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3. November 2006, 11:55 Uhr

Milliarden für den Schuldendienst

Die Steuereinnahmen fallen um 39,5 Milliarden Euro höher aus als erwartet. Die Bundesregierung will deshalb die Beiträge zur Arbeitslosenversicherung stärker als geplant senken und die Neuverschuldung deutlich drücken.

Finanzminister Steinbrück will die Neuverschuldung senken© Markus Schreiber/AP

Die Steuereinnahmen von Bund, Ländern und Gemeinden fallen in diesem und im nächsten Jahr um 39,5 Milliarden Euro höher aus als erwartet. Das teilte das Bundesfinanzministerium in Berlin nach den Beratungen des Steuerschätzer-Kreises am Tegernsee mit. Die Bundesregierung will die zusätzlichen Steuermilliarden sowie Überschüsse bei den Sozialkosten zum Abbau der Neuverschuldung sowie zur weiteren Senkung der Lohnzusatzkosten verwenden.

Dieses Jahr wird gegenüber der Mai-Steuerschätzung mit einem Plus für den Gesamtstaat von 19,4 Milliarden Euro gerechnet, im kommenden Jahr sind es 20,1 Milliarden Euro. Damit steigen die Steuereinnahmen so stark seit der Wiedervereinigung nicht. Die Staatskassen profitieren 2006/2007 vor allem von der anziehenden Konjunktur und sprudelnden Unternehmensgewinnen.

Für den Bund ergibt sich in diesem Jahr ein zusätzliches Plus von 8,4 Milliarden Euro und im nächsten Jahr von 9,0 Milliarden Euro. Die Länder können mit zusätzlichen Einnahmen von 7,5 Milliarden Euro in diesem Jahr und 7,6 Milliarden Euro im nächsten rechnen. Für die Kommunen gehen die Steuerschätzer von einem zusätzlichen Einnahmeplus in Höhe von 3,9 Milliarden Euro beziehungsweise 4,0 Milliarden Euro aus. Dagegen müssen die EU-Kassen mit Mindereinnahmen von insgesamt 1,1 Milliarden Euro rechnen. Die Koalition will angesichts der Steuermehreinnahmen die Neuverschuldung des Bundes auf den niedrigsten Stand seit der Wiedervereinigung vor 16 Jahren senken. Bürger und Unternehmen sollen zudem beim Arbeitslosenversicherungsbeitrag stärker entlastet werden als bisher geplant.

Eine Spitzenrunde der Koalition einigte sich nach den Worten von Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) darauf, die neuen Kredite nächstes Jahr auf 19,6 Milliarden Euro zu begrenzen. Geplant waren bislang 22 Milliarden Euro. Der Beitrag zur Arbeitslosenversicherung soll ab Januar von 6,5 auf 4,2 Prozent sinken - 0,3 Prozentpunkte mehr als zunächst angedacht. Der Vereinbarung bei Kanzlerin Angela Merkel zufolge will sich die Koalition auch bemühen, schon nächstes Jahr in die Steuerfinanzierung von Kindern in der gesetzlichen Krankenversicherung einzusteigen und nicht erst 2008.

Steinbrück und andere führende Politiker von Union und SPD sprachen von deutlichen Signalen in Richtung Haushaltskonsolidierung, Konjunktur und Arbeitsmarkt. „Das ist die niedrigste Nettokreditaufnahme nach der Wiedervereinigung“, sagte der Minister mit Blick auf 2007. Sie liege knapp unter dem bisherigen Tiefstwert von 1992, was zeige, "dass wir es mit der Konsolidierung ernst meinen". Die stärkere Beitragssatzsenkung bei der Arbeitslosenversicherung entlaste Arbeitnehmer und Arbeitgeber und gebe damit auch für Wachstum und Beschäftigung Impulse. Steinbrück hob hervor, die Koalition habe in den letzten 48 Stunden gleich mehrfach Zeichen ihrer Handlungsfähigkeit gezeigt wie euch die Vereinbarung zur Unternehmenssteuerreform verdeutliche.

Die Haushaltsexperten Steffen Kampeter (CDU) und Carsten Schneider (SPD) stellten allerdings klar, die Entscheidung zur Steuerfinanzierung von Kindern in der gesetzlichen Krankenversicherung sei noch nicht gefallen. Es sei ein Prüfauftrag erteilt worden. Merkel hatte vorgeschlagen, 2007 mehr Steuermittel in das Gesundheitswesen fließen zu lassen, wenn es Spielräume gebe. Steinbrück und andere SPD-Politiker hatten das mit Zurückhaltung aufgenommen. Jetzt bahnt sich offenkundig an, dass Merkels Vorstoß berücksichtigt wird. Mit welcher Summe 2007 der Bund in die stärkere Steuerfinanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung einsteigen könnte, ist nach Angaben aus Koalitionskreisen offen.

Beim Arbeitslosenversicherungsbeitrag musste Steinbrück offenbar darauf verzichten, im Gegenzug den so genannten Aussteuerungsbetrages aufzustocken. Diesen führt die Bundesagentur für Arbeit (BA) quasi als Strafzahlung für jeden nicht vermittelten Langzeitarbeitslosen an den Bund ab. Der Betrag werde nicht angehoben, sagte Kampeter.

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Reuters/DPA
 
 
KOMMENTARE (5 von 5)
 
klaustrophobie (04.11.2006, 12:47 Uhr)
Schulden abbauen !
Unsere Damen und Herren Politiker haben derzeit keinerlei wirksamen Konzepte, um die anstehenden Probleme, wie Arbeitslosigkeit und
dergleichen anzugreifen. Das wichtigste zZ ist deshalb der Schuldenabbau; alles andere wird sich finden.
HeinzManfred (03.11.2006, 18:51 Uhr)
Nicht Geisteskrank ,Kriminell
Leider haben wir eine Bande von Politikern die nur Lobbyisten und Verbänden hörig sind . Demokratie ist anders .Bei soviel hochdotierten Leuten sind jede menge Rechtsverdreher usw. und die sind nicht in der Lage die Staatsverschuldung zu senken . Bei Firmen gibt es die Insolvenz aber es gibt auch den Vergleich und es sollte verdammt möglich sein Kredite die durch Zinsen schon fünfmal und mehr bezahlt sind auf dem Vergleichsweg zu streichen . Es gibt Einnahmen genug und ohne diese wahnsinnigen Zinszahlungen wäre der Staat gesund und brauchte keine Neuverschuldung .Durch die Wahl der großen Koalition hätten diese Volksbetrüger einige Möglichkeiten , aber seit einem Jahr hör ich nur von Kürzungen bei Harz 4 bei Kürzungen des Wohngeldes usw. Der wahnsinnge Finanzminister behauptet sogar bei einem Mindestlohn würden die Leute auf die Straße gehen und Autos anzünden wie in Frankreich . In Frankreich wollte man am System des Mindestlohns drehen ( übrigens 8,03 Euro seit über vierzig Jahren )darum brannten Autos . Ein Anderer von diesen ach so klugen Leuten behauptete 7,50 Euro seien zuviel denn es wären immerhin 1500 Euro im Monat, von Brutto oder Netto hat Er vorsichtshalber nichts gesagt,aber Er muss an 1950 gedacht haben , denn da gab es die 48 Std. Woche .
Solange diese Lobbyvertreter dafür sorgen das die Löhne fallen solange kann der Verbraucher auch nicht kaufen .Wenn es früher Lohnerhöhungen gab sagten die Unternehmer nicht schlecht wer mehr hat kann mehr kaufen . Es gibt noch viele alte Weisheiten von unseren Vätern die aus Schutt einen Staat gemacht haben . Und das soll alles falsch gewesen sein ? Ich bin übrigens Jahrgang 1943 und habe schon einiges erlebt , doch so wie jetzt ist das Volk noch nie verarsct worden .Jeder von dieser Bande der im Fernsehen erscheint hat schon gelogen bevor Er das Maul aufmacht, das gilt auch für die Damen der Gilde .
Mfg . Manfred
Mose-T (03.11.2006, 14:22 Uhr)
meine Rede
Spätestens nächstes Jahr wird wohl eh wieder Schluss mit dem Aufschwung sein,da uns dann ja die wunderbare Erhöhung der Mwst. bevorsteht.
Und ich persönlich sehe auch keinen Grund,warum wir in den nächsten Jahren wieder mit einem Aufschwung rechnen könnten....leider....
Und so wird sich dann ab nächstes Jahr der Schuldenberg wieder drastisch erhöhen.
Aber das ist Deutschland....
Einmal entbrennt ein Streit woher das Geld kommen soll, ein anderes Mal wohin mit den Massen....
Liebe Politiker,
ihr seid doch kreativ.
Lasst euch mal was einfallen....
;-)))
Known (03.11.2006, 14:10 Uhr)
Tja...
Du sprichst mir aus der Seele...
Uwe99 (03.11.2006, 13:43 Uhr)
Geisteskrank
Was für eine kranke Kaste diese Politiker. Da ist eine Neuverschuldung von ca 60.000.000.000 € für 2006 & 2007 geplant. Nun sollen auf Grund der guten Konjunktur ca. 40.000.000.000 € Steuermehreinnahmen realisiertwerden, was ja zur Folge hätte, dass die Neuverschuldung "nur noch" ca. 20.000.000.000 € betragen würde. Und was machen diese Idioten. Sie senken die Neuverschuldung tatsächlich nur auf 50.000.000.000 €. Wo bleibt der Rest von 30.000.000.000 €. Das kann ja nicht mit der Absenkung des Arbeitslosenversicherungsbeitrags um 3 Promille erklärt werden (was in der Praxis 1,5 € je 1000€ Bruttoeinkommen für jeden Versicherungspflichtigen Arbeitnehmer bedeutet). Aber dieses ganze unseriöse Geschacher dient unserer Politikergilde sowieso nur wieder der Profilierung und als Arbeitsnachweis.
Übrigens kostet uns diese nicht erforderliche Neuverschuldung von 30.000.000.000€ bei einem Zinssatz von 3,3% zukünftig jedes Jahr 1.000.000.000 € Zinsen. Wird dafür dann der Beitrag zur AV wieder um 0.3% angehoben ?
Was stellt man sich eigentlich für die Zukunft vor, wenn die Konkunktur mal wieder abflaut und wir es auch bei guter Konjunktur noch nicht einmal geschafft haben ohne neue Schulden über die Runden zu kommen ? (Die vorhandenen, alten sind von dem ganzen ja noch gar nicht berührt)
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