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16. Februar 2008, 16:44 Uhr

Bedrohung für Staat und Gesellschaft

Führende Vertreter aus Politik und Gesellschaft haben angesichts des Falls Zumwinkel das Verhalten von Managern als Gefahr für das Gemeinwesen bezeichnet. Hunderten von Durchsuchungsbeschlüssen werden in den nächsten Tagen vollstreckt, damit steht das Gemeinwesen vor einer Zerreißprobe

Gelten für die Eliten keine Gesetz und Grundsätze mehr© Johannes Simon/Getty Images

Scharfe Gegenreaktion erwartet

"Ein Mann dieser Güteklasse muss wissen, was eine eingestandene Steuerhinterziehung in der Wahrnehmung der Bürger bedeutet", sagte Steinbrück "Zeit Online". Es sei nicht verwunderlich, wenn nun Gegenreaktionen einsetzten, die der Wirtschaft nicht gut täten. Verdi-Chef Frank Bsirske sagte der "Bild am Sonntag", niemand müsse sich wundern, dass bei den Menschen ein Gefühl tief empfundener Ungerechtigkeit um sich greife. CSU-Chef Erwin Huber sprach von einem tiefen Riss zwischen der Gesellschaft und den Wirtschaftsführern. "Es muss jetzt schleunigst ein Selbstreinigungsprozess in der Wirtschaft einsetzen." CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla erklärte, die Wirtschaft müsse das ramponierte Vertrauen durch geeignete Maßnahmen wiederherstellen: "Die ehrlichen Unternehmer sind aufgerufen, Stellung zu beziehen."

Glos forderte: "Unsere Manager müssen Ethos entwickeln." Ansonsten würde angesichts des drohenden Vertrauensverlustes in die Eliten "unser Land zum Übernahmekandidaten für die Linke". Auch SPD-Fraktionschef Peter Struck warnte vor einer Stärkung der politischen Ränder links und rechts. "Ich habe überhaupt kein Verständnis für diese Gier, diese Raffgier-Mentalität, die da deutlich wird", sagte er dem rbb-inforadio. Der Elite seien die Maßstäbe verloren gegangen.

Wirtschaftsminister Michael Glos sagte, die Manager müssten sich ihrer Vorbildfunktion für die Gesellschaft bewusstwerden. "Andernfalls wird unsere Soziale Marktwirtschaft unglaubwürdig", sagte er der "Bild am Sonntag". Finanzminister Peer Steinbrück warnte, die Eliten brächten das System zum Einsturz. Ein Verhalten wie das des zurückgetretenen Post-Chefs berühre die Legitimationsgrundlagen des Wirtschaftssystems. SPD, DGB und der saarländische Ministerpräsident Peter Müller (CDU) forderten neue Regeln, um Manager zu mehr Transparenz zu zwingen.

Deutschland steht vor der Aufdeckung einer der größten Fälle von Steuerbetrug. Nachdem Post-Chef Zumwinkel über die Vorwürfe von Steuerhinterziehung in Millionenhöhe stürzte, müssen Hunderte weitere Verdächtige ebenfalls mit Razzien rechnen.

Vertrauenverlust befürchtet

Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt warnte vor Verallgemeinerungen. Schwarze Schafe gebe es überall. "Wir sollten aber nicht von Glaubwürdigkeitsproblemen der Wirtschaft insgesamt sprechen", sagte er der "Stuttgarter Zeitung". Die Verstöße seien gemessen an der Gesamtzahl der Manager und Unternehmer "verschwindend gering".

Schon am Freitag hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel die Topmanager zu verantwortlichem Handeln aufrufen und vor einem Vertrauensverlust in die soziale Marktwirtschaft gewarnt. Angesichts der Verlagerung des Bochumer Nokia-Werkes und der Vorgänge um Zumwinkel stelle sich die Frage nach der Verantwortung jedes Einzelnen.

Gier und Turbo-Kapitalismus

Der neue Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, forderte ein hartes Vorgehen gegen Steuerhinterziehung, die nicht als Kavaliersdelikt durchgehen dürfe. Auch kritisierte er, dass Manager auch dann noch Millionen-Abfindungen erhielten, wenn sie Unternehmen heruntergewirtschaftet hätten. Es sei schon bedenklich, wenn die Aktien eines Konzerns stiegen und das Management gleichzeitig Menschen in die Arbeitslosigkeit schicke. "Nicht nur Eigentum verpflichtet, es muss der Grundsatz gelten: 'Kapital ist sozialpflichtig'", sagte er der "Bild am Sonntag".

Die SPD kritisierte, die Jagd nach maßlosen Spitzenrenditen führe zur Zerstörung gesunder Betriebe und als sicher geltender Arbeitsplätze. "Dem muss durch neue Regeln Einhalt geboten werden", heißt es in einer Erklärung, die das Parteipräsidium am Montag verabschieden will.

Milieu des Manager-Feudalismus

Der DGB forderte die Offenlegung aller Managerbezüge. "Ich sehe einen neuen Managerfeudalismus, in dem sich eine bestimmte Manager-Gruppe völlig von dem Leben der normalen Bürger abkoppelt", sagte DGB-Vorstandsmitglied Dietmar Hexel der "Rheinischen Post". Der Gesetzgeber sollte auch prüfen, wie er verhindern könne, dass Unternehmen im Ausland Firmen nur zum Zweck der Steuerersparnis gründeten.

Auch der saarländische Ministerpräsident Müller forderte eine Verschärfung der Gesetze zur Manager-Kontrolle. "Die Selbstverpflichtung der Wirtschaft im Rahmen der Corporate Governance muss weiter intensiviert werden." Dabei müssten gesetzliche Maßstäbe geprüft werden, sagte er der "Welt am Sonntag".

Abstimmung

Stichwort: Manager-Feudalismus. Gelten für die Eliten noch die Gesetze?

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KOMMENTARE (10 von 53)
 
Martin142 (17.02.2008, 18:11 Uhr)
Steinbrück-Skandal und Zumwinkel-Affäre
@bernie-abg "Zur Klarstellung"
Deine Meinung, der Staat dürfe ruhig den Verbrecher spielen, kann ich so nicht teilen.
Wer für Datendiebstahl bezahlt, macht sich zum Mittäter eines 'Datendiebstahls' nach § 202a StGB. Mit bis zu drei Jahren Knast wird das bestraft.
Wenn der Staatsanwalt das Fernsehen zu Hilfe ruft, statt selber richtig zu ermitteln, so riecht das nach Verletzung des Steuergeheimnisses - § 355 StGB. Bis zu zwei Jahre Knast gibt es dafür - ganz abgesehen davon, dass ein solches Verhalten ein starkes Indiz dafür ist, dass dem Staatsanwalt wohl die Beweise fehlen.
Wer hier durchgreifen will, darf also nicht nur den Hernn Zumwinkel 10 Jahre lang wegsperren, sondern muss den Staatsanwalt und den Herrn Steinbrück gleich noch für zwei bis drei Jahre dazu setzen.
Natürlich werden sich die drei Herren genügend Ausflüchte einfallen lassen, warum sie die Grenze der Strafbarkeit noch nicht überschritten haben.
Gerade da liegt in meinen Augen jedoch das eigentliche Problem. Offenbar leben wir in einem Staat, wo Moral wenig gilt und jeder (Herr Zumwinkel ebenso wie der Staatsanwalt und Herr Steinbrück zumindest vor der Hamburg-Wahl) meint, er dürfe alle Gesetzeslücken bis zur Grenze der Strafbarkeit und vielleicht noch ein wenig darüber hinaus ausschöpfen.
Ich denke daher, es ist höchste Zeit für eine Neubesinnung, eben Gesetze, bei denen der normale Mensch noch nachvollziehen kann, dass seine Steuern eine gerechter Beitrag für eine bessere Zukunft unserer Kinder sind
Martin Berger
Peamter (17.02.2008, 15:27 Uhr)
Alles Heuchler
Warum ist es in Deutschland nicht möglich Kommentare zu veröffentlichen, welche im Detail den Ausgabenwahnsinn aufführt, denn dieser für zu den Abgabenlasten und danach die Schwarzarbeit, Steuerhinterziehung und Firmenabwanderung verantwortlich. Dies hat doch nichts mit Rassismus zu tun. Ich versuch doch nicht irgendwelche Lügen zu veröffentlichen
mister-mister (17.02.2008, 15:11 Uhr)
Ich könnte mir vorstellen,..........
...............daß die Mailboxen bei den ermittelnden Behörden jetzt übers Wochenende ziemlich vollaufen mit Selbstanzeigen etc. Faxpapier dürfte langsam auch aufgebraucht sein. Die Medien werden's sicher sehr genau verfolgen - jetzt sind sie ja sensibilisiert - und es werden sicher interessante Namen die Runde machen.
Die nächsten Wochen dürften nachrichtentechnisch recht interessant werden.
"Spitze des Eisbergs" hat einer meiner Mitstreiter geschrieben. Stimmt genau. Und es sollten ruhig noch ein paar Mios ausgegeben werden, um an das Datenmaterial auch anderer dskreter Landesbanken zu kommen. Kein Problem damit - das wäre richtig gut und sinnvoll investiertes Geld, was vielfach wieder zurückkommen kann.
Und dann freue ich mich auf die Diskussion auch hier im Forum, ob man beim Kürzel BRD das "B" weiterhin "Bundes-..." oder "Bananen-..." zu lesen hat.................
Peamter (17.02.2008, 15:04 Uhr)
Kommentare
Es ist schwierig in deutschen Medien Kommentare abzugeben, wen es dem bösen Nachbarn nicht gefällt. Es lebe die Meinungsfreiheit
bernie-abg (17.02.2008, 12:43 Uhr)
Zur Klarstellung...
...darf der Staat Daten aus illegaler Quelle verwenden? Darf er für Informationen aus solchen Quellen bezahlen?
Ja,er darf!
Ist z.B. ein Mittel im Kampf gegen den internationalen Drogenhandel.
Schon seltsam, daß diese Ermittlungsweise jetzt wo einigen "der Arsch auf Grundeis geht" Protest hervorruft.
Im übrigen müssen Staatsanwaltschaften bereits ermitteln, wenn nur der Verdacht besteht, es könnten Daten, welche kriminelle Machenschaften aufdecken, im Umlauf sein.
Im Ausland kann dazu auch der BND eingesetzt werden.
In diesem Fall hat aber wohl der BND zuerst Kenntnis von den mutmaßlichen kriminellen Machenschaften erhalten, und hat sich völlig korrekt an die zuständigen Behörden gewandt. Sonst hätte man dem BND vorwerfen können eine Straftat zu decken.(Ob der das in anderen Fällen tut, sei mal dahingestellt)
Die zuständigen Behörden haben dann entschieden, ob und wieviel für die Daten bezahlt werden kann. Die Rechnung hat bis auf weiteres der BND übernommen, ein erstaunlich unbürokratischer Vorgang, aber im Hinblick auf Zeit und Geheimhaltung vermutlich sinnvoll.
flashback02 (17.02.2008, 12:25 Uhr)
Dubai und Co.
Die wirklich Cleveren sitzen bereits im Flieger nach Dubai, auf dem Weg zum Häuschen auf Palm Island. Dorthin wo das Geld zu guten Konditionen und vorbei am Fiskus angelegt ist, wo man im Luxus leben kann und wo man an kein Land der Erde für welches Verbrechen auch immer ausgeliefert wird.
ganzbaf (17.02.2008, 11:58 Uhr)
Nostradarmus...
absichtsvoller Ahnungsloser... ;-Pp
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Die politischen Finanzverbrechen, wie z.B. Staatsverschudlung u.a., sind direkt und indirekt ebenfalls im Bereich Wirtschaft und Privatvermögen anzusiedeln!
Oder weas meinst du, an wen hauptsächlich die Zinsen und Zinseszinsen der über 1.500 Milliarden Euro SV hinwandern, wer also am meisten davon profitiert? Und mit wessen Geldern Politik geschmiert wird?
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Stell dich mal nicht dümmer, als unbedingt notwendig.
Es geht hier mitnichten nur um "Peanuts" oder "Ablenkungsmanöver", sondern eher noch darum, dass das was jetzt bekannt wird eh nur die Spitze des Eisberges ist...
Was meinst du, wer noch alles Milliarden verschoben hat, nur eben nicht nach Luxemburg, sondern nach Lichtenstein, Monaco, Schweiz, Nassau etc pp!
Das Gesamtmaß an Verbrechen unserer lieben "Geld-Elite" ist sicher noch um den Faktor 10 größer, mein Lieber... ;-P
ganzbaf (17.02.2008, 11:42 Uhr)
Es gibt Parallelen zur Weimarer Zeit

Massenarbeitslosigkeit bei hohen Unternehmergewinnen, politische Zerstrittenheit, die mangelnde Solidarität und der grundsätzliche Mangel und Bereitschaft bei den Überbegüterten die angehäuften Vermögen angemessen in die Gesellschaft zu resozialisieren!
Nein, es muß immer mehr und NOCH viel mehr werden, selbst mit kriminellen Methoden, auch wenn ganze Bevölkerungsteile darunter leiden müssen.
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Nicht von ungefähr haben daher die Gründerväter/Mütter unseres Grundgesetzes für die Zukunft die passenden "sozialistischen" Artikel 14/15GG nicht vergessen!
Dumm nur, wenn Politik trotz dringlicher Lage keinerlei Anzeichen zum Gebrauch dieser äußerst weisen und nützlichen Werkzeugen machen will.
Mit dem bekannten Resultat, dass das Gros an Rationalisierungseffekten der letzten JAHRZEHNTE an Reiche und Superreiche ging und Deutschland mittlerweile das Land mit der höchsten Millionärsdichte aller Flächenstaaten der Welt ist(!) - bei gleichzeitiger Verarmung einer immer breiter werden Schicht und vermehrter Chancenlosigkeit.
Ein Problem, das mittlerweile Millionen Menschen betrifft, auch wenn diese Leute oft unsichtbar bleiben.
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Und dies alles ist schlicht das Resultat eines „Verteilungsproblems"! Änderbar über entsprechende Steuererhöhungen (für besonders Reiche/leistungslose Einkommen), höhere Einkommen und kürzere Arbeitszeiten für die Werktätigen und nötigenfalls auch über Transferleistungen. Und dafür muß Politik sorgen! Z.B. auch wegen Art. 14/15 GG!
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Globalisierung darf keine Ausrede für organisiertes Verbrechen mehr sein.
Wenn die EU den Wanderheuschrecken und Vermögensverschiebern keinen Riegel vorschieben kann, Austreten aus dem Verein!
Nostradamus (17.02.2008, 11:41 Uhr)
@unheilig: Flieht ihr Narren..
der Narr bezog sich auch auf ein Zitat.
Wer lesen kann ist klar im Vorteil. Da haste recht. Das war mehr ein stilistisches Mittel.
Im Übrigen sagte es Gandalf zu seinen besten Freunden.
Wer CDU/CSU und SPD wählt ist jedenfalls ein Narr. Die gesamte Aktion ist nichts weiter als ein von oben gesteuertes Ablenkungsmanöver um die öffentliche Debatte und ihre Aufmerksamkeit vom größten Finanz- und Politskandal aller Zeiten, von 60-80 Mrd. vernichtetem Kapital abzulenken, die zu den ohnehin 30 Mrd. jährlicher Steuerverschwendung hinzukommen.
Da sind so ein paar böse Millionäre, die ein paar Brosamen verschwendet haben, so man denn den Fall entsprechend aufbauscht, (erst hat Zuminkel 10 Mio. Illegal im Ausland kassiert, jetzt ist es eine Mio. und in zwei Wochen wird man feststellen....ooooopppsss das alles war ein Schuß in den Ofen.).
Im Übrigen darf die Staatsmacht nicht zu kriminellen Handlungen anstiften. Tut sie dies sind die Beweise wenig wert.
Daran ist der Staat bereits beim NPD Verbotsverfahren gescheitert.
Nicht alles was sich manch Beamter und Politiker im Hinterstübchen ausdenkt hat eine größere Halbwertzeit als ein Wochenmagazin.
Hier wird vom Totalversagen der deutschen Polit- und Beamtenelite abgelenkt. Die daraus folgenden gesellschaftlichen Gesamtkosten, insbesondere der immaterielle Schaden, sind gewaltig.
Die Frage die sich jeder auch materiell stellen sollte ist doch auch die, ob es gut war Zumwinkel aus dem Job zu vertreiben, einen 6 Mio. Euro per anno Steuerzahler zu verlieren und jemanden, der bei der Post einen robusten Aufschwung gebracht hat durch fragwürdige Personen zu ersetzen und das alles für glatte 200.000 Euro.
So handeln nur Schwachmaten.
ganzbaf (17.02.2008, 11:30 Uhr)
Na, z.B. ungefähr so, wie Wahlen im Allgemeinen stattfinden, bester Dirk... (-;

und zwar geheim, alle ca. 3 Monate - in allen Bankschaltern und Postfilialen, gegen Vorlage des Personalausweises!
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Die Themen und Ausformulierungen der Abstimmungsvorlagen könnte eine unabhängige Komission übernehmen, auf Grundlage eines Volksabstimmungsforums mit Online-Umfragen und Diskussionsforum, an dem sich jeder Bürger beteiligen kann.
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Einen Kanzler (und Parteien) brauchen wir dann glücklicherweise nicht mehr, nur noch Ministerien (mit direkt gewählte Personen), Beamte und andere asuführende Organe, sowie einen Bundespräsidenten zum Repräsentieren. Als rein formelles Staatsoberhaupt... :~)
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