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1. Februar 2010, 13:47 Uhr

Regierung plädiert für den Kauf

Kanzlerin Merkel und Finanzminister Schäuble wollen die CD mit Daten von mutmaßlichen deutschen Steuersündern wenn irgend möglich kaufen. Auch wenn die Schweiz heftig protestiert: Lässt es die Rechtslage zu, wird der Bund die geforderte Millionen-Summe wohl zahlen.

Steuersünder-CD, Schäuble, Schweiz, Liechtenstein, HSBC

Die CD mit Daten deutscher Steuerflüchtlinge könnte dem Staat rund 100 Millionen Euro in die Kasse spülen© Oliver Berg/DPA

Im Kampf gegen Steuerhinterziehung hat Kanzlerin Angela Merkel (CDU) den Fiskus zum Kauf der gestohlenen Bankdaten aus der Schweiz aufgefordert. Es müsse alles versucht werden, um an die von einem Informanten zum Preis von 2,5 Millionen Euro angebotenen Steuersünder-Daten heranzukommen. Die Schweiz protestierte und will im konkreten Fall den deutschen Behörden keine Amtshilfe leisten.

Merkel sagte am Montag in Berlin: "Vom Ziel her sollten wir, wenn diese Daten relevant sind, auch in den Besitz dieser Daten kommen." Bedenken - auch in ihrer eigenen Partei - wies sie zurück. Jeder vernünftige Mensch wisse, dass Steuerhinterziehung geahndet werden müsse, betonte die CDU-Chefin.

Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sagte, der Staat stecke in einem Dilemma. Ein Kauf sei rechtlich aber vertretbar. Das hätten Gerichte in der vergleichbaren Liechtenstein-Affäre bestätigt.

"Das sind wir den ehrlichen Steuerzahlern schuldig"

Der Schweizer Finanzminister Hans-Rudolf Merz kündigte an, dass sein Land auf Basis gestohlener Kundendaten nicht kooperieren werde. Der Kauf illegaler Daten sei in der Schweiz verboten, deren Verwendung verletze die Privatsphäre der Kunden, sagte Merz in Bern nach einem Gespräch mit Schäuble.

Außenminister Guido Westerwelle (FDP) rief als "ein Freund der Schweiz" das Nachbarland auf, bei der Steuerbetrug-Bekämpfung mit der EU zusammenzuarbeiten. Der FDP-Chef sagte: "Steuerkriminalität ist ein Angriff auf die fleißigen Menschen, die anständig Steuern zahlen und nicht mal eben den Weg ins Ausland machen können." Vor einem Kauf müsse es aber eine strenge Prüfung geben.

CSU-Chef Horst Seehofer ermunterte die Behörden: "Ich bin dafür, dass wir alles rechtsstaatlich Mögliche tun, um Steuersünder zu identifizieren. Das sind wir schon allein den ehrlichen Steuerzahlern schuldig", sagte er der "Bild"-Zeitung. Auch aus Sicht der Grünen müssen die Behörden keine Skrupel haben. Es seien die Schweizer Banken, die Hehlerei betrieben, weil sie Deutschen Steuerbetrug ermöglichten.

Der Informant bietet dem Fiskus Bankdaten von bis zu 1500 Deutschen an. Sie sollen Millionensummen an der Steuer vorbei auf Schweizer Konten geschleust haben.

Finanzministerium tendiert zum Kauf

Das Finanzministerium hatte am Montagmorgen erklärt, man wolle sich bei der Entscheidung auf der Linie der Liechtenstein-Steueraffäre bewegen. Diese spielte Anfang 2008. Damals hatte Ex-Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) mit den zuständigen Ländern grünes Licht gegeben, für bis zu fünf Millionen Euro gestohlene Daten zu deutschen Steuersündern im Fürstentum über den Geheimdienst BND zu kaufen. Auch der frühere Post-Chef Klaus Zumwinkel flog dabei als Steuerhinterzieher auf.

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur (DPA) prüfen federführend die Steuerbehörden in Nordrhein-Westfalen gemeinsam mit den Experten des Bundes die Rechtslage. Auch in Schleswig-Holstein soll es Fälle geben. Eine erste Stichprobe des Materials soll fünf Verdächtige als Steuersünder überführt haben, die jeweils etwa eine Million Euro Steuern nachzahlen müssten. Insgesamt könnte dem Staat ein Steuersegen von etwa 100 Millionen Euro winken.

DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 23)
 
Aquarius2 (02.02.2010, 20:33 Uhr)
Immer gleiche Maßstäbe ?
Würde die Diskussion auch so emotional geführt, wenn es sich um eine CD mit Daten über Schwarzarbeit von Reinigungskräften oder Hartz IV-Missbrauch von Altenpflegern handeln würde?
Ich glaube nicht, denn dann würde Einigkeit bestehen: Kaufen!
ella1964 (02.02.2010, 12:55 Uhr)
Der wahre Grund für den geplanten Kauf ....
... dürfte sein, dass möglicherweise Merkel, Schäuble und mindestens noch Kauder bzw. Parteien selbst in den Daten auftauchen.

Der Werteverfall hat einen vorläufigen Tiefpunkt erreicht wenn hier Unrecht mit Unrecht begegnet wird.

Abscheulich, lächerlich ist das Verhalten unserer Verantwortlichen da oben.

Wie wäre es mal mit Entbürokratisierung, Entföderalisierung, Entrümpelen des Steuerdschungels etc.....

Nö, machen die lieber nicht weil man dazu Durchhaltevermögen und mehr als 1 graue Zelle braucht.

Einmal mehr ist bewiesen in welchem Unrechtsstaat / Bananenstaat wir leben wenn das Einzige was Politiker können darin besteht, in dann immer kürzeren Abständen dubiose CDs von dubiosen Gaunern gekauft werden.
MeisterYoda (02.02.2010, 12:13 Uhr)
CD kaufen find ich gut
Die Botschaft ist damit klar. Liebe Bürger Deutschlands, sehts in Zukunft auch locker und kauft eure Zigaretten beim Vietnamese an der Ecke und eure Handys auf dem Autobahnparkplatz beim freundlichen, fliegenden Händler. Da gibts gute Preise und wo das Zeug herkommt spielt keine große Rolle.

Und die Botschaft an die Bankräuber und die, die es werden wollen, wenn ihr eine Bank überfallt, lasst das Geld liegen und nehmt die Festplatten mit. Dafür gibts dann die Sofortrente vom Staat.

und als kleiner Trost für die, die versucht haben ihr Geld unversteuert zu retten. machts wie Wolle Schäuble, sagt einfach bei der Anhörung, dass ihr total vergessen habt, dass da noch Geld liegt. Das sollte dann für einen Freispruch reichen. Wolle hat dafür sicher Verständnis, kann ja mal passieren.
adiee (02.02.2010, 11:14 Uhr)
Daten kaufen?
Ein Rechtsstaat sollte auch auf der rechtssicheren Seite sein und nicht seinerseits durch illegale Qualitäten glänzen.

Das Problem ist an anderer Stelle anzufassen:
1.)Wenn es den tausende von Steuerflüchtlingen gibt, ist die Frage erlaubt was die Finanzämter den ganzen Tag tun.Bei mir kennt das Finanzamt jeden Cent!
Warum gelingt es so vielen Geld zu haben von dem das Finanzamt nichts weis?
2.) Wenn diese Steuerflüchtlinge sich bekanntermaßen in Lichtenstein aufhalten, hat der Staat Lichtenstein diese Rechtsbrecher nicht zu dulden und ausnahmslos die Daten zu liefern.
Die USA bezeichnen schließlich auch andere Staaten als Schurkenstaaten.
Lichtenstein deckt auch Schurken und ist damit dem deutschen Staat verantwortlich.
Wenn hier korrekt gehandelt werden würde, gäbe es auch keine CD-Verkäufer.
buchen74722 (02.02.2010, 09:33 Uhr)
Hallo Merkel, wolle kaufe ???
Habe auch Namen: Ermisch, Ropers, Schmidt, Zoller, Breesen,, Ackermann, Bänzinger u.v.m.

Wollen Sie die Liste kaufen Frau Merkel Preis 100 Millonen Euro...aber bitte Bar...nehmen keine Schecks von der Regierung....
horstb (02.02.2010, 09:18 Uhr)
Bieterwettstreit der Parteien um CD (Ein Szenario)
Während die Regierungsparteien diskutieren, ob ein Ankauf der Steuerbetrüger-CD moralisch vertretbar ist, richtet die SPD auf Druck ihrer Basis ein Spendenkonto zum Kauf der CD ein, um diese dann der Bundesregierung zur Strafverfolgung zu übergeben. Parallel lässt sie juristisch prüfen, wie der Verkäufer verpflichtet werden kann, die Daten kein zweites Mal zu verkaufen.

Von diesem Vorhaben erfährt die FDP und richtet auch ein Spendenkonto ein. Sie geht davon aus, dass sie nicht die gleiche Anzahl der Spender erreichen wird, aber die Summe dennoch eher zusammen bekommt.

Hiervon erfährt die PDS und lässt prüfen, ob sich vielleicht das alte SED-Vermögen in der Schweiz befinden könnte. Parallel fällt sie die Entscheidung, zumindest einen Teil-Ankauf der Daten aus eigenen Mitteln zu stemmen, um schon einmal die die Verfolgung der schwersten Fälle beginnen zu können.

Von diesem Vorhaben erfährt die Kanzlerin und reklamiert ihr Vorkaufsrecht. Sie erkennt die Möglichkeit des selektiven Vorgehens wie im Fall Liechtenstein (und Lichtinghagen). Nun kann in bedächtiger Vorgehensweise jeder Fall in Ruhe aufgearbeitet werden, auch wenn es viel Zeit kosten wird.
Alexander0815 (02.02.2010, 08:56 Uhr)
Das Frau Merkel ...
... mit dem Kauf und der Verwendung von illegal erworbenen Daten kein Problem hat, dürfte doch nicht wirklich verwundern.

Man muss sich doch nur mal ihre Vergangenheit ansehen, dann weiss man, wo sie herkommt und was dort üblich war.
Ereichle (02.02.2010, 08:09 Uhr)
Wozu leisten wir uns Gerichte?
das für diesen Spezialfall zuständige Gericht - höchste Instanz - sollte doch wohl in der Lage sein zu sagen welche Vorgehensweise zulässig ist. Dann herrscht wenigstens Rechtssicherheit für alle Beteiligten und Betroffenen.
Watschdog39 (02.02.2010, 06:10 Uhr)
Da hat jemand
angeregt, der "Stern" solle die CD kaufen.
Ich bin auch dafür!!!
Wie aus der Vergangenheit bekannt haben auch einige unserer Parteien s.g. Schwarzgeldkonten in der Schweiz unterhalten. Das wäre doch der Knüller, wenn die auch auf der CD wären.
allesklar (02.02.2010, 06:09 Uhr)
Es scheint nur die Spitze des Eisberges zu sein.
CD von nur einer Bank in Zuerich.

Anfaenger. Wer wirklich schlau sein will - fliegt zwar nach Zuerich - aber nimmt dann das Auto - faehrt zu einer kleineren Bank in einer Kleinstadt und laesst die das Geld
bei einer Bank in Zuerich anlegen.

Geldueberweisungen dann nach Mailand - ueber Innsbruck - auf eine Kleine Volksbank in Deutschland - Voila!

das nennt man auch Geldwaesche - hab ich mal gelesen...
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