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3. Januar 2010, 20:24 Uhr

Koalition geht zänkisch ins neue Jahr

"Gespensterdebatte" um einen zweiten Vizekanzler, herbe Kritik an der Kanzlerin und anhaltender Streit um Steuersenkungen: Die schwarz-gelbe Regierungskoalition gibt sich zu Beginn des neuen Jahres zänkisch. Vizekanzler Westerwelle sieht dennoch keinen Grund für Kritik am Erscheinungsbild der Regierung.

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Es läuft nicht rund in der Koalition: Vizekanzler Guido Westerwelle, Kanzlerin Angela Merkel© Sean Gallup/Getty Images

Mit Gezänk und einer "Gespensterdebatte" ist die schwarz-gelbe Koalition ins neue Jahr gestartet. Die CSU warnte die FDP vor übereilten Versprechen milliardenschwerer Steuersenkungen. CSU-Landesgruppenchef Hans-Peter Friedrich warf Kanzlerin Angela Merkel (CDU) mangelnde Führungsstärke vor und sorgte damit für Zwist in der Union. Der FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle ging nach wachsender Kritik aus der Union und den eigenen Reihen zum Angriff über.

Zur kurzlebigen "Gespensterdebatte" wurde ein Vorstoß aus der CSU mit dem Ziel, einen Vizekanzler-Posten für Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg herauszuholen. Der Koalitionsstreit über den Steuerkurs und das Erscheinungsbild von Schwarz-Gelb wurde vor dem Dreikönigstreffen der FDP am Mittwoch und der Klausur der CSU-Landesgruppe in Wildbad Kreuth noch heftiger.

Streit um Steuersenkung schwelt weiter

CSU-Chef Horst Seehofer warnte die FDP vor der Zusage von 24 Milliarden Euro Steuererleichterung pro Jahr ab 2011. "Wir können den Umfang weiterer Steuersenkungen nicht völlig losgelöst von der künftigen Entwicklung der Steuereinnahmen und von der Wirtschaftsentwicklung festlegen", sagte er der "Bild am Sonntag". "Deshalb kann über den Umfang der Steuererleichterungen ab 2011 erst im Sommer auf der Grundlage der aktuellen Steuerschätzung entschieden werden." Die Steuerreform solle in einem Paket verabschiedet werden.

Westerwelle forderte eine "geistig-politische Wende" und beharrte auf zügigen Steuersenkungen. "Wir werden ruhig und unbeirrt an mehr Steuergerechtigkeit arbeiten", sagte der Vizekanzler dem Magazin "Focus" vor dem Dreikönigstreffen seiner Partei. "Jetzt regiert die FDP mit, jetzt wird auch an die Mittelschicht gedacht und an den Mittelstand." Er wies die Kritik am Erscheinungsbild der Koalition zurück. "Ich akzeptiere nicht, wenn schwarz-gelbe Erfolge zerredet werden." FDP-Vize Andreas Pinkwart warnte die Bundesregierung in der "Bild am Sonntag" davor, Glaubwürdigkeit zu verspielen.

CSU fordert von Merkel Führungsstärke

CSU-Landesgruppenchef Friedrich forderte von Kanzlerin Merkel mehr Entschlossenheit. "In der schwarz-gelben Koalition muss sie entschlossener Linie und Kurs vorgeben", sagte er der "Süddeutschen Zeitung". "Sie muss an zentralen Stellen klar machen, was sie möchte." CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe wies diese Kritik umgehend zurück: Man wolle "als Union gut ins neue Jahr starten", sagte er dem "Tagesspiegel". "Überflüssige Gespensterdebatten um Regierungsposten und abwegige Kritik an unserer Bundeskanzlerin sind da nicht gerade hilfreich."

CDU-Vize Annette Schavan kritisierte die CSU. "Das alljährliche Tam-Tam aus Bayern hat die CSU noch nie stärker gemacht", sagte die Bildungsministerin der "Rheinischen Post". Unions-Fraktionsvize Michael Fuchs (CDU) sprach von der "üblichen bayerischen Kraftmeierei vor Kreuth".

Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) rief die Union zu mehr Disziplin auf. "Besser für den Zuhörer ist es, wenn man die gleiche Melodie singt", sagte er dem "Tagesspiegel". Die Koalition habe sich gemeinsam für eine große Steuerreform entschieden, die 2011 in Kraft trete. Der Geschäftsführer der Bundestags-Grünen, Volker Beck, sprach von der Koalition als einem "Hühnerhaufen".

Richtungsstreit bei den Liberalen

Die CSU versuchte am Wochenende, die Vizekanzler-Debatte schnell zu stoppen. "Die neue Regierung ist noch keine drei Monate im Amt. Schon deswegen ist das eine Gespensterdiskussion", sagte Seehofer der "Bild am Sonntag". "Die Bürger erwarten von uns jetzt keine Diskussion über Posten, sondern dass wir unsere Arbeit machen." Die CSU-Politiker Hans-Peter Uhl, Norbert Geis und Christa Matschl hatten sich sich zuvor in der "Bild"-Zeitung für einen Vizekanzler ihrer Partei starkgemacht. Sie bezeichneten Guttenberg als geeignete Wahl. Traditionell gibt es in Koalitionsregierungen nur einen Vizekanzler.

In der FDP brach ein Richtungsstreit aus. Bayerns FDP-Vize Martin Zeil verlangte, die Konsolidierung des Haushalts müsse eine größere Rolle spielen. Hessens FDP-Vorsitzender Jörg-Uwe Hahn kritisierte das Erscheinungsbild seiner Partei in Finanzfragen. Es sei nötig, "zwei, drei Persönlichkeiten zu platzieren, damit uns wieder Kompetenz abgenommen wird", sagte er dem "Spiegel". Sachsens FDP-Chef Holger Zastrow sagte, die FDP müsse jetzt beweisen, "dass wir nicht nur Opposition, sondern auch Regierung können".

DPA
 
 
KOMMENTARE (9 von 9)
 
ganzbaf (04.01.2010, 08:49 Uhr)
Das Geld für die "Mittelschicht"...

kann (ja) nur von der "Oberschicht" kommen?!
Gratuliere zu dieser "geistig-politische Wende", Herr Westerwelle ;-.P

Oder meinte uns Guido am Ende doch nur die Schicht zwischen Überbegütert und Megabegütert...? ;-D
endbenutzer (04.01.2010, 08:08 Uhr)
Es gibt keinen....
...Posten Namens "Vizekanzler". Ist das schon mal jemandem aufgefallen? Davon abgesehen halte ich diese Bundesregierung bereits jetzt für abgehalftert. Wäre Westerwelle in der Opposition, würde er wohl bei jeder Gelegenheit "Neuwahlen" rufen..
Gaffelfall (04.01.2010, 07:05 Uhr)
Deutschland der Besserverdienenden
Jetzt tanzen alle Puppen,
macht auf der Bühne Licht
macht Musik bis der Schuppen
wackelt und zusammenbricht.

Skillet4 (04.01.2010, 00:38 Uhr)
Okay Admin
Das war aber nur ein Personalvorschlag. Selbstverständlich wollte ich Herrn Professor Sinn damit nicht beleidigen, der einem unabhängigen Institut vorsteht.
Westerwelle fordert also eine ?geistig-politische Wende?, die ihren Ausdruck in zügigen Steuersenkungen finden soll. Diese Vergünstigung soll offensichtlich der sogenannten Mittelschicht, bzw. dem sogenannten Mittelstand in erster Linie zugute kommen.
Im Prinzip klingt das in Ordnung. Fragt sich angesichts der Verschuldung des Staatshaushalts allerdings, welche Schicht, bzw. welcher Stand dafür aufkommen soll.
Unterhalb geht ja wohl kaum noch. Und oberhalb?
Welch ein Vorhaben ? allein, mir fehlt der Glaube.
Prologo (04.01.2010, 00:16 Uhr)
@knilch_59, 22.23,
Die Union hat nicht nur von der schlechten Arbeit der SPD von den letzten vier Jahren provitiert. Die Union hat vor allem von den Verwerfungen Schröders mit der Agenda 2010 der SPD davor!!!--- provitiert.

Die SPD war einfach zu dämlich, die Union dafür mitverantwortlich zu machen. Die SPD hat die Drecksarbeit gemacht, und leider allein die Quittung dafür erhalten.

Aber nun steht die Union ohne die SPD alleine da. Nun muss die Merkel plötzlich zeigen, was sie drauf hat. Dazu hat die Merkel noch einen Wunschpartner, der sich nur mit der Einhaltung von illosorischen Wahlversprechen profilieren will.

Das Merkel diesen Spagat niemals hinkriegt, das haben die CDU/CSU Granden jetzt endlich gemerkt. Denen schwimmen die Felle mit Merkel davon.
Die CSU kam als erster aus der Deckung.
Die Botschaft ist, Merkel kann es nicht!

Und Rüttgers, Koch und Wulf und Konsorten beraten schon, wie sie Merkels Tod unbeschadet überleben können.

MfG,
T.
jomimo (03.01.2010, 23:26 Uhr)
Tja, knilch59 , ich Würstchen werde Ihre Frage wohl
kaum beantworten können, jedoch einen Vorschlag haben darf ich ja als da wäre:
Offensichtliches Lafontaine und Gysi - Bashing seitens BURDA + SPRINGER + BERTELSMANN werden künftig geahndet , ja richtiggestellt sofort und der/die Journalist/in welche sich noch trauen aufzuklären, bekommen einen hohen Preis. Niemals Bambi etc., das ist nahezu inflationär, ich meine einen WIRKLICHEN Preis ohne ARD + ZDF.
kalaehne (03.01.2010, 23:14 Uhr)
Allein die FDP kennt die Lösung der Finanzprobleme !
...In der FDP sorgt die man sich um das Erscheinungsbild der Koalition und erkennt nicht, daß man mit einseitigen Entscheidungen und realitätsfernen Plänen wesentlich zur Verschlechterung des Erscheinungsbildes beiträgt.

Dabei ist die Lösung vieler Probleme nach Auffassung der FDP einfach : Wenn Städten und Gemeinden demnächst noch mehr Gelder fehlen werden, dann wissen die Liberalen sehrwohl, woher das Geld kommen soll : Neue Gemeindesteuern auf der Grundlage eines neuen Hebesatzrechtes. Das fordert die FDP in ihrem Wahlprogramm 2009 ( Seite 8 ).

Ein Finanzexperte der FDP im Bundestag, der vom angesehenen Handesblatt als " Rechenkünstler " bezeichnete Abgeordnete Thiele aus Osnabrück, hat mir die Sache mit den Gemeindesteuern bestätigt und das Vorgehen zudem als Erweiterung des Handlungsspielraumes für Stadt- und Gemeinderäte zu verkaufen versucht.

Weshalb also die Aufregung, denkt man in der FDP, hat man doch die Lösung : So sollen für die Leistungen in Städten und Gemeinden viele Bürgerinnen und Bürger mehr zahlen, weil die Koalition aus CDU / CSU / FDP im Bund Steuererleichterungen und Subventionen für bestimmte Gruppen beschließt.

Können Bürger und Bürgerinnen zusätzlichen Steuern vor Ort nicht erbringen, dann müssen sie eben auf kommunale Leistungen verzichten, das scheint Auffassung in der FDP zu sein. So ist wohl auch ein weiterer FDP - Spitzenmann im Bundestag , Herr Fricke aus Krefeld, der sich bei Anne Will auch über die Zahl der Schwimmbäder in der Großstadt Wuppertal wunderte, zu verstehen ...

Ich meine, wird die FDP nicht bald gebremst , dann geht nicht nur die Sozialpartnerschaft in Deutschland weiter den Bach herunter...
Juergen Kalaehne, Bgm a. D.
knilch_59 (03.01.2010, 22:23 Uhr)
Könnte es sein, dass der CDU/CSU schlicht die Regierungsfähigkeit fehlt?
Die SPD hat zwar die Prügel für die konsequent schlechte Arbeit der vergangenen 4 Jahre einstecken müssen, aber könnte es sein, dass das nicht so ganz fair war? Dass das Versagen in Wahrheit zu gleichen Teilen bei Rot UND Schwarz zu suchen ist?
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Das würde in der jetzigen Koalition automatisch dazu führen, dass der Blinde den Lahmen führt. Dass sich eine CDU für ihr Versagen bestätigt fühlen MUSS und deshalb glaubt, mit der FDP bessere Politik gestalten zu können. Nur - wofür steht die FDP? Noch nicht mal deren Landesverbände tragen das mit, was die eigenen Bundespolitiker rausposaunen! Die realsatirische Spaßpartei ist staatstragend geworden, ein Irrwitz der Geschichte. Da hätten wir wirklich besser Horst Schlämmer genommen.
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Nur - jetzt haben wir den Salat: erst wird gewählt, dann wird gequält. Jetzt gibt es nur 2 Optionen: entweder zu überlegen, wie wir dieses Pack außerplanmäßig loswerden oder eine brauchbare Idee, wie wir es doch noch schaffen, wenigstens minimale Kompetenz in die Regierungsverantwortung zu bekommen.
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Gute Ideen gesucht ...
Bayernstammler (03.01.2010, 21:13 Uhr)
Ein Käfig voller Narren
Mehr fällt mir dazu eigentlich nicht ein. Was hat sich Deutschland da zusammengewählt.
Eines ist ganz deutlich zu merken:

In der großen Koalition waren die Sozialdemokraten der bessere Partner, hat eindeutig mehr Positives auf den Weg gebracht, war die zuverlässige Konstante in der großen Koalition.
Wer das nicht erkennt, hat keinen Verstand.
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