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10. November 2009, 09:16 Uhr
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Kommunen warnen - Merkel stellt Ziele vor

Bundeskanzlerin Angela Merkel gibt heute die erste Regierungserklärung nach ihrer Wiederwahl ab. Darin dürfte sie auch auf die strittigen Pläne für weitere Steuerentlastungen eingehen. Die Kommunen warnen eindringlich davor, da sie einen Einbruch ihrer Einnahmen befürchten.

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In ihrer ersten Regierungserklärung will Kanzlerin Merkel die Ziele von Schwarz-Gelb vorstellen© DDP

Mit Blick auf die Finanzpläne der schwarz-gelben Bundesregierung warnen die Kommunen eindringlich vor weiteren Steuersenkungen, die ihre Einnahmen schmälern. "Die Finanzlage vieler Städte ist so dramatisch, dass sie keine weiteren Steuerausfälle durch neue Bundesgesetze verkraften können", sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetages, Stephan Articus, der "Passauer Neuen Presse". Problematisch seien vor allem Gewerbesteuer-Ausfälle von fast 900 Millionen Euro durch Veränderungen an der Unternehmensteuerreform.

FDP drängt auf Steuerreform

Die FDP drängt dennoch weiter auf rasche Vereinbarungen zu einer Steuerreform. Es müsse ein einfaches, niedriges und gerechtes Steuersystem möglichst 2011 in Kraft gesetzt werden, sagte der stellvertretende Parteichef Andreas Pinkwart der Zeitung. Der Koalitionsvertrag gebe alle wesentlichen Eckpunkte vor, so auch das Entlastungs-Volumen von insgesamt 24 Milliarden Euro. Pinkwart warnte: "Wer jetzt eine Kommission zur Steuerreform vorschlägt, die all diese Entscheidungen noch einmal prüfen soll, stellt den Koalitionsvertrag selbst in Frage. Das wäre ein klarer Verstoß gegen den Koalitionsvertrag."

Bayerns Finanzminister Georg Fahrenschon (CSU) bekräftigte indes den Zeitplan aus Unions-Sicht: "Frühestens Mitte des Jahres (2010) im Lichte der Steuerschätzung und der aktuellen wirtschaftlichen Entwicklung wird man über Umfang, Art und genauen Zeitpunkt einer Steuertarifreform entscheiden können."

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gibt heute die erste Regierungserklärung ihrer zweiten Amtszeit ab. Darin will die CDU-Chefin die Ziele von Schwarz-Gelb bis zum Ende der Wahlperiode 2013 vorstellen und dürfte auch auf die strittigen Pläne für weitere Steuerentlastungen ab 2011 eingehen.

"Schwarz-Gelb vertieft die Kluft zwischen Arm und Reich"

Der Ministerpräsident von Mecklenburg-Vorpommern, Erwin Sellering (SPD), forderte Merkel vor ihrer Regierungserklärung auf, weitere Steuersenkungen zu überdenken. Er sagte dem "Hamburger Abendblatt": "Als Regierungschef eines Nordlandes erwarte ich, dass die Kanzlerin offen und ehrlich die Steuersenkungspläne auf den Prüfstand stellt. Das ist das Mindeste, wie sie uns Ministerpräsidenten entgegenkommen kann." Er sehe, dass die FDP um jeden Preis Steuern senken wolle, sagte Sellering. Das sei nicht finanzierbar. "Man kann nicht Ausgaben erhöhen, Steuern senken und gleichzeitig die Schuldenbremse einhalten", so der SPD-Politiker. "Das Regierungsprogramm von Schwarz-Gelb verschärft die Gegensätze zwischen Arm und Reich."

DPA/AFP
KOMMENTARE (3 von 3)
 
Corazito3333 (10.11.2009, 13:36 Uhr)
mit 900 Mio Unternehmen entlasten.....
schöne Steuergeschenke, wie auch die Kurzarbeit und vielleicht macht es Schule und die Menschen verzichten auf Lohn um das Unternehmen zu erhalten..... so gehts schneller bergab und das "Volksvermögen" wird umverteilt nach oben!!!!! Steuersenkung für Arbeiter wird es nicht geben!!!! 20.-- Euro Kindergeld mehr, daß wars!!!
knilch_59 (10.11.2009, 12:32 Uhr)
Ist der Föderalismus am Ende?
Die grundgesetzlich vorgesehene Aufgabenteilung zwischen Bund, Ländern und Gemeinden funktioniert nicht mehr. Das Schaffen gleichwertiger Lebensbedingungen als Verpflichtung einerseits und die Unfähigkeit zum finanziellen Ausgleich der Länder und Kommunen untereinander andererseits vertragen sich nicht: Im Osten stehen niedrigere Steuereinnahmen höheren Ausgaben gegenüber: Kinderbetreuung, Schulen und die Zahlungen für ALG-2/Hartz-IV sind auf dem gleichen Niveau zu leisten wie im Westen, aber gleichzeitig ist die Arbeitslosigkeit höher und sind Durchschnittseinkommen und -Vermögen niedriger. In den Speckgürteln der Ballungsgebiete entstehen neue Wohnviertel mit hoher Wohnqualität für die Wohlhabenden, der Altbaubestand aus den 50er bis 70er Jahren des sozialen Wohnungsbaus in den Städten droht zu verslummen, muss für teures Geld ?rückgebaut? werden. Die neuen Gewerbegebiete im Speckgürtel greifen in die Taschen der Zentren und schnüren diese finanziell ein. So kommt es, dass auch im kommunalen Sektor das Geld dorthin fließt, wo Wohlstand ist, Ausgleich oder gar antizyklische Politik kann nicht mehr erfolgen.
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Natürlich kann der Bund auf Einnahmen verzichten. Er kann das sogar finanziell darstellen, weil er im riesigen Umfang Kosten trägt, die systemisch den Ländern und Gemeinden zugerechnet werden müssten. Aber bei den versprochenen Steuersenkungen ist ja ausdrücklich nicht die Rede davon, den Verteilungsschlüssel zwischen den Körperschaften zu ändern. Der Bund senkt medien- und werbewirksam die Kosten, aber er spart ausdrücklich zu Lasten anderer.
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Die in der vergangenen Legislaturperiode verabschiedete Föderalismusreform reiht sich nahtlos in den Murks ein, den die Große Koalition hinterlassen hat: wie die Rente mit 67, wie Hartz-IV: vielleicht ganz gut gedacht, aber funktionieren tut es nicht. Der Föderalismus ist längst zum Hemmnis für die Entwicklung geworden: wer sein Kind in die Betreuung in der Nähe des Arbeitsortes bringen möchte, weiß ein Lied davon zu singen. Wer beruflich mobil sein muss oder möchte, für den ist ein Wechsel über Landesgrenzen gleichbedeutend mit einem Schulabenteuer für seine Kinder: Wenn Beamte nach Bayern versetzt werden, ist quasi ein verlorenes Schuljahr in die Beihilferegeln eingepreist.
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Man wohnt längst in A, arbeitet in B und kauft in C ein - wo ist der Lebensmittelpunkt? Warum wählen wir noch Gemeinderäte an unserem Wohnort, der für viele auf die reine Schlafstätte reduziert ist? Dafür haben wir nicht das Recht, bei der Frage, ob an unserem Arbeitsort Bewohnerparken eingeführt wird, demokratisch zu entscheiden. Die dortigen Bewohner arbeiten aber wieder ganz woanders, gehen in der Nachbarstadt aus und nehmen das dortige Kulturangebot wahr. Aber vielleicht ist die Not noch immer nicht groß genug für den an sich erforderlichen großen Schritt: die Verfassungsreform mit einer Neudefinition des Föderalismus. Was sollen heute noch 16 Länder, Regierungspräsidien / Bezirksregierungen, Gemeinden? Wo wären die Aufgaben, modernen Anforderungen entsprechend, richtig angesiedelt? Und ein paar Milliarden würden sich dabei auch noch sparen lassen!
raptor-xl (10.11.2009, 11:00 Uhr)
länderlogik...
weil die so viel geld für nichtarbeitende ausgeben müssen, haben sie kein geld mehr, um arbeitende zu entlasten.

das dieser weg natürlich unsinnig ist und in weitere verschuldung führen muss, sollte den ländern eigentlich klar sein. daher ist eine steuerreform, aber auch ein umbau des sozialstaates dringend notwendig. mich würde es freuen, wenn die alle sich mal offen unterhalten würden und nicht nur parteitaktisch denken würden. aber das ist wohl kaum zu erwarten...
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