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16. Februar 2008, 15:45 Uhr

Millionen für Bankdaten

Die Ermittlungsbehörden haben nach "Spiegel"-Informationen rund fünf Millionen Euro für die Liechtensteiner Bankdaten bezahlt. Beim Amtsgericht Bochum sollen inzwischen insgesamt 900 Durchsuchungsbeschlüsse gegen 700 mutmaßliche Steuersünder erwirkt worden sein.

Viele Prominente werden diese Marke in den nächsten Tagen zu sehen bekommen© Gero Breloer/DPA

Das Geld stamme vom Bundesnachrichtendienst (BND), berichtet das Nachrichtenmagazin in seiner neuen Ausgabe. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) sei in die Transaktion eingeweiht gewesen. Unterdessen befürchtet die Politik durch die Affäre mit dem Rücktritt des Post-Chefs Klaus Zumwinkel einen Ansehensverlust für die soziale Marktwirtschaft. Die SPD-Spitze will schärfere Strafen für Steuerhinterzieher verlangen.

Dem "Spiegel" zufolge zahlten die Ermittler die Millionen an einen Informanten, der sich Anfang 2006 beim deutschen Auslandsgeheimdienst gemeldet habe. Die Staatsanwaltschaft Bochum äußerte sich dazu nicht. "Wir haben die Daten von der Finanzverwaltung", sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Bernd Bienioßek.

Auch einen Bericht des Magazins "Focus", wonach die Bochumer Staatsanwälte Anfang der Woche Durchsuchungen bei weiteren prominenten Millionären mit den Schwerpunkten Köln und Düsseldorf planen, wollte Bienioßek nicht kommentieren. Nach Angaben des Sprechers geht es um ein "Umfangsverfahren" mit einer Vielzahl von Fällen, es gebe Hinweise auf Steuerhinterziehung von mehreren hundert Personen. Die genaue Zahl nennt die Staatsanwaltschaft nicht.

Skandal ungeheuren Ausmaßes

Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" wurden beim Amtsgericht Bochum insgesamt 900 Durchsuchungsbeschlüsse gegen 700 mutmaßliche Steuersünder erwirkt. Es gehe um insgesamt 3,4 Milliarden Euro. Die Bundesregierung riet zu Selbstanzeigen. Nach den Worten eines Steinbrück-Sprechers wird gegen "sehr viele" bekannte und weniger bekannte "Leistungsträger" ermittelt. In Regierungskreisen war am Freitag von "tausenden" Verdächtigen die Rede. Die Ermittlungen waren mit der Razzia bei Zumwinkel am Donnerstag bekanntgeworden.

In der politischen Diskussion schlägt die Steueraffäre unterdessen immer höhere Wellen. Vertreter von Politik, Wirtschaft und Kirchen appellierten an die Eliten des Landes, ihrer Verantwortung für das Gemeinwohl gerecht zu werden. Die SPD bringt zudem härtere Strafen für Steuerhinterziehung ins Gespräch. Es müsse geprüft werden, ob die bisherige Höchststrafe von zehn Jahren Freiheitsentzug noch ausreiche, heißt es in einer der dpa vorliegenden Erklärung, die die SPD-Führung an diesem Montag in Hamburg verabschieden will.

Empörung über Gier-Mentalität

Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) sagte der "Bild am Sonntag", die deutschen Manager müssten sich "ihrer Vorbildfunktion für die Gesellschaft bewusst werden. Andernfalls wird unsere soziale Marktwirtschaft unglaubwürdig". Er fügte hinzu: "Dann würde unser Land zum Übernahmekandidaten für die Linke."

SPD-Chef Kurt Beck sagte der Münchner "Abendzeitung" (Samstag): "Da bleibt einem die Spucke weg. Dass Leute, die Millionen verdienen, den Rachen offenbar noch immer nicht voll kriegen, das ist ein neuer Fall von unglaublicher Chuzpe und Gier." SPD-Fraktionschef Peter Struck warnte am Samstag im RBB-Inforadio, ein solches Verhalten stärke "die politischen Ränder links und rechts".

Der neue Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, hielt Leuten wie Zumwinkel im SWR (Samstag) "amoralisches Verhalten" vor. Mit schärferen Gesetzen könne man aber bei Steuerhinterziehung nicht viel machen. Entscheidend werde sein, das öffentliche Bewusstsein dafür zu schärfen, was sich gehöre und was nicht.

DPA

 
 
KOMMENTARE (10 von 17)
 
x-cube (18.02.2008, 07:17 Uhr)
scheinheilig
Heute morgen wurde bekannt das die weiteren Durchsuchungen im Raum Köln stattfinden werden. Na dann wünsch ich den Steuerfahndern viel Glück. Vielleicht sollten Sie noch die ganzen Adressen veröffentlichen damit die betroffenen noch schneller reagieren können. Die haben Sicherlich schon alles belastende Material vernichtet bzw. umgelagert. Anstatt die Durchsuchungen geheim zu halten posaunt der BND alles aus. Nach der Harz hetze wird jetzt als Alibi ein bissel nach den "Reichen" geschaut. peinlich . .
Rainhelt (17.02.2008, 08:02 Uhr)
Na dann...
sehe ich endgültig schwarz. Wenn Leute mit der Aussage "Arbeiten lohnt sich nicht, ich bezieh Geld lieber vom Staat", zur ELite gehören dann gute Nacht.
appaz (16.02.2008, 21:27 Uhr)
@ Rainhelt
Ihre „Argumente“ lassen darauf schließen, dass Sie für die mutmaßlichen Täter mindestens Verständnis aufbringen. - Dies allein schon disqualifiziert Sie aus rein ethisch-moralischer Sicht!
Warum vor allem bringen Sie hier vollkommen unnötigerweise den Begriff „Sozialismus“ in‘s Spiel? - Er ist in dieser Diskussion von anderer Seite nicht gefallen und hat mit der Sache auch nicht das Allergeringste zu tun!
Schmarotzer und Parasiten hat bislang noch jede Gesellschafts- und Staatsform hervorgebracht! - Und ich gebe zu bedenken, dass dieses Ungeziefer immer (!) den sog. Eliten zugehörte; unabhängig davon, ob man das jeweilige Regime als eher „links“ oder „rechts“ bezeichnen konnte.
Auch für den vorliegenden Zusammenhang bedeutet dies, dass es immer und ausnahmslos (!) die „Eliten“ sind, die gesellschaftliche Systeme zu ihrem eigenen Nutzen - notfalls bis zu deren Zusammenbruch - (teils gnadenlos!) ausbeuten.
Und insofern ist es nicht nur das Recht, sondern sogar die PFLICHT der betreffenden Organe der jeweiligen Gesellschaft, Täter, die dem Allgemeinwohl erheblichen Schaden zufügen, in angemessener Form zu bestrafen. - Und unter „angemessener“ Strafe kann hier nur ausgedehnter Freiheitsentzug gemeint sein!
Rainhelt (16.02.2008, 18:44 Uhr)
Polemik?
Genau das möchte ich nicht!
bernie-abg (16.02.2008, 18:38 Uhr)
@Rainhelt...
...wenn ich so polemisch wäre wie Sie, würde ich sagen Sie wünschen sich eine Feudalherrschaft mit absoluter Straffreiheit für die Machthaber, hatten wir schon , nannte sich DDR.
Rainhelt (16.02.2008, 18:15 Uhr)
Also fasse ich Zusammen:
Die Kommentatoren wollen offensichtlich zurück zum Sozialismus, in dem jeder jeden anschwärzt und alles kontrolliert und überwacht wird.
Wie oft muß der Sozialismus eigentlich noch beweisen, dass er nicht funktioniert?
Zum heuelen!
ecomoc4u, sie waren offensichtlich weder in Cuba, noch in Russland, noch in Venezuela! Da ist gar nichts toll!
ecomoc4u (16.02.2008, 17:39 Uhr)
Nur Mut wenn du dich traust
Rainelt, was verschweigt du denn ?. Welche Daten versteckst du, damit diese nicht an die Öffentlichkeit geraten. Und gleichzeitig nennst du Leute die dazu beitragen Verbrechen aufzudecken Diebe. Wo ist denn dein Beitrag zu dieser Gesellschaft. Wenn alle so denken wie du, armes Deutschland. Loyale Ordnung wie du sie definierst gab es viel im Dritten Reich. Deine Aussage taugt rein gar nichts. Im Gegenteil, du verwirrst die Menschen mit deinen Aussagen. Beweis mir das Gegenteil...
Pamela_1971 (16.02.2008, 17:38 Uhr)
@ Rainhelt
"Und Pamela, was ist da bitte eine schwere Straftat? Schwerkriminell?"
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=> Siehe AO, § 370, Absatz 3, "besonders schwere Fälle".
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"Dann ist jeder, der jemals etwas "schwarz" gemacht oder machen lassen hat auch ein Schwerverbrecher? Schließlich ist das auch Steuerhinterziehung!"
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=> Unsinn. Schwarzarbeit ist etwas völlig anderes. Hier jedoch geht es um schwere Straftaten, die mit Freiheitsstrafe von 6 Monaten bis zu 10 Jahren bestraft werden (§ 370, III AO). Es kommt dabei vor allem auf den Umfang an. Genau so wie es nicht das selbe ist, ein Kaugummi in einem Supermarkt zu klauen, oder einen Juwelierladen auszuräumen, gibt es auch in diesem Falle himmelweite Unterschiede.
ecomoc4u (16.02.2008, 17:29 Uhr)
Kapitalfaschisten
Diese gierigen Kapitalfaschisten sind nicht schuld. Schuld sind die normalen Bürger dieses Landes. Immer wurden nur minimale Strafen erlassen. Immer wurden Gesetze nicht erweitert, so wie jetzt auch. Nur durch einen kleinen Banker, durch Zufall, sind wir an die Daten gekommen. Es wäre doch sonst wieder alles beim alten. Nee Leute, wir sind schuld, weil wir nichts dagegen tun, frei nach dem Motto, "Keine Macht dem Bürger". Im Gegenteil, wir springen auf den Jewish/American Zug in der Wallstreet, nur um alle paar Jahre immer wieder verarscht zu werden. Wieviel waren es diesmal. 40 Milliarden oder 90 Milliarden. Ich weiss es nicht. Bevor man die grossen Bosse verurteilt, müssten alle grossen Banker erstmal über die Klinge springen. In diesem Sinne, wünsche ich mir einen Held wie Putin oder Chavez. (Castro ist leider schon zu alt).
sininen (16.02.2008, 17:22 Uhr)
Wie niedlich!
Die SPD will die Höchststrafe (10 Jahre) erhöhen! Als ob jemand wie Herr Zumwinkel JEMALS zu irgendeiner "Höchststrafe" verurteilt würde (und die Damen und Herren von der SPD das nicht wüssten - aber was tut man nicht alles um seine Umfragewerte zu verbessern?!). Bin mal gespannt, wie hoch diesmal der DEAL vor dem Gericht wird...
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