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5. November 2009, 16:57 Uhr

Der abgebrannte Staat

Dem Haushalt werden zig Milliarden fehlen, rechnen die Steuerschätzer vor. Trotzdem teilt die Koalition unsinnige Geldgeschenke aus. Solidität? Nicht bei Schwarz-Gelb. Ein Kommentar von Andreas Hoffmann

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In der Finanzkrise ist jede Menge Geld verbrannt worden? Der "kleinen Steuerschätzung" zufolge muss der Staat jetzt mit Rekordverlusten bei den Steuereinnahmen rechnen© Rainer Jensen/DPA

Die Zahlen der Steuerschätzer offenbaren das ganze Ausmaß der Krise. Knapp 40 Milliarden Euro wird der Staat in diesem Jahr weniger einnehmen als im Vorjahr. 40 Milliarden - einfach futsch. Im nächsten Jahr könnte das Minus sogar bei 50 Milliarden Euro liegen.

Allerdings haben sich die Staatsmilliarden nicht verflüchtigt. Sie fehlen, weil die Wirtschaftskrise das Land schüttelt. Danken wir also den Bankmenschen von der Wall Street, aus London und Frankfurt, die uns die Misere eingebrockt haben - und dafür jetzt schon wieder Milliardenboni kassieren. Dank ihnen verdienen die Unternehmen weniger, die Arbeitnehmer auch und manche verlieren sogar ihren Job. All das spüren die öffentlichen Kassen, sie leeren sich von Tag zu Tag.

Das verlorene Image von schwarz-gelb

In einer solchen Lage müsste eine Regierung besonnen vorgehen. Eigentlich. Sie müsste versuchen die Krise zu überbrücken, das Geld zusammenhalten und nicht für unsinnige Dinge verplempern. Von einer konservativ-liberalen Regierung würde man das erwarten. Schließlich haben Union und Liberale den Ruf, dass sie besser mit Geld umgehen könnten als Sozialdemokraten, Grüne und Linke. Doch der Ruf ist Vergangenheit, Schwarz-Gelb ist eine Koalition der Zockerbrüder. Union und Liberale haben weniger Geld in der Kasse, wollen dafür viele Milliarden-Geschenke unters Volk bringen. Das soll die Wirtschaft ankurbeln, sagen sie.

Das klingt schön, ist aber geschummelt. Viele Milliarden werden eher verplempert als dass sie der Konjunktur helfen. Über den höheren Kinderfreibetrag, der Anfang Januar in Kraft treten soll, freuen sich die Besserverdiener. Sie legen das Geld aufs Konto und steigern damit ihre Sparquote - aber nicht das Wachstum. Ähnliches gilt für die Änderungen bei der Erbschaftsteuer. Da jubeln Schwestern und Brüder, wenn sie demnächst erben. Sie müssen wegen des höheren Freibetrags weniger an das Finanzamt überweisen. Das ist schön für sie, nur Jobs und Wachstum entstehen dadurch nicht.

Steuersenkungen für Begüterte

Noch schlimmer sind die geplanten Steuersenkungen im Jahr 2011. Von denen wird die Masse der Bürger nicht profitieren. Nur knapp die Hälfte der Deutschen zahlt überhaupt Einkommensteuer, der Rest verdient viel zu wenig, um vom Finanzamt belangt zu werden. Wer also die Einkommensteuer senkt, hilft vor allem den Begüterten in diesem Lande. Außerdem ist das Vorgehen überflüssig. Im nächsten Jahr soll die Krise vorbei sein, sagen die Experten und die Regierung. Das Wachstum soll den Prognosen zufolge bei 1,6 Prozent liegen. Muss man eine Wirtschaft also weiter ankurbeln, die in diesem Ausmaß wächst?

Klientelpolitik und Clandenken

Natürlich nicht. Schwarz-Gelb hilft mit den Steuersenkungen nicht der Konjunktur, sondern der eigenen Klientel. Besonders eifrig ist die FDP. In den Koalitionsverhandlungen agierte sie wie der Häuptling eines afrikanischen Stammes, der zunächst seinen Clan bedient, nachdem er die Macht im Staat ergriffen hat. So schnürte man hübsche Geschenke für Apotheker, Privatversicherer und Steuerberater.

Man kann nur hoffen, dass dieses Clandenken möglichst bald endet. Dass Besonnenheit einkehrt und die Zockermentalität in der Koalition verdrängt. Vielleicht helfen ja die Zahlen der Steuerschätzer, dass die Liberalen endlich in der Realität des Jahres 2009 ankommen.

Ein Kommentar von Andreas Hoffmann
 
 
KOMMENTARE (10 von 20)
 
oppenwehe (06.11.2009, 22:31 Uhr)
gemein
Das finde ich gemein. Der Guido und die Angela haben mir doch viel, viel Geld versprochen! Und jetzt bekomme ich das nicht? Nur deswegen habe ich sie doch gewählt! BÄÄÄÄÄHHHH!!!
dreicon (06.11.2009, 15:09 Uhr)
@knilch_59 - So ist das mit den Ideologien
und anderen unumstößlich festzementierten Meinungen. Funktioniert die eigene Überzeugung nachweislich und unverleugenbar nicht, haben alle präferierten Rezepte nachweislich versagt, kann man dennoch nicht zugeben, daß denkbare Alternativen vielleicht nicht doch einen Versuch wert wären.

Vielleicht merken Sie irgendwann doch, daß die Denke "Links ist natürlich exemplarisch falsch" Sie letztendlich an eine Mauer führt, die mit der festgefügten Denkweise nicht zu überwinden ist.
dreicon (06.11.2009, 14:51 Uhr)
Naive Wünsche wie
"Man kann nur hoffen, dass dieses Clandenken möglichst bald endet. Dass Besonnenheit einkehrt und die Zockermentalität in der Koalition verdrängt. Vielleicht helfen ja die Zahlen der Steuerschätzer, dass die Liberalen endlich in der Realität des Jahres 2009 ankommen."

bringen einen doch nicht wirklich weiter. Weshalb in aller Welt sollten denn die spießbürgerlichen rechtsliberalen in der vom Verfasser so genannten Realität ankommen? Die Wählerstimmen außerhalb ihrer Stammklientel, die sie, wahrscheinlich aufgrund eines Rattenfängereffektes, bekommen haben, werden sie kein zweites Mal bekommen. Das wissen sie. Also werden sie trachten, auch den letzten nicht krass unsozial denkenden "Besserverdiener" durch die Botschaft zu sich zu holen: Seht her, es kann einem Volk einfach nicht schlecht genug gehen, für euch ist immer noch mehr drin. Alle postkolonialen Staaten der "Dritten Welt" sind beredtes Beispiel dafür.
VolkerRockel (06.11.2009, 14:19 Uhr)
Sozialpolitisches Desaster mit Ansage!
Nehmen wir doch endlich einmal die Realität in diesem Lande zur Kenntnis:

Wer 7,50 Euro die Stunde brutto verdienen würde, hätte ein Netto von gerade mal knapp 900 Euro.- Nach 45 Beitragsjahren (wer würde das heute noch schaffen?), hätte er dann einen vergleichbaren Rentenanspruch in der Höhe von rund 560 Euro monatlich!

Wohlgemerkt gehen von den 560 Euro Rente noch die anteilige Kranken- u. Pflegeversicherung ab!


Wir haben heute nur noch 27 Millionen sozialversicherungspflichtige Beschäftigte. Davon sind allein 1,25 Millionen in sogenannten Midi-Jobs tätig (Mini-Jobber).

Wir haben weitere 7,2 Millionen geringfügig Beschäftigte (Mini-Jobber). Von diesen geringfügig Beschäftigten sind 4,9 Millionen ausschließlich in dieser geringfügigen Beschäftigung tätig!


Wir haben in Deutschland inzwischen 6,5 Millionen ArbeitnehmerInnen die zu der Gruppe der Niedriglöhner gehören.

Wir wissen das hiervon ein Drittel weniger als 6 Euro brutto die Stunde verdient.- Wir wissen auch, dass hiervon wiederum ein Viertel, weniger als 5 Euro brutto die Stunde verdient und einer Vollzeitbeschäftigung nachgeht!


Alles das ist bekannt; die Entwicklung erschreckend und läßt erkennen, dass immer mehr ArbeitnehmerInnen der Altersarmut anheim fallen werden und im Alter auf soziale Transfers angewiesen sein werden!



Wenn wir in Deutschland darüberhinaus rund 6,5 Millionen Menschen haben (Arbeitslose, Arbeitslose in Fördermaßnahmen, Arbeitssuchende, Ein-Euro-Jobber, Minijobber etc.), die einen Job bräuchten, von dem sie ohne soziale Transfers Leben könnten; aber nur knapp 300.000 offene ungeförderte Stellen existieren, dann geht es doch vornehmlich nicht darum, dass diese Menschen nicht arbeiten wollen, sondern das sie nicht arbeiten können!

D.h. in der Sache ist die Problematik der Sozialversicherungssysteme doch hausgemacht und ist das Ergebnis jahrelangen politischen Versagens!

6,5 Millionen Niedriglöhner bzw. mindestens 7,2 Millionen Mini-Jobber und rund 1,25 Millionen Midi-Jobber können keinen adäquaten Beitrag zu dem Sozialsystem mehr leisten!

Mit diesen ''Beschäftigten'' wurde lediglich über viele Jahre die tatsächliche Arbeitslosigkeit in der Statistik kaschiert!- Jetzt kommt das böse Erwachen!

Wobei erst die Folgen das wahre Ausmaß des politischen Versagens der letzten Jahre deutlich machen werden!


Und noch heute wird von unbelehrbaren Politikern der FDP und CDU/CSU darüber fabuliert auf einen gesetzlichen flächendeckenden Mindestlohn verzichten zu können und den Niedriglohnbereich über Mini- und Midi-Jobs weiter auszudehnen!


Wir haben daher offensichtlich nicht nur die Krise in den Sozialversicherungssystemen zu lösen, sondern wir sollten uns mal intensiv über die eigentlichen Ursachen Gedanken machen!

Es gilt daher auch mal zu überlegen, wie wir uns in der Zukunft von unqualifizierten Politikern trennen, die für das soziale Desaster Verantwortung tragen, in das wir in Deutschland langsam aber derzeit unaufhaltsam hineingleiten!
raptor-xl (06.11.2009, 13:58 Uhr)
@n8g8
die linke duldete eine spd-regierung in sachsen-anhalt. danach war die arbeitslosigkeit und verschuldung noch größer. die linken regierte mit in meck-pomm. danach war das ergebnis noch schlimmer als in sachsen-anhalt. die linken regieren in berlin. sie haben den hohen schuldenberg der cdu mit wowi gemeinsam bis heute fast verdreifacht!!! ein ausgeglichener haushalt lag in berlin nicht einmal vor. selbst nicht in den zeiten des wachstums. dresden und düsseldorf haben es zu dieser zeit geschafft, dass sie schuldenfrei sind.
und die linke stellt kommunal viele politiker in spitzenämtern. so wie in schwerin. da ist eine linke bürgermeisterin. und die hat seit einiger zeit eine haushaltssperre aufgelegt bekommen, weil sie mit geld wohl scheinbar nicht umgehen kann...

sorry, aber wo die linke die finger mit drin hatte, ist es nicht besser geworden! ich verteidige die anderen schuldenmacher damit nicht, aber die linke macht es eben noch schlimmer als die anderen nixblicker.
bR4iNST0RM (06.11.2009, 12:00 Uhr)
Das Geld ist doch nicht weg...
... es hat nur jemand anders.
Corazito3333 (06.11.2009, 10:58 Uhr)
wo sind die Steuergelder hingekommen
die 1,5 Mill. an Opel, die Rettungspakete die gschnürt wurden für die armen Banker und die Großindustrie??? ist die Kohle einfach so versickert??? Wech is wech....Kein einziger Banker wurde zur Rechenschaft gezogen oder verurteilt, ne die haben Boni für neue Yachten und Villen bekommen....
Corazito3333 (06.11.2009, 10:49 Uhr)
Ein kritischer Bericht
worin liegt der Unterschied zwischen einer Diktatur und der Demokratie??? Bei uns darf man sogar die Meinung in der Zeitung drucken, nur es passiert nichts - es geht weiter so - es wird abkassiert - Kasse gemacht, wenig Gewinner aber die gewinnen anständig und viele Verlierer....weiter so...........
ganzbaf (06.11.2009, 09:01 Uhr)
Geld ist genug da

Oder wie Herr Jörges sagen würde: "Holt das Geld bei den Banken und Reichen."
(-:
n8g8 (06.11.2009, 00:15 Uhr)
@knilch
"Sorry, aber Die.Linke hat keine Lösung, sondern bedeutet auch nur das Eintauschen eines Problems gegen ein anderes."
Woher gewinnen Sie denn diese Erkenntnis? Die Linke durfte doch noch gar nicht regieren! Sie sind Freud Version 2.0, oder wie? Vielleicht die Reinklarnation Ihres gammeligen SPD-Parteiprogrammes? Das haben übrigens Ihre Genossen zugeschippt, nicht die anderen!
Kann ich mir mal Ihre Glaskugel borgen?!?
Dem kristallenen Geschwurbel entsprechend werde ich meinen neuen Pass beantragen, endlich zufrieden???
Sie lernen anscheinend nichts. Lernresitenz war mal bei Zeiten eine Tugend. Offenlesbar soll so ne Einstellung wieder mal salonfähig sein ... Gääähn!!!!
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