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20. Februar 2008, 11:18 Uhr

Hehler im Auftrag des Staates

Der BND hat sich mit dem Ankauf von Kontodaten deutscher Bankkunden in Liechtenstein strafbar gemacht, meint Rechtsanwalt Andreas Thomsen. In einem Gastbeitrag für stern.de erklärt er, warum der Nachrichtendienst in den aktuellen Fällen von Steuerhinterziehung seine Kompetenzen massiv überschritten hat.

Der bundesnachrichtendienst unterstützt die deutsche Steuerfahndung© Diether Endlicher/AP

Der Bundesnachrichtendienst (BND) hat mit dem Ankauf einer gestohlenen CD mit Daten über deutsche Kunden einer Liechtensteiner Bank gegen geltendes Recht verstoßen. Grundsätzlich ist es dem BND zwar erlaubt, gestohlene Sachen und Daten im Ausland anzukaufen. Nur ist dieses Recht an eine Bedingung geknüpft: Aus dem Ankauf müssen sich "Erkenntnisse über das Ausland, die von außen- und sicherheitspolitischer Bedeutung für die Bundesrepublik sind" ergeben, wie im Gesetz über den BND zu lesen ist.

Geld in anderen Ländern aufzubewahren ist in der EU eine Grundfreiheit. Welcher Deutsche sein Vermögen wo anlegt, hat keine außen- oder sicherheitspolitische Bedeutung. Im Gegenteil: Es greift sogar der deutsche Datenschutz, an den der BND ausdrücklich in seiner gesetzlichen Grundlage gebunden ist.

Das heißt in konsequenter Folge: Der BND war nicht zuständig, Daten über die Manifestation einer Grundfreiheit deutscher Bürger im Ausland anzukaufen. Insofern kann auch keinerlei Privilegierung greifen, die bei dem Auslandsgeheimdienst sonst vorliegen mag, wenn er sich innerhalb seines gesetzlichen Auftrags bewegt. Er hat sich einfach als Staatshehler angedient. Wenn die CD nicht der Bank, sondern dem Dieb gehörte, hat der BND nach luxemburgischem Recht eine Hehlerei, nach deutschem Recht jedoch eine strafbare Verwertung fremder Geheimnisse begangen.

Der BND als Hehler

Außerdem ergeben die Daten - isoliert betrachtet - nicht einmal den Anfangsverdacht der Steuerhinterziehung. Sie sind lediglich Ausdruck der europarechtlich garantierten Freizügigkeit von Kapital. Sonst könnte man ja auch sagen: "Wer demonstriert, schmeißt auch Steine!" Erst der Abgleich der CD mit inländischen Steuererklärungen offenbarte wohl erhebliche Fälle von Steuerhinterziehungen einzelner Deutscher.

Noch dazu hat der Nachrichtendienst fünf Millionen Euro an den Datendieb gezahlt. Das Geld habe der BND, so heißt es, den Steuerbehörden lediglich "vorgestreckt". Außerdem habe sich der Kauf "gelohnt", da man nun ein Vielfaches des Betrages an Nachzahlungen einnehmen werde. Es ist aber nicht Aufgabe des BND, für die innerdeutsche Strafverfolgung kriminell erworbene Kontounterlagen im Ausland von Kriminellen anzukaufen.

Der BND durfte "heiße Ware" erwerben, aber nicht zu dem Zweck und nur ohne Geld. Die Steuerstrafverfolgung darf keine Hehlerei begehen, aber wohl den Preis für eine bereits begangene Hehlerei erstatten. So war es wohl gedacht. Ob das so aufgeht mag dahinstehen.

Wahre Ziele im unklaren

Sofern sich Deutsche bei der Aktion strafbar gemacht haben, wären diese in einer Höhe zu suchen, wo sich der Blick frei auf alle beteiligten Behörden erstreckt. "Wir sind gut beraten, so etwas nicht an uns heranzulassen", lässt Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) schon vorsorglich verbreiten und will sich damit reinwaschen.

Es steht aber auch der Verdacht im Raum, dass die Razzia bei Klaus Zumwinkel und das folgende Stakkato an Aufforderungen zur Selbstanzeige nur dazu dienen sollten, die Unverwertbarkeit der teueren und hehlerisch erworbenen Beweise zu übertünchen. Eine Selbstanzeige und ein Geständnis lassen sich nicht mehr zurückdrehen. Außerdem ist fraglich, ob die Selbstanzeige überhaupt strafbefreiend wirkt. Vielleicht brauchte der Staat die öffentliche Inszenierung um zu retten, was zu retten ist, weil das Geld für die Hehlerei doch nicht "gut angelegt" war.

Zur Person

Zur Person Andreas Thomsen ist promovierter Jurist und Partner der Sozietät Thomsen/Meyer in Berlin.

 
 
KOMMENTARE (10 von 53)
 
Styx2007 (21.02.2008, 15:55 Uhr)
Generalamnestie für alle!
Am besten ist, alle jetzt ertappten Steuerhinterzieher - unsere "Elite" - sofort mittels Generalamnestie freisprechen, höflich um Entschuldigung bitten, am besten tief in den Allerwertesten kriechen und fragen, ob und wenn ja, wieviel Steuern es denn sein dürften. Schliesslich dürfen wir doch nicht vergessen, dass all diese armen Steuerhinterzieher in Deutschland noch Jobs schaffen, die dann überhaupt erst zu Steuereinnahmen führen. Wie kann man dann von diesen Leuten noch verlangen, dass auch sie selbst Steuer zu zahlen haben??? Und natürlich ist die CD, die der BND unverschämter weise von unseren Steuergeldern gekauft hat, nicht zu benutzen, da ja krimineller Hintergrund vorhanden ist. Lieber dafür auf sämtliche Möglichkeiten der Verfolgung verzichten. Diese Diskussion ist genauso bescheuert, weil sie mal wieder schön von der eigentlichen Sauerei der Steuerhinterziehung dieser Asozialen ablenkt. Fehlt nur noch, dass Zumwinkel und Konsorten - der Begriff der "Elite" verbietet sich bei diesen Leuten ohnehin - zu Opfern der BND-Methoden ernannt werden. In was für einer Bananenrepublik leben wir mittlerweile eigentlich????
TT2007 (20.02.2008, 19:20 Uhr)
chaos1234 in der Argumentation
@chaos1234: Genau. Der Staat ist Täter, weil er eine CD mit Daten von Kriminellen kauft, die Kriminellen sind Opfer, die nur die Insolvenz ihrer Unternehmen abwehren wollten. Deswegen haben sie auch ihr Geld aus diesen abgezogen und ins Ausland gebracht... :)
Generell hoffe ich übrigens auch, dass die Post aufgrund der deutschen Gräueltaten gegen Herrn Zumwinkel nicht pleitegeht... :)
chaos1234 (20.02.2008, 19:11 Uhr)
Züricher Zeitung
Artikel der Züricher Zeitung vom 29.3.2012
Berlin:
Durch den massiven Druck, den die Bundesdeutschen Finanzbehörden auf Manager, Firmeninhaber, Mittelständler und höhere Angestellte ausübt wurden in der Bundesrepublik in den letzten 3 Monaten weitere 5010 Firmenpleiten registriert. Bei Befragungen durch besondere Spezialkräfte der deutschen Steuerbehörden, werden den Firmenbetreibern in tagelangen Verhören und unter massiver Folter Geständnisse zur Steuerhinterziehung herausgepresst. Auf Nachfrage erklärte Bundeskanzler Beck, dass jedes Mittel Recht sei um dieses Ungeziefer auszumerzen. Der Spitzensteuersatz für Besserverdienende liegt in der Bundesrepublik mittlerweile bei 99,9%, die Arbeitslosenzahl ist auf 17,8 Mio gestiegen. Die freie Welt ist über die Methoden in Deutschland entsetzt, die Politik verbietet sich aber auch weiterhin jegliche Einmischung in innere Angelegenheiten. in der Zwischen zeit geht auch hier in der Schweiz die Bespitzelung deutscher Staatsbürger weiter, welche gezwungen werden sollen auch weiterhin die Steuer auf im Ausland erarbeitete Entgelte zu entrichten. Schweizer Sicherheitskräften ist dabei im Kanton Zürich ein Schlag gegen deutsche Steuerfahnder gelungen. Die Staatsanwaltschaft Zürich geht davon aus, das hunderte solcher Steuerfahnder des BND in der Schweiz für die Bundesrepublik tätig sind.
Der Anfang ist gemacht - nur weiter so Herr Beck!!!
bernie-abg (20.02.2008, 17:43 Uhr)
Besser der Herr Thomsen...
...belegt noch ein paar Semester Jura.
TT2007 (20.02.2008, 17:32 Uhr)
Auf den Punkt...
... kommen weder Herr Thomsen noch viele Kommentatoren. Herrn Thomsens Gerede vom "Grundrecht der freien Geldanlage", lenkt davon ab, dass hier massive Straftaten begangen wurden und dank des BND aufgedeckt werden können und führt ebenso wenig zur Klärung der Frage, ob der BND rechtmäßig gehandelt hat, wie wüste Beschimpfungen von Steuerhinterziehern hier im Forum. Interessant hingegen die Aussage von Sandygirl unten: auch nach meinem Wissensstand scheidet bei Daten der Tatbestand der Hehlerei aus. DAS müsste Herr Thomsen (er)klären.
Benkku (20.02.2008, 17:25 Uhr)
Einäugige Sicht.
Das ist nur die halbe Wahrheit.
guinness.1 (20.02.2008, 16:08 Uhr)
Der Gesetzgeber hält sich nicht an seine eigenen Gesetze!
Dass Politiker sich einen Dreck drum scheren, wie die Gesetzeslage ist, beweisen sie ständig. Herr Kohl hat das schön demonstriert, wie er seine "Spender" nicht benannt hat (was seine Pflicht gewesen wäre), weil klar war, daß er auch nicht mit Beugehaft bestraft wird (weil er ja der tolle "Einheits-Kanzler" war).
Politiker haben also Narrenfreiheit, daher hatten die auch kein Problem damit, den BND mit dem Geld der Steuerzahler für Einsätze in andere Länder zu schicken, die entgegen ihren eigenen geltenden Gesetzen sind.
Und zum Kommentar von @ganzbaf:
der Unterschied zum amerikanischen und israelischen Geheimdienst ist: sie stellen sich nicht so blöd an und lassen sich nicht dabei erwischen!
Benkku (20.02.2008, 15:47 Uhr)
Schluß mit dem Gejaule!
Das Gejaule über die Abgabenhöhe sowie den Steuergesetzes-Dschungel ist nicht Ziel dieser Debatte und geht total am eigentlichen Thema vorbei.
whismerh2 (20.02.2008, 15:32 Uhr)
@Daujoons
Danke Sie sprechen mir aus dem Herze.
Mit weniger und transparenteren Abgaben wäre allen geholfen.
@wintersaint
es gibt genug Waren die mehrfach besteuert werden.
Und die Lohnsteuer ist effektiv zu hoch und bei jedem Kauf fast 20 % abführen zu müssen ist schlichtweg eine Frechheit und dann noch die Begründung wo anders ist sie noch höher, 10 % wäre mehr wie genug
das hatten wir auch einmal, also mit welcher Begründung mehr ? und irgendwann haben wir mal 25 % und mehr. Denken Sie an meine Worte.
ganzbaf (20.02.2008, 15:32 Uhr)
Der CIA und der iraelische Geheimdienst...

macht noch ganz andere Sachen, als eine Daten-CD auf dem Schwarzmarkt zu kaufen.
Gönnt dem BND doch auch mal ´ne Kleinigkeit... ;-Pp
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