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Gauland: "Die AfD wird Merkel jagen"

Es ist eine Zäsur in der Geschichte der Republik. Erstmals seit über 50 Jahren wird mit der AfD eine Partei rechts der Union in den Bundestag einziehen. Union und SPD stürzen ab. Merkel kann Kanzlerin bleiben. Erste Reaktionen der Politik auf das Wahlergebnis.

Alexander Gauland (AfD)

Nach ihrem voraussichtlichen Einzug als drittstärkste Kraft in den neuen Bundestag hat die AfD starken Druck auf Bundeskanzlerin angekündigt. "Wir werden Frau Merkel jagen", sagte Spitzenkandidat Alexander Gauland. Die Partei wolle sich "unser Land und unser Volk zurückholen".

Björn Höcke (AfD)

Der Thüringer AfD-Landesvorsitzende Björn Höcke bezeichnet das Ergebnis seiner Partei bei der Bundestagswahl als historisch. "Das ist ein überragendes Ergebnis. Ich bin überglücklich", sagte Höcke am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur in Erfurt. Mit Blick auf den Einzug seiner Partei in den Bundestag sagte er: "Wir werden mehr Meinungspluralismus erleben im Bundestag, wir werden eine lebendige Demokratie erleben durch die AfD." 

Horst Seehofer (CSU)

Horst Seehofer fordert die SPD auf, nach der Bundestagswahl zu Gesprächen über eine Regierungsbildung offen zu sein. "Ich glaube, verantwortliche Demokraten müssen sich zusammensetzen und sondieren, ob eine Regierung möglich ist - das sind wir unserem Land schuldig" sagte Seehofer. "Wir können jetzt nicht am Wahlabend erklären, wir reden gar nicht miteinander." Man wolle versuchen, ein "konservativ-liberales Programm für die nächsten Jahre zu zimmern", sagte Seehofer. "Aber die CSU wird keine falschen Kompromisse eingehen, die die Spaltung des Landes zementieren."

Angela Merkel (CDU)

Angela Merkel bezeichnet den Einzug der AfD in den Bundestag als "große Aufgabe". Sie wolle die Wähler der AfD zurückgewinnen, sagte sie. Die Union habe auf ein besseres Ergebnis gehofft als die erzielten rund 33 Prozent, räumte Merkel ein, betonte aber gleichzeitig: "Wir haben einen Auftrag eine Regierung zu bilden."


Martin Schulz (SPD)

"Es ist ein bitterer Tag für die Demokratie." Aber: Alle, die uns gewählt haben, wir werden für unsere Prinzipien in der nächsten Wahlperiode kämpfen - auch, wenn uns die Prozentzahl nicht freut." "Das ist eine Zäsur, und kein Demokrat kann darüber einfach hinweggehen." Zentrale Aufgabe der SPD bleibe es, den sozialen Zusammenhalt in der Gesellschaft zu organisieren. Man werde den Kampf für Demokratie, Toleranz und Respekt weiterführen. "Wir sind das Bollwerk der Demokratie in diesem Land."Schulz will trotz der historischen Wahlniederlage Parteivorsitzender bleiben und die Sozialdemokraten in die Opposition führen. 


Christian Lindner (FDP)

FDP-Chef Lindner tritt vor seine Parteikollegen und verspricht: Die letzte Legislaturperiode war die letzte, in der es keine FDP im Bundestag gab.


Katrin Göring-Eckardt (Grüne)

"Wir werden kein einfacher Partner sein", sagte Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt auf der Wahlparty der Grünen. Mit Blick auf mögliche Verhandlungen über ein Regierungsbündnis fügte sie hinzu: "Es werden schwierige Gespräche." Die Grünen würden mit allen Parteien reden außer mit der AfD. "Aber wir reden nicht über alles." Göring-Eckardt mahnte die eigenen Reihen, weiter zusammenzuhalten, um zusammen Verantwortung zu übernehmen. 

Alice Weidel (AfD)

AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel steht bereit, die neue Fraktion im Bundestag gemeinsam mit dem zweiten Spitzenkandidaten Alexander Gauland anzuführen. Das gute Abschneiden der AfD bei der Bundestagswahl sei Auftrag zur politischen Veränderung. "Jetzt müssen wir liefern - und jetzt werden wir liefern." 

Manuela Schwesig und Thomas Oppermann (SPD)

Die will nach der historischen Wahlpleite vom Sonntag in die Opposition gehen. "Wir werden den Oppositionsauftrag der Wähler annehmen", sagte Parteivize Manuela Schwesig am Sonntagabend. Auch Fraktionschef Thomas Oppermann sagte: "Der Platz der SPD ist in der Opposition." Er kenne niemanden in der Partei, der nach dem Ergebnis die große Koalition fortsetzen wolle, sagte Oppermann.

Hubertus Heil (SPD)

SPD-Generalsekretär Hubertus Heil räumt eine "bittere Niederlage" ein und bestätigt: Die SPD steht für eine Große Koalition nicht zur Verfügung und geht in die Opposition.

Sahra Wagenknecht (Die Linke)

Die Spitzenkandidatin der Linkspartei, Sahra Wagenknecht, macht die Große Koalition für das starke Abschneiden der AfD verantwortlich. Von einer Niederlage ihrer Partei will sie nicht sprechen, obwohl sie ihr Ziel, stärkste Oppositionspartei zu werden, nicht erreicht hat.


Dietmar Bartsch (Linke)

Dietmar Bartsch (Linke): "In der AfD sind Rassisten, Leute, die nicht in den Bundestag gehören. Aber wir müssen den Wahlwillen respektieren."

Volker Kauder (CDU)

Die Union habe sich ein besseres Ergebnis gewünscht, zugleich habe man aber die Wahlziele erreicht, sagte Fraktionschef Volker Kauder. CDU und CSU seien stärkste Parteien und stärkste Fraktion geworden. Zudem habe die Union erreicht, "dass wir einen Regierungsauftrag haben und gegen uns keine Regierung gebildet werden kann und Angela Merkel Kanzlerin bleibt".

Reiner Haseloff (CDU)

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff führt die Einbußen der CDU bei der Bundestagswahl auf fehlende Antworten auf Zukunftsfragen zurück. "Es waren nicht die Themen, die existenziell für die Menschen an den Wahlständen eine Rolle gespielt haben. Die wollen wissen, wie es weitergeht. Da haben uns die Antworten an der Stelle insoweit gefehlt, dass wir geschwommen haben", sagte Haseloff. Fragen nach dem Umgang mit Flüchtlingen seien nicht ausreichend beantwortet worden. Gleiches gelte für Fragen zur Zukunft in der Europäischen Union. Haseloff sagte, er erwarte nun keine einfache Regierungsbildung. Er betonte aber auch: "Gegen uns kann keiner regieren."

Wolfgang Kubicki (FDP)

Nach der Absage der SPD an eine neue große Koalition sieht FDP-Vizechef Wolfgang Kubicki in einem Jamaika-Bündnis "keine Selbstverständlichkeit". Nur weil die SPD sich "vom Acker mache", bedeute das nicht, dass die Liberalen "die Ausputzer" seien, sagte Kubicki am Sonntagabend. Neben der großen Koalition ist ein Jamaika-Bündnis aus Union, FDP und Grünen die einzige Regierungsoption.



ivi

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