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3. Februar 2010, 06:54 Uhr

Schäuble rät zur Selbstanzeige

Fest steht: Die Bundesregierung will die Steuersünder-CD erwerben. Finanzminister Wolfgang Schäuble rät den Betroffenen zu einem letzten Ausweg zurück in die Legalität.

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Die mutmaßlichen Steuersünder mit Konten in der Schweiz sollten sich selbst anzeigen, rät Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hat deutschen Besitzern von Schweizer Geheimkonten zur Selbstanzeige bei den Finanzämtern geraten. Im Zusammenhang mit dem von der Bundesregierung beabsichtigten Kauf einer CD mit gestohlenen Schweizer Bankdaten sagte der CDU-Politiker der "Augsburger Allgemeinen": "Ich kann nur jedem, der meint, dass er in der Vergangenheit Steuern hinterzogen haben könnte, den Rat geben, das Angebot in unserer Abgabenordnung zur Selbstanzeige zu nutzen."

Auch Unions-Fraktionschef Volker Kauder appellierte an Inhaber versteckter Auslandskonten, sich zu offenbaren. Schon nach der Liechtenstein-CD sei klar gewesen, dass weitere CDs auftauchen würden, wenn der Staat zahle, sagte der CDU-Politiker dem "Kölner Stadt-Anzeiger". "Für die Steuersünder kann dies nur bedeuten, jetzt reinen Tisch zu machen."

Ein Informant hat der Bundesregierung eine Datensammlung von bis zu 1500 Deutschen angeboten und verlangt dafür 2,5 Millionen Euro. Die Behörden wollen jetzt zügig das Geschäft abschließen. Letzte rechtliche Fragen werden von den nordrhein-westfälischen Finanzbehörden zusammen mit dem Bund geprüft.

Ankauf bleibt umstritten

Schäuble verteidigte den umstrittenen Ankauf der offensichtlich illegal beschafften Daten. Er verwies darauf, dass in den fast 200 Prozessen nach der Liechtenstein-Affäre kein einziges Gericht die damals gekauften Kontodaten als Beweismittel verworfen habe. Ähnliche Geschäfte gehörten in anderen Bereichen zum Alltag der Strafverfolgungsbehörden. Auch das Bundesverfassungsgericht habe in vielen Fällen derartiges Vorgehen gebilligt.

Der Präsident des Bundes der Steuerzahler, Karl Heinz Däke, verurteilte den geplanten Ankauf der Steuersünder-Datei. "Wenn der Staat die Daten kauft, schließt er einen Pakt mit einem Straftäter", warnte er in der "Passauer Neuen Presse". Im Fall Liechtenstein seien die Dinge anders gelegen. Da habe der Bundesnachrichtendienst gekauft. Im aktuellen Fall gehe es darum, dass ein Straftäter der Bundesrepublik direkt die Daten anbiete. Der stellvertretende Bundesvorsitzende der Deutschen Steuer-Gewerkschaft, Thomas Eigenthaler, sprach sich hingegen für den Ankauf aus. "Die Dinge sind verhältnismäßig und stehen im Lot", sagte er im TV-Sender Phoenix.

Der Unions-Mittelstandsvorsitzende Josef Schlarmann warnte in n- tv, der Ankauf der Steuersünder-CD würde den Rechtsstaat gefährden. Der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Joachim Poß griff in dem Sender die Schweiz scharf an. "Die Schweiz bunkert seit Jahrzehnten Diebesgut. Dass ist doch unstreitig", sagte er. Poß fordert zudem ein härteres Vorgehen gegen Steuersünder. "Bei einigen ist ja wohl der Steuerspartrieb stärker ausgebildet als der Sexualtrieb", sagte er.

Österreich signalisiert Interesse an CD

Österreich erhofft sich von der Deutschland angebotenen CD mit Daten von Steuerbetrügern auch Hinweise auf Sünder im eigenen Land. Sollte es Hinweise darauf geben, dass sich auf der CD auch Informationen über Steuerflüchtlinge aus Österreich befinden, habe Wien großes Interesse an einer Auswertung, sagte ein Sprecher des Finanzministeriums der Zeitung "Der Standard". Ankauf wie Auswertung wären in Österreich legal, heißt es von der Behörde.

Erwirbt Deutschland die CD und findet darauf Hinweise auf Österreicher, ist es laut Ministerium zur Amtshilfe verpflichtet und muss die Daten weitergeben. Einen ähnlichen Fall gab es bereits: Im Zuge der Liechtensteinaffäre tauchten auf der von den deutschen Behörden erworbenen CD die Namen von rund 170 Österreichern auf. Die Deutschen gaben die Daten weiter, die Beschuldigten wurden im Alpenland vor Gericht gestellt.

DPA/Reuters
 
 
KOMMENTARE (10 von 42)
 
Ermatrans (05.02.2010, 08:39 Uhr)
An Joachim Poß
Bei einigen deutschen Politikern scheint der Steuerverschwendungstrieb stärker ausgeprägt zu sein als der Sexualtrieb. Wo sollen die bis zu 400 Mio. Steuernachzahlungen aus dem rechtlich äusserst fragwürdigen CD-Kauf gehen - direkt in die HRE oder eine andere marode Landesbank als Abfindung für versagende Bankmanager? Die 400 Mio. sind weit weniger als 0.5 % von dem, was Landesbanken verzockt haben. Es wäre also viel wirkungsvoller gewesen, den Banken mit entsprechenden Gesetzen auf die Finger zu klopfen. Ausserdem muss die Steuermoral niedrig sein, wenn wie von der Diletantenvereinigung BayernLB und CSU bayerisches Steuergeld nach Österreich verschafft wird, dabei Reiche 160 Mio. Euro verdienen und in Kärnten Rechtspopulisten mit bayerischen Steuergeldern in den den Händen die Wohltäter geben. Hinzu kommt noch, dass in DE einer Finanzminister ist, der schon einmal vergessen hat, dass er 100 000 DM in der Schublade liegen hat, die er von Karl-Heinz Schreiber angenommen hat.
also_ne... (03.02.2010, 14:38 Uhr)
@ wassire (03.02.2010, 14:26 Uhr)

dürfen Sie. Nur müssen Sie es dem Deutschan Staat angeben und nicht am Fiskus vorbei direkt in die Schweiz bringen.


@ masterplumer (03.02.2010, 14:21 Uhr)
@ all

erstaunlich, wie sich alle mit den Steuerhinterziehern solidarisieren!
Was ist daran Hehlerei, wenn D die Daten-CD kauft? Die CD ist nicht gestohlen, also nicht verboten. Daten an sich können nicht gestohlen werden, also keine Hehlerei. Natürlich darf / muss die DatenCD gekauft werden und zur Verfolgung der Steuerhinterzieher benutzt werden.
Der einzige, der etwas strafbares getan hat ist der ehem. Bankangestellte.
Also manche haben echt ein merkwürdiges Un-/Rechtsbewusstsein!
s.t.e.f.a.n (03.02.2010, 14:29 Uhr)
Freie Marktwirtschaft!
Hätte ich mehr als 2,5 Millionen hinterzogen, würde ich ein öffentliches Gebot von 3 Mio Euro ausschreiben. Der Deal ist dann nach unserem Staat auch rechtens ;)
Zusätzlich würde ich ein Spendenkonto einrichten, aufdem alle "betroffenen" Steuersünder mir eine freiwillige Unterstützungsspende zukommen lassen könnnen.
Wenn nur jeder 5% seiner hinterzogenen Spenden spenden würde, wäre die ganze Sache auch noch höchst lukrativ.
wassire (03.02.2010, 14:26 Uhr)
habgieriger Schäuble
Schäuble sollte die Steuerhinterziehung und die dubiosen Geldmachenschaften der CDU vollständig aufdecken und aufklären bevor er andere Menschen zur Kassen bitten lässt.Es sollte die menschliche Freiheit sein,sein Geld dort sparen und anlegen zu können wo er es will.Man sollte nicht vergessen,es sind CDU Politiker die Steuern hinterzogen haben,es ist die CDU mit dubiosen Konten.
ESELSDRIEVER (03.02.2010, 14:26 Uhr)
keine schlechte Idee..
romeodelta (03.02.2010, 10:55 Uhr)
@Stern
wie wäre es, wenn Ihr die CD kaufen würdet? dann den Inhalt ohne Gnade veröffentlichen. Der Staat könnte dann die Steuern eintreiben, eure Auflage schnellt in die Höhe und alle wissen, wer dran war - Gerechtigkeit ;-))
....................................................................
denn bei den Hitler-Tagebüchern hat es ja auch geklappt.Ging zwar in die Hose,aber was solls.
vombromsberg (03.02.2010, 14:25 Uhr)
mal ganz einfach....
....auf wdr 2, kabarett am dienstag, lief gestern gegen 11.00 uhr, volker pispers anhören..."kriminelle", dann ist allen alles klar!
masterplumer (03.02.2010, 14:21 Uhr)
Daten CD
Natürlich darf der Staat die geklauten Daten nicht kaufen! Damit stellen sich Schäuble und Co auf die gleiiche Stufe wie der Datendieb.
Dennoch werden diese Leute diesen Rechtsbruch begehen, warum?...
Weil wir uns schon lange vom Rechtsstaat verabschiedet haben.
Spätestens seit vorigem Jahr, wo per "Gesetz" das Freikaufen von Verbrechen geregelt wurde. Nutznießer
sind diejenigen, die sich durch kriminelle
Machenschaften bereichert haben und nun einen kleinen Teil dieser ergaunerten Millionen in einem Deal mit dem Staatsanwalt (Staat) wieder hergeben und sich von ihrer gerechten Strafe freikaufen, unter anderen eben auch Steuersünder. Diejenigen denen wir mit unserer Stimme die Möglichkei gegeben haben, Gesetze und Verordnungen zu erstellen, mißbrauchen diese Macht immer öfter um die heute geltenden Grundrechte und Freiheiten und rechtsstaatliche Grundwerte von uns allen Stück für Stück zu stehlen. Dafür gibt´s viele Beispiele.
(Angstmache im Flugverkehr, immer höhere Strafen für Bagatellen im Staßenverkehr, Zugriffsmöglichkeiten von jedem Mitarbeiter eines Amtes auf persönliche Daten ohne die betroffene Person zu informieren usw. )
Die DatenCD ist sicher auch auf rechtskonforme Weise zu bekommen, per verdeckte Ermittler vielleicht. Wenn´s dann auch noch ohne das öffentliche Geschrei durchgezogen wird, ist das Ergebnis für den Fiskus das Gleiche.
status-quo-fan (03.02.2010, 14:16 Uhr)
SCHWACHMAT
@SpringbokCT

Ärger Dich nicht über kunoo: Schwachmat bleibt Schwachmat!

Größeren Schwachsinn hab ich noch selten gelesen!
also_ne... (03.02.2010, 14:12 Uhr)
@ peterpan1001 (03.02.2010, 11:47 Uhr)
also ich habe Ihren Link nicht vollständig angeschaut.
Was mir aber sofort aufgefallen ist, dass es sich auf Österreich und nicht auf Deutschland bezieht.
Und, dass auf der ersten Seite gleich behauptet wird:
"Das heißt von der erarbeiteten Leistung muß gleich einmal die Hälfte an den Staat
an Lohnnebenkosten ( Arbeitgeber und Arbeitnehmeranteil ) abgeführt werden."
Peterpan, schauen Sie mal auf Ihren Lohnzettel, wohin das Geld geht! Versicherungen, DRV, VL, Kirche, Soli... Bei mir geht nicht so viel direkt als Stuern an den Staat. Aber vielleicht arbeiten Sie ja woanders, vielleicht bekommen Sie (k)/einen anderen Lohnzettel.
SpringbokCT (03.02.2010, 14:06 Uhr)
> kunoo (03.02.2010, 11:51 Uhr)
Sie sprachen wiederholt von "legaler Steuerhinterziehung, die Möglichkeiten aufzuzählen würde nach Ihrer Meinung hier den Rahmen sprengen, davon würde eine ganze Branche von Steuerberatern leben.

Dazu ein Beispiel: Kleiner Manager, 100.000 Euro Jahresgehalt, St-Klasse 1.
Jetzt erzählen Sie uns mal, wie der Steuern sparen kann. Eine Möglichkeit reicht, sie müssen keine "Tausend" aufzählen.

Steuerberater verdienen übrigens hauptsächlich ihr Geld, in dem sie für Firmen Bilanzen erstellen und nicht direkt mit der Steuerberatung. Alleine diese Behauptung zeugt von Ihrem weltfremdem Sozialneid.
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