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22. Februar 2008, 17:43 Uhr

Stehen Ex-Abgeordnete auf der Liste?

Der Steuerskandal weitet sich möglicherweise aus. Laut einem Zeitungsbericht sollen sich Abgeordnete des Bundestags auf der Liste jener mutmaßlichen Steuersünder befinden, die Geld nach Liechtenstein geschafft haben. Die Staatsanwaltschaft Bochum hat bereits ausgeschlossen, dass es sich bei den Betroffenen um derzeitige Parlamentarier handelt.

Angeblich sind auch Bundestagsabgeordnete in den Steuerskandal verwickelt© Miguel Villagran/AP

Die Steuersünderdateien aus Liechtenstein sollen auch Namen mehrerer Bundestagsabgeordneter enthalten. Möglicherweise sind sie aber bereits aus dem Parlament ausgeschieden. Nach einem Bericht in der Samstagausgabe der "Berliner Zeitung" sollen sich drei Parlamentarier der FDP und einer der Union darunter befinden. Koalitionskreise bestätigten der Presseagentur DPA am Freitag entsprechende Hinweise. Widersprüchliche Informationen gibt es darüber, ob auch zwei SPD-Abgeordnete betroffen sind.

Offenbar keine derzeitigen Parlamentarier betroffen

Mit Blick auf den Bericht über die Verstrickung von Abgeordneten verwies die in der Steueraffäre federführende Staatsanwaltschaft in Bochum auf Anfrage auf ihre für Dienstag angekündigte Zwischenbilanz. Der "Süddeutschen Zeitung" sagte Oberstaatsanwalt Hans- Ulrich Krück: "Es stehen keine Ermittlungen gegen aktive Bundestagsabgeordnete bevor." Bei den Ermittlungen gegen 700 beschuldigte Anleger habe sich kein Hinweis auf derzeit im Bundestag sitzende Abgeordnete ergeben. "In keinem Falle ist die Aufhebung der Immunität beantragt worden oder geplant." Ähnlich äußerte er sich gegenüber dem Berliner "Tagesspiegel". Eine Immunitätsaufhebung wäre Voraussetzung für förmliche Ermittlungen gegen aktive Abgeordnete. Dem Bundestag lagen nach Angaben der Pressestelle keine Hinweise darauf vor, dass derzeitige Parlamentarier betroffen sein könnten.

FDP-Fraktion weiß von nichts

Die FDP-Fraktion erklärte in einer Mitteilung: "Uns ist von derartigen Vorwürfen nichts bekannt." Eine Sprecherin der Fraktion von CDU und CSU sagte auf Anfrage: "Der Fraktion liegen darüber keine Informationen vor." Auch die CDU als Partei hatte nach eigenen Angaben keine Hinweise.

Erster und bisher prominentester enttarnter mutmaßlicher Steuersünder ist der inzwischen zurückgetretene Post-Chef Klaus Zumwinkel. Die Steueraffäre war durch Daten der liechtensteinischen LGT-Bank ins Rollen gekommen, die der Bundesnachrichtendienst (BND) erhalten hatte. Mehrere hundert vermögende Deutsche sollen über liechtensteinische Stiftungen Steuern hinterzogen haben. Die Bundesregierung drängt Liechtenstein zu einer Änderung der Finanzpraxis.

Merkel will Monaco rügen

Auch beim Besuch von Fürst Albert II. von Monaco am Mittwoch in Berlin will die Kanzlerin deutliche Worte finden, wie Vize-Regierungssprecher Thomas Steg sagte. Von Monaco erwarte Deutschland, dass es Grundsätze der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) akzeptiere. Die OECD hat neben Liechtenstein Monaco und Andorra ebenfalls als unkooperative Steueroasen eingestuft. Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) sagte, zwar würden vor allem international abgestimmte Lösungen angestrebt. Es müsse aber auch auf bilateraler Ebene über Maßnahmen nachgedacht werden, "die zu einer gewissen Belastungsprobe führen können", bekräftigte er am Donnerstagabend im ZDF. Vorstellbar sei, alle Transaktionen einer Berichtspflicht oder alle Überweisungen aus Deutschland nach Liechtenstein einer Quellenbesteuerung zu unterwerfen. Denkbar wären auch Berichtspflichten von Banken bei solchen Überweisungen.

Staatsanwälte hoffen auf zweite Liste

Der Präsident des Liechtensteinischen Bankenverbands, Michael Lauber, sagte in Vaduz: "Die Lösung liegt im Kompromiss. Man muss sich in der Mitte treffen, aber der Finanzplatz wird sich anpassen." Der bei der EU-Kommission zuständige Generaldirektor des Europäischen Amtes für Betrugsbekämpfung, Franz-Hermann Bücher, bescheinigte Liechtenstein, mit den EU-Behörden gut zusammenzuarbeiten.

Inzwischen wird in Deutschland auch gegen Treuhänder aus Liechtenstein wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung ermittelt, wie die Bochumer Staatsanwaltschaft bestätigte. Die Steueraffäre könnte noch größere Dimensionen annehmen: Die Staatsanwaltschaft Rostock hofft, von einem dort in anderer Sache inhaftierten mutmaßlichen Erpresser weitere Daten deutscher Kunden liechtensteinischer Banken zu erhalten. Am Donnerstag und Freitag gab es Razzien der Steuerfahnder auch im Raum Augsburg.

DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 41)
 
H.P. (24.02.2008, 13:28 Uhr)
Die Reichen haben mehr Möglichkeiten und das ist der feine Unterschied.
@Natürlich ist der Steuersatz hoch und kompliziert in Deutschland, aber diese Leute haben Millionen gerafft, die Steuer tut also nicht weh.################################
Die Reichen haben mehr Möglichkeiten und das ist der feine Unterschied.
Prof. Lorenz Jarass, Wirtschaftswissenschaftler: "Der einzige, der in Deutschland noch nennenswert Steuern und Abgaben bezahlt, ist der deutsche Arbeitnehmer mit normalem Einkommen. Er bezahlt Sozialabgaben, er bezahlt Lohnsteuer und er bezahlt erheblich Verbrauchssteuern. Er subventioniert sozusagen den Export seines eigenen Arbeitsplatzes."
http://www.wdr.de/tv/monitor/beitrag.phtml?bid=672&sid=126
ganzbaf (24.02.2008, 12:05 Uhr)
Die "Wirtschaftexpertenpartei"...

natürlich ganz vorne mit dabei, pfui-ui !... ;-PP
.
Wie UNLÖBLICH, meine Damen, meine Herren.
lollus (24.02.2008, 08:25 Uhr)
Volksvertreter ?
Das geht gar nicht...
herbst24 (23.02.2008, 16:06 Uhr)
Merkel "rügt"...
... na toll - wird DAS aber eine Wirkung haben !! Bestimmt genauso wie bei Liechtenstein, das sie ja "ermahnt" hatte : man möge "aufhören" , Deutsche zur Steuerhinterziehung zu ermuntern --- DU DU - Mama hat ein Machtwort gesprochen - ab jetzt schön brav sein - gel ??
Wär' es nicht angebrachter bzw. viel dringender, die Anzahl der Steuerfahnder endlich zu erhöhen ???
2500 auf 80 Millionen Bürger -- ist das nicht lächerlich ?? (Schließlich waren Hartz IV-Kontolleure ruck-zuck 4000 im Einsatz !!)
auenschwob (23.02.2008, 15:46 Uhr)
Raffzähne
Und genau diese Raffzähne und Verbrecher sind es, die hart arbeitenden Menschen keinen Mindestlohn gönnen.
Kandel (23.02.2008, 13:19 Uhr)
Traurig
Die Lichtenstein-Affaire zeigt eigentlich nur eines: Es gibt eine neue Asozialität in Deutschland. Um die kennenzulernen muß man nicht nach z.B. Berlin-Neu Köln, sondern in die Villenviertel der Großstädte. Natürlich ist der Steuersatz hoch und kompliziert in Deutschland, aber diese Leute haben Millionen gerafft, die Steuer tut also nicht weh.
Sozialschmarozer dieser Art sind besonders schlimm, sie nutzen alle Annehmlichkeiten die durch die mehrheitlich hartarbeitenden ehrlich Steuer bezahlenden Mitbürger möglich gemacht wird (z.B. Autobahn, Gesundheitssystem, etc,.).
Dewerth (23.02.2008, 09:28 Uhr)
Wenn man...
...den ersten, fettgedruckten Absatz des Artikels genau und langsam durchliest, sieht man, wie spekulativ der Stern arbeitet. Möglicherweise, laut Zeitungsbericht, mutmaßlich. Das sind die Fakten, mit denen hier Journalismus betrieben wird. Und wenn dann die Staatdanwaltschaft derzeitige Täter im Abgeordnetenkreis ausschließt, macht der Stern schnell ehemalige abgeordnete aus, die es dann gewesen sein sollen. Und schon wird wieder ein Artikel draus. Und schon schießen die Spekulationen bei den Kommentaren hier ins Kraut. Hysterie pur. Ihr macht euch alle lächerlich.
chatman53 (23.02.2008, 03:59 Uhr)
Ex-Abgeordnete auf Steuerdatei?
Gewisse Zweifel wegen der massiven Versuche von "Guido 18%" die Steuerhinterzieher-DVD bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit zu diskreditieren, hatte ich von Anfang an. Hab mir dann aber immer wieder gesagt, das ist eigentlich nicht vorstellbar, aber in diesem Lande scheint wirklich gar nichts mehr unmöglich zu sein.
Leider werden jetzt mit Sicherheit alle Hebel in Bewegung gesetzt, dass diese Namen nicht öffentlich werden. Vielleicht sollten die Ermittler eine große Anzahl Sicherheitskopien der DVD herstellen und verdammt gut verstecken.
Freebirdo (23.02.2008, 00:52 Uhr)
uiui
Diese überwiegende Intoleranz gegenüber unseren Volksvertretern irritiert mich. Es sind doch immer Wahlen alle vier Jahre. Wenn Sie wirklich unzufrieden sind, dann machen Sie doch Ihre Stimme ungültig, anstatt das kleinere Übel zu wählen. Wenn wir uns doch einmal einig wären, dann könnten wir unseren Lobbyparteien mal zeigen, wo der Hammer hängt. Oder anders: Wenn der Herr Schäuble weiterhin die Grundrechte unserer Verfassung aushöhlt, dann gibt uns die Verfassung auch das Recht gegen diesen Akt wider der Grundlage unseres Staates zu opponieren. Viele Leute warnen vor den DKP-Mitgliedern, die die Stasi zurück haben wollen, aber wer warnt vor dem Erich Mielke Nachfolger, der jetzt Innenminister ist?
master_of_chaos (22.02.2008, 23:09 Uhr)
Bestensverdiener..
Da in erster Linie "Bestensverdiener" ihr Geld ins Ausland transferieren, sind SELBSTVERSTÄNDLICH auch ein paar unserer Volksverräter danei. Nicht alle , dazu reicht deren Intelligenz nicht.
Nur dummes Zeug von sich geben reicht eben nicht immer um noch mehr Kohle zu machen.
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