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18. Februar 2008, 11:04 Uhr

Großrazzien in mehreren Städten

Die Steueraffäre zieht weitere Kreise: In München, Frankfurt und anderen Städten durchsuchen Staatsanwälte, Steuerfahnder und Polizeibeamte Privatwohnungen und Geschäftsräume. Es sollen Daten zu rund 1000 mutmaßlichen Steuerhinterziehern vorliegen.

Der leitende Oberstaatsanwalt Christian Schmidt-Sommerfeld bestätigt Razzien in München© Stefan Puchner/DPA

In der Liechtensteiner Steueraffäre sind weitere Razzien angelaufen. Die Münchner Staatsanwaltschaft bestätigte Durchsuchungen im Großraum München. Nach Informationen des "Handelsblatt" gibt es auch Durchsuchungen im Großraum Frankfurt. Die Steueraffäre war mit der Razzia beim bisherigen Post-Chef Klaus Zumwinkel am vergangenen Donnerstag bekanntgeworden.

In München sagte der leitende Oberstaatsanwalt Christian Schmidt-Sommerfeld, Details über den betroffenen Personenkreis oder die Größenordnung der Aktion könne er nicht nennen. Mitarbeiter der Staatsanwaltschaft Bochum und der Steuerfahndung hätten ihn darüber unterrichtet, dass es Durchsuchungen im Großraum München gebe. "Die Durchsuchungen macht die Staatsanwaltschaft Bochum in Kooperation mit der Steuerfahndung." Von den Durchsuchungen im Großraum München hatte zuvor die "Rheinische Post" berichtet.

Es geht nicht um bekannte Namen

Die Online-Ausgabe des "Handelsblatt" berichtete, im Großraum Frankfurt würden Privatwohnungen und Geschäftsräume durchsucht. Es solle sich um vermögende Personen handeln, aber nicht um in der Öffentlichkeit bekannte Namen, hieß es. Auch im Großraum Hamburg und Ulm gebe es Durchsuchungen, erfuhr das Medium aus Justizkreisen. "Es rappelt jetzt mit Selbstanzeigen", hieß es bei den Strafverfolgern. Die Anwälte der Betroffenen legten offenbar Sonderschichten ein. Es sei nur eine Frage der Zeit, bis die ersten prominenten Namen bekannt würden. Es gehe quer durch alle Schichten.

In den vergangenen Tagen hatte es bereits Berichte gegeben, wonach eine Welle von Durchsuchungen in der Steueraffäre bevorstehe. Die "Süddeutsche Zeitung" hatte aus Ermittlerkreisen berichtet, die Fahnder wollten pro Tag 20 bis 25 Wohnungen und Büros durchsuchen. Wegen der Affäre hatte Post-Chef Zumwinkel seinen Rücktritt erklärt. Ihm wird Steuerhinterziehung in Millionenhöhe vorgeworfen.

"Wir bestätigen und dementieren nichts"

Die Bochumer Staatsanwaltschaft will sich unterdessen nicht zu den angelaufenen Durchsuchungen im Zuge der Liechtensteiner Steueraffäre äußern. "Wir bestätigen und dementieren nichts", sagte Oberstaatsanwalt Bernd Bienioßek in Bochum. "Wir können und dürfen nichts sagen", betonte Bienioßek unter Bezug auf das Steuergeheimnis. Auskünfte gebe es weder über Orte noch Namen.

Die Bochumer Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftssachen will möglicherweise Ende dieser Woche oder Anfang der kommenden Woche Einzelheiten in einer Pressekonferenz bekanntgeben.

Die Bundesregierung erhofft sich Einnahmen von mehreren hundert Millionen Euro aus Steuernachforderungen. Für die Daten, die jetzt die Razzien wegen vermuteter Steuerhinterziehung in Gang brachten, wurden laut Finanzministerium an einen Informanten etwas mehr als vier Millionen Euro gezahlt. Es lägen Daten zu rund 1000 mutmaßlichen Steuerhinterziehern vor.

AP/DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 14)
 
romeodelta (18.02.2008, 14:00 Uhr)
ich denke
man muss das beim Namen nennen. Diese Menschen sind nichts anderes als gewöhnliche Kriminellen - nicht mehr oder weniger und so sind sie zu behandeln, unabhängig, ob sie sich zur s.g. "Elite" zählen oder nicht. Man stellt sich vor, Zumwinkel ermordet seine Frau vor laufenden BND Kameras in einer Privatbank in Liechtenstein - ist das weniger verbrecherisch und darf der Staat das Material nicht verwerten, weil die Beweise vom BND verschaffen wurde? Zugegeben der Vergleich ist nicht der Beste aber beide sind Beispiele eines Verbrechens. Keiner würde letzteres in Frage stellen also warum dann, wenn es sich um Steuerhinterziehung handelt? Ob ich das machen würde, wenn ich so reicht wäre? Ja wahrscheinlich, wenn ich die Chance hätte - dann werde ich zum Kriminellen. nichts mehr oder weniger!
FredericF. (18.02.2008, 13:13 Uhr)
@diahel
Aber das ist doch die Argumentationsweise von Kindern, wenn man sie ermahnt: "Guck mal Papa, die haben noch viel Schlimmeres gemacht, und deren Papa schimpft auch nicht..." Man kann doch nich Birnen mit Äpfeln vergleichen!
1.)Ich sehe den augenblicklich in der Öffentlichkeit inkriminierten Steuerbetrag von 1 Mio. nur als denjenigen an, der absolut zu beweisen war, und auch schon gestanden wurde.
2.) Sieht man mal von der Moral ab, es ging bei Zumwinkel ja wohl nicht um Existenzsicherung (wie bei einem älteren Rentnerpaar mit Zukunftsangst), sondern um Raffgier - und bitte unterstellt mir jetzt keinen Sozialneid! Das ist geschenkt!!
3.)Was soll man denn den Doofen hier im Lande erzählen, die brav alles versteuern? - Ihr seid doof, macht's doch wie Zuwinkel? (Solidarität mit der Gemeinschaft!)
4.) Auf solchen Zahlenspielchen hab' ich keine Lust, die lenken einfach nur ab....
Fazit: Meine Meinung ist, daß Zumwinkel&Co in unserer Gesellschaft mehr kaputt machen, als sie in ihrem Profitwahn für sich rausschlagen können.
Wir müssen uns schon fragen: welchen Staat wollen wir eigentlich?
ganzbaf (18.02.2008, 12:48 Uhr)
Juri...
auch für dich - zwecks Aufklärung - noch mal der Link: http://www.flegel-g.de/wer-zahlt-steuern.html
----
Zahlen direkt vom Stat. Bundesamt.
Kurz gesagt: Die Mittelklasse zahlt das Meiste an Einkommenssteuer!
Alles Andere ist reine "Arbeitgeberpropaganda".
endbenutzer (18.02.2008, 12:35 Uhr)
@dihael:
"...Die wahren Verbrecher machen doch im Moment auf Saubermann ;-)..."
Was hat die IKB mit dem Fall Zumwinkel zu tun? Natürlich ist auch dies eine Riesensauerei. Trotzdem sollte man nicht Äpfel mit Birnen verwechseln. Derartige Vergleiche werden allzu oft herangezogen, um eigenes Fehlverhalten zu rechtfertigen. Das kann es auch nicht sein..
diahel (18.02.2008, 12:29 Uhr)
@endbenutzer
du hast meinen Kommentar nicht verstanden.Du läßt Dich auch noch polarisieren.Die wahren Verbrecher machen doch im Moment auf Saubermann ;-)
endbenutzer (18.02.2008, 12:27 Uhr)
@diahel:
Hast ja recht. Ist alles nicht so schlimm. Es ist schon ein Skandal, dass Menschen ab einem bestimmten Einkommen sich an Gesetze halten müssen. Ich fordere ebenso die Sperrung der linken Spur auf allen deutschen Autobahnen für Fahrzeuge unter einem Neuwert von 80.000 Euro. Und für die Unannehmlichkeiten die Herr Zumwinkel erleiden musste, sollte eine mindestens sechsstellige Entschädigung drin sein...
diahel (18.02.2008, 12:22 Uhr)
unverhältnismäßig
@FredericF.
Ok,Herr Zumwinkel hat 1 Million€ im Verlauf von 10 Jahren hinterzogen, er hat aber auch bei seinem Jahresgehalt und seinen Erbschaften schon zig Millionen an den Fiskus entrichtet.Also jedes Jahr Millionen Steuern gezahlt.Warum sollte er dann bewußt für ihn läppische 200000€ (seinen Wochenlohn) im Jahr hinterziehen? Herr Steinbrück nimmt einfach mal 7 Milliarden € aus dem Steurtopf um die IKB, welche aus Gier an der Börse fehlinvestiert hat, zu retten.Die bekannten Politiker, des IKB Aufsichtsrats,haben somit dem Staat einen Steuerverlust von 7 Mrd. beschert und zwar innerhalb eines Jahres! Da könnte Zumwinkel aber noch ein zweites Leben leben, um diesen Betrag den kleinen Leuten vorzuenthalten! Denk mal nach!
endbenutzer (18.02.2008, 12:21 Uhr)
Wie bitte?
"...60 % der Steuern werden von 10% der Bevölkerung aufgebracht? So in etwa muß die Schieflage liegen..."
.
.
Soll das jetzt eine Entschuldigung für Steuerhinterzieher sein?
.
Ich mache eine Gegenrechnung auf: Es braucht nur 1000 Personen in Deutschland um 3,4 Milliarden an Steuern zu hinterziehen. Darüber sollte man mal nachdenken..
Malt (18.02.2008, 12:20 Uhr)
Gleiches Recht...
...für alle! Mag' ja sein, dass JEDER versucht Steuern zu sparen, wo's nur geht - aber wenn der 0815 Durchschnittsdeutsche dabei erwischt wird, dass er Steuern hinterzieht, dann packt ihn der Staat bei den Eiern und läßt nicht mehr los... anders als bei den sog. "Promis", die tatsächlich sogar noch ein paar Idioten finden (sogar aus dem "normalen" Volk), die Ihnen dabei den Rücken stärken und "Verständnis" äußern...
.
Ich seh das so: Was beim "Normalo" existenzbedrohend werden kann, soll beim "Promi" ebenfalls an die Schmerzgrenze gehen - ergo Untersuchungshaft und keine Kaution, Haftstrafe statt Ablasshandel, Exorbitante Stuernachzahlungsschätzung die die kompletten Ersparnisse umfassen statt Peanutnachzahlung!!!
wallerer (18.02.2008, 12:12 Uhr)
Traurig - enttäuscht - wütend
Ich verstehe es nicht mehr - eine 82jährige soll ihre Wohnung verlassen, weil sie sonst keinen Anspruch auf Grundsicherung hat, aber die Reichen bekommen den Hals nicht voll. Offensichtlich ist Moral nur etwas für arme Menschen.....
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