen christdemokratischen Kanzler und Wirtschaftsminister Ludwig Erhard rief Merkel dazu auf, in der Krise Maß zu halten. "Man kann nicht auf Dauer über seine Verhältnisse leben", sagte sie. Dazu sei der Mut nötig, "auch einmal gegen den Strom zu schwimmen". Das Ziel eines ausgeglichenen Haushalts werde später erreicht, bleibe aber für die nächste Wahlperiode erhalten.

Einfacheres Steuersystem, Senkung der Lohnnebenkosten

Als Ziel für die nächste Legislaturperiode gab Merkel vor, das Steuersystem in Deutschland zu vereinfachen und die Lohnnebenkosten dauerhaft zu senken. Deutschland müsse "stärker" gemacht werden, sagte Merkel. Dazu gehöre ein "einfacheres und gerechtes" Steuersystem, dass unter anderem die kalte Progression abschaffe, so die Kanzlerin. Zudem sollten durch Änderungen im Arbeitsrecht mehr Menschen eine Beschäftigungsmöglichkeit erhalten. Statt eines Mindestlohns wolle die CDU ein Mindesteinkommen sichern.

Die Finanzierung der Pflegeversicherung müsse durch Kapitaldeckung "zukunftsfest" gemacht werden, forderte Merkel. Darüber hinaus müssten die paritätisch von Arbeitgebern und Arbeitnehmern zu zahlenden Lohnnebenkosten dauerhaft unter 40 Prozent gehalten werden. "Wir wollen unser Land stärker machen durch eine Politik, die erst erarbeitet, was sie danach verteilt", sagte Merkel. Die "Politik der Schuldenmacherei" müsse beendet werden, um auch den künftigen Generationen noch Spielräume zu lassen.

Die SPD-regierten Länder forderte Merkel auf, ihre Blockade des BKA-Gesetzes aufzugeben. "Diese Blockade ist unverantwortlich", sagte sie.

In ihrer Rede griff Merkel die Linkspartei scharf an. Noch immer seien die Folgen nicht überwunden, die der Sozialismus über die Ostdeutschen gebracht habe. "Wir fallen nicht auf Euch herein, ihr Spitzbuben, oder sollte ich besser sagen: ihr Spitzelbuben."

Daran ändere auch nichts, dass ein ehemaliger SPD-Vorsitzender zu diesen übergelaufen sei, fuhr Merkel fort, ohne Linksparteichef Oskar Lafontaine beim Namen zu nennen. Dieser habe die Einheit nicht gewollt und schließlich die Flucht ergriffen. "Ich finde, Vorsitzender der SED-Nachfolgepartei, das ist dafür eine gerechte Strafe", rief Merkel aus.

Vor rund 1000 Delegierten bezeichnete Merkel die CDU als "die Partei der Mitte" und zog eine rundum positive Bilanz ihrer Regierungstätigkeit. Zugleich rief die Kanzlerin die Partei zur Geschlossenheit auf und betonte den Zusammenhalt mit der Schwesterpartei CSU. "Willkommen in der Mitte", sagte die CDU-Vorsitzende und fügte hinzu: "Die Mitte war und ist Deutschlands Stärke. Die Mitte sind wir. Die Mitte ist die CDU Deutschlands."

Die großen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts könne die Partei aber nur gemeinsam bewältigen. Mit den Worten "Wir stehen zusammen, deshalb heißen wir Union", appellierte die Kanzlerin nach den Steuerdiskussionen der letzten Tage an die Geschlossenheit der CDU. Ausdrücklich dankte sie dem neuen CSU-Vorsitzenden und bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer wie auch seinen beiden Vorgängern Erwin Huber und Günther Beckstein. Sie würdigte die "menschlich wie politisch herausragende Zusammenarbeit" der beiden Schwesterparteien und sagte: "Ja, es ist wahr, wir streiten uns manchmal. Aber wahr ist auch: CDU und CSU wissen immer, wenn es darauf ankommt. CDU und CSU sind gemeinsam stark. Und das leitet uns."

"Deutschland hat neues Vertrauen in die Zukunft"

Die Bilanz der bislang drei Jahre CDU/CSU-Politik in der Bundesregierung nannte die Kanzlerin eindrucksvoll. Sie sprach von einer erfolgreichen Politik. Als Beleg nannte sie vor allem, dass die Zahl der Arbeitslosen nach langer Zeit wieder unter drei Millionen liege und damit um mehr als zwei Millionen Menschen weniger ohne Arbeit seien als unter Rot-Grün. Auch die Jugendarbeitslosigkeit befinde sich auf dem niedrigsten Stand seit der Wiedervereinigung, es gebe mehr Ausbildungsplätze als je zuvor. Zudem sei Deutschland wieder Exportweltmeister. "Das soll uns erst mal jemand nachmachen", sagte Merkel weiter.

Die Sozialversicherungen seien wieder sicherer gemacht worden, die Rente stehe auf viel festeren Beinen als vor Amtsantritt der Großen Koalition, sagte Merkel. Bildung und Forschung seien mit Milliardeninvestitionen gestärkt worden. Auch gehe es den Familien besser, mit Elterngeld und mehr Betreuungsplätzen sei Wahlfreiheit ermöglicht worden. Es würden wieder mehr Kinder geboren. "Deutschland hat neues Vertrauen in die Zukunft. Das ist die schönste Nachricht für unser Land überhaupt", hob Merkel hervor.

DPA/AP/Reuters
KOMMENTARE (8 von 8)
 
kalaehne (01.12.2008, 23:43 Uhr)
Macht das Deutschland mit ??????
....Schnelle Entlastung könnte schnell helfen, das sieht Herr Merz richtig...die Entlastung sollte jedoch nicht nur durch Steuerentlastungen für den Mittelstand geschehen, so wie es der ehemalige CSU-Minister Schnappauf, jetzt BDI-Hauptgeschäftsführer, kürzlich forderte. Auch Millionen Arbeitnehmer/innen, auch Rentner/innen, auch Alleierziehende ohne Arbeit ...brauchen schnelle Entlastungen, damit die Volkswirtschaft die Krise schneller und besser überwinden kann. Auch das würde dem industriellen Mittelstand helfen. Lösungsmöglichkeiten für die jetzigen Probleme zurückzustellen, um sie im Januar vor der Hessenwahl anzukündigen oder im Herbst 2009 als Wahlkampfthemen zu nutzen, das wäre mehr für viele in Deutschland mehr als fahrlässig...Diplomkaufmann Jürgen Kalähne
auwei (01.12.2008, 14:59 Uhr)
@knilch_59
Auf den Punkt gebracht. Sauber.
johnniedeamonic (01.12.2008, 14:49 Uhr)
@knilch
"1. Wir haben den Schnee zu den Menschen gebracht
2. Wir haben jetzt sogar einen Schnee-Überschuss
3. Und das haben wir geschafft"
danke das hat mir den Tag gerettet, schön auf den Punkt gebracht ;)
knilch_59 (01.12.2008, 13:42 Uhr)
Aus Sicht der CDU
wäre ein Lawinenabgang ein politischer Erfolg, weil:
1. Wir haben den Schnee zu den Menschen gebracht
2. Wir haben jetzt sogar einen Schnee-Überschuss
3. Und das haben wir geschafft
.
(Und die verschütteten Menschen sieht ja keiner, weil das per Definition nicht „die Mitte“ sein kann)
.
Der Zynismus, den diese Frau verströmt, widert mich an!
.
Das Reagieren in der Finanzkrise als „Handlungsfähigkeit der Regierung“ zu loben, ist dreist. Man hat – auf dem Gebiet eines virtuellen Marktes – nichts anderes gemacht, als die Straßen befahrbar zu halten. Na ja, vielleicht wird sie den Straßen-Winterdienst auch eines Tages auf ihr persönliches Handeln zurückführen.
.
Sie tut so, als sei das Rettungspaket für die Banken eine Folge der Krise. Das ist objektiv falsch: Das ist die Krise! Wir haben immer noch eine gigantische Geldblase von Werten, die zwar irgendwo in den Büchern von Firmen oder als Guthaben auf privaten Konten stehen, die aber nicht durch reale Wertschöpfung gedeckt sind. „Geld-nichts-mehr-wert-sein“. Wie löst man diese Blase auf? Wer verliert in Folge dessen seine Werte?
a) Der Staat übernimmt das zu viele Geld in Form steigender Schulden? Dann bezahlen das die zukünftigen Generationen mit Zinsen und irgendwann vielleicht sogar noch Tilgung. Profitieren werden dann diejenigen, die derzeit in der Lage sind, dem Staat Geld zu leihen.
b) Die aktuell Vermögenden? Wie? Erbschaftsteuer – gerade abgesagt! Vermögensteuer – gibt es nicht? Einkommensteuer – böse? Besitzsteuern – noch böser!
c) also müssen alle den Gürtel enger schnallen! Naja, nicht wirklich alle! Es reicht, wenn es die 20 Mio Rentner tun und bei den 40 Mio Erwerbstätigen haben wir die 15 Mio Kinder automatisch mit dabei. Und die oberen 5 Mio sind eine zu vernachlässigende Restgröße, da besteht nicht wirklich Handlungsbedarf, zumal da sowieso nicht viel bei rumkommt. Das ist Christlich-Demokratische Soziallogik. Wohlstand für alle ist Mist – dann bemerkt ihn ja keiner. Wohlstand muss man auch sehen können, sonst macht er keinen Spaß. Und deshalb muss er auf „die Leistungsträger“ konzentriert sein. Leistungsträger ist, wer viel Geld hat. Und da schließt sich der Kreis. Bloß nicht umverteilen, bloß keine Chancengerechtigkeit. Christlich war schon immer: „wer hat, dem wird gegeben“.
romeodelta (01.12.2008, 13:26 Uhr)
Trifft diese Dame
jemals eine Entscheidung? (außer irgendwo hinzufliegen, um Außenministerin zu spielen)
riothamus (01.12.2008, 13:23 Uhr)
Statt über die Linke zu schimpfen
sollte das Merkel erst mal über ihre Rolle in der DDR Auskunft geben. Warum werden Fotos aus dieser Zeit weggeschlossen, was hat sie zu verbergen ? Wo sind die Medien, die den Mut haben das mal zu recherchieren ? In den USA wäre sie schon lange weg vom Fenster......aber die DDR 2.0 ist näher als man denken möchte.
hbbaer (01.12.2008, 12:59 Uhr)
Merkels Hauptmerkmal war immer schon
so lange abzuwarten, bis sie sich sicher sein konnte, in wessen A.... sie kriechen muss, um persönlich davon den größten Vorteil zu ergattern.
Von dieser Haltung ist ihre Politik bis heute geprägt.
johnniedeamonic (01.12.2008, 12:49 Uhr)
toll?
hachja das gute alte Prinzip Hoffnung,
"liebes Volk, eigentlich Sche... wir ja auf euch,ABER es könnte sein das wir in unserer unendlichen Güte vielleicht eventuell irgendwann mal irgendetwas tun was euch etwas entlastet..irgendwann....nach den Wahlen......nein*lach*...natürlich nicht schon nach der nächsten ...nach irgendeiner Wahl..."
.....
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