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19. Februar 2008, 18:28 Uhr

Liechtenstein attackiert Berlin

Erbprinz Alois von und zu Liechtenstein hat in scharfer Form die deutsche Steuerfahndung attackiert: Er fühlt sich von einem "Großstaat" angegriffen. Unterdessen wurde der mutmaßliche Informant der deutschen Behörden enttarnt.

Spricht von der "Kampagne eines Großstaates": Erbprinz Alois von und zu Liechtenstein© Eddy Risch/Keystone/AP

Das Fürstentum Liechtenstein hat sich in der Steueraffäre mit einer Frontalattacke auf die Bundesregierung und deutsche Fahnder zur Wehr gesetzt. In ungewöhnlich scharfen Worten sprach Erbprinz Alois von und zu Liechtenstein, der Sohn des Staatsoberhaupts, in Vaduz von einem "vollkommen überrissenen Angriff" und einer Kampagne eines "Großstaates". Die Koalition in Berlin wies die Vorwürfe umgehend zurück. Das Bundesfinanzministerium drohte mit internationalen Aktionen gegen Steueroasen. Steuerfahnder nahmen in Deutschland bundesweit weitere Verdächtige ins Visier.

Nach einem Bericht des "Wall Street Journal" ist der Liechtensteiner Informant enttarnt. Der namentlich genannte Mann soll sich in Australien aufhalten, schreibt die US-Wirtschaftszeitung. Der Anbieter der brisanten Daten, der früher bei der Liechtensteiner LGT Bank tätig gewesen sei, habe die Daten in den vergangenen 18 Monaten Steuerbehörden in mehreren Staaten angeboten. Auch "Focus Online" berichtet, dass die Kundendaten in anderen Staaten kursierten.

"Hehlerei im großen Stil"

Unmittelbar vor Gesprächen des Liechtensteiner Regierungschefs Otmar Hasler mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Mittwoch in Berlin warf Erbprinz Alois den deutschen Behörden "Hehlerei im großen Stil" vor. Die neue Strategie Deutschlands sei es, nicht nur Liechtenstein, sondern auch andere Finanzplätze stören zu wollen. Liechtensteins Vize-Regierungschef Klaus Tschütscher zufolge wurden die BND-Daten durch ein Verbrechen erworben. Dies sei ein Angriff auf die Souveränität Liechtensteins.

Die Steueraffäre war durch Bankdaten ins Rollen gekommen, die der Bundesnachrichtendienst (BND) für gut vier Millionen Euro aus Liechtenstein bekommen hatte. Mehrere hundert vermögende Deutsche sollen mit Geldanlagen in Stiftungen über die Liechtensteiner Bank LGT Steuern hinterzogen haben. Die Bank befindet sich im Besitz des Fürsten. Die Bundesregierung nannte das Vorgehen des BND korrekt.

Datenbeschaffung wird untersucht

Die Beschaffung und Weitergabe der Daten durch den BND soll am Mittwoch vom Parlamentarischen Kontrollgremium des Bundestags beleuchtet werden. CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer forderte eine saubere Aufklärung. Zwei Anwälte haben unterdessen Strafanzeige gegen die Bundesregierung und den BND erstattet. Steuergelder dürften nicht dafür verwendet werden, um Straftaten zu begehen, hieß es.

SPD-Chef Kurt Beck nannte die Kritik aus Liechtenstein "schlicht daneben". Die Fürstenfamilie habe wohl ein schlechtes Gewissen und verwechsele Ursache und Wirkung. Unionsfraktionsvize Wolfgang Bosbach (CDU) sagte N24: "Liechtenstein ist nicht im Visier der Fahnder. Im Visier der Fahnder sind diejenigen, die in erheblichem Umfang Steuern hinterzogen haben." SPD-Fraktionsvize Fritz Rudolf Körper sagte N-TV: "Ich glaube, dass die Verhaltensweise des BND völlig richtig war."

Finanzministerium prüft Schritte gegen Liechtenstein

Das Finanzministerium prüft ein Vorgehen gegen das Fürstentum auf bilateraler sowie auf EU- und OECD-Ebene. Möglich sei ein Erschweren des Geschäftsverkehrs, zitiert die "Frankfurter Rundschau" aus einem Papier. Vorgeschlagen würden Informationspflichten, Gebühren für Transaktionen sowie eine Quellensteuer auf Zahlungen in Steueroasen. Ein Sprecher sprach von Überlegungen. Entschieden sei noch nichts. Die Union plädiert dafür, Steuerhinterziehung über das Fürstentum zu unterbinden. Die Anti-Korruptionsorganisation Transparency International forderte: "Steuerhinterziehung muss in Liechtenstein und der Schweiz zu einem Straftatbestand werden."

Weitere Durchsuchungen der Steuerfahnder gab es unter anderem in der Münchner Niederlassung der Schweizer Bank UBS. Fahnder suchten auch die Berenberg Bank in Hamburg auf. Für die nächsten Tage kündigte die federführende Staatsanwaltschaft in Bochum weitere Razzien an. Berichte, wonach gegen Hartwig Zumwinkel, den Bruder von Ex-Post-Chef Klaus Zumwinkel, Haftbefehl erlassen wurde, wurden nicht kommentiert. Der zurückgetretene Post-Chef erhält nach dpa- Informationen keine Abfindung und kein weiteres Gehalt. Nachfolger wurde am Montagabend der bisherige Logistik-Chef Frank Appel.

Die EU-Finanzminister werden sich nach Angaben von Luxemburgs Regierungschef Jean-Claude Juncker Anfang März mit dem Thema beschäftigen. "Man darf sich nicht auf Kosten der Nachbarn bereichern." Er fügte aber hinzu: "Nicht Liechtenstein ist der Steuersünder, sondern die Steuersünder haben die deutsche Staatsbürgerschaft."

Die betreffenden Kundendaten wurden nach Angaben des Erbprinzen 2002 gestohlen. Der inzwischen aus der Haft entlassene Täter habe offensichtlich eine zweite Kopie gemacht. Deutsche Sicherheitskreise wiesen diese Darstellung als ein "sehr durchsichtiges Manöver" zurück. Die Daten sollen bis ins Jahr 2005 reichen.

DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 44)
 
vidya (20.02.2008, 10:29 Uhr)
Nichts verstanden! limmer und andere
Die vielen pro-Staat-Kommentare sind geradezu absurd. Die meisten merken offenbar nicht worum es geht. Denunziantentum ist das übelste was einer Gesellschaft widerfahren kann.
Die Geschwister Scholl wurden durch einen "braven" Denunzianten" den Nazis in die Hände gespielt und zwei Tage später waren sie TOT!
Für alle Parasiten und Besserwisser ein Zitat von Davila:
"Keine soziale Klasse hat die anderen unverschämter ausgebeutet als die, die sich heute selbst "Staat" nennt". Und ihr alle solltet daran denken, dass sich auch hier in diesem Forum BND- und Verfassungschutz-Denunzianten befinden können. Und ... und denkt mal an die Überwachung der Telekommunikation. Sagt euch allen der Begriff GAZPROM-Kanzler etwas?
ganzbaf (20.02.2008, 09:25 Uhr)
"Von und zu Wichelschwein" *lol*

Dieses ganze "von und zu" Gesülze gehört doch endlich und entgültig abgeschafft. So wie der alte Adelsbesitz.
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Es heißt ja z.B. auch "Otto Lammbsdoof" und nicht "(Otto) Graf Lammbsdoof"... ;-P
Stoertebeckers (20.02.2008, 06:03 Uhr)
@ Kurt Beck
Nicht die Liechtersteiner Regierung verwechselt Ursache und Wirkung, es ist die deutsche Politik. Gerade unser komplexes und unuebersichtliches Steuersystem ist zum Teil fuer Steuerhinterziehung verantwortlich. Zum Teil wissen die Steuerpflichtigen gar nicht, dass sie sich nicht korrekt verhalten.
Auf der anderen Seite zahlt ein Grossteil der Steuerzahler hingegen immer noch mehr Steuern, als sie eigentlich muessten (siehe Berichte des Bunds der Steuerzahler).
Daher: "keep it simple" und schafft mehr Transparenz.
Ein Tipp noch an die CDU: Seht zu, dass Ihr den Friedrich Merz reaktiviert!
SabineRebecca (20.02.2008, 04:14 Uhr)
Armer Prinz!
Dass Durchlaucht nun veraergert ist, ist durchaus nachvollziehbar. Sein erstaunlicher Reichtum (siehe z.B. www.rankaholics.de) basiert ja offensichtlich zum Teil auf seinem Erbe und zum Teil macht seine Bank grosse Geschaefte mit Steuerkiminalitaet in anderen Laendern.
Ein Prinz eines rohstoffreien Landes, dessen Privatvermoegen das Bruttosozialprodukt uebersteigt, muss sich in der Tat Sorgen um seine Einnahmequellen machen. Geld kann hier nur aus Geld wachsen.
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Natuerlich findet er an Steuerhinterziehung in Drittlaendern nichts verkehrt, oder jedenfalls kann er sich da nicht einmischen. Und er hat es ja bestimmt nie anders gelernt - Er hat eine weisse Weste und scheffelt weiter. Ihm wird niemals jemand an den Karren fahren koennen, dank seiner Position.
Da sind ja sogar die Chinesen weiter, da wird bereits im grossen Stil mit solchen Leuten aufgeraeumt.
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Und nun auessert sich des kleinen Prinzen Angst um Geld und Ansehen in megalomanischen Verbalattacken gegen ein Land dessen Otto Normalbuerger zwar kaum eine Chance hat Steuern zu hinterziehen, der aber die staatlichen Fehleinnahmen auch noch mit seinen steigenden Steuerzahlungen ausgleichen darf.
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Der Prinz macht sich laecherlich, denn: Wenn ihn bisher kriminelle Machenschaften nicht interessiert haben, dann soll er gefaelligst auch jetzt seinen Mund halten.
Und zum anderen sollte er sich nicht zu viele Sorgen machen, der Prinz. Denn schlummern nicht sicher auch Milliarden an global wohlverteilten Oel-, Waffen- und andern Geldern der Machthaber dieser Welt auf Liechtensteiner Konten? Die gehen ihm auch auf lange Sicht, aus offensichtlichen Gruenden, bestimmt nicht verloren.
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Es gibt zum Fuerstenhaus Liechtenstein einige interessante Websites wenn man mal nach "diktatur Liechtenstein Wahlen" oder aehnlichen Schlagworten googelt. Wilhelm Marxer hat recht viel veroeffentlich, ein Blaettern hier lohnt sich http://www.liechtenstein-institut.li/Publikationen/Literaturverzeichnis/tabid/545/ID/1/mid/1085/Default.aspx , hier vor allem im Link zum Zensur Bericht unter 'wissenschaft' auf Seite 166
Einigen Diktatoren der Welt sind auslaendische Konten eingefroren worden. Wieso also nicht auch einem grossmauligen Erben, der Kriminalitaet im Ausland mit fadenscheinigen Stiftungsgesetzen im eigenen Land unterstuetzt?
starmax (20.02.2008, 02:19 Uhr)
Das Märchen von Schlupfwinkel
und ZwieLiechtenstein - das hat uns nicht der Teufel Erwin, sondern der BND verraten. Un die Prese spielt mit.... warum nur?
Am Ende solls doch nur ablenken von den zig Milliarden Fehlspekulationen, die Banken und Politiker zu versntworten, aber der Steuerzahler zu bezahlen hat?
cklasseking01 (19.02.2008, 23:54 Uhr)
@guiness.1
ICH!
Ich habe noch nie am Schwarzmarkt gearbeitet oder arbeiten lassen. Natürlich hilft man sich untereinander, aber alles ohne Kohle!
Auch solche Leute gibt es, auch mein Gedanke war zuerst so, daß jeder ein bißchen hinterzieht. Aber jemand, der viel Geld hat, kann sich Experten leisten, wie man so was macht. Und die kleinen Leute haben einfach nicht die Möglichkeiten, am Fiskus vorbei zu kommen. Das ist allerdings keine Rechtfertigung, so etwas zu machen. Denn bestraft gehört jeder, der kriminelle Handlungen begeht, ob nun im kleinen mit 1000€ oder mit millionen€. Die großen Finanzbosse haben eben den Vorteil, das ganze unauffälliger zu machen.
Was noch eine wichtige Erkenntnis ist: Politiker haben dort auch geschickte Verbindungen, sie hinterziehen zwar evtl keine Steuern, aber schaffen es trotzdem durch diverse Mehreinnahmen oder Fehlentscheidungen (WestLB)den Wähler zu täuschen. Das sollte uns trotz diesen Steuerhinterziehungsskandals mal zu denken gehen!
gmathol (19.02.2008, 23:45 Uhr)
Steuergeldverschwendung in Afghanistan!
...darueber darf man sich nicht aufregen.
Das diese Dummkoepfe noch immer in Deutschland ihren Erstwohnsitz oder Immobilienbesitz haben ist wirklich laecherlich.
Man kann naemlich ganz legal Steuern vermeiden. Nur wird es fuer Deutsche nun schwieriger sein.
gmathol (19.02.2008, 23:41 Uhr)
Meine Bitte an die Liechtensteiner!
Bitte veroeffentlichen Sie unbedingt die Daten der Schwarzgeldkonten von deutschen Politikern!
Wir wissen naemlich das z. B. ein gewisser Peter Struck der u. a. ein Schweizer Konto ueber 20 Millionen Franken besitzt auch ein Konto bei einer Liechtensteiner Bank besitzt.
Andere Politiker und selbst das deutsche Rechtspflege Personal unterhalten aehnliche Konten.
Warum werden diese Leute nicht bestraft?
schlotti (19.02.2008, 23:14 Uhr)
Lächerlich!
Wenn der Herr Erbprinz Alois von und zu Liechtenstein, der weniger Menschen vertritt als der (immerhin gewählte) Bürgermeister von Bottrop, sich von einem "Großstaat" angegriffen fühlt, dann mag er mit der Einschätzung der Bedeutung seines "Staates" richtig liegen.
Er verkennt jedoch, dass die Existenz seines "Staates" stark von eben diesem "Großstaat" abhängt.
Deutschland und alle weiteren Nachbarn Liechtensteins leisten sich den Luxus, diesen "Staat" zu alimentieren.
Womöglich schlicht aus sentimentalen Gründen.
Möglicherweise aber auch um die eigene Kamarilla (wie hier bei uns Herr Zumwinkel) bei Laune zu halten.
Er sollte vielleicht den Bogen besser nicht überspannen. Die Politiker, die dieses Dorf bis jetzt hingenommen haben, könnten auf die Idee kommen, dass solch ein Verhalten den eigenen Wählern womöglich nicht gefällt.
Das wäre dann Ruck Zuck das Ende seines "Staates".
Er wäre klug beraten, das hochwohlgeborene Maul nicht zu voll zu nehmen.
Unsere Politiker werden nämlich gewählt und wollen wieder gewählt werden. Die sind Pragmatiker und werden sich sicher nicht hinter einen unbedeutenden Bürgermeister stellen, nur weil der ein von und zu Liechtenstein ist.
MfG,
Schlotti
hannes_schinder (19.02.2008, 21:44 Uhr)
Hinkende Vergleiche
Eine Putzfrau, die Samstags 40 Euro Cash macht hinterzieht u.U. auch Steuern, aber einen Milionendieb mit einem Kaugummidieb gleichzusetzen ist ja wohl auch nicht ganz richtig. Schon allein aus moralischer Sicht finanzielle Not mit purer Gier gleichzusetzen grenzt an Zynismus.
http://88.80.13.160/wiki/BJB_-_Vigier_Fintex_-_tax_evasion_Cayman
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